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Mit einer funktionierenden Konfiguration lässt sich der X-Server für sich aufrufen und verwenden. Um die einfachste aller X-Sessions zu starten, dürfen im Home-Verzeichnis des jeweiligen Users (root sollte aus Sicherheitsgründen keine eigene X-Session starten, auch wenn es auf vielen Systemen funktioniert) weder eine Datei .xinitrc noch eine .xsession vorhanden sein – diese übernähmen ansonsten die Steuerung der X-Session. Wer diese besitzt, aber dennoch einmal mit dem puren X-Window-System experimentieren möchte, benennt sie vorübergehend einfach um. Danach startet unsere vorkonfigurierte Oberfläche aus der Kommandozeile mit dem Befehl xinit (natürlich darf X hierfür nicht bereits laufen, was z. B. bei einem grafischen Login der Fall ist). Waren unsere Angaben bei der Konfiguration korrekt, so werden wir mit einer grau-gepunkteten Oberfläche inklusive eines xterms – dem Standard-Eingabefenster unter X – belohnt.

Abbildung 2: Ein kompletter Desktop ohne Window Manager

Nun kann bereits mit absolut Allem gearbeitet werden: Möchten Sie zum Beispiel den Newsreader KNode starten, so tippen Sie dessen Aufruf knode & einfach in den xterm ein. Ein abschließendes & gibt das X-Terminal für weitere Eingaben frei, auch wenn KNode noch aktiv ist. Doch schon fangen die Probleme an: Sein Fenster überdeckt unverrückbar unseren xterm, der erst nach Programmende wieder sichtbar wird.

Um solcherart Überlappungen zu verhindern, kann man den Anwendungen mit der Option --geometry bereits beim Aufruf ihren Platz auf dem Desktop zuweisen. Einige neuere Programme wurden leider über die Wichtigkeit jenes Features von ihren Erschaffern nicht informiert, und so ist manche Software an dieser Stelle schlicht inakzeptabel, da unplatzierbar. KNode hingegen meistert diese Hürde:

knode --geometry +300+200 &

rückt unser Newsreader-Fenster von der linken oberen Ecke aus um 300 Pixel nach rechts und 200 nach unten. Der xterm bleibt sichtbar, und den Fokuserhält das Fenster, zu dem die Maus spaziert. Allerdings geht hiermit noch kein Raisingeinher; dieses Feature bietet das nackte X schlicht nicht – hierfür ist ein entsprechender Window Manager gefragt.

Abbildung 3: "Raising" ist erst mit einem Window Manager möglich

Fensterleiter

Ein Window Manager lässt sich übrigens (ebenso wie jede andere Anwendung auch) einfach aus diesem xterm hinzustarten. Bereits geöffnete Anwendungen werden nun eingerahmt und können somit auch noch bei vergessener geometry-Option verschoben werden. Auch wenn der Window Manager bei diesen Experimenten eventuell von "Ausloggen" oder "Beenden" spricht – er beendet sich hiermit nur selbst, und alles übrige bleibt auf dem Desktop erhalten (es sei denn, Sie starten eine Anwendung nicht aus dem xterm, sondern aus dem Startmenü des Window Managers). So ist ein xterm-bestücktes X sehr gut geeignet, um diverse Window Manager einmal genauer zu begutachten. Wer mit sehr wenigen Anwendungen auskommt (z. B. lediglich mit StarOffice) bzw. seine Fenster ohnehin nebeneinander auf dem Desktop platziert bekommt, benötigt eventuell gar keinen Window Manager.

XFree86 liefert per Default den Window Manager twm mit. Dieser ist zwar technisch gesehen alles andere als schlecht, aber sowohl in Bedienung als auch Optik nicht unbedingt das, was den meisten Linux-Usern vorschwebt. Daher existiert im WWW eine (niemals vollständige) Liste [8] verfügbarer Window Manager. Besonders der dortige Link Others enthält einige unscheinbare Mauerblümchen, die einen Blick wert sind.

Doch was genau macht ein solcher Window Manager? Primäre Aufgabe ist das Verwalten der Fenster. Meist geschieht dies über einen Fensterrahmen mit Buttons, mit denen ein Fenster geschlossen, minimiert, verschoben und in seiner Größe verändert werden kann. Kurz gesagt stellt ein Window Manager jene Elemente um eine Anwendung herum, die bei jedem Programmfenster gleichbleibend sind. Wer nun der Meinung ist, er benutze statt eines Window Managers ein Desktop-Environment, der hat hierbei nicht ganz Recht: KDE verwendet aktuell den Window Manager kwin (früher war es kwm), GNOME Sawfish (früher IceWM) und XFce den xfwm. Das Schema hinter den Kulissen (X-Server – Window Manager – Anwendung) bleibt also immer das gleiche. Eine Desktop-Umgebung bietet neben dem Window Manager lediglich eine aufeinander abgestimmte Tool-Sammlung mit zusätzlichen Funktionen.

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