Digitaler Linux-Videorekorder im Eigenbau, Teil 2

Ferngesteuert

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Im ersten Teil unseres Workshops haben wir Ihnen die Einrichtung der DVB-Karten gezeigt. In dieser Ausgabe geht es um den Bau eines Infrarot-Empfängers und die Einbindung einer Fernbedienung zur Steuerung des Digitalen Linux-Videorekorders

Die Einrichtung des Videorekorders endete im ersten Teil unseres Workshops mit der Inbetriebnahme des Steuerungsprogramms VDR und die ersten Schritte per Tastatur. In der Praxis ist es aber unbequem, für das Aufnehmen oder Abspielen von Filmen jedes Mal an den Computer zu wechseln. Vielmehr soll sich VDR wie jeder Videorekorder per Fernbedienung steuern lassen.

Infrarot-Empfänger selbst gebaut

Die bei fast allen PCs vorgesehenen Infrarot-Anschlüsse eignen sich nicht für unsere Zwecke - die dort anzuschließenden IRDA-Module eignen sich nur zum Datenaustausch mit PDAs, Druckern oder Notebooks. Für die Fernbedienung reicht ein einfacher Infrarot-Empfänger an der seriellen Schnittstelle.

Für den Nachbau benötigen Sie Bauteile im Wert von unter sieben Mark, die Sie zum Beispiel bei Reichelt Elektronik, Conrad oder anderen Bauteile-Versendern erhalten. Die genaue Aufstellung mit Bestellbezeichnung für Reichelt Elektronik finden Sie in Tabelle 1.

Tabelle 1: Bauteile des IR-Empfängers

Anzahl Bestellnummer Beschreibung
1 TSOP 1738 Integriertes Infrarot-Empfangsmodul
1 µa 78L05 Spannungsregler 5 Volt
1 1N4148 Standard-Diode
1 1/4W 4,7k Widerstand 4,7 kOhm, 1/4 Watt
1 rad 4,7/35 Elko 4,7 µF, 35 Volt, Radial
1 D-SUB BU 09 Sub-D Buchse, 9-pol., gerade
1 Kappe 09PM Gehäuse für 9-pol. Sub-D-Buchse
1 LIYY 314-5 Dreiadriges Kabel, fünf Meter

Der Nachbau ist vergleichsweise einfach und erfolgt ohne Platine, den Schaltplan sehen Sie in Abbildung 1. Auch Ungeübte können sich durchaus versuchen, wer weiß, an welchem Ende der Lötkolben heiß ist (Tipp: Es ist nicht der mit dem Kabel dran), ist durchaus qualifiziert. Für den Nachbau ist eine sogenannte "Dritte Hand", ein Klemmfuß für Lötarbeiten, zu empfehlen. Ein kleiner Tisch-Schraubstock tut es aber auch. Der Lötkolben sollte nicht stärker als 50 Watt und mit einer sogenannten Bleistift-Lötspitze ausgerüstet sein, damit Sie die Bauteile nicht verbrennen, und gegen Fingerverbrennungen hilft eine einfache Pinzette, mit der die Bauteile während des Verlötens festgehalten werden können.

Abbildung 1: Der Schaltplan des IR-Empfängers ist vergleichsweise einfach gehalten, die sechs Bauelemente werden ohne Platine direkt miteinander verlötet

Die Bauteile sollten möglichst dicht beieinander verlötet werden, damit der Empfänger später komplett in das Plastik-Gehäuse passt. Zentrales Element ist dabei die 9-polige Buchse, um die herum die Schaltung aufgebaut wird und die dem Ganzen Halt gibt. Zur besseren Orientierung sind die Pins der Buchse entweder vorn oder von der Lötseite aus numeriert. Sollte wider Erwarten die Numerierung fehlen, orientieren Sie sich am Schaltplan, er zeigt die Lötseite der Buchse. Wir beginnen mit der Diode 1N4148; der Draht direkt am schwarze Ring des Glaskörpers (Kathode) ist der Buchse abgewandt. Die andere Seite (Anode) schneiden Sie auf ca. 3 mm zurück. Anschließend verzinnen Sie Pin 7 der Buchse, in dem Sie mit der einen Hand den Pin heizen und mit der anderen das Lötzinn nachschieben, bis der innen hohle Pin komplett gefüllt ist. Dann halten Sie den Lötkolben an den verzinnten Pin 7 und schieben von oben, sobald das Lötzinn wieder flüssig ist, die Diode möglichst weit hinein. Nach Wegnehmen der Lötspitze müssen Sie die Diode noch etwa ein bis zwei Sekunden ruhig halten, bis das Zinn erkaltet und das Bauteil fest ist. Wichtig ist, dass Sie Kurzschlüsse zu anderen Pins der Buchse vermeiden, im Falle eines Falles sollten Sie eine Entlötpumpe oder etwas Kupfer-Litze zum Aufnehmen des überflüssigen Zinns zur Hand haben.

Als nächstes schneiden Sie eine Seite des Widerstandes ebenfalls auf ca. 3 mm zurück, verzinnen Pin 1 und verlöten den Widerstand. Biegen Sie nun das noch freien Enden des Widerstandes so, das er parallel zu dem der Diode läuft - dadurch sitzen das Bauteil etwas schräg. Verlöten Sie die beiden Drähte möglichst dicht über der Diode und schneiden Sie die überstehenden Enden auf etwa zwei bis drei Millimeter oberhalb des Berührpunktes ab. Dort wird gleich noch ein Pin des 78L05 angelötet.

