SuSE, Mandrake, Red Hat und BearOps

Aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

01.01.2002
Die "großen Drei", SuSE, Mandrake und Red Hat, haben ihre Distributionen auf den aktuellen Stand gebracht. In der letzten Ausgabe des LinuxUser haben wir Ihnen diese bereits kurz vorgestellt, nun soll ein Vergleichstest in die Tiefe gehen.

Wenn wir Distributionen testen, interessieren wir uns in erster Linie für die Installations-Routinen und die Voreinstellungen des installierten Systems: Wird Hardware korrekt erkannt und eingebunden? Ist das System am Ende problemlos einsetzbar? Diese Fragen haben wir bei vier aktuellen Distributionen gestellt. Am Ende des Artikels finden Sie eine ausführliche Tabelle, in der alle wesentlichen Features der vier Distributionen im Test (SuSE 7.3, Mandrake 8.1, Red Hat 7.2 und BearOps Linux) auf einen Blick vergleichbar sind.

SuSE 7.3

SuSE erlaubt beim Booten eine Auswahl der Auflösung für die Installation, maximal sind 1024x768 Punkte möglich. Nach der Initialisierung des Kernels startet YaST2 und erkennt automatisch einige Komponenten, u. a. die Art der angeschlossenen Maus. Dies hat auf dem Testrechner gut funktioniert, in einer VMware-Sitzung aber nicht. Nach Auswahl von Sprache, Tastatur-Layout und Installationsart (Neu, Update) schlägt YaST eine automatische Partitionierung vor. Bereits bestehende Swap-Partitionen werden dabei übernommen, Windows-FAT-Partitionen lassen sich verkleinern.

Beim Anlegen von Partitionen erlaubt YaST die Auswahl zwischen Ext2, Ext3, FAT, JFS und ReiserFS. Nach der Partitionierung geht es weiter mit der Paketauswahl. Eine grobe Vorauswahl (Minimal, Minimal mit Grafik, Standard, Standard mit Office, Alles) hilft hier, über den Button Erweiterte Auswahl lassen sich Gruppen Entwicklung, Spiele, Gnome System, KDE komplett, KDE, Multimedia und Dokumentation ankreuzen. Wer es noch detaillierter haben möchte, klickt auf Einzelne Anwendungen. Die verfügbaren Pakete erscheinen nun nach Gruppen sortiert, etwa "X11/Anwendungen/Internet". Innerhalb der Gruppen sind die Pakete alphabetisch sortiert. Über eine Suchfunktion können Pakete schnell gefunden werden: Das Stichwort "ssh" fand die Pakete axssh, kssh, openssh und ssh.

Im nächsten Schritt geht es um den Boot-Loader: YaST hat hier offenbar den Grub-Boot-Manager erkannt, der sich bereits auf der Platte befand, und schlug das Erstellen einer Startdiskette vor. Alternativ erlaubt YaST die Installation von Lilo im MBR (Master Boot Record) der ersten Platte oder in eine beliebige Partition.

Die Eingabe eines Root-Passwortes ist verpflichtend, während das Anlegen eines nicht-privilegierten Accounts weggelassen werden kann, falls man die Frage "Ist dieser Rechner ein Netzwerk-Client?" mit "Ja" beantwortet.

YaST fasst nun nochmals alle Informationen zusammen und beginnt nach Bestätigung mit der Installation. Beim Übertragen der Pakete zeigt YaST eine hübsche Zusammenfassung an, wieviel Zeit die aktuelle und die folgenden CDs noch benötigen werden; wer die parallel eingeblendete Werbung mit Details wegklickt, sieht zusätzlich Informationen zu den gerade kopierten Paketen.

Während der Installation lässt sich übrigens jederzeit mit [Strg-Alt-F2] auf eine Textkonsole schalten; hier läuft eine vollständige Shell (Bash 2.0.5) mit Command-Completion. Das /dev-Verzeichnis ist vollständig - wichtig, wenn man manuell Änderungen vornehmen will, etwa schnell eine Diskette mit Zusatzdaten mounten.

