SuSE, Mandrake, Red Hat und BearOps

Aktuelle Linux-Distributionen im Vergleich

01.01.2002
Die "großen Drei", SuSE, Mandrake und Red Hat, haben ihre Distributionen auf den aktuellen Stand gebracht. In der letzten Ausgabe des LinuxUser haben wir Ihnen diese bereits kurz vorgestellt, nun soll ein Vergleichstest in die Tiefe gehen.

Wenn wir Distributionen testen, interessieren wir uns in erster Linie für die Installations-Routinen und die Voreinstellungen des installierten Systems: Wird Hardware korrekt erkannt und eingebunden? Ist das System am Ende problemlos einsetzbar? Diese Fragen haben wir bei vier aktuellen Distributionen gestellt. Am Ende des Artikels finden Sie eine ausführliche Tabelle, in der alle wesentlichen Features der vier Distributionen im Test (SuSE 7.3, Mandrake 8.1, Red Hat 7.2 und BearOps Linux) auf einen Blick vergleichbar sind.

SuSE 7.3

SuSE erlaubt beim Booten eine Auswahl der Auflösung für die Installation, maximal sind 1024x768 Punkte möglich. Nach der Initialisierung des Kernels startet YaST2 und erkennt automatisch einige Komponenten, u. a. die Art der angeschlossenen Maus. Dies hat auf dem Testrechner gut funktioniert, in einer VMware-Sitzung aber nicht. Nach Auswahl von Sprache, Tastatur-Layout und Installationsart (Neu, Update) schlägt YaST eine automatische Partitionierung vor. Bereits bestehende Swap-Partitionen werden dabei übernommen, Windows-FAT-Partitionen lassen sich verkleinern.

Beim Anlegen von Partitionen erlaubt YaST die Auswahl zwischen Ext2, Ext3, FAT, JFS und ReiserFS. Nach der Partitionierung geht es weiter mit der Paketauswahl. Eine grobe Vorauswahl (Minimal, Minimal mit Grafik, Standard, Standard mit Office, Alles) hilft hier, über den Button Erweiterte Auswahl lassen sich Gruppen Entwicklung, Spiele, Gnome System, KDE komplett, KDE, Multimedia und Dokumentation ankreuzen. Wer es noch detaillierter haben möchte, klickt auf Einzelne Anwendungen. Die verfügbaren Pakete erscheinen nun nach Gruppen sortiert, etwa "X11/Anwendungen/Internet". Innerhalb der Gruppen sind die Pakete alphabetisch sortiert. Über eine Suchfunktion können Pakete schnell gefunden werden: Das Stichwort "ssh" fand die Pakete axssh, kssh, openssh und ssh.

Im nächsten Schritt geht es um den Boot-Loader: YaST hat hier offenbar den Grub-Boot-Manager erkannt, der sich bereits auf der Platte befand, und schlug das Erstellen einer Startdiskette vor. Alternativ erlaubt YaST die Installation von Lilo im MBR (Master Boot Record) der ersten Platte oder in eine beliebige Partition.

Die Eingabe eines Root-Passwortes ist verpflichtend, während das Anlegen eines nicht-privilegierten Accounts weggelassen werden kann, falls man die Frage "Ist dieser Rechner ein Netzwerk-Client?" mit "Ja" beantwortet.

YaST fasst nun nochmals alle Informationen zusammen und beginnt nach Bestätigung mit der Installation. Beim Übertragen der Pakete zeigt YaST eine hübsche Zusammenfassung an, wieviel Zeit die aktuelle und die folgenden CDs noch benötigen werden; wer die parallel eingeblendete Werbung mit Details wegklickt, sieht zusätzlich Informationen zu den gerade kopierten Paketen.

Während der Installation lässt sich übrigens jederzeit mit [Strg-Alt-F2] auf eine Textkonsole schalten; hier läuft eine vollständige Shell (Bash 2.0.5) mit Command-Completion. Das /dev-Verzeichnis ist vollständig - wichtig, wenn man manuell Änderungen vornehmen will, etwa schnell eine Diskette mit Zusatzdaten mounten.

Nach Abschluss der Installation von der ersten CD wird der Boot-Manager geschrieben, in unserem Fall auf eine Diskette. Die zweite CD wurde nicht abgefragt. Danach wird das installierte System gebootet, und YaST2 setzt die Installation der verbleibenden Pakete fort.

Nach dem Übertragen der restlichen Pakete von der zweiten CD folgt die X-Konfiguration. Aus einer umfassenden Monitor-Datenbank lässt sich der Bildschirm auswählen, die Grafikkarte (hier: Nvidia GeForce2 MX400) wurde automatisch erkannt. Die vorgeschlagene Auflösung von 1024x768 Punkten ist dem Monitor (einem älteren 17"er) angemessen. Beim Versuch, manuell 3D-Beschleunigung zu aktivieren, erscheint ein Warnhinweis, dass für Nvidia-Karten ein Treiber vom Nvidia-Web-Server zu besorgen ist, der SuSE Linux nicht beiliegt. Die Einstellungen lassen sich testen, und mit 75 Hz ist die Bildwiederholfrequenz brauchbar; viel mehr gibt der Monitor nicht her.

