Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.12.2001

GNOME 2 Platform Alpha

Nachdem lange an ihr gearbeitet wurde, war es Anfang Oktober endlich soweit und die erste Alphaversion der GNOME 2 Platform wurde veröffentlicht. Dieses Release ist der erste Schritt in der GNOME 2 Roadmap [1] und bietet Entwicklern die Möglichkeit, sich mit der neuen Plattform vertraut zu machen und ihre Programme zu portieren. Fertiggestellt werden soll GNOME 2 Mitte Februar nächsten Jahres, womit es dicht auf KDE 3.0 folgt. Für Benutzer ist diese Alpha noch nicht tauglich, da erst die zweite Platform Alpha komplett parallel zu GNOME 1.4.1 installiert werden kann; außerdem gibt es noch keinerlei nützliche Programme. Neu bei der GNOME 2 Platform ist natürlich GTK+ 2, das Antialiasing und über Pango eine bessere Unterstützung für exotische Schriften bietet. Außerdem wird mit ATK ein Framework für eine behindertengerechte Oberfläche eingeführt. Neu ist auch, dass viele Bibliotheken aufgespalten wurden und jetzt auch unabhängig von der eigentlichen Oberfläche eingesetzt werden können. Zusammen mit neuen Bibliotheken, zum Beispiel für XSLT oder Paketkonfiguration, trägt das natürlich nicht umbedingt zur ohnehin problematischen Übersichtlichkeit der Plattform bei. Andere Teile der Plattform wie Bonobo, Gconf, die XML-i18n-Tools und OAF sollten allen Benutzern von Nautilus oder Evolution bereits bekannt sein, auch wenn OAF seinen Namen in Bonobo-activation geändert hat und die XML-i18n-tools in Zukunft in Intltools heißen sollen.

Der Großteil der Arbeit wird jetzt sein, die GNOME-Programme auf die neue Plattform zu portieren und zu stabilisieren. Auch wenn sich dank des Usability-Projekts und neuen Features in der Plattform einiges ändern wird, bleiben einige große Neuerungen rund um die GNOME-Programme vorerst aus: So wird das komplett neue Panel voraussichtlich aus Zeitgründen wegfallen. Mehr Features sollen dann aber in GNOME 2.x folgen, was auf regelmäßigere Releases hoffen lässt. Um auszuloten, welche Features für GNOME 2 gewünscht sind, wurde eine entsprechende Anfrage unter [2] gestartet und unter [3] ausgewertet. Glücklicherweise wird schon an vielen der genannten Probleme gearbeitet.

Neues von der GNOME Foundation

Fast ein Jahr nach ihrer Gründung und den ersten Wahlen ist es wieder so weit, und es laufen die ersten Vorbereitungen für die zweiten Direktoriumswahlen an. Gewählt wird von den Mitgliedern der GNOME Foundation, wobei jeder, der etwas zu GNOME beigetragen hat, Mitglied werden kann. Die genaue Policy für neue Mitglieder und das Antragsformular stehen unter [4]. Neben dieser werden von der GNOME Foundation noch zahlreiche andere Policies [5] entwickelt, die zum Beispiel klären, wer Webspace bei gnome.org bekommt. Aber auch wer nicht an GNOME mitwirkt, wird in Zukunft seinen Namen auf die GNOME-Seite setzen können: Dazu wurde von Tim Ney das Spendenprogramm "Friends of GNOME" initiiert, bei dem Spenden abhängig von ihrer Höhe mit kleinen Geschenken belohnt werden.

Ximian ISO Images

Alle, denen es trotz Red Carpet zu umständlich ist, ihre Distribution auf Ximian GNOME umzurüsten, werden sich bestimmt freuen, dass es unter [6] fertig umgerüstete ISO Images der beliebtesten Distributionen gibt. Momentan steht allerdings nur Redhat 7.1 + Ximian unter dem Namen XR bereit - an Mandrake und Debian wird gearbeitet.

Mozilla Sourcecode unter neuer Lizenz

Ursprünglich wurde Mozilla [7] größtenteils unter der nicht GPL-kompatiblen Lizenz MPL und der noch etwas unfreieren NPL vertrieben, was schnell zu Problemen führte, da einige GPL-Programme auf Mozilla aufbauten und somit die GPL verletzten. Bei Galeon zum Beispiel führte das zu einem Zusatz zur GPL, der Mozilla von einigen Einschränkungen ausnahm. Jetzt hat sich Netscape allerdings entschlossen, Mozilla unter drei Lizenzen, nämlich MPL/GPL/LGPL bzw. unter NPL/GPL/LGPL zu stellen, was die Lizenzproblematik für viele GNOME-Programme löst. Diese Umlizensierung war bei der NPL relativ einfach, da diese schon eine Klausel enthielt, die Netscape das Relizensieren erlaubt - bei Dateien unter der MPL bedarf es allerdings der Zustimmung aller beteiligten Entwickler, weshalb es sich etwas länger hinziehen kann. Um das Lizenzwirrwarr komplett zu machen, existieren in Mozilla noch einige Dateien unter BSD-Lizenzen. Da diese aber mit der GPL kompatibel sind, werden sie nicht verändert. Unschön an diesem Schema ist allerdings noch, dass die NPL als Teil der Dreifach-Lizensierung bestehen bleibt. Zumindest langfristig besteht allerdings laut [8] der Plan, sie durch die MPL zu ersetzen.