Nach Abschluss der Installation von der ersten CD wird der Boot-Manager geschrieben, in unserem Fall auf eine Diskette. Die zweite CD wurde nicht abgefragt. Danach wird das installierte System gebootet, und YaST2 setzt die Installation der verbleibenden Pakete fort.

Nach dem Übertragen der restlichen Pakete von der zweiten CD folgt die X-Konfiguration. Aus einer umfassenden Monitor-Datenbank lässt sich der Bildschirm auswählen, die Grafikkarte (hier: Nvidia GeForce2 MX400) wurde automatisch erkannt. Die vorgeschlagene Auflösung von 1024x768 Punkten ist dem Monitor (einem älteren 17"er) angemessen. Beim Versuch, manuell 3D-Beschleunigung zu aktivieren, erscheint ein Warnhinweis, dass für Nvidia-Karten ein Treiber vom Nvidia-Web-Server zu besorgen ist, der SuSE Linux nicht beiliegt. Die Einstellungen lassen sich testen, und mit 75 Hz ist die Bildwiederholfrequenz brauchbar; viel mehr gibt der Monitor nicht her.

Bei der folgenden Hardware-Konfiguration werden Netzwerk-, ISDN- Sound- und TV-Karten sowie Drucker und Modems eingerichtet. So weit möglich, erkennt YaST diese Geräte automatisch; im Test funktionierte dies für die eingebauten ISDN-, Netzwerk- und Soundkarten und den Drucker.

Bei der Netzwerk-Installation besteht Wahlmöglichkeit zwischen DHCP und manueller Einstellung. In letzterem Fall können u. a. Angaben zu Rechnername, IP, Nameservern und Routing gemacht werden. Nach Übernahme der Angaben war der Rechner im Netz erreichbar.

Der Drucker, ein Kyocera FS 600, wurde korrekt erkannt und über die Option Schnelle, automatische Konfiguration erfolgreich eingerichtet; die darauf ausgegebene Testseite war in Ordnung.

Bei der ISDN-Konfiguration hilft eine Provider-Datenbank, die allerdings nur nationale Provider kennt - keine lokalen. Nach Eingabe der Zugangsdaten ist auch dieser Schritt abgeschlossen. Die Modem-Konfiguration ist mit der von ISDN identisch, es wird die gleiche Provider-Datenbank verwendet.

Auch die Soundkarte wurde über Schnelle, automatische Konfiguration eingebunden. Zwar fand kein Test statt, die Karte funktionierte aber anschließend. Wer übrigens bei der KDE-Einrichtung später den maximalen Level an "Effekten" einstellt, bekommt zur Belohnung quälende Geräusche bei fast jeder Fenster-Aktion: Fenster öffnen, schließen, maximieren etc. - etwas zu viel des Guten, aber offenbar ein KDE-Standard-Verhalten.

Damit ist die Installation abgeschlossen; SuSE Linux wechselt nun in Runlevel 5 und präsentiert den grafischen Login (kdm). Nach Anmeldung wird automatisch KDE gestartet, dies lässt sich aber im kdm in GNOME ändern. Alle erkannten Partitionen (Windows und andere Linux-Partitionen) sind auf dem Desktop verfügbar. DVD- und CD/RW-Laufwerk des Testrechners waren ebenfalls durch zwei Icons vertreten. Wird statt KDE GNOME gestartet, findet man GNOME-spezifische Menüeinträge; unter SuSE-Menüs ist aber auch der Rest zu finden. Icons für die Partitionen gibt es hier nicht.

Neben ISDN und Modem ist DSL eine zunehmend populäre Zugangsmethode. YaST2 bietet hier gleich zwei Konfigurationsvarianten - eine allgemeine und eine spezielle für T-Online-DSL-Kunden. Vorteil der T-Online-Version ist, dass Anwender keine kryptische User-ID aus Anschlusskennung, T-Online-Nummer und Mitbenutzerkennung zusammenbauen müssen, sondern diese Daten direkt in entsprechende Felder eingeben können. Die Einrichtung von T-Online/DSL wird damit so leicht wie in der Windows-T-Online-Software.

