Übersetz doch mal!

Kdict

01.12.2001
Keine Lust, echte Wörterbücher aus Papier zu wälzen? Mit Kdict ist die Online-Alternative nicht weit.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Egal wie gut das Englisch, Französisch oder Suaheli auch sein mag – die eine oder andere Vokabel vergisst man doch. Genau für diese Fälle gibt es Kdict, das Wörterbuch für KDE. Früher nur als einzelne Applikation erhältlich, ist es ab der Version 2.2 fester Bestandteil des kdenetwork-Pakets, so dass Sie es noch nicht einmal extra installieren müssen.

Die virtuelle Übersetzungshilfe benutzt das DICT-Protokoll (http://www.dict.org/), um in auf diversen Internet-Servern zugänglichen Datenbanken nach der Definition eines Worts zu suchen, das Ihnen partout nicht einfallen will. Wer auf das Programm schon früher einen Blick geworfen hat, wird überrascht sein, denn neben der Portierung auf die 2.2er Version von KDE haben die Entwickler in der Neuauflage Features eingebaut, die das Arbeiten mit dem Tool noch netter machen. Sehr praktisch ist vor allem die Möglichkeit, Kdict im Panel zu verankern.

Ein Nachschlagewerk ganz für Sie alleine

Wer bei den Worten "auf diversen Internet-Servern" bereits ängstlich an seine Telefonrechnung gedacht hat: Keine Angst, Sie müssen nicht zwingend ständig online sein. Mit dem DICT-Daemon ist es möglich, einen DICT-Server auf dem eigenen Rechner zu betreiben. Ein solcher lokaler Server bietet – neben maximaler Geschwindigkeit und Kostenersparnis (zumindest für alle ohne echte Flatrate) – die Möglichkeit, zusätzliche Datenbanken zu installieren.

Bevor Sie Ihr virtuelles Wörterbuch in Betrieb nehmen, gilt es daher erst einmal, den dictd-Server und die dazugehörigen Hilfsprogramme zu installieren. Am einfachsten gestaltet sich die Prozedur, wenn Sie die zu Ihrer Distribution passenden deb- oder rpm-Pakete verwenden. Sowohl die Debian-Distribution als auch SuSE enthalten die passenden Päckchen, für andere rpm-basierte Distributionen wie Red Hat lassen sie sich (allerdings nur in einer älteren Version) leicht unter http://rpmfind.net/ aufstöbern.

Alternativ können Sie dictd selbstverständlich auch auf eigene Faust kompilieren. Dazu benötigen Sie das Paket dictd-1.5.5.tar.gz , das Sie nach dem Herunterladen von ftp://ftp.dict.org/pub/dict/ entpacken und mit dem altbekannten ./configure, make und make install installieren.

Nun sollten wir noch ein paar Wörterbuch-Datenbanken herunterladen, ohne die der Server wenig Sinn hat. Die üblichen Verdächtigen wie Webster (dict-web1913), Wordnet (dict-wn) oder das Jargon File (jargon) finden Sie unter ftp://ftp.dict.org/pub/dict/pre/. Zusätzlich lohnt ein Besuch auf http://www.freedict.de/, das zweisprachige Wortlisten in mehr als 15 Sprachen für Sie bereit hält.

Zwar finden sich auf der Seite http://www.dict.org/ noch eine Menge mehr Datenbestände, doch zum großen Teil haben sie ein Format, das dictd nicht versteht. Denn jede DICT-Datenbank muss aus zwei Dateien bestehen: name.index enthält den Index und name.dict.dz die eigentlichen Daten bzw. Wörter. Entpacken Sie die Datenbankarchive in ein Verzeichnis, das Sie extra dafür angelegt haben, etwa /usr/local/db.

Liegen die Daten vor, gilt es, den lokalen DICT-Zugriff zu konfigurieren. Möchten Sie außer Kdict hin und wieder das Kommandozeilenprogramm dict zum Stöbern in Ihren lokalen Datenbanken verwenden, sollte die Datei dict.conf schlicht und ergreifend folgende Zeile enthalten:

server localhost

Mit der Datei dictd.conf, die wir uns jetzt vornehmen, konfigurieren Sie den lokalen Server. Legen Sie zunächst mit dem access-Befehl fest, wer darauf künftig Zugriff haben soll. Am besten entscheiden Sie sich für etwas in der Art von

access {allow localhost deny *}

Damit gestatten Sie lediglich den lokalen Zugriff.