Bei der folgenden Hardware-Konfiguration werden Netzwerk-, ISDN- Sound- und TV-Karten sowie Drucker und Modems eingerichtet. So weit möglich, erkennt YaST diese Geräte automatisch; im Test funktionierte dies für die eingebauten ISDN-, Netzwerk- und Soundkarten und den Drucker.

Bei der Netzwerk-Installation besteht Wahlmöglichkeit zwischen DHCP und manueller Einstellung. In letzterem Fall können u. a. Angaben zu Rechnername, IP, Nameservern und Routing gemacht werden. Nach Übernahme der Angaben war der Rechner im Netz erreichbar.

Der Drucker, ein Kyocera FS 600, wurde korrekt erkannt und über die Option Schnelle, automatische Konfiguration erfolgreich eingerichtet; die darauf ausgegebene Testseite war in Ordnung.

Bei der ISDN-Konfiguration hilft eine Provider-Datenbank, die allerdings nur nationale Provider kennt - keine lokalen. Nach Eingabe der Zugangsdaten ist auch dieser Schritt abgeschlossen. Die Modem-Konfiguration ist mit der von ISDN identisch, es wird die gleiche Provider-Datenbank verwendet.

Auch die Soundkarte wurde über Schnelle, automatische Konfiguration eingebunden. Zwar fand kein Test statt, die Karte funktionierte aber anschließend. Wer übrigens bei der KDE-Einrichtung später den maximalen Level an "Effekten" einstellt, bekommt zur Belohnung quälende Geräusche bei fast jeder Fenster-Aktion: Fenster öffnen, schließen, maximieren etc. - etwas zu viel des Guten, aber offenbar ein KDE-Standard-Verhalten.

Damit ist die Installation abgeschlossen; SuSE Linux wechselt nun in Runlevel 5 und präsentiert den grafischen Login (kdm). Nach Anmeldung wird automatisch KDE gestartet, dies lässt sich aber im kdm in GNOME ändern. Alle erkannten Partitionen (Windows und andere Linux-Partitionen) sind auf dem Desktop verfügbar. DVD- und CD/RW-Laufwerk des Testrechners waren ebenfalls durch zwei Icons vertreten. Wird statt KDE GNOME gestartet, findet man GNOME-spezifische Menüeinträge; unter SuSE-Menüs ist aber auch der Rest zu finden. Icons für die Partitionen gibt es hier nicht.

Neben ISDN und Modem ist DSL eine zunehmend populäre Zugangsmethode. YaST2 bietet hier gleich zwei Konfigurationsvarianten - eine allgemeine und eine spezielle für T-Online-DSL-Kunden. Vorteil der T-Online-Version ist, dass Anwender keine kryptische User-ID aus Anschlusskennung, T-Online-Nummer und Mitbenutzerkennung zusammenbauen müssen, sondern diese Daten direkt in entsprechende Felder eingeben können. Die Einrichtung von T-Online/DSL wird damit so leicht wie in der Windows-T-Online-Software.

Abbildung 1: SuSE bietet Komfort für T-Online-DSL-Kunden

Niedlich: Für DOS/Windows-Umsteiger hat SuSE einige Shell-Aliase eingerichtet, die auf die Eingabe von DOS-Befehlen einen entsprechenden Hinweis geben, wie es richtig geht. Wer hier "a:" eingibt, um auf die Diskette zuzugreifen, erhält etwa die Meldung: Error: There is no such thing as a drive A: in Linux. If you want to access your floppy, try "mount /dev/fd0" and then look in the directory /media/floppy!. Ähnliches gibt es für "Befehle" wie format, ver, mem und move. Interessant ist übrigens, dass SuSE bei einer Standard-Installation Mozilla installiert, Netscape aber weglässt, obwohl Version 4.78 und 6.01 auf den CDs vorhanden sind.

Abbildung 2: SuSE YOU (YaST Online Update) in Aktion

Mandrake 8.1

Bei der aktuellen Mandrake-Release beginnt die Installation nach dem Laden des Kernels von CD mit der Auswahl der Installationssprache. Für "deutsch" gibt es hier die Varianten "Austria", "Belgium", "Germany" und "Switzerland". Wir haben uns nicht die Mühe gemacht, nach etwaigen Übersetzungsunterschieden zu suchen. Erstaunt hat der folgende Lizenzdialog, in dem die deutsche Übersetzung und das französische Original der Mandrake-Lizenz gelesen werden können - es geht erst weiter, wenn man die Lizenz akzeptiert.

Mandrake fragt nun, ob ein Experte am Bildschirm sitzt; zur Auswahl stehen zwei Installationsklassen namens "Empfehlenswert" und "Experte" - wir folgten hier der Empfehlung. Bei der anschließenden Tastaturauswahl erfreut immer wieder die Mandrake-eigene Übersetzung von "no dead keys": Die optimale Einstellung heißt hier "Deutschland (ohne Tod-Tasten)".