Abbildung 1: SuSE bietet Komfort für T-Online-DSL-Kunden

Niedlich: Für DOS/Windows-Umsteiger hat SuSE einige Shell-Aliase eingerichtet, die auf die Eingabe von DOS-Befehlen einen entsprechenden Hinweis geben, wie es richtig geht. Wer hier "a:" eingibt, um auf die Diskette zuzugreifen, erhält etwa die Meldung: Error: There is no such thing as a drive A: in Linux. If you want to access your floppy, try "mount /dev/fd0" and then look in the directory /media/floppy!. Ähnliches gibt es für "Befehle" wie format, ver, mem und move. Interessant ist übrigens, dass SuSE bei einer Standard-Installation Mozilla installiert, Netscape aber weglässt, obwohl Version 4.78 und 6.01 auf den CDs vorhanden sind.

Abbildung 2: SuSE YOU (YaST Online Update) in Aktion

Mandrake 8.1

Bei der aktuellen Mandrake-Release beginnt die Installation nach dem Laden des Kernels von CD mit der Auswahl der Installationssprache. Für "deutsch" gibt es hier die Varianten "Austria", "Belgium", "Germany" und "Switzerland". Wir haben uns nicht die Mühe gemacht, nach etwaigen Übersetzungsunterschieden zu suchen. Erstaunt hat der folgende Lizenzdialog, in dem die deutsche Übersetzung und das französische Original der Mandrake-Lizenz gelesen werden können - es geht erst weiter, wenn man die Lizenz akzeptiert.

Mandrake fragt nun, ob ein Experte am Bildschirm sitzt; zur Auswahl stehen zwei Installationsklassen namens "Empfehlenswert" und "Experte" - wir folgten hier der Empfehlung. Bei der anschließenden Tastaturauswahl erfreut immer wieder die Mandrake-eigene Übersetzung von "no dead keys": Die optimale Einstellung heißt hier "Deutschland (ohne Tod-Tasten)".

Bei der Partitionierung zeigt Mandrake sich vielfältig: Partitionen dürfen vom Typ ext2, ext3, ReiserFS, JFS oder XFS sein. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, sollte ext3 oder ReiserFS wählen. Bei Bedarf kann der Installer auch automatisch partitionieren, und Windows-"Laufwerke" können (manuell) verkleinert werden. Wer selbst Hand anlegen will, sieht nicht, welchen Weg der DiskDruid gegangen wäre. In der Beispiel-Konfiguration mit einer den gesamten Platz füllenden Windows-Partition schlug DiskDrake die zwei Alternativen "Windows löschen" und "Benutzerdefiniert" vor. Um Windows zu erhalten, wählten wir die benutzerdefinierte Partitionierung. Nach dem Verkleinern der Partition legte ein Klick auf "Automatisches Erstellen" die benötigten Linux-Partitionen an.

Es folgt die Paketauswahl: Hier bietet Mandrake auf einen Blick drei Hauptkategorien mit 19 Subkategorien: Arbeitsplatzrechner (Büro-Arbeitsplatz, Spiele, Multimedia, Internet, Netzwerk-Client, Konfiguration, Wissenschaft, Konsolen-Tools, Entwicklung, Dokumentation), Server (Web/FTP, Mail/Groupware/News, Datenbank, Firewall/Router, DNS/NIS, Netzwerk-Server) und Grafische Arbeitsoberfläche (KDE, GNOME, andere Oberflächen). Damit lässt sich schon recht detailliert definieren, welche Software installiert werden soll; per Klick auf Individuelle Paketauswahl kann man aber auch hier einzelne Pakete an- oder abwählen. Die Pakete sind dort in den selben Kategorien angeordnet wie sie die Vorauswahl bietet; eine Suchfunktion gibt es nicht. Standardmäßig werden übrigens beide Desktop-Systeme, KDE und GNOME, installiert. Unmittelbar nach Abschluss dieser Auswahl beginnt das Kopieren der Pakete. Auch Mandrake zeigt während der Installation Werbung an, die per Klick auf Details durch Informationen zu den gerade kopierten Paketen ersetzt werden kann.

