Videotuning

Natürlich möchte man auch informiert sein, mit welchen Frequenzen XFree86 seinen Job verrichtet. Herauszubekommen ist dies unter anderem mit dem Programm xvidtune, mit dem auch allerhand justiert werden kann. Während Konfigurationstools wie xf86config eher fürs Grobe zuständig sind, übernimmt xvidtune das Feintuning. Dort kann der Bildschirm verschoben, gestaucht oder gestreckt werden, bis die Position für die Bildröhre erträglich ist.

Starten sollten Sie dieses Programm unbedingt aus einem X-Terminal (wie dem xterm) heraus, denn nur dort erfolgt eine Ausgabe: Ein Tastendruck auf den Button Show gibt im Terminal die aktuell einjustierte Modeline aus. Dies ist eine Steuerzeile, die dem X-Server sagt, wie der Monitor betrieben werden soll. Auch in der Konfigurationsdatei bei XFree86 3.3.x finden sich Modelines. Haben Sie nun eine bessere über xvidtune gefunden, so tragen Sie die Ausgabe in /etc/X11/XF86Config(-4) anstatt der bisherigen Modeline ein. Dies geschieht in der Section "Monitor". Ein Beispiel:

Modeline "1280x1024" 135.00 1280 1312 1456 1712 1024 1027 1030 1064

Bei XFree86 4.x existieren eventuell gar keine Modelines – in diesem Fall fügen Sie die ermittelte Modeline einfach in der gleichen Sektion ein.

Abbildung 4: xvidtune in Aktion

Fremdzugriff

Niemals gibt es einen Grund, eine ganze X-Session als root zu starten. Vielmehr startet man bei Bedarf die gewöhnliche User-X-Session und wechselt für administrative Zwecke in einem X-Terminal mit dem Befehl su - zum root-Account. Doch bald stellt man fest, dass der X-Server den Start von grafischen Programmen unterbindet: Error: Can't open display: oder Xlib: Client is not authorized to connect to Server ist seine Antwort.

Oft wird erklärt, ein xhost +localhost wäre die Lösung. Tatsächlich aber gibt xhost den Desktop für alle auf dem Rechner eingeloggten User frei, was schon bei einem nur mit dem Internet verbundenen Heimrechner ein Sicherheitsrisiko darstellt. Schlauer ist das Tool xauth, das exakt einem User gezielt den Desktop freigibt (Abbildung 5). Hierbei extrahiert der User einen Schlüssel aus seiner automatisch angelegten .Xauthority-Datei, übergibt ihn dem Remote-User, der ihn seiner .Xauthority hinzufügt. Anschließend muss jener seinen Anwendungen über die Variable DISPLAY noch mitteilen, auf welchem Desktop die Ausgabe erfolgen soll:

jo@planet ~> xauth extract schluesseldatei $DISPLAY
 jo@planet ~> su -
 root@planet:~> xauth merge /home/jo/schluesseldatei
 root@planet:~> DISPLAY=:0.0; export DISPLAY

Im Beispiel kann root nun auf dem Display von jo GUI-Programme starten. Wer KDE installiert hat, der braucht sich dank des Programms kdesu (einem grafischen su-Ersatz) um solche Dinge gar nicht mehr zu kümmern. Auch über xsu, sux, sudo -s und ssh ist dieses sogenannte X-Forwarding möglich. Ausführliche Informationen zum Fremdzugriff auf den X-Server sind im WWW [11,12] erhältlich; [11] finden Sie auch als Textdatei auf der CD (pju).

Abbildung 5: Fremdzugriff auf den X-Server

Glossar

multiuserfähig

Eine der Stärken eines Unix-Systems besteht darin, dass eine Vielzahl Anwender gleichzeitig auf einem Rechner arbeiten kann. Auch den X-Server können mehrere User zugleich verwenden.

remote

Wer remote – von der Ferne aus – auf einen Rechner zugreift, tut dies über ein Netzwerk und bedient ihn sozusagen fern. Das X-Window-System kann Anwendungen auf dem lokalen Display darstellen, die auf einem über ein Netzwerk angeschlossenen Rechner ablaufen.

Patches

"Fehlerbehebungsflicken" bei Software. Eine Patch-Datei beinhaltet lediglich die Differenzen zweier Versionen. Somit ist es möglich, die Änderungen (und nicht die neue Version komplett) zum User zu übertragen. Dies wird nicht nur verwendet, um Fehler im Programmcode zu beseitigen, sondern häufig auch, um eine alte Version auf den neuen Stand zu bringen.

VESA

Die "Video Electronics Standards Association" stellt Standards für die Kommunikation zwischen Grafikkarte und Monitor, die von praktisch allen gängigen VGA-Karten unterstützt werden.

Fokus

Ein aktives Fenster hat den Fokus und nimmt Tastatureingaben entgegen. Verliert ein Programm den Fokus, reagiert es nicht mehr auf Eingaben.

Raising

Beschreibt den Vorgang, bei dem eine verdeckte Anwendung in den Vordergrund kommt. Wird Raising unterstützt, so geschieht das beim Erhalt des Fokus oder durch einfaches Anklicken.

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