Das Anlöten des Spannungsreglers µA 78L05 sollte zügig erfolgen, zu starkes Aufheizen kann das Bauelement beschädigen. Die Pin-Belegung finden Sie in Abbildung 2. Schneiden Sie das Beinchen am den Eingang "IN" auf etwa zwei Millimeter zurück und biegen Sie es etwas nach außen. Anschließend verlöten Sie es mit Widerstand und Diode, so dass der Plastikkörper des Spannungsreglers etwa über Pin 8 der Buchse sitzt.

Abbildung 2: Die Pinbelegung des IR-Moduls (links) und des Spannungsreglers (rechts)

Nun folgt der Elko. Der Anschluss des Minus-Pols, er ist deutlich durch einen Streifen auf dem Körper gekennzeichnet, wird so abgewinkelt, dass der Elkos etwa über Pin 3 der Buchse sitzt und der Anschluss im hohlen Pin 5 der Buchse steckt. Dann verlöten Sie Pin 5. Der zweite Anschluss des Elkos wird um den Körper herum nach oben gebogen, auch den Ausgang "Out" des 78L05 biegen Sie um den Plastikkörper herum nach oben. Elko und 78L05 werden verlötet und die überstehenden Drahtenden auf etwa drei Millimeter zurückgeschnitten.

Der noch verbleibende Masse-Anschluss "GND" in der Mitte muss nun mit Pin 5 verlötet werden, an dem schon der Minus-Pol des Elkos sitzt, ohne andere Pins zu berühren.

Als Letztes löten Sie Kabel und IR-Modul an. Dazu müssen Sie die drei Kabel auf etwa drei Millimeter abisolieren und verzinnen. Auch die Anschlüsse des IR-Moduls schneiden Sie auf diese Länge zurück. Dann löten Sie je ein Kabel an die Anschlüsse des Moduls und merken sich die Farbbelegung.

Auch für das Verlöten mit der Buchse müssen Sie etwa drei Millimeter des Kabels abisolieren und verzinnen. Pin 1 des IR-Moduls verlöten Sie mit Pin 5 der Buchse, an der auch Elko und Mittelpin des 78L05 befestigt sind. Pin 2 des Moduls kommt an den Ausgang "Out" des 78L05 und den Pluspol des Elkos, Pin 3 wird mit Pin 1 der Buchse, an dem auch der Widerstand hängt, verlötet.

Nach Einbau in das Plastikgehäuse ist der Infrarot-Empfänger fertig. Sollten Sie Probleme mit der Dichte der Bauteile haben, können Sie auch auf das Plastikgehäuse verzichten und die Schaltung zum Beispiel mit Heißkleber vergießen. Auch an Stelle der Zugentlastung im Plastikgehäuse leistet ein großer Tropfen Heißkleber gute Dienste.

Fertiggerät

Wem der Nachbau zu aufwändig ist, kann ein Fertiggerät wie in Abbildung 3 bei Thomas Schmidt-Lindner unter http://www.zapway.de bestellen. Die Ausführung mit zwei Meter Kabel kostet 33 Mark, auf Wunsch sind aber auch andere Längen möglich. In unseren Tests erwiesen sich bis zu 25 Meter als völlig unkritisch.

Abbildung 3: Wer nicht selbst Hand anlegen möchte, kann für 33 Mark bei Thomas Schmidt-Lindner einen fertigen Empfänger bestellen

Neuer Kernel

Auf der Heft-CD finden Sie unter LinuxUser/SuSE die Kernel 2.4.7 und 2.4.10 mit den aktuellen Sicherheits-Patches von SuSE. Falls Sie SuSE 7.2 einsetzen, ist ein Update empfehlenswert, wenn der Videorekorder zudem Zugang zum Internet hat. Auch ersparen die SuSE-Kernel ein Übersetzen des Kernel 2.4.7, wie es im ersten Teil beschrieben wurde. Zunächst installieren Sie den fertig übersetzten Kernel, danach die Quellen. Der Lilo-Aufruf sorgt dafür, dass der neue Kernel beim nächsten Systemstart geladen wird. Schließlich wird die Konfiguration des neuen Kernels noch zu den Quellen kopiert:

rpm --force -i /cdrom/LinuxUser/SuSE/k_deflt-2.4.7-16.i386.rpm
 rpm --force -i /cdrom/LinuxUser/SuSE/kernel-source-2.4.7.SuSE-15.i386.rpm
 lilo
 cp /boot/vmlinuz.config /usr/src/linux/.config

Zum Übersetzen des VDR müssen die Makefiles der Kernel-Quellen korrekt eingerichtet werden, weshalb die Kernel-Konfiguration mittels make menuconfig einmal aufgerufen werden muss. Nach Aufbau des Menüs sollte das Programm aber sofort mit Escape verlassen und die Einstellungen gespeichert werden:

cd /usr/src/linux
 make menuconfig

Nun kann mit den Vorbereitungen zur VDR-Übersetzung begonnen werden.

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LU 10/2016: Kryptographie

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