Vom Projekt zur Instanz

Doch mit der Nutzerzahl stiegen die Ansprüche, und schon recht bald reichten die einfachen VESA-Modi [5] nicht mehr aus, um neuere Grafikkarten sinnvoll zu nutzen. Zudem kochten immer mehr Kartenhersteller ihr eigenes Süppchen bei der Ansteuerung ihrer Karten, um kostenintensive Eigenentwicklungen besser in bare Münze umzusetzen. Damit begannen die eigentlichen Probleme der XFree86-Entwickler: Um die besonderen Eigenschaften moderner Grafikchips zu nutzen, braucht man Informationen über diese Chips. So war (und ist) entweder ein wohlgesonnener Hersteller oder langwierige Detektivarbeit gefragt.

Letztere wird zum Glück immer seltener nötig, denn die Hersteller rücken immer häufiger (wenn auch meist unter Auflagen) mit Informationen heraus oder stellen selbst einen passenden X-Server bereit – immerhin ist ein Funktionieren unter X mittlerweile ein Feature, auf das mancher Kunde achtet. Wer nun also eine Grafikkarte besitzt, die nicht so richtig mit Linux mag, sollte weder den Distributor, noch Linux, noch das XFree86-Team dafür verantwortlich machen – verantwortlich ist einzig der Karten-Hersteller.

Allerdings lässt sich ein X-Server heutzutage kaum mehr in der Freizeit schreiben und warten. So wird das Projekt von einigen Firmen unterstützt. Ein schönes Beispiel ist hierbei die Firma SuSE, die ihren (ehemaligen CTO) Dirk Hohndel als ersten Mitarbeiter für seine Aufgaben bei XFree86 fest einstellte. Keith Packard, ein weiterer XFree86-Entwickler, wird seit 1999 von SuSE bezahlt. Leider zeigen sich bei solchen freiwilligen Unterstützungen deutlich die Auswirkungen der negativen Entwicklung in der Branche: So entließ VA Linux Systems kürzlich den Präsidenten des XFree86-Teams, David Dawes.

Versionsdschungel

Aktuelle Distributionen liefern die XFree86-Versionen 3.3.6 sowie 4.0.3 und 4.1 mit. Die Version 3.3.6 ist schon etwas älter und daher für aktuelle Grafikkarten kaum zu empfehlen. Wer jedoch seine Karte in der Cardlist [6] wiederfindet, benötigt kein Update des X-Servers: Bei der 4er Versionsserie handelt es sich im Wesentlichen um einen modularen Rewrite des XFree-Systems, der noch nicht immer völlig problemlos funktioniert.

Während bei Version 3.3.6 (neben dem Standard-VGA-Server für die Konfiguration über das mitgelieferte Programm XF86Setup) ein spezieller, zur Grafikkarte passender X-Server installiert werden muss (etwa XF86_S3 für Karten mit dem S3-Chipsatz), wird bei Version 4 immer der gleiche (XFree86) verwendet und lediglich ein auf die Karte zugeschnittenes Modul hinzugeladen. Durch diesen modularen Aufbau können neue Karten leichter und schneller unterstützt werden.

Um die Konfiguration des X-Servers (sozusagen die Einrichtung des Grafiktreibers) benutzerfreundlicher zu gestalten, liefert z. B. SuSE das hauseigene Tool Sax, Red Hat den xconfigurator mit. Die Erschaffer von XFree stellen für XFree86 3.3.x statt dessen (auch bei SuSE und Red Hat) die Tools xf86config (textbasiert) und XF86Setup (grafisch) zur Verfügung. Diese originalen Werkzeuge helfen oftmals auch dann noch weiter, wenn Sax & Co. mit ihrem Latein am Ende sind. In einem Punkt sind sich alle Werkzeuge hingegen einig: Sie schreiben eine menschenlesbare Konfigurationsdatei namens XF86Config.

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