Nach Abschluss der Paketübertragung wird das Root-Passwort gesetzt, es kann aber auch leer gelassen werden. Danach können Accounts angelegt werden, und auch dieser Schritt ist nicht verpflichtend. Haben Sie mindestens einen Account angelegt, erlaubt Mandrake die Einrichtung eines Standard-Benutzers: Dieser wird beim Start des Rechners automatisch angemeldet; ein Login entfällt dann. Danach geht es weiter mit der Netzwerkeinrichtung: Hier lassen sich Zugänge über Modem, ISDN, DSL, Kabel und lokales Netzwerk konfigurieren. Im Test wurden Netzwerk- und ISDN-Karte automatisch erkannt, und DSL, ISDN und Netzwerk ließen sich problemlos einrichten. Für ISDN steht dabei eine sehr umfangreiche Providerdatenbank zur Verfügung, die neben den großen nationalen Providern (Telekom & Co.) auch viele lokale Provider kennt. Bei Konfiguration mehrerer Internet-Verbindungen (etwa ISDN und DSL) kann eine bevorzugte ausgewählt werden, und auf Wunsch wird diese Verbindung bei jedem Rechnerstart automatisch aufgebaut.

Bei der folgenden Druckerkonfiguration wurde der verwendete Kyocera FS 600 problemlos erkannt und der entsprechende Druckertreiber vorgeschlagen. Das Standard-Papierformat ist Letter, muss also für den deutschsprachigen Raum auf A4 geändert werden. Ebenso haben wir die Druckerauflösung von Hand auf 600 dpi (Vorgabe: 300 dpi) umgestellt; der anschließende Druck einer Testseite funktionierte.

Zum Schluss wird noch das X Window System eingerichtet. Die Grafikkarte wurde automatisch erkannt, und die für 3D-Support auf einer Nvidia-Karte notwendigen kommerziellen Treiber des Herstellers wurden nachinstalliert. Ohne weitere Rückfragen wurde dann ein Lilo-Bootmanager in den MBR geschrieben und das System gebootet. Das ist gut für Standard-Konfigurationen, aber unglücklich, wenn ein bereits vorhandener Boot-Manager überschrieben wird.

Beim Neustart erwies sich die X-Konfiguration leider als nicht vollkommen richtig: Der Nvidia-X-Treiber benötigt ein Kernelmodul NVdriver.o.gz, welches im Verzeichnis /lib/modules/2.4.8-26mdk/kernel/drivers/char/ installiert wurde - leider wird es nicht automatisch geladen. Ein Wechsel in Runlevel 3, manuelles Laden des Moduls und erneuter Wechsel in Runlevel 5 lösten das Problem.

Abbildung 3: Das Mandrake-Kontrollzentrum bietet Zugriff auf alle wichtigen Konfigurations-Optionen
Abbildung 4: Etwas dürftig: Unter "Dokumentation" finden sich nur Online-Versionen der beiden Handbücher

Red Hat 7.2

Auch die Red-Hat-Installation beginnt mit den üblichen Voreinstellungen: Sprache, Tastatur, Maus. Danach kann die Installations-Variante gewählt werden, angeboten werden Workstation, Server, Laptop und Benutzerdefiniert. Wir haben hier Workstation gewählt. Es geht dann gleich weiter mit der Partitionierung: Hier erlaubt Red Hat das Entfernen aller vorhandenen Linux-Partitionen oder sämtlicher Partitionen bzw. die Verwendung freien Speicherplatzes. Wer eine Platten-füllende Windows-Partition hat, kommt hier nicht weiter - eine Verkleinerung dieser Partition ist nicht möglich. Alternativ zur automatischen Partitionierung kann wahlweise mit DiskDruid oder fdisk selbst Hand angelegt werden. Wir haben im Test mit DiskDruid manuell Partitionen angelegt, da nicht der gesamte freie Platz für Red Hat verwendet werden sollte. Mögliche Dateisystem-Typen sind ext2, ext3 (Standard) und Software-RAID. Nach Anlegen von Linux- und Swap-Partition wird nach dem Boot-Loader gefragt: Hier kann wahlweise Lilo oder Grub verwendet werden, und er lässt sich in den MBR der ersten Platte oder den ersten Sektor der Linux-Partition installieren. Das vorhandene Windows-System wird in das Boot-Menü automatisch eingebunden.

