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Schlicht ausgeklügelt

Jo´s alternativer Desktop: PWM

01.01.2002 Ein Window Manager mit Support für Dockapps und mehreren, karteireiterähnlich organisierten Anwendungen in einem Fenster lässt noch ein jedes Desktop-Environment erblassen. PWM ist so einer.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Sein Window Manager sei "sicher nicht der einsteigerfreundlichste – aber das sind wohl die wenigsten richtig guten Dinge", erklärt der PWM-Programmautor Tuomo Valkonen (frei übersetzt) auf seiner Web-Seite http://www.students.tut.fi/~tuomov/pwm/. In der Tat könnte die Liste der nicht vorhandenen Features manchen LinuxUser-Leser schnell überzeugen, doch besser weiterzublättern, aber ebenso sicher wird dieser Makel durch ungewöhnliche Funktionen schnell und großzügig egalisiert.

Mangelware

Doch zunächst der Schrecken mit versprochenem Ende: Der wohl gravierendste Unterschied zwischen den verfügbaren Window Managern liegt sicher im Fokus-Verhalten und der damit einhergehenden Programm-spezifischen Handhabung. PWM stellt lediglich den sogenannten sloppy focus zur Verfügung: Dabei reagiert das Fenster, über dem Sie Ihre Maus plazieren, auf Tastatureingaben. Jedoch bleibt es weiterhin so lange von anderen Fenstern verdeckt, bis Sie es manuell in den Vordergrund holen. Dies bewerkstelligen Sie entweder über Mausklick oder auch per Tastaturbefehl.

Ein solches Verhalten muss man mögen – genau wie PWMs Optik. Dessen Fensterdekorationen erstrahlen lediglich in einfachen, flächigen Farben. Wer lieber Farbverläufe oder gar Grafiken einsetzen mag, wird mit diesem Fensterverwalter nicht glücklich. Auch die Abwesenheit jeglicher Fensterbuttons, mit denen Fenster z. B. geschlossen oder maximiert werden können, trägt zur schlichten Optik bei. Stattdessen klappt beim rechten Mausklick auf die Titelleiste ein Fenstermenü mit eben jenen Funktionen herunter. Sollten Sie dort nun den Menüpunkt iconify vermuten, so werden Sie abermals enttäuscht: Diese Funktion ist schlicht nicht vorhanden. Um das Leid zu komplettieren, bringt PWM kein eigenes Konfigurationstool mit, sondern überlässt diese Aufgabe Ihrem Lieblingstexteditor.

Entschädigung

Das mag mancher auch positiv sehen: Immerhin ist es doch schön, den gewohnten Editor verwenden zu dürfen, anstatt sich durch eine neue GUI wühlen zu müssen. Noch mehr Freude kommt auf, wenn man merkt, dass die Fenster sich zwar nicht auf ein Icon, dafür aber auf ihre kleine Titelleiste reduzieren lassen. Ein Doppelklick der linken Maustaste auf eben diese Leiste "rollt" die Applikation praktisch zusammen.

Eines der herausragendsten Merkmale dieses Desktop-Herrschers verbirgt sich allerdings nicht hinter der linken, sondern der mittleren Maustaste: Damit können Sie eine Titelleiste abreißen (Abbildung 1) und auf eine andere Fensterleiste ziehen. Nach dieser Aktion stellt PWM die betroffenen Anwendungen in ein und demselben Fenster dar. Die Titelleiste mutiert dabei – wie in Abbildung 2 ersichtlich – zu Karteikartenreitern (oft auch Tabs genannt). Ebenfalls mit der mittleren Maustaste darf nun die gewünschte Anwendung gewählt werden. Ein neu hinzugefügtes Programm wird dabei an die Größe des bestehenden Fensters angepasst. Es ist geradezu erstaunlich, wie komfortabel sich hiermit eine Unzahl an Applikationen übersichtlich auf dem Desktop platzieren und bedienen lassen.

Abbildung 1: Titelleiste auf Abwegen

Abbildung 2: Dreimal Konqueror und einmal ATerm in einem einzigen PWM-Fenster

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