Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.01.2002

GNOME für MacOS X

Unter [1] werden seit neuestem CDs mit einer Office-Suite namens OpenOSX Office angeboten. Dabei handelt es sich nicht etwa um OpenOffice, sondern um einige nach MacOS X portierte Gtk- bzw. GNOME-Pakete wie Gnumeric und Abiword. Das Portieren ist vergleichsweise einfach, da unter der bunten Oberfläche von MacOS X ein mit BSD verwandter Unix-Kern namens Darwin arbeitet. Allerdings ist es nicht nötig, die hohen Preise von OpenOSX zu bezahlen, um GNOME unter MacOSX bzw. Darwin zum Laufen zu bekommen: Das Fink Projekt bietet unter [2] wesentlich mehr GNOME-Pakete für MacOS X an - und das kostenlos. Tatsächlich bedient sich OpenOSX sogar an einigen Stellen bei Fink. Ebenfalls eine gute Quelle ist die Seite der GNU-Darwin-Distribution [3], wo auch eine vergleichsweise billige CD mit OS-X-Ports erhältlich ist. Diese CD basiert aber direkt auf dem Port-System, wie es in FreeBSD eingesetzt wird. Gerade für Debian-Benutzer dürften das von Fink eingesetzte dpkg und die Installation von deb-Paketen bequemer sein. Weniger umfangreiche aber dafür im MacOS X eigenen Format gehaltene Pakete finden sich unter [4].

GNOME 2 Neuigkeiten

Mit dem Erscheinen von GNOME 2 wird sich nicht nur die Software ändern - auch eine neue Web-Seite ist geplant. Im Gegensatz zu GNOME 2 bringt die Seite viele optische Neuerungen mit sich und kann als Vorabversion unter [5] bewundert werden. Um GNOME 2 auch Behinderten zugänglich zu machen, wurden außerdem zwei Accessibility-Projekte mit den schönen Namen GOK [6] und Gnopernicus [7] gestartet. GOK ist eine On-Screen-Tastatur, Gnopernicus soll als Lupe und gleichzeitig als Screen-Reader fungieren. Auch am Panel wird inzwischen hart gearbeitet. So sollen Applets in Zukunft über Bonobo geladen werden. Außerdem wird die Menüstruktur nicht mehr direkt aus einer Verzeichnisstruktur abgebildet, sondern soll je nach Bedarf von einem Gnome-vfs-Modul erzeugt werden.

Gflow

Mit Hilfe von Gflow [8] lässt sich der Fluss um ein symmetrisches Objekt simulieren und graphisch darstellen. Da Gflow von konstanten Eigenschaften der Flüssigkeit ausgeht, eignet sich das Programm natürlich nicht für die U-Boot-Konstruktion. Trotzdem gibt es einen guten Einblick in das Verhalten von Flüssigkeiten verschiedener Dichte und Geschwindigkeit. Dazu errechnet Gflow drei Graphen, in denen der Fluss, die Stärke der Verwirbelungen und der Druck angezeigt werden. Die Berechnung der Graphen erfolgt iterativ, wobei ein Großteil der physikalischen Parameter während der Berechnung verändert werden können. Damit das möglich ist, lässt sich die Pause zwischen den Iterationen beliebig verlängern. Wer mit der Entwicklerversion arbeitet, kann die Ergebnisse außerdem über gnome-print ausdrucken. Aber auch wer die stabile Version bevorzugt, kann die Resultate der Rechnungen immer noch abspeichern. Gflow speichert allerdings keine Bilder, sondern die rohen Daten, die sich zum Beispiel mittels gplot oder über das Kommando "splot dateiname" ausgeben lassen. Für jedes Objekt legt Gflow mehrere Textdateien an, die das Objekt selbst, die berechneten Werte und die verwendeten Parameter enthalten. Wer selbst ein Objekt erstellen will, kann das mit dem recht eingeschränkten Programm gfdedit tun. Komfortabler ist es allerdings, einfach ein Objekt in einem Programm wie The Gimp zu erstellen, wobei das Bild die Maße 200x100 besitzen muss. Weiterhin sollte die Graphik auf zwei Farben indiziert werden, da Gflow alle nicht-schwarzen Farben als Teil des Objektes ansieht. Das Bildformat selber ist nicht entscheidend, da Gflow dank gdk-pixbuf einen Großteil der gängigen Formate unterstützt.

Abbildung 1: Ein GNOME-Schriftzug umgeben von virtueller Flüssigkeit
Abbildung 2: So sehen die von Gflow errechneten Flussdaten in Gplot aus

Evolution 1.0

Nach sechs Betas und mehreren Monaten intensiven Bugfixings wird Evolution [9] mit Erscheinen dieses Heftes endlich die 1.0 erreichen. Auch wenn bis zum Redaktionsschluss nur der erste Release Candidate verfügbar war, zeigt sich, dass sich die Fehlerbereinigung gelohnt hat: Evolution ist absolut alltagstauglich und demonstriert, was mit GNOME alles möglich ist.

