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Die Neue aus Nürnberg

SuSE Linux 7.3 Personal Edition im Test

01.12.2001 Der Auftakt zum herbstlichen Distributions-Update kommt vom Nürnberger Distributor SuSE. Wir haben die neue SuSE Linux 7.3 Personal Edition auf den Prüfstand gestellt.

Die aktuelle Personal Edition kommt in der gleichen Ausstattung wie der Vorgänger: Zwei Disketten, drei CDs, drei Handbücher sowie einen Bogen Aufkleber enthält die fast 100 Mark teure Schachtel. Ebenfalls gleich geblieben ist der Installations-Support, 60 Tage lang kann man SuSE telefonisch, per Fax oder E-Mail befragen. Der Support ist dabei auf die Erstinstallation beschränkt, ansonsten muss man sich an die kostenpflichtigen 0190er-Hotlines zu 3,63 Mark pro Minute wenden.

Installation

SuSE hat das Installationsprogramm weiter verbessert. Statt der manuellen Partitionierung wird jetzt ein Vorschlag unterbreitet (Abbildung 1), der sowohl die automatische Verkleinerung von Windows als auch das Formatieren von alten Linux-Partitionen enthält.

Abbildung 1

Abbildung 1: YaST 2 unterbreitet nun einen Vorschlag für die Partitionierung des Systems. Dabei können sowohl Windows-Partitionen verkleinert als auch bestehende Linux-Partitionen gelöscht werden

Wer den Vorschlag abändern möchte, findet neben den bekannten Dateisystemen ext2, fat und reiserfs zwei neue: Das von IBM entwickelte und Anfang Juli frei gegebene JFS sowie das von Red Hat bekannte ext3 - beide sind wie reiserfs Journaling File Systems. Auch LVM und die Einrichtung von Software-RAID-Systemen ist sehr übersichtlich integriert.

Bei Einrichtung von JFS auf der Root-Partition wird übrigens nach Abarbeiten der CD 1 ein Platten-Check (fsck.jfs) ausgeführt. Die auf englisch gestellte Frage, ob der Check tatsächlich durchgeführt werden kann, sollte mit Ja beantwortet werden.

Nach der Paket-Installation wird wie gehabt XFree86 konfiguriert, allerdings konnten wir bei unserem Test-Laptop (Dell Latitude C600) keinen 3D-Support einrichten.

Neu ist die TV-Karten-Einbindung in der abschließenden Hardware-Konfiguration (Abbildung 2), ansonsten wurden zum Beispiel die Sound-Einrichtung komplett automatisiert und auch an der Modem- oder ISDN-Einrichtung etwas gefeilt. Auch unser IDE-CD-Brenner wurde automatisch erkannt und eingerichtet. Insgesamt macht die Installationsprozedur einen durch und durch guten Eindruck.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Hardware-Einrichtung nach der Installation wurde um ein Modul für TV-Karten erweitert. Auch später im YaST 2 findet sich das Modul wieder

Nachträgliche Einrichtung

YaST 2 ist nach wie vor die zentrale Einrichtungs-Komponente bei SuSE; für die Version 7.3 sind einige Module hinzu gekommen. Neben der TV-Karten-Einrichtung, die ja schon während der Installation zur Verfügung steht, gibt es noch einen Scanner-Konfigurator sowie ein Partitionierungs-Modul. Auch die X11-Einrichtung kann jetzt grafisch verändert werden, zum Beispiel um die 3D-Beschleunigung von Nvidia-Karten nach Download der entsprechenden Module zu aktivieren.

In die erweiterte Netzwerk-Einrichtung ist das Modul zur Konfiguration eines NIS-Clients (vormals "Yellow Pages" eingebaut worden. Damit lassen sich die Benutzer-Konten eines entsprechenden Servers ohne Neueinrichtung auf dem eigenen System verwenden. Über den NFS-Client kann man auch die notwendigen Verzeichnisse der Benutzer mounten lassen. Heraus kommt eine austauschbare Workstation: Egal an welchem Rechner man arbeitet, die Daten werden stets auf dem Server gespeichert – fällt der Rechner einmal aus, kann man einfach den nächsten benutzen. Wer mit dem Gedanken spielt, die NIS-Dienste im heimischen Netzwerk zu nutzen, findet in der Professional Edition den passenden Server dafür nebst einfach zu bedienendem YaST-Modul.

