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Heavy Metal FAKK 2

Die Linux Games sind da!

01.12.2001 Auch in diesem Monat erreichte uns wieder ein Titel der zur Zeit durch finanzielle Turbulenzen gebeutelten Spieleschmiede Loki. Wieder einmal - fast möchte ich sagen leider - ein Titel aus dem Genre der 3D-Ego-Shooter.

Per Loki-Installer rauscht das Spiel komfortabel von der CD auf die Platte und belegt dort zwischen 8 und 641 MB. Probleme mit der Installation traten - wie bei Loki üblich - keine auf.

Die Anforderungen an die Hardware sind moderat: Jeder halbwegs ordentlich ausgerüstete Spielrechner mit 3D-Grafikkarte und 400 bis 500 MHz sollte mit dem Spiel zurecht kommen, das die bereits aus vielen Titeln sattsam bekannte Quake-Grafik-Engine verwendet. Entsprechend leicht dürfte alten Hasen auch das Schrauben an Konfigurationsdetails fallen, deren wichtigste natürlich grafisch im Spielmenü manipulierbar sind.

Heute ist es schon relativ schwer, sich mit einem 3D-Titel der vorliegenden Kategorie noch halbwegs vom Markt abzusetzen, um Käufer zu gewinnen. Das ist FAKK2 nur mäßig gut gelungen. Immerhin kann die Besetzung der Hauptrolle in diesem Spiel als "erster Lara-Klon unter Linux" durchgehen.

Abbildung 1: Schöne Aussichten: Die Grafik kann sich sehen lassen

Man schlüpft in die Person von Julie, einer exotischen, langbeinigen Amazone, deren Kleidung sich im Spielverlauf durch strategisch geschickt plaziertes Erscheinen von Löchern ohne gleichzeitig auftretende Verletzungen der darunter zu bewundernden Haut auszeichnet. Julie hat ihr Volk vor dem bösen Lord Tyler gerettet und auf den Planeten Eden gebracht, wo sie alle in Frieden leben.

"Und wenn sie nicht gestorben sind…" - sind sie nicht, denn das Wasser auf Eden macht unsterblich. Und damit das alles so unfassbar toll bleibt, hat man Eden mit einem planetenumspannenden Schutzschirm ausgestattet.

Aber - wie das eben so ist (und weil's ja sonst langweilig wäre), bleibt nicht alles ewig friedlich. Merkwürdige Dinge passieren, rätselhafte "Steine" durchdringen den Schutzschirm, und überall auf Eden tauchen plötzlich Mumien, Monster und Mutationen auf. Julie hat plötzlich mit Notschlachten alle Hände voll zu tun und muss gleichzeitig der Ursache des Übels auf die Spur kommen.

Abbildung 2: Viele Einstellungen lassen sich über eine grafische Oberfläche beeinflussen

Und das tut sie in bester Tomb-Raider-Manier, ordentlich bestückt mit allerlei Waffen, knapp gekleidet und mit viel Klettern, Hüpfen, Hangeln und natürlich Hauen, Schießen und Stechen.

Zu diesem Zweck kennt Julie allerlei interessante Bewegungsmodi wie zum Beispiel das Entlangkrabbeln an Wänden, um auch über schmalste Simse entlang Abgründen zu kommen. Das Klettern an Leitern mit gestreckten oder eingezogenen Beinen, diverse Sprünge und das ausgesprochen malerische Zu-Boden-Sinken im Todesfall sind ebenfalls im Programm.

Beim Kampf mit den Schlagwaffen wie Schwert, Beil oder einer enormen, martialischen Kettensäge, die mal eben so lang ist wie Julie selbst, kennt sie Schlagkombinationen, die frappant an die "special moves" diverser Konsolenspiele à la Tekken erinnern - aber nicht deren Qualität, Steuerung und Vielfalt zu erreichen vermögen. Immerhin kann man aber jeder Steueraktion im Menü zwei verschiedene Tasten zuweisen, die man dann je nach Situation oder Gusto wechselweise verwenden darf.

Damit sich der Spieler mit den vorhanden Möglichkeiten auch zurechtfindet, führt Julies Weg im ersten Level erst einmal durch ein mit netten "holografischen" Effekten designtes Training, das den Gebrauch der wichtigsten Waffen, des Schildes und anderen Ausrüstungsgegenstände grundsätzlich klar macht.