Herzstück der an Outlook angelehnten Groupware ist der Mailer. Evolution versteht sich sowohl mit POP als auch IMAP und kann Verbindungen über diese Protokolle auch mit SSL schützen. Zuständig dafür ist die Bibliothek Camel, die neben diesen Protokollen auch verschiedene Speichermethoden wie Mbox und Maildir für die Nachrichten unterstützt. Da Camel unabhängig von Evolution ist, lassen sich auf diese Weise einfach neue Protokolle hinzufügen, auf die dann einfach über eine neue URI wie mbox://datei zugegriffen werden kann. Außerdem speichert Camel zu allen Ordnern eine Summary-Datei, in der einige Header-Daten abgelegt werden. So ist es möglich, sehr schnell nach bestimmten Nachrichten zu suchen. Natürlich beschränkt sich so eine Suche auf Merkmale wie Absender und Betreff - der Inhalt selbst wird von einer weiteren Bibliothek namens Ibex indiziert, so dass auch Anfragen zum Nachrichtenrumpf sehr schnell bearbeitet werden können.

Neben den normalen Ordnern lassen sich in Evolution auch "virtuelle" erstellen, die Nachrichten enthalten, welche einem oder mehreren der eben beschriebenen Suchkriterien entsprechen. Wer seine Mails lieber in reale Ordner sortiert, kann auf den Filter-Editor zurückgreifen. Dieser erlaubt neben dem Verschieben und Kopieren auch, einer Nachricht eine bestimmte Farbe bzw. einen bestimmten Status zuzuweisen, und ist gerade für Anfänger sehr viel einfacher zu verwenden als Procmail. Die Unterstützung von PGP bzw. GPG ist gerade angesichts zunehmender Überwachung ein wichtiges Feature - auch S/MIME-Unterstützung ist in Entwicklung.

Natürlich benutzt Evolution als GNOME-Vorzeigeprogramm die Komponentenarchitektur Bonobo, wo es nur geht. Alle eigentlichen Funktionen wie Mailer und Kalender sind unabhängige Komponenten, die bei Bedarf in die so genannte Shell geladen werden. Das hat den Vorteil, dass sich in Zukunft neue Komponenten hinzufügen lassen, ohne die so mühsam erarbeitete Stabilität der anderen Bestandteile zu gefährden. Das Ganze hat allerdings auch den Haken, dass die Komponenten auch dann im Speicher bleiben, wenn die Shell abgestürzt ist. Um all die in diesem Fall zurückgebliebebenen Prozesse zu beenden, bringt Evolution das Programm killev mit. Komponenten eröffnen weiterhin die Möglichkeit, Attachments direkt in Evolution anzuzeigen, wenn sich entsprechende Bonobo-Embeddables auf dem System befinden. Falls keine einbettbaren Komponenten vorliegen, ist Evolution aber dank Gnome-vfs immer noch in der Lage, einige Standard-Betrachter zu einem Attachment anzubieten, oder es einfach zu speichern.

Als ob Evolution nicht schon aus genügend unabhängigen Teilen bestehen würde, ist auch der Kalender in ein Front- und ein Backend unterteilt. Das Backend mit dem Namen Wombat kann die Kalender- bzw. Adressdaten auch anderen Anwendungen wie den Pilot-Conduits bereitstellen. So lässt sich der PDA auch ohne laufendes Evolution synchronisieren. Außerdem erlaubt das Backend, die Groupware-Funktionen von Evolution in Zukunft stark zu vergrößern. Bereits jetzt bietet der Kalender die Möglichkeit, Termine abzuklären. Unter Aktion/Aufgabe zuweisen im Fenster für neue Aufgaben lässt sich dazu eine Gruppe definieren, die den Termin in einer E-Mail als iTip-Attachment bekommen. Falls ein Teilnehmer zustimmt, wird der Termin direkt in die Aufgaben übertragen und via E-Mail bestätigt. Natürlich unterstützen auch andere Groupware-Lösungen wie Outlook oder Lotus Organizer diesen Standard. Wie es bei freier Software üblich ist, orientiert sich Evolution auch sonst an offenen Standards: So unterstützt der Kontakt-Manager neben dem Vcard-Format auch LDAP-Adressdatenbanken über Wombat. Andere Formate können zumindest importiert werden - so lassen sich Daten aus Programmen wie Elm, Pine oder Netscape problemlos übernehmen.

Eine Übersicht über alle Informationen bietet schließlich die Zusammenfassung, die in früheren Tagen als "My Evolution" bekannt war. Neben Informationen aus allen anderen Komponenten lassen sich hier RDF-Streams von News-Seiten sowie Wetterberichte einbinden.

Abbildung 3: Evolution kann auch mit iTip-Attachments zur Terminverwaltung umgehen
Abbildung 4: Die Anzeige des aktuellen Wetters ist in fensterlosen Büros sehr nützlich

Galeon 1.0

Die Entwickler rund um Galeon [10] haben es geschafft, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit einen Browser zu programmieren, der sich nicht vor der Konkurrenz verstecken muss. Der Hauptgrund für die schnelle Entwicklung ist, dass Galeon für die eigentliche Darstellung von HTML auf Mozillas Render-Engine Gecko zurückgreift. Da Galeon aber im Gegensatz zu Mozilla statt der langsamen und teilweise überfrachteten XUL-Oberfläche Gtk+ einsetzt, ist der Browser weniger anspruchsvoll, was Speicher und Prozessor angeht. Trotzdem muss der Benutzer nicht auf die Vorteile einer flexiblen Oberfläche verzichten. Neben dem Gtk-Theme lassen sich fast alle Icons in Galeon verändern, und die Menüleiste ist frei konfigurierbar.

