xfree86logo.png

Das Kreuz mit dem X

Das X-Window-System

01.12.2001
Was steckt eigentlich hinter dem ominösen X-Window-System? Wozu braucht man es, wenn man doch eigentlich nur mit KDE oder GNOME arbeiten will?

Bereits bei der Installation taucht es auf, das X-Window-System, das es zu konfigurieren gilt. Wer sich später in seinem Dateisystem umschaut, findet Verzeichnisse mit dem Namen X11 oder X11R6, und auch die Dokumentation des Distributors erwähnt das mysteriöse X an allen Ecken und Enden. Doch was sollen wir damit, wollen wir doch lediglich mit KDE, GNOME oder einem Window Manager arbeiten? Wie hängt all dies zusammen? Die grafische Benutzerschnittstelle eines Linux- o. a. Unix-Systems birgt viele Rätsel.

Oberfläche mal zwei?

In diesem Geflecht zusammenarbeitender Komponenten stellt das X-Window-System einem Window Manager oder einer Desktop-Umgebung wie KDE oder GNOME die grafische Oberfläche zur Verfügung. X11 oder X, so sein liebevoller Kurzname, wird von fast allen grafischen Programmen zur Darstellung verwendet. Auch die sichtbaren Elemente des Desktops selbst sind lediglich grafische Anwendungen. Diese benötigen ein Display, auf dem die Ausgabe erfolgt; um die Ausgabe selbst brauchen sie sich nicht mehr zu kümmern. Das erledigt der X-Server.

Dieses etwas umständlich anmutende Konzept der Trennung in X-Client (Window Manager oder "normale" GUI-Anwendung) und X-Server, der die Grafikhardware verwaltet, bietet den Vorteil, multiuserfähig und remote nutzbar zu sein (beides Eigenschaften, die etwas Sorgfalt und Bedacht im Umgang bedürfen, auch wenn man sie gar nicht nutzen mag – leicht ist hierdurch die Systemsicherheit gefährdet).

Vergangenheit und Gegenwart

Die Idee zu dem auf allen Unix-Betriebssystemen und darüber hinaus eingesetzten netzwerkfähigen, grafischen System wurde bereits 1984 im Massachusetts Institute of Technology [1] geboren. Erste vorzeigbare Früchte trug das Projekt 1986, 1988 entstand das MIT X Consortium. Dieses von Firmen unterstützte Gremium machte es sich zur Aufgabe, die Zukunft des noch jungen X-Window-Systems an die Hand zu nehmen: Ein Standard wurde entwickelt, dessen Rechte nach einigen Irrwegen 1999 beim nicht profitorientierten, aber kommerziell geförderten X.Org [2] landeten. Dort wird nach wie vor an verbindlichen Protokollen und Dokumenten gefeilscht, die den Entwicklern neuer X-Server die Richtung weisen. Und Entwickler gibt es mehrere: Während einige ihre Ergebnisse für teures Geld verkaufen, werden unter Linux bevorzugt die kostenlosen Früchte des XFree86 Project, Inc [3] vernascht.

Das XFree86-Projekt erstellt seit 1992 eine Open-Source-Version des X-Window-Systems. Damals wollte man ein frei verfügbares X für die PC-Architektur schaffen, woher das "86" im Namen rührt. Zunächst programmierte das spätere XFree86-Team kein komplettes X-Window-System, sondern stellte lediglich Patchesfür bestehende X-Server bereit. Erst als das MIT X Consortium seine Sourcen veröffentlichte, begann auf dieser Codebasis die Arbeit an eigenen X-Servern (weshalb die XFree-Lizenz [4] u. a. auf die des MIT zurückgeht). Der bestehende Code musste an die x86-Plattform angepasst werden; das Hauptaugenmerk bekam die SVGA-Karte ET4000 der Tseng Labs (die heute sonderbarerweise eher ein Problemkind ist).

Obgleich die Zahl 86 offiziell im Namen bleiben wird, spricht man heute eher nur noch von XFree, denn längst werden Versionen für andere Rechnerarchitekturen (wie z. B. PowerPCs oder Alphas) bereitgestellt.

Ebenso wie beim Linux-Kernel war das Usenet mit seinen Newsgroups der Dreh- und Angelpunkt, über den Entwickler auf dieses Projekt aufmerksam wurden und begannen, Ideen einzubringen und aktiv mitzuarbeiten. Mit steigender Nutzerzahl kamen immer mehr Besitzer anderer Grafikkarten hinzu, sodass sich die Hardwareunterstützung Stück für Stück verbesserte. So haben kommerziell erhältliche X-Server unter Linux heute praktisch kaum mehr eine Bedeutung.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • XFree86 4.0 - die neue Version
    Microsoft wirbt für sein Betriebsystem Windows mit einer Funktion, die es erlaubt, zwei Grafikkarten gleichzeitig zu betreiben. Das neue XFree86 4.0 geht einen Schritt weiter und steuert unter Linux gleich eine ganze Monitorwand. In diesem Artikel sagen wir Ihnen, was XFree86 überhaupt ist und was die neue Version 4.0 auch für Anwender bringt, die ein solches Bildschirmmonster nicht ihr Eigen nennen.
  • Windows-Linux-Connectivity auf dem Desktop
    Schwerpunkt dieser Ausgabe ist die Windows-Linux-Connectivity. Damit muss aber nicht nur die immer wieder bemühte Fähigkeit von Linux gemeint sein, als File- und Print-Server (Samba) zu dienen - mit geeigneter Software verwandelt sich der Windows-Rechner in einen X-Window-Client.
  • deskTOPia: icewm
    Anleitungen, wie Sie einen Rechner älterer Bauart sinnvoll im Netzwerk nutzen, gibt es im Überfluss. Auch einer Verwendung als grafischer Desktop-Rechner steht nichts im Weg – beispielsweise mit dem Window Manager icewm.
  • Von Fenstern und Farben
    Die 3D-Desktops laufen immer stabiler und verdrängen bereits auf vielen Rechnern die alten 2D-Oberflächen. Ein Grund mehr, sich mit den Grundlagen der grafischen Oberfläche und den neuen Techniken vertraut zu machen.
  • Knoppix 2.1
    Eine relativ neue Distribution namens Knoppix kommt aus deutschen Landen und eignet sich besonders gut, um neue Programmversionen auszuprobieren, ohne eine bestehende Linux-Installation zu verändern.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.