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Aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

Red Hat 7.2

Auch die Red-Hat-Installation beginnt mit den üblichen Voreinstellungen: Sprache, Tastatur, Maus. Danach kann die Installations-Variante gewählt werden, angeboten werden Workstation, Server, Laptop und Benutzerdefiniert. Wir haben hier Workstation gewählt. Es geht dann gleich weiter mit der Partitionierung: Hier erlaubt Red Hat das Entfernen aller vorhandenen Linux-Partitionen oder sämtlicher Partitionen bzw. die Verwendung freien Speicherplatzes. Wer eine Platten-füllende Windows-Partition hat, kommt hier nicht weiter - eine Verkleinerung dieser Partition ist nicht möglich. Alternativ zur automatischen Partitionierung kann wahlweise mit DiskDruid oder fdisk selbst Hand angelegt werden. Wir haben im Test mit DiskDruid manuell Partitionen angelegt, da nicht der gesamte freie Platz für Red Hat verwendet werden sollte. Mögliche Dateisystem-Typen sind ext2, ext3 (Standard) und Software-RAID. Nach Anlegen von Linux- und Swap-Partition wird nach dem Boot-Loader gefragt: Hier kann wahlweise Lilo oder Grub verwendet werden, und er lässt sich in den MBR der ersten Platte oder den ersten Sektor der Linux-Partition installieren. Das vorhandene Windows-System wird in das Boot-Menü automatisch eingebunden.

Der nächste Schritt ist die Konfiguration eines lokalen Netzwerks. Neben dem Zugriff auf einen DHCP-Server erlaubt auch Red Hat die manuelle Angabe von IP-Adresse, Name, Gateway, DNS etc. Bei der folgenden Firewall-Einrichtung kann zwischen drei Sicherheitsstufen (Hoch, mittel, keine Firewall) gewählt werden, einem Interface (eth0, lokales Netz) vertraut werden und der Zugang zu bestimmten Ports (DHCP, SSH, Telnet, WWW, Mail und FTP) geöffnet werden.

Wer daran interessiert ist, kann nun noch zusätzliche Sprachen einrichten; das ist wohl nur notwendig, wenn Anwender aus mehreren Ländern den PC nutzen sollen. Ein Root-Passwort muss gesetzt werden, die Einrichtung weiterer Accounts ist aber freiwillig.

Nun folgt die Paketauswahl. Zunächst werden vier große Paketgruppen angezeigt: GNOME (vorausgewählt), KDE, Software-Entwicklung und Spiele/Unterhaltung. Wir haben hier alle Gruppen gewählt und zusätzlich die Option Einzelne Pakete auswählen aktiviert. Bei der individuellen Auswahl gibt es zwei Ansichten: Zum Einen können die Pakete in der Hierarchie angezeigt werden, so dass gezielt etwa nach Server-Paketen gesucht werden kann, ohne dass die Namen bekannt sind. Wer alle wichtigen Paketnamen kennt, kann auch eine einfache alphabetische Sortierung aller Pakete auswählen. Eine Suchfunktion gibt es nicht.

Red Hat ist der einzige Distributor, der GNOME als Standard-Desktop einsetzt. KDE wird zwar auch angeboten, Red Hat hat aber bei der GNOME-Vorliebe eine lange Tradition, und so haben wir unsere späteren Tests der Oberfläche unter GNOME durchgeführt.

Weiter geht es mit der X-Einrichtung: Die Grafikkarte wurde korrekt erkannt und ein passender X-Treiber vorgeschlagen. Ohne auf Monitor-Einstellungen einzugehen, geht es direkt zur Übertragung der Pakete - die Bestimmung der Grafikkarte dient hier nur dazu, die richtigen X-Pakete zu installieren.

Nach abgeschlossener Paketinstallation kann eine Boot-Diskette erstellt werden, dies lässt sich aber auch ablehnen. Red Hat kehrt nun zur X-Installation zurück. Der angeschlossene Monitor (ein älterer ADI Microscan 5V+) wurde automatisch erkannt; die vorgeschlagene Auflösung von nur 800x600 Punkten haben wir allerdings auf 1024x768 hochgesetzt. Hier lässt sich auch zwischen GNOME und KDE als Standard-Desktop wählen. Da wir bei GNOME die liebevollere Konfiguration erwarteten, wurde GNOME ausgewählt. Damit ist die Installation abgeschlossen.

Nach dem Reboot von Platte startet wie gewünscht der Login-Manager (hier die GNOME-Variante gdm. Desktop-Icons für CD oder andere Partitionen finden sich auf der GNOME-Oberfläche nicht, dafür ist aber per Default ein Datei-Manager-Fenster geöffnet, das Zugriff auf einige Konfigurations-Tools erlaubt. Beim Einlegen der CD öffnet sich jedoch automatisch ein Fenster mit dem CD-Hauptverzeichnis, und in dem Moment wird auch ein Desktop-Icon erzeugt.

