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Das X-Window-System

Das Kreuz mit dem X

Was steckt eigentlich hinter dem ominösen X-Window-System? Wozu braucht man es, wenn man doch eigentlich nur mit KDE oder GNOME arbeiten will?

Bereits bei der Installation taucht es auf, das X-Window-System, das es zu konfigurieren gilt. Wer sich später in seinem Dateisystem umschaut, findet Verzeichnisse mit dem Namen X11 oder X11R6, und auch die Dokumentation des Distributors erwähnt das mysteriöse X an allen Ecken und Enden. Doch was sollen wir damit, wollen wir doch lediglich mit KDE, GNOME oder einem Window Manager arbeiten? Wie hängt all dies zusammen? Die grafische Benutzerschnittstelle eines Linux- o. a. Unix-Systems birgt viele Rätsel.

Oberfläche mal zwei?

In diesem Geflecht zusammenarbeitender Komponenten stellt das X-Window-System einem Window Manager oder einer Desktop-Umgebung wie KDE oder GNOME die grafische Oberfläche zur Verfügung. X11 oder X, so sein liebevoller Kurzname, wird von fast allen grafischen Programmen zur Darstellung verwendet. Auch die sichtbaren Elemente des Desktops selbst sind lediglich grafische Anwendungen. Diese benötigen ein Display, auf dem die Ausgabe erfolgt; um die Ausgabe selbst brauchen sie sich nicht mehr zu kümmern. Das erledigt der X-Server.

Dieses etwas umständlich anmutende Konzept der Trennung in X-Client (Window Manager oder "normale" GUI-Anwendung) und X-Server, der die Grafikhardware verwaltet, bietet den Vorteil, multiuserfähig und remote nutzbar zu sein (beides Eigenschaften, die etwas Sorgfalt und Bedacht im Umgang bedürfen, auch wenn man sie gar nicht nutzen mag – leicht ist hierdurch die Systemsicherheit gefährdet).

Vergangenheit und Gegenwart

Die Idee zu dem auf allen Unix-Betriebssystemen und darüber hinaus eingesetzten netzwerkfähigen, grafischen System wurde bereits 1984 im Massachusetts Institute of Technology [1] geboren. Erste vorzeigbare Früchte trug das Projekt 1986, 1988 entstand das MIT X Consortium. Dieses von Firmen unterstützte Gremium machte es sich zur Aufgabe, die Zukunft des noch jungen X-Window-Systems an die Hand zu nehmen: Ein Standard wurde entwickelt, dessen Rechte nach einigen Irrwegen 1999 beim nicht profitorientierten, aber kommerziell geförderten X.Org [2] landeten. Dort wird nach wie vor an verbindlichen Protokollen und Dokumenten gefeilscht, die den Entwicklern neuer X-Server die Richtung weisen. Und Entwickler gibt es mehrere: Während einige ihre Ergebnisse für teures Geld verkaufen, werden unter Linux bevorzugt die kostenlosen Früchte des XFree86 Project, Inc [3] vernascht.

Das XFree86-Projekt erstellt seit 1992 eine Open-Source-Version des X-Window-Systems. Damals wollte man ein frei verfügbares X für die PC-Architektur schaffen, woher das "86" im Namen rührt. Zunächst programmierte das spätere XFree86-Team kein komplettes X-Window-System, sondern stellte lediglich Patchesfür bestehende X-Server bereit. Erst als das MIT X Consortium seine Sourcen veröffentlichte, begann auf dieser Codebasis die Arbeit an eigenen X-Servern (weshalb die XFree-Lizenz [4] u. a. auf die des MIT zurückgeht). Der bestehende Code musste an die x86-Plattform angepasst werden; das Hauptaugenmerk bekam die SVGA-Karte ET4000 der Tseng Labs (die heute sonderbarerweise eher ein Problemkind ist).

Obgleich die Zahl 86 offiziell im Namen bleiben wird, spricht man heute eher nur noch von XFree, denn längst werden Versionen für andere Rechnerarchitekturen (wie z. B. PowerPCs oder Alphas) bereitgestellt.

Ebenso wie beim Linux-Kernel war das Usenet mit seinen Newsgroups der Dreh- und Angelpunkt, über den Entwickler auf dieses Projekt aufmerksam wurden und begannen, Ideen einzubringen und aktiv mitzuarbeiten. Mit steigender Nutzerzahl kamen immer mehr Besitzer anderer Grafikkarten hinzu, sodass sich die Hardwareunterstützung Stück für Stück verbesserte. So haben kommerziell erhältliche X-Server unter Linux heute praktisch kaum mehr eine Bedeutung.

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