Bei der Partitionierung zeigt Mandrake sich vielfältig: Partitionen dürfen vom Typ ext2, ext3, ReiserFS, JFS oder XFS sein. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, sollte ext3 oder ReiserFS wählen. Bei Bedarf kann der Installer auch automatisch partitionieren, und Windows-"Laufwerke" können (manuell) verkleinert werden. Wer selbst Hand anlegen will, sieht nicht, welchen Weg der DiskDruid gegangen wäre. In der Beispiel-Konfiguration mit einer den gesamten Platz füllenden Windows-Partition schlug DiskDrake die zwei Alternativen "Windows löschen" und "Benutzerdefiniert" vor. Um Windows zu erhalten, wählten wir die benutzerdefinierte Partitionierung. Nach dem Verkleinern der Partition legte ein Klick auf "Automatisches Erstellen" die benötigten Linux-Partitionen an.

Es folgt die Paketauswahl: Hier bietet Mandrake auf einen Blick drei Hauptkategorien mit 19 Subkategorien: Arbeitsplatzrechner (Büro-Arbeitsplatz, Spiele, Multimedia, Internet, Netzwerk-Client, Konfiguration, Wissenschaft, Konsolen-Tools, Entwicklung, Dokumentation), Server (Web/FTP, Mail/Groupware/News, Datenbank, Firewall/Router, DNS/NIS, Netzwerk-Server) und Grafische Arbeitsoberfläche (KDE, GNOME, andere Oberflächen). Damit lässt sich schon recht detailliert definieren, welche Software installiert werden soll; per Klick auf Individuelle Paketauswahl kann man aber auch hier einzelne Pakete an- oder abwählen. Die Pakete sind dort in den selben Kategorien angeordnet wie sie die Vorauswahl bietet; eine Suchfunktion gibt es nicht. Standardmäßig werden übrigens beide Desktop-Systeme, KDE und GNOME, installiert. Unmittelbar nach Abschluss dieser Auswahl beginnt das Kopieren der Pakete. Auch Mandrake zeigt während der Installation Werbung an, die per Klick auf Details durch Informationen zu den gerade kopierten Paketen ersetzt werden kann.

Nach Abschluss der Paketübertragung wird das Root-Passwort gesetzt, es kann aber auch leer gelassen werden. Danach können Accounts angelegt werden, und auch dieser Schritt ist nicht verpflichtend. Haben Sie mindestens einen Account angelegt, erlaubt Mandrake die Einrichtung eines Standard-Benutzers: Dieser wird beim Start des Rechners automatisch angemeldet; ein Login entfällt dann. Danach geht es weiter mit der Netzwerkeinrichtung: Hier lassen sich Zugänge über Modem, ISDN, DSL, Kabel und lokales Netzwerk konfigurieren. Im Test wurden Netzwerk- und ISDN-Karte automatisch erkannt, und DSL, ISDN und Netzwerk ließen sich problemlos einrichten. Für ISDN steht dabei eine sehr umfangreiche Providerdatenbank zur Verfügung, die neben den großen nationalen Providern (Telekom & Co.) auch viele lokale Provider kennt. Bei Konfiguration mehrerer Internet-Verbindungen (etwa ISDN und DSL) kann eine bevorzugte ausgewählt werden, und auf Wunsch wird diese Verbindung bei jedem Rechnerstart automatisch aufgebaut.

Bei der folgenden Druckerkonfiguration wurde der verwendete Kyocera FS 600 problemlos erkannt und der entsprechende Druckertreiber vorgeschlagen. Das Standard-Papierformat ist Letter, muss also für den deutschsprachigen Raum auf A4 geändert werden. Ebenso haben wir die Druckerauflösung von Hand auf 600 dpi (Vorgabe: 300 dpi) umgestellt; der anschließende Druck einer Testseite funktionierte.

Zum Schluss wird noch das X Window System eingerichtet. Die Grafikkarte wurde automatisch erkannt, und die für 3D-Support auf einer Nvidia-Karte notwendigen kommerziellen Treiber des Herstellers wurden nachinstalliert. Ohne weitere Rückfragen wurde dann ein Lilo-Bootmanager in den MBR geschrieben und das System gebootet. Das ist gut für Standard-Konfigurationen, aber unglücklich, wenn ein bereits vorhandener Boot-Manager überschrieben wird.

Beim Neustart erwies sich die X-Konfiguration leider als nicht vollkommen richtig: Der Nvidia-X-Treiber benötigt ein Kernelmodul NVdriver.o.gz, welches im Verzeichnis /lib/modules/2.4.8-26mdk/kernel/drivers/char/ installiert wurde - leider wird es nicht automatisch geladen. Ein Wechsel in Runlevel 3, manuelles Laden des Moduls und erneuter Wechsel in Runlevel 5 lösten das Problem.

Abbildung 3: Das Mandrake-Kontrollzentrum bietet Zugriff auf alle wichtigen Konfigurations-Optionen
Abbildung 4: Etwas dürftig: Unter "Dokumentation" finden sich nur Online-Versionen der beiden Handbücher

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