Abbildung 5

Abbildung 5: Der Standard-GNOME-Desktop von Red Hat Linux 7.2

Ein Blick ins Startmenü und die folgende Suche mit locate zeigen, dass StarOffice nicht mit installiert wurde. Man findet es auf der ersten "Linux Applications CD", von wo es per Mausklick auf den richtigen Dateinamen installiert werden kann. Neben dem reinen StarOffice-Paket wird dann auch gleich Adabas D mit installiert, so dass auch Datenbank-Funktionen zur Verfügung stehen.

Auch Internet und Drucker werden bei der Erstinstallation nicht konfiguriert. Hierfür lassen sich aber vom Desktop aus komfortable Tools starten, mit denen das nachgeholt werden kann. Die eingebaute ISDN-Karte (Fritz PCI) wurde beim Test problemlos erkannt. Die Einrichtung von Zugängen über mehrere Methoden (etwa Modem, ISDN und DSL) ist hier problemlos möglich; über den Red-Hat-Dialer rp3 (Programme/Netzwerk/RH-PPP-Dialer) lässt sich zwischen den Zugangsarten umschalten. Auch bei der Drucker-Konfiguration gab es keine Probleme: Der Drucker wurde erkannt und ein passender Treiber vorgeschlagen. Lediglich das Papierformat musste von Hand auf A4 (Vorgabe: US-Letter) umgestellt werden. Auch die richtige Auflösung (600 dpi) wurde eingestellt.

BearOps Linux

BearOps ist ein Neueinsteiger: Wir haben uns die erste Version der als "Desktop Operating System" bezeichneten, bisher nur englischsprachigen Distribution angesehen.

Nach dem Booten des Kernels verwundert zunächst die Frage, ob das ide-scsi-Modul eingebunden werden soll - denn diese Frage wird am Ende der Kernel-Meldungen im Textmodus gestellt. Eine zweite gleichartige Meldung fragt nach, ob ein "real video driver" geladen werden soll, der den BearOps-Installer beschleunigen kann. Ohne im Handbuch nachzuschauen, haben wir hier einfach mal mit "yes" geantwortet… Nach kurzer Wartezeit startet dann der X-Server mit dem Installations-Programm.

Zunächst versucht BearOps, einige Geräte automatisch zu erkennen - danach folgt die Partitionierung. Diese kann wahlweise automatisch oder manuell erfolgen, BearOps erlaubt dabei auch das Verkleinern von Windows-Partitionen. Obwohl wir "automatisch" anwählten, geschah hier nichts: Die Liste der bestehenden Partitionen wurde angezeigt, und wir konnten manuell neue hinzufügen. Offensichtlich haben die bereits auf der Platte vorhandenen Linux-Partitionen den Installer überrascht. An Linux-Dateisystemen unterstützt BearOps ext2 und ReiserFS.

Die nun folgende Paketauswahl gefällt gar nicht. Die Online-Hilfe schreibt dazu (auf Englisch): "Paketauswahl ist recht kompliziert" - stimmt, wenn man es so macht wie BearOps. Es gibt keine Möglichkeit, anhand von Profilen eine sinnvolle Vorauswahl zu treffen; alle Pakete sind auf 24 Verzeichnisse aufgeteilt (welche immerhin einigermaßen hilfreiche Verzeichnisnamen haben), und zu den Paketen gibt es keine Beschreibung - nicht einmal eine Kurzinfo. Man folgt hier besser dem Rat des Installationsprogrammes und bleibt bei der Voreinstellung (alles installieren); bei zwei CDs ist dies keine Tragödie. Nach dem Bestätigen werden die Pakete auf der Platte installiert. Auch hier werden nur die Paketnamen ohne Informationen angezeigt; immerhin weist ein Fortschrittsbalken auf ein baldiges Ende hin.

Nach Einlesen der ersten CD folgen ein paar Konfigurationsschritte, zunächst der Maus. Der Installer meldet, dass die automatische Erkennung der Maus nicht funktionierte, und vermutet, dass dies an der Verwendung einer USB- oder Wheel-Maus liegt. Danach folgt ein Reboot mit einem Schrecken: Sehr schön - BearOps hat einen neuen MBR geschrieben, so dass die bereits installierten Linux-Systeme nun nicht mehr erreichbar sind. Immerhin wurde die Windows-Partition erkannt und als Alternative in das Boot-Menü aufgenommen.