Personal Firewall

Die interessanteste Neuerung erwartet Sie in der Rubrik "Sicherheit und Benutzer". Dort hat SuSE ein rudimentäres Firewall-Modul eingebaut, mit dem sich zumindest der Zugriff von außen auf das eigene System unterbinden lässt. Leider ist das Modul nicht ganz astrein; wer in das Protokoll sieht, wird Fehlermeldungen über ein fehlendes Programm /sbin/rcSuSEfirewall2 finden. Dieses ist nur in der Professional-Variante vorhanden und bietet weitere Konfigurationsmöglichkeiten, die Fehlermeldung hat jedoch keinen Einfluss auf die Personal Firewall. Nebeneffekte dieser rudimentären Firewall sind zum Beispiel, dass Datei-Transfers via FTP oder aber mittels DCC im Chat nicht mehr möglich sind. Hier hilft nur die individuelle Konfiguration, wie zum Beispiel in unserem Workshop "Schotten dicht" aus LinuxUser 03/2001 und 04/2001 erklärt, oder die Abschaltung der Personal Firewall.

Spiele

Die alten Bekannten tuxracer und tuxkart gehören genauso zum Distributionsumfang wie der freie Flugsimulator Flight-Gear. Neu ist das Kultspiel "Werner: 100% Schwarzarbeit - der Turmbau zu Köllerup". Das unter anderem von Comic-Zeichner Brösel entwickelte Spiel wird in der Vollversion mitgeliefert. Nur die Weltraum-Simulation Parsec ist mit gut 130 MByte zu groß für die drei CDs der Personal Edition und deshalb nur in der Professional-Variante enthalten.

Probleme mit Font-Antialiasing

Für jeden Benutzer, der sich erstmals unter KDE 2 anmeldet, wird der K-Personalizer gestartet. Darin wird neben Sprachen-, Landes- und Zeicheneinstellung die Geschwindigkeit des Prozessors abgefragt. Hier ist Vorsicht geboten.

Je weiter der Schieberegler nach rechts gezogen wird, desto mehr Features werden im KDE eingeschaltet, darunter auch die Kantenglättung der Schriften (Font-Antialiasing), wie in Abbildung 3 zu sehen. Nach dem nächsten Login führt diese Einstellung dazu, dass die Schrift auf der Konsole schlicht unlesbar ist. Fatal: Auch über die entsprechenden Schrift-Menüs in der Konsole lässt sich das Problem nicht mehr beheben, erst ein erneuter Aufruf von kpersonalizer und die Abschaltung der Kantenglättung bringen Abhilfe.

Abbildung 3

Abbildung 3: Wer im K-Personalizer eine schnelle CPU einstellt, bekommt automatisch das Font-Antialiasing eingerichtet. Doch damit ist die Konsole (links im Bild) unbrauchbar, die Schrift lässt sich nicht einmal ändern

Auch der Administrator kann unter KDE Probleme mit den Schriften bekommen, wenn die Sprache auf Deutsch umgestellt, aber der voreingestellte Zeichensatz "gbk-0" beibehalten wird. Hier muss "iso-8859-15" angegeben werden, ansonsten mutieren zum Beispiel Umlaute zu Fragezeichen, Klammern und Zahlen.

Notwendige Updates

SuSE 7.3 verwendet Kernel 2.4.10, für den allerdings in den letzten Wochen einige unter sehr komplexen Umständen auftretende Sicherheitslücken bekannt geworden sind. Auch einige Anwendungen sind als sicherheitskritisch einzustufen, zum Beispiel das Login-Programm. SuSE ist daraus kein Vorwurf zu machen, zum Zeitpunkt der CD-Herstellung war Kernel 2.4.10 aktuell und noch nichts über Bugs zu lesen. Dennoch ist es empfehlenswert, nach der Installation per YaST Online Update (YOU) die neuesten Pakete aus dem Internet zu besorgen. Den korrigierten Standard-Kernel der SuSE 7.3 finden Sie auf unserer Heft-CD unter LinuxUser/SuSE/k_deflt-2.4.10-25.i386.rpm, er wird nicht per YOU erneuert.

Fazit

Die SuSE Linux 7.3 Personal Edition ist eine gelungene Zusammenstellung. Einsteiger sollten allerdings eher die ausgetretenen Pfade der Standard-Einstellungen versuchen, anstatt an allen Reglern herumzuprobieren - im schlimmsten Fall enden allzu umfangreiche Änderungen mit einer kaum mehr benutzbaren Bildschirmoberfläche. Schade ist nur, dass es noch keine Hardware-Erkennung bei Systemstart ähnlich harddrake von Mandrake gibt, die neue Geräte weitestgehend selbst einrichtet.

SuSE 7.3 Personal Edition

Kernel: 2.4.10 (mit Patches)
XFree86: 4.1.0
KDE: 2.2.1
Gnome: 1.4.0
Lieferumfang: 3 CDs, 3 Handbücher, Aufkleber
Support: 60 Tage Support für Erstinstallation, per Telefon, Fax, Email
Preis: ca. 100 Mark
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