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Handgemacht

Slackware 8.0 und Debian 3.0 (pre)

01.01.2002 Lernen funktioniert am besten durch Selbermachen – wenn's um Linux geht, zum Beispiel mit Slackware oder Debian.

Da hat man nun SuSE, Red Hat, Mandrake installiert und sich über die schöne bunte Installationsprozedur und die netten GUI-Konfigurations-Tools gefreut. Doch sobald die ersten Fragen auftauchen, kommt die Erkenntnis, mit den Antworten darauf herzlich wenig anfangen zu können. Wer dann beschließt, jetzt erst recht in die Materie einzusteigen, greift am besten zu einer Distribution, die eine/n soviel wie möglich selbermachen lässt – etwa Patrick Volkerdings Slackware-Distribution, auf der übrigens die ersten SuSE-Ausgaben aufbauten.

Slackware 8.0

Die aktuelle Slackware 8.0 basiert auf einem 2.4er Kernel, bringt KDE 2.1.2 und GNOME 1.4 mit, benutzt XFree 4.1.0 und bietet auch sonst eine ausreichend große Auswahl an Software.

Installiert wird sie entweder von lokal erreichbaren Datenverzeichnissen, die den mit rsync von einem Slackware-Mirror gespiegelten Slackware-Dateibaum enthalten, oder von CD-ROMs, deren Images (das bootfähige install.iso sowie die fakultativen extra.iso und sources.iso) zum Download und Selbstbrennen bereit stehen. Wer den ersten Weg geht, muss eine Boot-Diskette von einem – ebenfalls downloadbaren – Disketten-Image erzeugen. Die CDs gibt es auch käuflich zu erwerben.

ZipSlack, eine spezielle Slackware-Ausgabe, lässt sich auf dem freien Platz von FAT(32)-Partitionen installieren, ohne dass Linux-Partitionen angelegt werden müssen. Da sie auf 100 MB Platz findet, eignet sie sich auch als portables Linux-System auf einer Zip-Diskette.

Sobald das Installationssystem gebootet ist, gilt es, das Tastaturlayout anzupassen. Wie bei der gesamten Installation empfiehlt es sich hier, die ausführlichen englischsprachigen Erklärungen gut durchzulesen, denn sie sagen genau, was zu tun ist. Da die Installationsprozedur durchaus gewöhnungsbedürftig ist, sind diese Informationen oft die einzige Möglichkeit, sich vor Fehlern zu schützen.

Anschließend überrascht Slackware mit seiner Folgerichtigkeit: Es geht um administrative Eingriffe ins System, weshalb sich die Benutzerin zunächst als root (wenngleich noch ohne Passwort) einzuloggen hat. Daraufhin bekommt sie einen Shell-Prompt und kann Kommandos eingeben – sinnvollerweise zunächst einmal das Partitionierungs-Tool cfdisk und anschließend setup (Abbildung 1).

Abbildung 2: pkgtool

Hier legt man z. B. mit TARGET die zu benutzenden Partitionen fest, gibt mit SOURCE an, wo sich die zu installierenden Slackware-Pakete befinden, und trifft mit SELECT anhand von Paketserien (etwa: Qt und KDE, Netzwerk-Dienste und -Programme, Emacs, …) eine Vorauswahl. Bei der Software-Installation selbst dürfen Anfänger die Beschreibung zu jedem Einzelpaket aus den gewählten Serien lesen und einzeln entscheiden, während Linux-Gewöhnte schneller mit den menübasierten, aber weniger informativen Methoden sind.

Man mag das Modem, Netzwerk oder LILO einrichten und auch eine Bootdiskette erstellen – wenn es daran geht, das installierte System zu booten, ist das X-Window-System noch nicht konfiguriert, und es gibt auch noch keinen unprivilegierten User. Herauszufinden, dass und wie sich diese Aufgaben mit xfree86setup bzw. useradd lösen lassen, bleibt der neugebackenen Administratorin überlassen.

Eine der Besonderheiten, für die die Einen ihre Slackware lieben und die Anderen sie hassen, ist der fehlende Paket-Manager à la rpm. Damit muss man zwar auf komfortable Informations- ("Query"-) Möglichkeiten zu den Software-Paketen verzichten, nicht jedoch auf ihre saubere Installation und Deinstallation. Die Slackware-tgz-Archive werden mit den Kommandozeilentools installpkg, removepkg und upgradepkg installiert, entfernt bzw. auf den neuesten Stand gebracht. Das Werkzeug pkgtool (Abbildung 2) stellt all dies unter einem Dach bereit.

