Film ab!

Noatun und Aviplayer

01.01.2002
Hollywoods Traumfabrik exklusiv auf Ihrem Linux-Rechner ist dank Aviplayer und Noatun kein Wunschtraum mehr.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

MP3-Player gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle, aber was tun, wenn der Lieblingssong nicht nur akkustisch, sondern multimedial als Video daherkommt? In Zeiten von DSL-Flatrates und diversen Peer-to-Peer-Systemen (Qtella, einen passenden Client, haben wir Ihnen in Heft 11/2001 vorgestellt) ist das immerhin keine allzu abwegige Alltagssituation.

Nicht verzagen, Noatun fragen oder besser gesagt anwerfen. Hinter dem etwas schrägen Namen verbirgt sich die bevorzugte KDE-Medienwiedergabe, die standardmäßig die Audio-Formate MP3 und WAV sowie das Videoformat MPEG-1 abspielen kann. Über so genannte Plugins können zudem weitere Formate, zum Beispiel Ogg Vorbis, abgenudelt werden. Der Medienplayer ist Bestandteil des Pakets kdemultimedia (die hier beschriebene Version 1.2.0 gehört zu KDE 2.2.1) und muss von daher nicht separat heruntergeladen und installiert werden.

Auch das Starten fällt leicht: Entweder geben Sie dazu in einer Terminalemulation Ihrer Wahl ein schlichtes noatun & ein, oder Sie feuern den Player über einen Klick im KDE-Startmenü (Multimedia / Medien-Wiedergabe) ab.

Noatun startet erst einmal mit dem so genannten Excellent-("Hervorragend")-Plugin als Benutzeroberfläche (Abbildung 1), da diese Oberfläche von allen die größte Ähnlichkeit zu anderen KDE-Anwendungen aufweist. Wem dieses eher schlichte Outfit nicht behagt, freut sich sicher zu hören, dass Noatun auch über viel abgefahrenere Outfits (wie etwa in Abbildung 2) verfügt.

Abbildung 1: Nicht nur für schlichte Gemüter
Abbildung 2: Noatun im KJofol-Look

Ein neues Aussehen verleihen Sie Noatun über den Menüpunkt Einstellungen / Noatun einrichten. Im daraufhin erscheinenden Fenster entscheiden Sie sich für den Punkt Plugins / Oberflächen und wählen dort das Design Ihrer Wahl per Mausklick aus.

Wenn wir uns schon einmal in der Konfigurationsumgebung befinden, fahren wir gleich mit den Allgemeinen Optionen fort. Auf dem Reiter dieses Namens, der über den Eintrag Optionen zu erreichen ist, legen Sie fest, dass die Wiedergabe automatisch beim Start des Players beginnen soll, oder bestimmen, wie viele Noatuns gleichzeitig laufen dürfen.

Hinter dem Eintrag Young Hickory verbergen sich Konfigurationsmöglichkeiten für den Systembereich der KDE-Kontrollleiste. Dieser befindet sich in der Standardeinstellung links neben der Uhr. Wenn Sie mit der rechten Maustaste auf das entsprechende Symbol klicken (Abbildung 3), erscheint ein kleines Menü (Abbildung 4), mit dem Sie Ihren Medienplayer künftig bequem bedienen können. Über das Plugin legen Sie fest, welches Symbol erscheinen soll und ob Sie an Kurzinfos über das jeweils aktuelle Stück interessiert sind oder doch eher nicht.

Abbildung 3: Noatun-Icon im Systembereich
Abbildung 4: Die volle Kontrolle

In der Voreinstellung sind nicht alle Plugins geladen. Möchten Sie Noatun um weitere Versatzstücke erweitern, können Sie dies jederzeit über den Punkt Plugins / Weitere Plugins tun. Die nachgeladenen Plugins erscheinen dann mit weiteren Konfigurationsmöglichkeiten im schon bekannten Einstellungsmenü. Sobald neue, nicht im Lieferumfang enthaltene Plugins erscheinen, finden Sie sie unter http://noatun.kde.org/plugins.phtml.

Gestückelt

Wie jeder gute Medienplayer verfügt auch Noatun über eine Play- bzw. Stückliste. Da Noatun zum Funktionieren mindestens ein grafisches Benutzerinterface und eine Stückliste benötigt, müssen Sie jedes Mal, wenn Ihnen nach Abwechslung ist, eine neue Benutzeroberfläche bzw. eine neue Playlist laden, bevor Sie die alte löschen können.

Eine neue Stückliste ersetzt dabei automatisch die alte. Dabei können Sie sich die jeweils aktuelle Liste in einem separaten Fenster anzeigen lassen, wenn Sie den Menüpunkt Einstellungen / Stückliste anzeigen anwählen (Abbildung 5). Die Reihenfolge der Stücke lässt sich dann ganz einfach per Drag&Drop abändern.

