Fazit

Da eine Distribution wie Knoppix bisher wohl einzigartig ist, fällt es schwer, Vergleiche mit Red Hat, Mandrake, SuSE & Co. anzustellen. Knoppix macht einen sehr guten, durchdachten Eindruck. Bei Tests auf verschiedenen Computern lief der Boot-Vorgang bis zum laufenden KDE-Desktop sauber durch, einzig auf einem Rechner mit Aureal-Soundkarte wurde selbige nicht erkannt. Auch eine Maschine, der sowohl Diskettenlaufwerk als auch Festplatte fehlten, bereitete keine Probleme. Die vorhandenen Programme sind gut vorkonfiguriert und geben dank des großen Softwareangebots den Eindruck einer "richtig" installierten Distribution. Kleinere Macken wie der Absturz des eher überflüssigen Tools kdiskfree durch deutsche Spracheinstellungen sind durchaus zu verschmerzen.

Was bis jetzt fehlt, ist eine einfache Möglichkeit, die Systemkonfiguration permanent zu speichern. Zwar existiert die Boot-Option floppyconfig, aber ohne Shellscripting-Kenntnisse kann sie nicht sinnvoll genutzt werden. Denkbar wäre auch eine Möglichkeit zur Installation des gesamten Systems auf Festplatte. Mit ein wenig Handarbeit lässt sich das bereits realisieren, aber der Autor plant schon eine automatisierte Festplatteninstallation für kommende Versionen. Das Ergebnis wäre eine komplett vorinstallierte Debian-Distribution mit sehr aktuellen Paketen, die mit dem Debian-Paketmanager dpkg und seinem genialen Frontend apt leicht zu verwalten und zu aktualisieren ist.

Kurzinterview mit Klaus Knopper

Dipl.-Ing. Klaus Knopper hat an der Universität Kaiserslautern Elektrotechnik studiert und sich nach seinem Studium im Bereich IT-Consulting selbstständig gemacht. Nebenbei ist er sehr aktiv im LinuxTag e. V. und daher seit den Anfangstagen des gleichnamigen Events an der Planung beteiligt. Per E-Mail haben wir ihm ein paar Fragen zu seiner Distribution gestellt.

Wann und warum haben Sie mit Linux begonnen?

Ich hatte während meines Studiums den allerersten Kontakt zu Rechnern überhaupt, die zum Glück alle unter Unix liefen. Durch verschiedene Administrationstätigkeiten bin ich stärker in die Materie eingestiegen, bis ich bei einem Fachpraktikum das erste Mal Linux (Kernel-Version 0.95) angefasst habe. Aus reinem Spieltrieb habe ich damals die Slackware-Distribution von 30 Disketten installiert. Seitdem möchte ich Linux nicht mehr missen.

Wann haben Sie mit der Entwicklung von Knoppix begonnen?

Im August 1999. Zum damaligen Zeitpunkt war es unter Linux-Dienstleistern ziemlich "hip", ein Mini-Linux auf einer bootfähigen CD auf Messen zu verteilen. Anfangs war Knoppix noch auf Red Hat aufgebaut, doch inzwischen bin ich zum leichter zu aktualisierenden Debian übergegangen.

Was war die Hauptmotivation für Knoppix?

Es waren mehrere Faktoren, in dieser Reihenfolge: Neugier, technisches Interesse, ein portables Linux-System mit der von mir gewohnten Software, das ich anstelle eines Notebooks überall hin mitnehmen kann, und die Herausforderung, eine Hardwareerkennung und automatische Konfiguration durchführen zu können (was man bei einer Installation normalerweise manuell tun muss).

Was planen Sie für zukünftige Versionen?

Neben der ständigen Aktualisierung einzelner Komponenten die "Entrümpelung" von selten verwendeten Dokumentationen, um Platz für Neues zu schaffen. Außerdem leichere Anpassung auf spezielle Einsatzgebiete, etwa als reiner MP3- oder Video-Player. Vielleicht noch eine Mini-Version für Businesscard-Rohlinge oder eine Maxi-Version für DVD. Und nicht zuletzt die dauerhafte Installation auf Festplatte.

Glossar

ISO-Image

Abbild einer kompletten Daten-CD als Datei. Aus dieser Datei kann mit CD-Brennprogrammen wie cdrecord die entsprechende CD erzeugt werden.

Portscanner

Ein Werkzeug, das anzeigt, welche Netzwerkdienste auf einem (übers Netz erreichbaren) Computer laufen. Es entscheidet dies anhand von offenen Ports.

Port

Eine Anlegestelle für Netzwerkverbindungen. Die Ports tragen Nummern, und viele sind über diese Zahl einem Dienst zugeordnet. Beispielsweise benutzt FTP den Port 21, SSH den Port 22, TALK den Port 517 usw. Offen ist ein Port dann, wenn dahinter ein entsprechender Server lauscht.

Ramdisk

Bei einer Ramdisk wird ein Teil des Arbeitsspeichers als Dateisystem benutzt. Viele Erstinstallationssysteme, die keine Linux-Partitionen auf Festplatte voraussetzen können, arbeiten mit Ramdisks.

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