Der nächste Schritt ist die Konfiguration eines lokalen Netzwerks. Neben dem Zugriff auf einen DHCP-Server erlaubt auch Red Hat die manuelle Angabe von IP-Adresse, Name, Gateway, DNS etc. Bei der folgenden Firewall-Einrichtung kann zwischen drei Sicherheitsstufen (Hoch, mittel, keine Firewall) gewählt werden, einem Interface (eth0, lokales Netz) vertraut werden und der Zugang zu bestimmten Ports (DHCP, SSH, Telnet, WWW, Mail und FTP) geöffnet werden.

Wer daran interessiert ist, kann nun noch zusätzliche Sprachen einrichten; das ist wohl nur notwendig, wenn Anwender aus mehreren Ländern den PC nutzen sollen. Ein Root-Passwort muss gesetzt werden, die Einrichtung weiterer Accounts ist aber freiwillig.

Nun folgt die Paketauswahl. Zunächst werden vier große Paketgruppen angezeigt: GNOME (vorausgewählt), KDE, Software-Entwicklung und Spiele/Unterhaltung. Wir haben hier alle Gruppen gewählt und zusätzlich die Option Einzelne Pakete auswählen aktiviert. Bei der individuellen Auswahl gibt es zwei Ansichten: Zum Einen können die Pakete in der Hierarchie angezeigt werden, so dass gezielt etwa nach Server-Paketen gesucht werden kann, ohne dass die Namen bekannt sind. Wer alle wichtigen Paketnamen kennt, kann auch eine einfache alphabetische Sortierung aller Pakete auswählen. Eine Suchfunktion gibt es nicht.

Red Hat ist der einzige Distributor, der GNOME als Standard-Desktop einsetzt. KDE wird zwar auch angeboten, Red Hat hat aber bei der GNOME-Vorliebe eine lange Tradition, und so haben wir unsere späteren Tests der Oberfläche unter GNOME durchgeführt.

Weiter geht es mit der X-Einrichtung: Die Grafikkarte wurde korrekt erkannt und ein passender X-Treiber vorgeschlagen. Ohne auf Monitor-Einstellungen einzugehen, geht es direkt zur Übertragung der Pakete - die Bestimmung der Grafikkarte dient hier nur dazu, die richtigen X-Pakete zu installieren.

Nach abgeschlossener Paketinstallation kann eine Boot-Diskette erstellt werden, dies lässt sich aber auch ablehnen. Red Hat kehrt nun zur X-Installation zurück. Der angeschlossene Monitor (ein älterer ADI Microscan 5V+) wurde automatisch erkannt; die vorgeschlagene Auflösung von nur 800x600 Punkten haben wir allerdings auf 1024x768 hochgesetzt. Hier lässt sich auch zwischen GNOME und KDE als Standard-Desktop wählen. Da wir bei GNOME die liebevollere Konfiguration erwarteten, wurde GNOME ausgewählt. Damit ist die Installation abgeschlossen.

Nach dem Reboot von Platte startet wie gewünscht der Login-Manager (hier die GNOME-Variante gdm. Desktop-Icons für CD oder andere Partitionen finden sich auf der GNOME-Oberfläche nicht, dafür ist aber per Default ein Datei-Manager-Fenster geöffnet, das Zugriff auf einige Konfigurations-Tools erlaubt. Beim Einlegen der CD öffnet sich jedoch automatisch ein Fenster mit dem CD-Hauptverzeichnis, und in dem Moment wird auch ein Desktop-Icon erzeugt.

Abbildung 5: Der Standard-GNOME-Desktop von Red Hat Linux 7.2

Ein Blick ins Startmenü und die folgende Suche mit locate zeigen, dass StarOffice nicht mit installiert wurde. Man findet es auf der ersten "Linux Applications CD", von wo es per Mausklick auf den richtigen Dateinamen installiert werden kann. Neben dem reinen StarOffice-Paket wird dann auch gleich Adabas D mit installiert, so dass auch Datenbank-Funktionen zur Verfügung stehen.