Abbildung 2: pkgtool

Die zweite Eigenheit ist der Init-Prozess. Während die meisten Distributionen hier mit dem Sys-V-Konzept und seinen Start/Stop-Skripten hantieren, die beim Booten und Runlevel-Wechseln ausgeführt werden, setzt Slackware auf das schnellere Simple-Init. Dabei wird pro Runlevel ein Skript ausgeführt. Da ein solches Skript weitere Skripte aufrufen kann, liegt es im Ermessen der Systemverwalterin, ob sie für Spaghetti-Init-Dateien oder sauber modularisierte Boot-Skripte sorgt.

Debian 3.0 (pre)

Ähnlich wie Slackware Linux ist auch Debian ein eher ungewöhnlicher Vertreter im Bereich der Linux-Distributionen. Vollständig unkommerziell finden sich hier keine Programmpakete, die nicht-freien Lizenzen unterliegen – wer das im Detail nachlesen möchte kann sich den "Debian Social Contract" unter http://www.de.debian.org/social_contract durchlesen.

Debian teilt die Menge der Anwender, die das System ausprobiert haben, in überzeugte Anhänger und überzeugte Gegner – gleichgültig bleibt man gegenüber diesem System in der Regel nicht. Kurz zusammengefasst könnte man die Pro-Argumente als

  • Bestes Paket-Management
  • Höchstmögliche Stabilität der "stable release"
  • Korrekte Free-Software-Philosophie und die Gegenargumente als
  • Einsteiger-feindliche Installation und Konfiguration
  • Mangelnde Aktualität der "stable release"
  • Inkompatibilität mit dem dominierenden RPM-System auflisten. Eine Tatsache ist in jedem Fall, dass das Debian-eigene Paket-Management große Vorteile gegenüber dem von fast allen anderen "großen" Distributionen eingesetzten Red Hat Package Manager (rpm) bringt: Debians Verwaltungs-Tool apt benutzt eine Liste mit Paketabhängigkeiten, mit der beim Versuch, ein Paket zu installieren, automatisch alle von diesem benötigten Pakete mitinstalliert werden. Wo rpm nur warnt, dass ein erforderliches Paket fehlt, zieht sich apt alle passenden Dateien aus dem Netz.

Abbildung 3: Traditionell verwendet man bei Debian konsolen-basierte Verwaltungsprogramme

Eine Paket-Installation von beispielsweise xchat wird damit zur einfachen Eingabe von

apt-get install xchat

und ein vollständiges Distributions-Update lässt sich über

apt-get dist-upgrade

durchführen. Damit ermuntert Debian zu einem gesunden Minimalismus: Wenn es einfach ist, Software nachzuinstallieren, dann kann man von einem minimalen Basissystem einfach alle benötigten Pakete in dem Moment nach installieren, in dem ihr Fehlen bemerkt wird. Debian kann hier übrigens unterschiedliche Installationsquellen verwalten; in einer Datenbank lässt sich eine Reihe von FTP-Servern ebenso eintragen wie ein Satz Installations-CDs.

Abbildung 4: Es gibt auch grafische Frontends für apt – hier eine GNOME-Variante

Von der Buchhandlung J.F. Lehmanns erreichte uns ein Satz mit Installations-CDs der Pre-Relase von Debian 3.0: Diese bietet einen Ausblick auf die für das Frühjahr erwartete, neue "stabile" Version. Zu dem Zeitpunkt wird dann auch das (inzwischen ausverkaufte) CD-Paket neu aufgelegt. Sobald Debian 3.0 fertiggestellt ist, bringen wir einen ausführlichen Test.

Debian 3.0 (pre)

Homepage: http://www.debian.org/
J.F. Lehmann's Box-Version (6 CDs, 49,95 DM; zur Zeit ausverkauft aber ab Januar aktualisiert wieder lieferbar): http://www.lob.de/cgi-bin/work/outputexpert?mode=viewone&titnr=210051571
Download: z. B. ftp://ftp.de.debian.org/debian/dists/woody/
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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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