Kleines Büro

KOffice 1.1 - Test

01.12.2001
Ende August wurde Version 1.1 des freien Office-Paketes KOffice zum Download frei gegeben. Wir haben das aktuelle Office-Paket für KDE einem eingehenden Test unterzogen.

Nachdem die erste, zusammen mit KDE 2.0 veröffentlichte Version noch starken Beta-Charakter aufwies und insbesondere die Textverarbeitungskomponente durch regelmäßige Abstürze glänzte, soll dies mit der gerade neu erschienenen Version 1.1 endlich anders sein.

Seit unserem letzten Test in Ausgabe 12/2000 ist ein Jahr vergangen, in dem das KOffice-Entwickler-Team nicht geschlafen hat. Das Ergebnis wurde Ende August unter www.koffice.org in Form einer explizit als stabil gekennzeichneten Version 1.1 zum Download frei gegeben. Ob dieses Versprechen auch in der Praxis zutrifft und welche neuen Funktionen in das Office-Paket Einzug gehalten haben, testeten wir auf einem Rechner mit SuSE Linux 7.2 mit dem enthaltenen KDE 2.1.2 und zusätzlich mit den KDE-2.2-Paketen von der LinuxUser-CD 10/2001.

KOffice ist eine Sammlung verschiedener Büroprogramme. Neben den obligatorischen Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationskomponenten bietet das Paket weitere interessante Zusätze, wie z. B. ein Zeichen- und Präsentationsprogramm. Ziel der Programmierer war und ist es, ein freies Office-Paket zu entwickeln, das sich nahtlos in den KDE-Desktop integriert und mit seinem Funktionsumfang den großen kommerziellen Vorbildern wie StarOffice oder Microsoft Office in nichts nachsteht.

Zu finden ist das Paket für die verschiedensten, aktuellen Distributionen unter www.koffice.org oder auf der LinuxUser-CD 11/2001. Als Systemvoraussetzung wird KDE 2.1.2 (oder höher) genannt. Wer eine andere Desktop-Umgebung wie z. B. GNOME einsetzt, benötigt die zu KDE 2.1.2 oder höher gehörenden Bibliotheken. Alle aktuellen Distributionen sollten diese standardmäßig mitbringen.

Nach der Installation des rund 9 MB großen Paketes erleben wir unsere erste Überraschung: Neben dem auf der Web-Seite angekündigten Bildbearbeitungsprogramm Krayon fehlt auch die komplette Hilfe. Erst das FAQ-Dokument auf der KOffice-Homepage klärt darüber auf, dass Krayon noch nicht Teil der stabilen KOffice-Pakete ist. Einen Hinweis auf die fehlenden Hilfetexte findet nur, wer in den Tiefen der KDE-Verzeichnisse auf die Suche geht: Dort wird in einer Textdatei darauf hingewiesen, dass diese noch nicht rechtzeitig fertig gestellt worden sind und erst zu einem späteren Zeitpunkt von der Homepage des Projektes herunter geladen werden können. Für den Benutzer, der zum ersten Mal mit dem Paket in Berührung kommt, sicherlich nur ein schwacher Trost. Hierzu ein Tipp: Die vorherigen Beta-Versionen brachten noch eine Dokumentation mit. Unter SuSE Linux 7.2 finden Sie eine solche Version in der Serie KDE2 im Paket koffice.

Start me

Ein Blick auf die neuen Einträge im Startmenü stimmt da schon etwas versöhnlicher: Neben den bereits bekannten Komponenten KWord (Textverarbeitung), KSpread (Tabellenkalkulation), KPresenter (Präsentationsprogramm), Kontour (Zeichenprogramm), KFormula (Formel-Editor) und KChart (Diagramm-Editor) tummeln sich dort mit Kivio (Flussdiagramme) und Kugar (erstellt Geschäftsreports) zwei neue Programme. Der ebenfalls über das Startmenü erreichbare KOffice-Arbeitsplatz wurde fast unverändert aus der alten Version übernommen: Er dient auch weiterhin als Anwendungs-Launcher, der in einer Leiste die Applikationen und alle geöffneten KOffice-Dokumente auf einen Blick zur Verfügung stellt.

Abbildung 1: Der leere KOffice-Arbeitsplatz nach seinem Start. Die graue Fläche füllt später die aktuell geöffnete Anwendung

Am ehesten ist dieses Programm mit einem sehr stark abgespeckten StarOffice-Desktop zu vergleichen.

Ein Blick auf die Liste der Veränderungen bestätigt das, was der kleine Versionssprung hinter dem Punkt bereits andeutet: Die Verbesserungen beschränken sich hauptsächlich auf den Unterbau und die Stabilität. Neue Funktionen spiegeln sich nur in ein paar Detailverbesserungen wieder, die sich größtenteils als Hilfen bei der praktischen Arbeit entpuppen.

Allgemeines

Alle Anwendungen wurden an die neuen KDE-Bibliotheken angepasst, so dass KDE-2.2-Benutzer in den Genuss der erweiterten Druckfunktionen gelangen. Auf unserem Testrechner gehen wir unter der älteren KDE-Version allerdings leer aus; erst KDE 2.2 zusammen mit dem entsprechend angepassten KOffice-Paket öffnet uns den Zugang zu allen Funktionen.