Jetzt fehlt nur noch die Spezifikation der Datenbanken, die dictd verwenden soll. Sie erinnern sich – das waren die Dateien, die wir uns im Vorfeld mühsam zusammengesucht und ins Verzeichnis /usr/local/db gesteckt hatten. Meine dictd.conf hat folgendes Aussehen:

database deutsch   { data  "/usr/local/db/deu-eng.dict.dz"
                      index "/usr/local/db/deu-eng.index" }
 database englisch  { data  "/usr/local/db/eng-deu.dict.dz"
                      index "/usr/local/db/eng-deu.index" }
 database jargon    { data  "/usr/local/db/jargon.dict.dz"
                      index "/usr/local/db/jargon.index" }

Sollten Sie weitere Datenbanken verwenden wollen (etwa Webster), können Sie dictd.conf jederzeit um die Anweisung für diese Datenbank ergänzen, damit dictd die zugehörigen Dateien auch findet. In unserem Beispiel sähe das in etwa so aus:

database web1913   { data  "/usr/local/db/web1913.dict.dz"
                      index "/usr/local/db/web1913.index" }

Jetzt starten Sie Ihren Wörterbuchserver durch die Eingabe eines bescheidenen dictd in einem Terminal Ihrer Wahl. Damit sollte der Zugriff mit dict oder in unserem Fall mit Kdict funktionieren.

Wortreich

Nach all der Installiererei und Konfiguriererei sind Sie sicherlich ganz scharf darauf, Kdict endlich in Aktion zu sehen. Nichts leichter als das: Starten Sie Ihr Wörterbuch mit einem kdict & in einer Terminalemulation Ihrer Wahl oder alternativ via K-Menü / Dienstprogramme / Kdict, doch erschrecken Sie bitte nicht über das doch eher leere Fenster (Abbildung 1), das Ihnen daraufhin entgegenblickt. Dies füllt sich schneller, als Sie denken.

Abbildung 1: Willkommen

Doch bevor Sie in Kdict fleißig fehlende Vokabeln nachschlagen, müssen Sie noch ein wenig an den Einstellungen Ihres persönlichen Übersetzers drehen. Öffnen Sie dazu den Einstellungsdialog via Einstellungen / Kdict einrichten (Abbildung 2), ändern Sie – falls Sie sich für einen lokalen Server entschieden haben – das voreingestellte dict.org in localhost um, und klicken Sie danach auf den Button Anwenden. Alle anderen Einstellungen unter diesem Punkt können Sie getrost übernehmen, da Angaben für das Zeitlimit etc. sowieso nur bei Online-Abfragen sinnvoll sind. Zeitlimit legt übrigens fest, wie lange Kdict auf eine Antwort des Servers warten soll.

Abbildung 2: Dieser Server heißt localhost

Um auf Nummer Sicher zu gehen, testen Sie danach Ihre Konfiguration durch den Aufruf von Server / Informationen zum Server. Kdict versorgt Sie daraufhin mit ein paar Statusinformationen zum Server (Abbildung 3). Starten Sie im Anschluss Server / Serverdaten ermitteln, um Kdict eine Liste der verfügbaren Datenbanken und Suchstrategien des eingestellten Servers (in unserem Falle localhost) zur Verfügung zu stellen. Künftig zeigt Ihnen das Wörterbuch-Frontend in seinen Auswahlmenüs alle Datenbanken und Strategien an.

Abbildung 3: Das hat Ihr Server alles zu bieten

Die Bedienung des elektronischen Nachschlagewerks ist denkbar einfach. Möchten Sie ein Wort oder eine Definition nachschauen, geben Sie diese/s im Feld Suchen: ein und betätigen danach die [Enter]-Taste oder klicken alternativ auf das kleine Icon mit der Lupe in der Menüleiste. Im Pulldown-Menü daneben legen Sie darüber hinaus fest, in welcher der verfügbaren Datenbanken Kdict suchen soll.

Kdict versteht sich als waschechte KDE-Applikation selbstverständlich fantastisch mit der KDE-eigenen Zwischenablage und schlägt deren Inhalt für Sie nach, so Sie das möchten. Wählen Sie dazu den Menüpunkt Bearbeiten / Inhalt der Zwischenablage suchen. Sollten Sie dieses Feature öfters verwenden, bietet es sich an, dafür via Einstellungen / Tastenzuordnungen vornehmen ein eigenes Tastenkürzel anzulegen. Alternativ können Sie ein Wort mit der linken Maustaste markieren und danach mit der mittleren Maustaste ins Hauptfenster von Kdict klicken, um die Abfrage zu starten.