Ximian stellt weiter ein

Ximian [9] hat sein Management um zwei weitere Mitarbeiter, nämlich Mitchell Karpor und Kevin Harrison, erweitert. Beide bringen einige Erfahrung mit; besonders Karpor, der sowohl bei Lotus als auch bei Personal Software Inc., dem Distributor von Visicalc, mitarbeitete und Mitgründer der EFF ist, sollte eine große Bereicherung sein. Harrison besetzt die Stelle des Vize-Verkaufspräsidenten und wird voraussichtlich daran mitarbeiten, neue Märkte für Ximians Service-Produkte zu erschließen. Karpor besetzt einen Platz im Direktorium des Unternehmens.

Gtranslator

Nicht unwesentlich für die Benutzerfreundlichkeit eines Programms ist die Übersetzung, wie sie heute in den meisten GNOME-Programmen existiert. Zum Glück müssen die vielen Übersetzer allerdings nicht die ganzen Zeichenketten im Quelltext suchen und mühsam umstricken, sondern ein Programm namens xgettext übernimmt diese Arbeit und extrahiert alle vom Programmierer markierten Strings in eine pot-Datei. Diese Datei kann sich dann jeder Übersetzer kopieren, umbenennen und mit Übersetzungen füllen - der Name für eine deutsche Übersetzungsdatei wäre z. B. de.po. Die .po und .pot-Dateien müssen natürlich regelmäßig synchronisiert werden, was neben unübersetzten Textstellen zu "fuzzy"-Übersetzungen führt, die von Gettext auf Basis der anderen Übersetzungen geraten wurden. Sinn von Gtranslator [10] ist es, so entstandene po-Dateien zu bearbeiten. Praktisch für neue Übersetzungen ist dabei, dass Gtranslator versuchen kann, die Datei mit Hilfe von bereits bestehenden Übersetzungen anderer Programme zu vervollständigen. Außerdem greift Gtranslator dazu auf "gelernte" Übersetzungen aus einer UMTF-Datei zurück. Gefüllt wird diese Datei während des Übersetzens beziehungsweise über das Kommando "gtranslator -nl name.po" aus einer bestehenden po-Datei. Teilweise finden sich auf der Gtranslator-Homepage auch fertige Learn-Buffer, die es Anfängern leichter machen, nicht mit bestehenden Übersetzungs-Konventionen zu kollidieren. Nützlich ist auch, dass Gtranslator die einzelnen Zeichenketten nach ihrem Status sortieren kann und dass der Dateikopf automatisch mit den Daten des Übersetzers vervollständigt wird.

Eher für Programm-Maintainer gedacht ist das Programm Pozilla, welches Gtranslator beiliegt. Mit Hilfe dieses Skriptes lassen sich Übersetzer im Voraus von Releases informieren und haben somit die Chance, termingerecht zu liefern.

Abbildung 1: Die Farbschemata des Gtranslator-Editors sind frei wählbar

GWCC

Das GNOME Workstation Command Center [11] - kurz GWCC - ist ein Frontend für eine ganze Reihe von Kommandozeilenprogrammen und erlaubt es, deren Ausgaben zu speichern und zu drucken. Die jeweiligen Optionen der Programme lassen sich verändern, was vor allem für Einsteiger Vorteile hat. In mehreren Tabs organisiert zeigt GWCC den Systemstatus vom Hauptspeicher bis zu Netzwerk-Interfaces und erlaubt es, die Standard-Netzwerktools traceroute, dig etc. zu verwenden. Außerdem kann man, ähnlich wie bei top, Prozesse aus einer Liste auswählen und abbrechen. Auch die Suche innerhalb der Prozessliste wie bei "ps | grep" unterstützt GWCC.

Abbildung 2: GWCC zeigt auch Systeminformationen an

Benötigte Bibliotheken:

Gtranslator:Gal >= 0.11.99, Gconf >= 1.0, Gnome-VFS >= 0.4.1, Scrollkeeper >= 0.1.4

GWCC: Nur Standard-GNOME-Bibliotheken

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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