Haben Sie das Plugin Abspiellisten-Export in HTML nachgeladen, können Sie Ihre Stückliste sogar in eine HTML-Tabelle übertragen. Die Einrichtungsseite erlaubt die Einstellung von Farben, Hintergrundbild und die Aktivierung des Überstreich-Modus, bei dem sich die Farbe einer Verknüpfung beim Darüberfahren mit dem Mauszeiger verändert.

Abbildung 5: Stückchen für Stückchen

Der Equalizer, auf den Sie über den Punkt Einstellungen / Equalizer Zugriff haben, erlaubt es, das abzuspielende Lied mit verschiedenen Sound-Effekten zu manipulieren. Es gibt bereits verschiedene vorbelegte Effekte, die nach Belieben durch eigene Einstellungen ergänzt werden können. An Videos lässt sich derzeit allerdings noch nichts verändern.

Freunde aus der Windowswelt

Mit der Verbreitung von DivX im Internet wird das Format auch für uns Linuxer immer interessanter. Allerdings ist Noatun mit dem Abspielen von DivX-Filmen derzeit noch überfragt, weshalb wir Ihnen mit dem Aviplayer noch einen weiteren Multimedia-Player vorstellen möchten. Sie finden die aktuelle Version unter http://ftp.kde.com/Multimedia/Video/AviPlayer/ oder auf der (schlecht erreichbaren) Homepage des Autorenteams Eugene Kuznetsov, Zdenek Kabelac & Co. unter http://divx.euro.ru/. Streng genommen handelt es sich dabei um eine Applikation sowie eine Bibliothek namens avifile, die für Linux angepasst wurde.

Die Grundidee ist, Win32-Binaries als Plugins einzubinden, um diese für die Wiedergabe zu verwenden. Die avifile-Bibliothek ermöglicht es, die unter Windows funktionierenden avi-Codecs auch unter Linux abzuspielen. Dabei beschränkt sich die Applikation nicht nur auf die verfügbaren avi-Codecs, sondern unterstützt auch andere Formate wie Microsofts MPEG-4 oder Motion JPEG. Laden Sie sich dazu am besten unter http://www.linuxberg.cz/files/binaries-010122.zip die benötigten Dateien herunter. Zwar bieten die Autoren auf ihrer Seite auch eine Download-Möglichkeit an, aber wegen technischer Schwierigkeiten bricht der Download auf diesem Wege meist in der Mitte ab.

Nachdem Sie sich mit den benötigten Päckchen versorgt haben, müssen Sie als root mit dem Befehl mkdir /usr/lib/win32 ein Verzeichnis win32 erstellen. Entpacken Sie die Codecs dann mit einem unzip binaries-010122.zip -d /usr/lib/win32 ins frisch erstellte Directory, und installieren Sie Ihren Aviplayer mittels des Linux-Dreisatzes ./configure; make; make install. Fertig.

Mit der Eingabe aviplay filmihrerwahl.avi feuern Sie nun den gewünschten Film direkt ab. Ein einfaches aviplay ermöglicht es Ihnen, sich alternativ in einem Dialogfenster zur Videodatei Ihres Herzens vorzuklicken. Egal welchen Weg Sie einschlagen, belohnt werden Sie auf jeden Fall mit einem Wiedergabefenster wie in Abbildung 5. Wer den Vollbildmodus bevorzugt, kann jederzeit mit der [Esc]-Taste zwischen Briefmarkengröße und Vollbild umschalten.

Abbildung 6: Linux kann auch DivX

Glossar

Plugins

Ein Programmfragment, das sich als Erweiterung in ein größeres Programm "einstecken" (englisch: "plug in") lässt. Besonders prominente Software mit Plugin-Technik sind neben Noatun Gimp und XMMS.

Ogg Vorbis

Nach der Definition seiner Entwickler ein völlig offenes, nichtproprietäres, gebühren- und patentfreies, komprimiertes Mehrzweck-Audio-Format in hoher Qualität, ähnlich dem derzeit noch bekannteren MP3. Der Name "Vorbis" stammt von der Figur eines amerikanischen Fantasy-Romans.

DivX

Dieser Video-Codec basiert auf dem von der "Motion Pictures Expert Group" veröffentlichten Kompressionsformat MPEG-4. Gegenüber den bisherigen Standards MPEG-1/2 benötigt MPEG-4 nur einen Bruchteil der Speicherkapazität, um eine zufriedenstellende Bildqualität zu erreichen. Wenn man es ganz genau nimmt, stellt das DivX-Format keine Abwandlung des MPEG-4-Formats, sondern einen Hack des auf MPEG-4 aufbauenden ASF-Formats von Microsoft dar. Der MPEG-4-Codec wurde von Microsoft weiterentwickelt und basiert auf der MPEG-2-Technik. Allerdings wird die Bitrate der einzelnen Frames durch stärkstmögliche Kompression erheblich erhöht, so dass die Dateien trotz bester Qualität sehr klein bleiben.

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