Auch Internet und Drucker werden bei der Erstinstallation nicht konfiguriert. Hierfür lassen sich aber vom Desktop aus komfortable Tools starten, mit denen das nachgeholt werden kann. Die eingebaute ISDN-Karte (Fritz PCI) wurde beim Test problemlos erkannt. Die Einrichtung von Zugängen über mehrere Methoden (etwa Modem, ISDN und DSL) ist hier problemlos möglich; über den Red-Hat-Dialer rp3 (Programme/Netzwerk/RH-PPP-Dialer) lässt sich zwischen den Zugangsarten umschalten. Auch bei der Drucker-Konfiguration gab es keine Probleme: Der Drucker wurde erkannt und ein passender Treiber vorgeschlagen. Lediglich das Papierformat musste von Hand auf A4 (Vorgabe: US-Letter) umgestellt werden. Auch die richtige Auflösung (600 dpi) wurde eingestellt.

BearOps Linux

BearOps ist ein Neueinsteiger: Wir haben uns die erste Version der als "Desktop Operating System" bezeichneten, bisher nur englischsprachigen Distribution angesehen.

Nach dem Booten des Kernels verwundert zunächst die Frage, ob das ide-scsi-Modul eingebunden werden soll - denn diese Frage wird am Ende der Kernel-Meldungen im Textmodus gestellt. Eine zweite gleichartige Meldung fragt nach, ob ein "real video driver" geladen werden soll, der den BearOps-Installer beschleunigen kann. Ohne im Handbuch nachzuschauen, haben wir hier einfach mal mit "yes" geantwortet… Nach kurzer Wartezeit startet dann der X-Server mit dem Installations-Programm.

Zunächst versucht BearOps, einige Geräte automatisch zu erkennen - danach folgt die Partitionierung. Diese kann wahlweise automatisch oder manuell erfolgen, BearOps erlaubt dabei auch das Verkleinern von Windows-Partitionen. Obwohl wir "automatisch" anwählten, geschah hier nichts: Die Liste der bestehenden Partitionen wurde angezeigt, und wir konnten manuell neue hinzufügen. Offensichtlich haben die bereits auf der Platte vorhandenen Linux-Partitionen den Installer überrascht. An Linux-Dateisystemen unterstützt BearOps ext2 und ReiserFS.

Die nun folgende Paketauswahl gefällt gar nicht. Die Online-Hilfe schreibt dazu (auf Englisch): "Paketauswahl ist recht kompliziert" - stimmt, wenn man es so macht wie BearOps. Es gibt keine Möglichkeit, anhand von Profilen eine sinnvolle Vorauswahl zu treffen; alle Pakete sind auf 24 Verzeichnisse aufgeteilt (welche immerhin einigermaßen hilfreiche Verzeichnisnamen haben), und zu den Paketen gibt es keine Beschreibung - nicht einmal eine Kurzinfo. Man folgt hier besser dem Rat des Installationsprogrammes und bleibt bei der Voreinstellung (alles installieren); bei zwei CDs ist dies keine Tragödie. Nach dem Bestätigen werden die Pakete auf der Platte installiert. Auch hier werden nur die Paketnamen ohne Informationen angezeigt; immerhin weist ein Fortschrittsbalken auf ein baldiges Ende hin.

Nach Einlesen der ersten CD folgen ein paar Konfigurationsschritte, zunächst der Maus. Der Installer meldet, dass die automatische Erkennung der Maus nicht funktionierte, und vermutet, dass dies an der Verwendung einer USB- oder Wheel-Maus liegt. Danach folgt ein Reboot mit einem Schrecken: Sehr schön - BearOps hat einen neuen MBR geschrieben, so dass die bereits installierten Linux-Systeme nun nicht mehr erreichbar sind. Immerhin wurde die Windows-Partition erkannt und als Alternative in das Boot-Menü aufgenommen.