Abbildung 3: Zahlreiche Rätsel müssen gelöst werden

Dann geht's gleich ans Eingemachte - durchgedrehte und merkwürdige Ereignisse reihen sich aneinander, und Julie fängt an, von Schauplatz zu Schauplatz zu hasten. Dabei wird die Action immer wieder durch ins Spiel integrierte Sequenzen unterbrochen, die den Verlauf der Handlung weiterführen - so wie man es aus ähnlichen Spielen wie z. B. Soldier of Fortune oder auch Rune kennt.

Außerhalb solcher Sequenzen können die diversen im Spiel herumlaufenden Gestalten "angesprochen" werden und geben teilweise nützliche Hinweise. Leider ist dem Spieler jedoch dabei nicht einmal eine Multiple-Choice Auswahl gegeben und das, was die Charaktere von sich geben, wiederholt sich meist nach dem dritten bis fünften Versuch. So wirken die Statisten im Spiel leider eher dümmlich.

Insgesamt wird dem Spieler im Verlauf von FAKK2 in bester Action-Manier kaum Gelegenheit gegeben, vom vorgezeichneten Pfad abzuweichen. Sackgassen gibt es so gut wie keine und das "Adventure" an diesem "Action-Adventure" beschränkt sich auf das Lösen meist eher einfach gehaltener Puzzles und das Betätigen irgendwelcher Hebel.

Abbildung 4: Allerlei Fallen sind zu überwinden.

Der Action-Fan bekommt dafür eine exklusive Auswahl von zirka 30 Waffen geboten, die von der Steinschleuder, Sprengsätze mit Zeitzünder über diverse Schwerter bis hin zu phantasievollen Dingen wie "Seelenstaubsaugern" oder einem Horn, das üble mutierte Moskitos auf den Gegner niederregnen lässt, reichen. Besonders gut im Spielverlauf erweisen sich jedoch die einhändigen Waffen, die die gleichzeitige Benutzung des Energieschildes in der anderen erlauben, welches sich netterweise nicht abnutzt. Damit lassen sich mit entsprechendem Geschick Angriffskombinationen führen, die den Gegnern kaum Gelegenheit zu Treffern bieten - falls sie nicht gerade in großen Rudeln auftreten.

Die stellen sich aber insgesamt nicht besonders intelligent an - lediglich das bisweilen gekonnte Blocken von Angriffen und diverse Angriffsvarianten sind zu unterscheiden. Von organisiertem Vorgehen der Computergegner kann keine Rede sein - bisweilen glücklicherweise, denn einige sind wirklich zäh.

Die Grafik ist für ein Spiel wie FAKK2, das für Windows schon seit über einem Jahr erhältlich ist, noch immer sehr ordentlich. Die schönen Farben und bisweilen wirklich tollen Außenansichten irritieren nur durch sporadisch auftretende Artefakte - ein Effekt, der auch in der Windows-Version zu beobachten ist. Die Stabilität und technische Umsetzung lässt die Erfahrung der Loki-Crew erkennen und kann nur als erstklassig bezeichnet werden. Der Sound ist gut gemacht, bietet aber keine großen Überraschungen.

Abbildung 5: Durch den Keller ans Licht führt der Weg der Heldin

Fazit: Die gute Grafik und die nette, schön dicht aufgebaute Story können das Fehlen eines Multiplayer-Modus und die Schwächen in den Bereichen AI und Spielkonzept nicht wirklich aufwiegen. Die Bezeichnung "3D-Spiel von der Stange" drängt sich auf, und spätestens wenn man überlegt, warum man für ein Spiel rund 80 Mark zahlen soll, dessen Windows-Version bei Saturn für 20 Mark auf dem Grabbeltisch liegt, kommt der Erklärungsnotstand.

Andererseits bietet FAKK2 für einige Zeit durchaus grafisch anspruchsvolle Amazonen-Action-Entspannung mit einer schönen Story in der Tradition der Tomb-Raider-Reihe, und wer das mag, kann schon auf seine Kosten kommen. (agr)

Bewertung:Fakk

Langzeitspielspaß: 60%
Grafik: 80%
Sound: 65%
Steuerung: 85%
Multiplayer: (n/a)
Originalität: 30%
Komplexität: 65%
Gesamtwertung: 60%

Von diesem Spiel kann bei Loki eine kostenlose Demo-Version aus dem Internet geladen werden.

Der Autor

Fionn Behrens ist Student der technischen Informatik. Aber man kann ja nicht immer nur studieren… Im Netz erreichbar ist er als Fionn im IRCnet.

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