Da es häufig sinnvoll ist, eine Abfrage nur auf einem Teil der Datenbanken durchzuführen, bietet Ihnen Kdict die Möglichkeit, eigene Datenbanksets zu definieren. Dies sind freie Zusammenstellungen der vorhandenen Datenbanken (etwa alle englisch-deutschen Wörterbücher), die als virtuelle Datenbanken in der Datenbankauswahl auftauchen. Möchten Sie ein solches Set erstellen, wählen Sie Server / Datenbanksets editieren und stellen sich mit Hilfe der Pfeil-Taste Ihre persönliche Datenbank-Kombination zusammen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Eine Datenbank nach eigenem Geschmack

Ob mit oder ohne eigens aufbereitete Datenmixtur zeigt Ihnen Kdict das Ergebnis Ihrer Suche kurze Zeit später in einem Fenster wie in Abbildung 5 an. Auch gegen den sich immer wieder einschleichenden Fehlerteufel setzt sich das Programm zu Wehr. Findet es keinen passenden Begriff in seinen Datenbanken, bietet es Ihnen auf der rechten Fensterseite eine Liste ähnlich lautender Wörter an. Vielleicht ist ja der gesuchte Begriff darunter? Wenn ja, schlagen Sie ihn sogleich nach, indem Sie ihn markieren und den Button Auswahl laden anwählen. Wollen Sie alle Alternativen auf einen Schlag nachsehen, hilft der Button Alle laden.

Abbildung 5: Jede Menge Informationen

Wundern Sie sich nicht, dass manche Wörter in der Definition blau erscheinen. Dies hängt mit einem weiteren netten Feature des Programms zusammen. Klicken Sie auf eines dieser ausgezeichneten Wörter, zeigt Ihnen Kdict sofort die dazugehörige Definition dieses Begriffs an – Hyperlinks à la Kdict.

Panel&Co.

Brandneu ist die Möglichkeit, Kdict im Panel zu verankern. Wählen Sie dazu im K-Menü Kontrollleiste einrichten / Hinzufügen / Miniprogramm / Lexikon an. Sie sehen danach sofort ein Applet wie in Abbildung 6. Sind Ihnen künftig beim Studieren einer Webseite, einer Manpage oder einer Readme-Datei diverse Ausdrücke unbekannt, müssen Sie diese nur in dieses Feld eingeben; Kdict schaut den Begriff nach und präsentiert Ihnen das Ergebnis seiner Bemühungen in der gewohnten Form.

Abbildung 6: Verschluckt

Wenn Sie hingegen nur mal schnell ein Wort nachschauen wollen, können Sie sich die Kommandozeilen-Optionen Ihres Helferleins zu Nutze machen. Starten Sie Kdict in einem solchen Fall in folgender Form:

kdict wort_das_sie_nachschlagen_wollen

Möchten Sie mehrere Begriffe auf einen Rutsch nachsehen, müssen Sie diese in Anführungszeichen setzen. Mit einem kdict -c oder kdict --clipboard schlägt Kdict den Inhalt der Zwischenablage nach. Ein kdict -h gibt Ihnen einen genauen Überblick über die weiteren Kommandozeilenoptionen.

Glossar

Webster

"Webster's Revised Unabridged Dictionary, 1913 Edition" ist ein einsprachiges oder besser gesagt rein englischsprachiges Wörterbuch, das über 100.000 Wörter umfasst.

Wordnet

Die Arbeiten an WordNet begannen im Jahr 1985 und werden heute noch weitergeführt. An der Entwicklung beteiligt sind überwiegend Psychologen und Linguisten der Universität Princeton, USA. Die Struktur des Lexikons orientiert sich an den psycholinguistischen Theorien über das menschliche Gedächtnis, im Unterschied zu gebräuchlicheren Lexika, die anhand der alphabetischen Ordnung bzw. in Synonymklassen organisiert sind. So wird bei einem Wort die Unterscheidung zwischen der Wortform und der Wortbedeutung getroffen. Die Wortbedeutung ist dabei durch eine Menge synonymer Wortformen repräsentiert. WordNet ist nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt und besteht derzeit aus über 95.600 englischen Wortformen. Empfehlenswert ist dieser Thesaurus vor allem als Formulierungshilfe für englische Texte.

Jargon File

Eric Raymonds "The New Hacker's Dictionary" (so der offizielle Name) ist wohl das Nachschlagewerk für den allgegenwärtigen Internet- und Hacker-Slang. Es bezeichnet und definiert – häufig in ironischer Weise – Begriffe rund ums Netz und den Computer.

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