Nach dem Reboot begrüßt den Anwender wieder der Textmodus und fragt nach einer SSH-Passphrase - zwei mal [Return] drücken, und dieser für viele Anwender unklare Schritt ist überstanden. Danach fordert die Konsole zur Festlegung des Root-Passworts auf, und es folgen lange Minuten der Ungewissheit, in denen vielleicht ein wenig Hardware-Erkennung stattfindet oder das System konfiguriert wird - wer weiß?

Immerhin: Nachdem die Wartezeit vorbei ist, startet BearOps einen X-Server mit KDE-Login - schade, dass es noch keinen Benutzer außer root gibt. Mitten im KDE-Initialisierungsprozess (nach Anmeldung als Administrator) bleibt BearOps dann einfach stehen: Auf dem Bildschirm bleibt die Meldung "Initializing peripherals" zu lesen, Wechsel auf eine Textkonsole ist nicht möglich. Nach einem Reboot klappte es dann aber doch. 800x600 ist nicht die Auflösung der Wahl, und BearOps bietet ein Icon Screen Resolution, über das sich die Auflösung erfolgreich und leicht auf 1024x768 ändern ließ.

Einige Dinge funktionieren also recht gut: Die Hardware-Erkennung hat hier ganze Arbeit geleistet. Soundkarte, Grafikkarte, CD-ROM und DVD-Laufwerk, diese Dinge wurden erkannt. CDs können problemlos über die Oberfläche eingebunden und wieder entfernt werden.

StarOffice, Adabas D und weitere Programme von der zweiten CD werden von der Oberfläche aus installiert. Dazu legt man die zweite CD ein und startet nach dem Einbinden ein Install-Programm. Dies packt die dort vorhandenen Archive aus und ruft dann das StarOffice-Setup auf.

Abbildung 6: Die zweite BearOps-CD wird von Desktop aus nachinstalliert

Weitere Geräte können über das BearOps Control Panel eingerichtet werden. Für Druckerunterstützung startet man so etwa das KDE-Cups-Frontend Kups; dieses erkennt den angeschlossenen Drucker (Kyocera FS-600), weiß aber leider nicht, welcher Treiber dafür geeignet ist. Ein Versuch mit dem Treiber "HP Laserjet 4L" erzeugt einen unbefriedigenden Ausdruck; nach Ändern der Auflösung von 150 dpi auf 300 dpi und einigen weiteren Anpassungen wird es geringfügig besser - für den Ausdruck einer HTML-Seite reicht es nun, für professionelle Textverarbeitung nicht. Weitere Nachbesserungs-Versuche haben wir an dieser Stelle abgebrochen.

Abbildung 7: BearOps-Desktop mit Kontrollzentrum

Ebenfalls im Control Panel findet sich der Punkt Dial-Up Networking. Dahinter verbirgt sich einfach kppp, und dieses Tool kann nur Modem-Verbindungen einrichten. DSL und ISDN kennt BearOps nicht. Immerhin lässt sich das lokale Netzwerk einrichten - mit netconfig, einem alten Red-Hat-Tool. Während sich noch einige ältere Red-Hat-Programme in BearOps verstecken, deuten die Kommentare in /etc/inittab auf ein Slackware-System hin - hier hatte jemand Spaß am Mischen von Komponenten. Leider funktionierte das Netzwerk anschließend nicht. Die Verbindung zum Gateway war in Ordnung, aber das Routing nach draußen versagte.

Paket-Management ist übrigens eine weitere Schwäche von BearOps: Alle Pakete liegen auf CD im simplen tar.gz-Format vor; die Archive werden einfach nach / entpackt. Das ist einfach und billig, tar wird nie Fehlermeldungen über unerfüllte Abhängigkeiten ausgeben, und bei einer Vollinstallation sind die Chancen auch gut, dass alle notwendigen Bibliotheken vorhanden sind. Als Konsequenz ist es aber so gut wie unmöglich, ein Paket wieder zu deinstallieren. Auch das Einspielen von RPM- oder Debian-Archiven aus anderen Quellen kann so nicht gelingen, da die entsprechenden Paketdatenbanken fehlen, die Auskunft über vorhandene Software geben würden. Einen ähnlichen Versuch hat vor einem Jahr Icepack Linux unternommen - hinter dem Distributions-eigenen ".ice"-Format verbargen sich auch simple tar.gz-Pakete.