Nach dem Reboot begrüßt den Anwender wieder der Textmodus und fragt nach einer SSH-Passphrase - zwei mal [Return] drücken, und dieser für viele Anwender unklare Schritt ist überstanden. Danach fordert die Konsole zur Festlegung des Root-Passworts auf, und es folgen lange Minuten der Ungewissheit, in denen vielleicht ein wenig Hardware-Erkennung stattfindet oder das System konfiguriert wird - wer weiß?

Immerhin: Nachdem die Wartezeit vorbei ist, startet BearOps einen X-Server mit KDE-Login - schade, dass es noch keinen Benutzer außer root gibt. Mitten im KDE-Initialisierungsprozess (nach Anmeldung als Administrator) bleibt BearOps dann einfach stehen: Auf dem Bildschirm bleibt die Meldung "Initializing peripherals" zu lesen, Wechsel auf eine Textkonsole ist nicht möglich. Nach einem Reboot klappte es dann aber doch. 800x600 ist nicht die Auflösung der Wahl, und BearOps bietet ein Icon Screen Resolution, über das sich die Auflösung erfolgreich und leicht auf 1024x768 ändern ließ.

Einige Dinge funktionieren also recht gut: Die Hardware-Erkennung hat hier ganze Arbeit geleistet. Soundkarte, Grafikkarte, CD-ROM und DVD-Laufwerk, diese Dinge wurden erkannt. CDs können problemlos über die Oberfläche eingebunden und wieder entfernt werden.

StarOffice, Adabas D und weitere Programme von der zweiten CD werden von der Oberfläche aus installiert. Dazu legt man die zweite CD ein und startet nach dem Einbinden ein Install-Programm. Dies packt die dort vorhandenen Archive aus und ruft dann das StarOffice-Setup auf.

Abbildung 6

Abbildung 6: Die zweite BearOps-CD wird von Desktop aus nachinstalliert

Weitere Geräte können über das BearOps Control Panel eingerichtet werden. Für Druckerunterstützung startet man so etwa das KDE-Cups-Frontend Kups; dieses erkennt den angeschlossenen Drucker (Kyocera FS-600), weiß aber leider nicht, welcher Treiber dafür geeignet ist. Ein Versuch mit dem Treiber "HP Laserjet 4L" erzeugt einen unbefriedigenden Ausdruck; nach Ändern der Auflösung von 150 dpi auf 300 dpi und einigen weiteren Anpassungen wird es geringfügig besser - für den Ausdruck einer HTML-Seite reicht es nun, für professionelle Textverarbeitung nicht. Weitere Nachbesserungs-Versuche haben wir an dieser Stelle abgebrochen.

Abbildung 7

Abbildung 7: BearOps-Desktop mit Kontrollzentrum

Ebenfalls im Control Panel findet sich der Punkt Dial-Up Networking. Dahinter verbirgt sich einfach kppp, und dieses Tool kann nur Modem-Verbindungen einrichten. DSL und ISDN kennt BearOps nicht. Immerhin lässt sich das lokale Netzwerk einrichten - mit netconfig, einem alten Red-Hat-Tool. Während sich noch einige ältere Red-Hat-Programme in BearOps verstecken, deuten die Kommentare in /etc/inittab auf ein Slackware-System hin - hier hatte jemand Spaß am Mischen von Komponenten. Leider funktionierte das Netzwerk anschließend nicht. Die Verbindung zum Gateway war in Ordnung, aber das Routing nach draußen versagte.

Paket-Management ist übrigens eine weitere Schwäche von BearOps: Alle Pakete liegen auf CD im simplen tar.gz-Format vor; die Archive werden einfach nach / entpackt. Das ist einfach und billig, tar wird nie Fehlermeldungen über unerfüllte Abhängigkeiten ausgeben, und bei einer Vollinstallation sind die Chancen auch gut, dass alle notwendigen Bibliotheken vorhanden sind. Als Konsequenz ist es aber so gut wie unmöglich, ein Paket wieder zu deinstallieren. Auch das Einspielen von RPM- oder Debian-Archiven aus anderen Quellen kann so nicht gelingen, da die entsprechenden Paketdatenbanken fehlen, die Auskunft über vorhandene Software geben würden. Einen ähnlichen Versuch hat vor einem Jahr Icepack Linux unternommen - hinter dem Distributions-eigenen ".ice"-Format verbargen sich auch simple tar.gz-Pakete.

Ein interessantes Feature hat BearOps zu bieten: Das Paket enthält unter anderem den kommerziellen DVD-Player VideoLAN. Damit ließ sich eine Test-DVD problemlos abspielen. Die Video-Qualität war allerdings ruckelig, und der Ton nicht ganz synchron mit dem Bild, insbesondere nach Versuchen, an eine weiter hinten liegende Stelle im Film zu springen.

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LinuxUser 05/2014

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