Galeon 1.0

Die Entwickler rund um Galeon [10] haben es geschafft, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit einen Browser zu programmieren, der sich nicht vor der Konkurrenz verstecken muss. Der Hauptgrund für die schnelle Entwicklung ist, dass Galeon für die eigentliche Darstellung von HTML auf Mozillas Render-Engine Gecko zurückgreift. Da Galeon aber im Gegensatz zu Mozilla statt der langsamen und teilweise überfrachteten XUL-Oberfläche Gtk+ einsetzt, ist der Browser weniger anspruchsvoll, was Speicher und Prozessor angeht. Trotzdem muss der Benutzer nicht auf die Vorteile einer flexiblen Oberfläche verzichten. Neben dem Gtk-Theme lassen sich fast alle Icons in Galeon verändern, und die Menüleiste ist frei konfigurierbar.

Das ist nicht der einzige Punkt, in dem Galeon Mozilla etwas voraus hat: So lassen sich abgebrochene Sitzungen speichern und fortsetzen. Falls Galeon einmal abstürzen sollte, wird sogar automatisch die letzte Session zum Laden angeboten. Schon seit einiger Zeit unterstützt Galeon auch das Arbeiten mit verschiedenen Tabs in einem Fenster. So ist es möglich, trotz Vollbildmodus mehrere Web sites gleichzeitig anzuzeigen. Wer im Vollbildmodus alle Werkzeugleisten deaktiviert hat, wird sich außerdem darüber freuen, dass sich bestimmte Funktionen wie das Anzeigen der Lesezeichen auf eine Maustaste legen lassen und dass für die meisten Funktionen Keyboard-Shortcuts existieren. Diese Shortcuts sind wie fast alles andere in Galeon frei editierbar. Für Lesezeichen bietet Galeon nicht nur einen sehr komfortablen Editor, sondern ist auch in der Lage, Bookmarks in anderen Formaten wie dem von Netscape oder XBEL zu importieren. Mit Hilfe des Programms IE2G [11] lassen sich sogar Lesezeichen aus dem Internet Explorer konvertieren. Beim ersten Start bietet der Browser weiterhin an, auch Teile der Konfiguration von Netscape zu importieren. Diesen Lesezeichen kann Galeon auch gleich seine "intelligenten" Lesezeichen hinzufügen: Letztere werden auf einer eigenen Werkzeugleiste dargestellt und erlauben es sofort, Suchanfragen an bestimmte Seiten wie Google oder Freshmeat weiterzuleiten. Keine eigene Werkzeugleiste erhalten die "Auto-Bookmarks" - in diesem Ordner werden die meistbesuchten Seiten angezeigt. Wer sich gar nicht von der Seitenleiste in Mozilla trennen mag, hat sogar die Möglichkeit, Lesezeichen bzw. Chronik als Dock an der Seite anzuzeigen. Ein weiteres Feature, das sich Galeon von der Konkurrenz abgeguckt hat, ist die Möglichkeit, mit "galeon -s" eine fensterlose Instanz zu starten, die alle weiteren Aufrufe von Galeon beschleunigt - natürlich auf Kosten erhöhten Speicherverbrauchs.

Nützlich angesichts der alltäglichen Bannerflut ist auch die Möglichkeit, Bilder von bestimmten Seiten direkt im Kontextmenü zu sperren. Weiterhin lassen sich auch Cookies auf bestimmte Seiten einschränken und eine Liste mit Passwörtern anlegen. Da diese Passwörter völlig ungeschützt sind, ist das natürlich nicht immer eine gute Idee. Eine Einstellung, die viele Web-Seiten erst lesbar macht, ist das Abschalten von animierten Grafiken. Falls die Seite Style Sheets einsetzt, lässt sich außerdem ein alternatives Style Sheet laden, das völlig ohne farbliche Spielereien auskommt.

Auch wenn dieser immer noch unterstützt wird, kommt Galeon inzwischen ohne den GNOME Transfer Manager [12] aus. Neben einem kleinen Downloader und FTP-Unterstützung bringt Galeon noch die Möglichkeit mit, GNOME-Hilfedokumente darzustellen. Damit bietet das Programm eigene gute Alternative zum veralteten GNOME-Hilfe-Browser und zu Nautilus. Letzteres Programm bietet zwar die Integration von Scrollkeeper und damit die Möglichkeit, die gesamte Hilfe zu durchsuchen, ist Galeon als Browser aber absolut nicht gewachsen.

Abbildung 5: Galeon stellt die Preview der GNOME-2-Seite problemlos dar

Benötigte Bibliotheken:

Gflow: Gdk-pixbuf >= 0.8.0 (Gnome-print)

Evolution: Scrollkeeper >= 0.1.4, Libxml >= 1.8.10, Gnome-print >= 0.25, Gdk-pixbuf >= 0.9.0, ORBit >= 0.5.8, Oaf >=0.6.2, Gconf >= 0.6, Gnome-vfs >= 1.0.0, Libglade >= 0.14, Bonobo >= 1.0.3, Gal >= 0.18.1, Gtkhtml >= 0.16.1, Intltool bzw. Xml-i18n-tools

Galeon: Scrollkeeper >=0.1.4, Libxml >=1.8.14, Gdk_pixbuf >= 0.10.1, ORBit >=0.5.7 , Oaf =0.6.5, Gconf >= 1.0.4, Libglade >=0.13, Gnome-vfs >=1.0.1, Mozilla >=0.9.5, Intltool bzw. Xml-i18n-tools

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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