Das ist nicht der einzige Punkt, in dem Galeon Mozilla etwas voraus hat: So lassen sich abgebrochene Sitzungen speichern und fortsetzen. Falls Galeon einmal abstürzen sollte, wird sogar automatisch die letzte Session zum Laden angeboten. Schon seit einiger Zeit unterstützt Galeon auch das Arbeiten mit verschiedenen Tabs in einem Fenster. So ist es möglich, trotz Vollbildmodus mehrere Web sites gleichzeitig anzuzeigen. Wer im Vollbildmodus alle Werkzeugleisten deaktiviert hat, wird sich außerdem darüber freuen, dass sich bestimmte Funktionen wie das Anzeigen der Lesezeichen auf eine Maustaste legen lassen und dass für die meisten Funktionen Keyboard-Shortcuts existieren. Diese Shortcuts sind wie fast alles andere in Galeon frei editierbar. Für Lesezeichen bietet Galeon nicht nur einen sehr komfortablen Editor, sondern ist auch in der Lage, Bookmarks in anderen Formaten wie dem von Netscape oder XBEL zu importieren. Mit Hilfe des Programms IE2G [11] lassen sich sogar Lesezeichen aus dem Internet Explorer konvertieren. Beim ersten Start bietet der Browser weiterhin an, auch Teile der Konfiguration von Netscape zu importieren. Diesen Lesezeichen kann Galeon auch gleich seine "intelligenten" Lesezeichen hinzufügen: Letztere werden auf einer eigenen Werkzeugleiste dargestellt und erlauben es sofort, Suchanfragen an bestimmte Seiten wie Google oder Freshmeat weiterzuleiten. Keine eigene Werkzeugleiste erhalten die "Auto-Bookmarks" - in diesem Ordner werden die meistbesuchten Seiten angezeigt. Wer sich gar nicht von der Seitenleiste in Mozilla trennen mag, hat sogar die Möglichkeit, Lesezeichen bzw. Chronik als Dock an der Seite anzuzeigen. Ein weiteres Feature, das sich Galeon von der Konkurrenz abgeguckt hat, ist die Möglichkeit, mit "galeon -s" eine fensterlose Instanz zu starten, die alle weiteren Aufrufe von Galeon beschleunigt - natürlich auf Kosten erhöhten Speicherverbrauchs.

Nützlich angesichts der alltäglichen Bannerflut ist auch die Möglichkeit, Bilder von bestimmten Seiten direkt im Kontextmenü zu sperren. Weiterhin lassen sich auch Cookies auf bestimmte Seiten einschränken und eine Liste mit Passwörtern anlegen. Da diese Passwörter völlig ungeschützt sind, ist das natürlich nicht immer eine gute Idee. Eine Einstellung, die viele Web-Seiten erst lesbar macht, ist das Abschalten von animierten Grafiken. Falls die Seite Style Sheets einsetzt, lässt sich außerdem ein alternatives Style Sheet laden, das völlig ohne farbliche Spielereien auskommt.

Auch wenn dieser immer noch unterstützt wird, kommt Galeon inzwischen ohne den GNOME Transfer Manager [12] aus. Neben einem kleinen Downloader und FTP-Unterstützung bringt Galeon noch die Möglichkeit mit, GNOME-Hilfedokumente darzustellen. Damit bietet das Programm eigene gute Alternative zum veralteten GNOME-Hilfe-Browser und zu Nautilus. Letzteres Programm bietet zwar die Integration von Scrollkeeper und damit die Möglichkeit, die gesamte Hilfe zu durchsuchen, ist Galeon als Browser aber absolut nicht gewachsen.

Abbildung 5: Galeon stellt die Preview der GNOME-2-Seite problemlos dar

Benötigte Bibliotheken:

Gflow: Gdk-pixbuf >= 0.8.0 (Gnome-print)

Evolution: Scrollkeeper >= 0.1.4, Libxml >= 1.8.10, Gnome-print >= 0.25, Gdk-pixbuf >= 0.9.0, ORBit >= 0.5.8, Oaf >=0.6.2, Gconf >= 0.6, Gnome-vfs >= 1.0.0, Libglade >= 0.14, Bonobo >= 1.0.3, Gal >= 0.18.1, Gtkhtml >= 0.16.1, Intltool bzw. Xml-i18n-tools

Galeon: Scrollkeeper >=0.1.4, Libxml >=1.8.14, Gdk_pixbuf >= 0.10.1, ORBit >=0.5.7 , Oaf =0.6.5, Gconf >= 1.0.4, Libglade >=0.13, Gnome-vfs >=1.0.1, Mozilla >=0.9.5, Intltool bzw. Xml-i18n-tools

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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