Ein interessantes Feature hat BearOps zu bieten: Das Paket enthält unter anderem den kommerziellen DVD-Player VideoLAN. Damit ließ sich eine Test-DVD problemlos abspielen. Die Video-Qualität war allerdings ruckelig, und der Ton nicht ganz synchron mit dem Bild, insbesondere nach Versuchen, an eine weiter hinten liegende Stelle im Film zu springen.

Fazit

Bewährtes bewährt sich wieder, wie die Tests der aktuellen SuSE-, Mandrake- und Red-Hat-Distributionen zeigen. Der Neueinsteiger BearOps hat mit einer Reihe von Handicaps zu kämpfen und ist zur Zeit nicht zu empfehlen. Von den drei bekannten Größen konnte vor allem der deutsche Marktführer SuSE durch eine besonders übersichtliche, verständliche und anwenderfreundliche Installation überzeugen - die Nürnberger haben Ihre Marktposition nicht ohne Grund.

Wer sich jedoch mit einigen SuSE-Angewohnheiten (abweichende Paketnamen, zentrale Systemverwaltung ähnlich der Windows-Registry) nicht anfreunden mag, hat mit Mandrake und Red Hat leistungsfähige Alternativen - Mandrake ist dabei etwas besser ausgestattet und leichter zu installieren. Mit je sieben CDs sind Mandrake und Red Hat auch eine Empfehlung für Anwender wert, die mit ihrer Distribution möglichst viele Pakete auf einen Schlag installieren wollen; SuSE bietet einen entsprechenden Umfang nur in der teureren Professional-Version (154,31 DM). Unsere http://Vergleichstabelle gibt einen Überblick über Ausstattung und Leistung der getesteten Distributionen.

Kasten 1: Schwierigkeiten

Distributionstests sind in der Regel unkompliziert: Der Reihe nach werden alle Kandidaten auf einem Testrechner installiert, wobei bestimmte Eigenschaften anhand einer Checkliste überprüft werden. Um so überraschender war, dass sich aus dem Stand nur eine der aktuellen Distributionen auf dem modernen Testrechner (Noname-PC vom Mediamarkt, Pentium-4-1400, AOpen-Board, 256 MB RAM, 60 GB Festplatte mit 30 GB Windows-Millennium-Partition) installieren ließ.

SuSE

Bei SuSE Linux blieb das System beim Laden des Kernels einfach stehen; dank Grafikmodus waren keine Fehlermeldungen zu sehen. Eine Wiederholung der Prozedur im Textmodus endete in der Kernelmeldung:

… CPU clock speed ist 1397.6004 MHz.
… host bus clock speed is 0.0000 MHz.
cpu: 0, clocks: 0, slice: 0

Mit dem Menüpunkt Installation - Safe Settings im Boot-Menü ging es dann; hier werden dem Kernel Die Optionen "disableapic ide=nodma apm=off" übergeben. Auch unter VMware lief die Installation nicht glatt, wie ein interessanter Screenshot zeigt (Abbildung 8).

Abbildung 8: Was passiert hier? Beim Versuch, den Mount-Point auf "/mnt/dos" zu setzen, ging dieses Dateidialog-Fenster auf, das sich nicht mehr schließen ließ… Neuanfang.

Mandrake

Der Versuch, Mandrake Linux zu installieren, lieferte bei Standard-Vorgehensweise kurz nach dem Bestätigen des Boot-Manager-Dialogs den netten Hinweis:

Not enough memory to load specified kernel.

Nach einem Reboot ließ sich die Installation aber trotzdem mit folgendem Trick starten: Zunächst [F1] (für "more options") drücken, dann am Boot-Prompt "linux mem=256m" eingeben. Dabei ist zu beachten, dass die US-Tastaturbelegung aktiv ist, das "="-Zeichen ist dann über die Akzent-Taste zu erreichen.

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