Abbildung 2: Die neuen Druckmöglichkeiten von KOffice. Das Dialogfenster im Vordergrund steht in allen KOffice-Komponenten zur Verfügung

In diesem Zusammenhang ist auch die neue Druckvorschau zu erwähnen, die unter allen Desktop-Versionen zur Verfügung steht. Mit ihrer Hilfe lässt sich ein Dokument bereits vor seinem Ausdruck begutachten. Leider schlug die Vorschau auf unserem Testrechner in vielen Fällen fehl. So präsentierte das für die Vorschau verwendete Programm KGhostview (auch PS-/PDF-Betrachter) oft nur eine leere Seite.

Ein weiterer Vorteil des neuen Unterbaus ist auch optischer Natur: Alle Komponenten des Office-Paketes wirken nun viel besser aufeinander abgestimmt und erwecken nicht mehr den Eindruck eines Haufen bunt zusammengewürfelter Programme.

Des weiteren wurden dem Office-Paket neue Datei-Im- und Exportfilter spendiert (vgl. Kasten 1, "Datei-Formate"). Leider ist die Entwicklung der Filter noch nicht so weit vorangeschritten, dass diese in die Kategorie "brauchbar" eingestuft werden könnten. Dies gilt sogar für den Datenaustausch der einzelnen KOffice-Komponenten untereinander: So wurden beim Versuch, ein KPresenter-Dokument unter KWord zu öffnen, Layout und Schriftarten zerwürfelt.

Abbildung 3a: Dieses Dokument in KPresenter…
Abbildung 3b: … sieht nach dem Import unter KWord so aus

Im besten Fall bleibt der Anwender beim Import von einem Absturz verschont, und die Werte bzw. der Text werden korrekt in die entsprechende Anwendung übernommen. Gleiches gilt übrigens auch für den Export.

Kasten 1: Datei-Formate

Neben den eigenen Formaten (mit tar und gzip gepackte XML-Dateien) bieten die Programme aus KOffice folgende Im- und Exportmöglichkeiten:

Anwendung

Importfilter

Exportfilter

KWord

ApplixWare, Abiword, HTML und einfache Textdateien

Abiword, HTML, Richtext (RTF), einfacher Text (TXT) und LaTeX

KSpread

Microsoft Excel, ApplixWare, GNUmeric, Corel QuattroPro (WordPerfect Office 2000 für Linux), Textdateien im CSV-Format (durch Komma getrennte Werte)

HTML, GNUmeric und CSV-Format

KPresenter

Microsoft PowerPoint

HTML-Präsentation

Kontour

Skalierbare Vektorgrafiken (SVG), Microsoft Office Zeichnung (msod), Xfig, ApplixWare Grafik, Windows Metafile (wmf)

Skalierbare Vektorgrafiken (SVG), xpm, eps und ppm

Alle hier nicht aufgeführten Programme kennen nur ihr eigenes Speicherformat.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • KOffice 1.1 - Erster Eindruck
    KOffice ist eine Sammlung verschiedener, freier Büroprogramme. Nachdem die erste, mit KDE 2 ausgelieferte Version wegen häufiger Abstürze etwas enttäuschte, ist nun endlich ein verbesserter Nachfolger verfügbar. Für uns Anlass genug, einen kurzen Überblick über die Neuheiten der Version 1.1 zu geben.
  • KOffice 1.3
    Das KDE-Office-Paket KOffice geht in eine neue Runde: Die Version 1.3 bringt neben etlichen Detailverbesserungen und Fehlerberichtigungen einige neue Funktionen.
  • Office-Paket KOffice
    KDE 2.0 ist nicht nur eine Desktop-Umgebung, sondern bringt zusätzlich eine ganze Anzahl qualitativ hochwertiger Anwendungen mit. KOffice, das in einer Beta-Version bereits in KDE 2.0 enthalten ist, zählt derzeit sicherlich zu den vielversprechendsten KDE-Projekten. In diesem Artikel gibt Ihnen LinuxUser einen Überblick über den derzeitigen Stand dieses neuen Office-Pakets für Linux.
  • Koffice-Entwickler geben Version 2.0.0 frei
    Das KOffice-Projekt vermeldet Version 2.0.0 seiner freien Bürosuite. Diese Release wendet sich vornehmlich an Tester und Entwickler. Die Macher empfehlen Endanwendern, auf die Versionen 2.1 und 2.2 zu warten.
  • Geld verdienen mit KOffice
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2014: ANONYM & SICHER

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

Nach Ubdates alles weg ...
Maria Hänel, 15.11.2014 17:23, 4 Antworten
Ich brauche dringen eure Hilfe . Ich habe am wochenende ein paar Ubdates durch mein Notebook von...
Brother Drucker MFC-7420
helmut berger, 11.11.2014 12:40, 1 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu 14.04-Nutzer...
Treiber für Drucker brother MFC-7420
helmut berger, 10.11.2014 16:05, 2 Antworten
Hallo, ich habe einen Drucker, brother MFC-7420. Bin erst seit einigen Tagen ubuntu12.14-Nutzer u...
Can't find X includes.
Roland Welcker, 05.11.2014 14:39, 1 Antworten
Diese Meldung erhalte ich beim Versuch, kdar zu installieren. OpenSuse 12.3. Gruß an alle Linuxf...
DVDs über einen geeigneten DLNA-Server schauen
GoaSkin , 03.11.2014 17:19, 0 Antworten
Mein DVD-Player wird fast nie genutzt. Darum möchte ich ihn eigentlich gerne abbauen. Dennoch wür...