Hört die Signale!

Das wäre dann auch schon fast die gesamte Arbeit des Konstruktors gewesen – wenn sich so ein Türchen nicht auch einmal öffnen sollte. Die Aufforderung dazu kommt von Benutzer/innen, die auf den sichtbaren Pushbutton des Tuerchen-Objekts klicken. Dieser sendet daraufhin ein Signal namens clicked() in die Welt. Doch wenn niemand darauf reagiert, passiert auch nichts. Daher müssen wir das clicked()-Signal von tuer mit einem Slot verbinden, einer Funktion, die dafür sorgt, dass etwas geschieht. Dazu dient die Qt-spezifischen Zeile

connect( tuer, SIGNAL( clicked() ), this, SLOT( open() ) );

… , sofern in der Klassendeklaration von Tuerchen im Include-File tuerchen.h das Stichwort (Makro) Q_OBJECT (ohne Semikolon) steht. Allerdings hat Tuerchen bislang noch gar keinen Slot namens open(). Ihn müssen wir in der API mit

private slots:
   void open();

deklarieren und in tuerchen.cpp dazu bringen, dass er auch etwas tut:

void Tuerchen::open() {

Argumente braucht open() keine und muss auch nichts zurückgeben (daher der Rückgabewert void). Was aber passiert, wenn ein Türchen angeklickt wird? Es soll geöffnet werden, aber nur, wenn der entsprechende Tag gekommen ist. Daher holen wir uns mit der QDate-Funktion currentDate() das aktuelle Datum:

QDate heute = QDate::currentDate();

Wer bereits im November zu neugierig ist, soll eine Fehlermeldung bekommen, allerdings eine andere als im Dezember (von Januar bis Oktober machen wir der Einfachheit halber kein Geheimnis aus dem Kalenderinhalt). Die Nachricht selbst legen wir in einer Hilfsvariablen vom Typ QString ab; den Monat bekommen wir aus einem QDate-Objekt mit der Funktion month() heraus:

QString nachricht;
   if ( heute.month() == 11 ){
     nachricht = "Jetzt ist aber noch November!\n"
                        "Schummeln gilt nicht!";

Das \n in der Zeichenkette nachricht steht dabei für einen Zeilenumbruch ("newline"). Im Dezember machen wir die nachricht etwas komplizierter und geben den aktuellen Tag (QDate::day()) mit an.

} else if ( heute.month() == 12 ){
     nachricht = "Heute ist erst der " +
                 QString::number( heute.day() ) +
                 ". Dezember!\n Schummeln gilt nicht!";
   }

Allerdings gibt diese Funktion einen ganzzahligen Wert zurück, den wir in einen QString umwandeln. Dabei kommt uns zugute, dass sich QStrings einfach durch Pluszeichen miteinander "addieren", also aneinander anhängen lassen.

Wer schummelt und im Dezember ein Türchen anklickt, dessen aufschrift größer als der entsprechende Tag ist, oder () im November versucht "einzubrechen", …

if ( ( heute.month() == 12 && heute.day() < aufschrift )
           || heute.month() == 11 ){

… soll auf seine Missetat aufmerksam gemacht werden (&& besagt als logisches Und, dass sowohl die davor als auch die danach stehende Bedingung stimmen muss, damit die Teilbedingung in runden Klammern wahr wird), und zwar mit einer Messagebox.

QMessageBox* infobox = new QMessageBox( "Schmuh!",
         nachricht,
         QMessageBox::NoIcon,
         QMessageBox::NoButton,
         QMessageBox::Ok,
         QMessageBox::NoButton);

Erst wenn der Übeltäter dieses kleine Fensterchen (Abbildung 4) mit der Titelzeile Schmuh! und dem in nachricht abgelegten Text weggeklickt hat, ist das Hauptfenster wieder zugänglich. Qt bietet vorgefertigte Icons für Messageboxes (QMessageBox::Information, QMessageBox::Warning und QMessageBox::Critical). Um die Meldung etwas adventlicher zu gestalten, verzichten wir vorerst darauf (QMessageBox::NoIcon). Ebenso lassen wir von den drei möglichen Knöpfen den linken und den rechten mit QMessageBox::NoButton weg, während der mittlere mit QMessageBox::Ok der OK-Button zum Wegklicken wird.

Abbildung 4: Schummeln gilt nicht

Das neue Icon setzen wir mit der QMessageBox-Funktion setIconPixmap(). QMessageBox::exec() sorgt dafür, dass die Box auf dem Bildschirm erscheint:

infobox->setIconPixmap( QPixmap( bild_tuer ) );
     infobox->exec();

Drückt die Benutzerin hingegen brav das Türchen eines erlaubten Tages, sorgen wir mit show() dafür, dass das bislang unsichtbare QLabel, auf das bild zeigt, erscheint, und dafür der sich hinter tuer versteckende QPushButton von der Bildfläche verschwindet:

} else {
     bild->show();
     tuer->hide();
   }
 }

Eine Frage der Anordnung

Ein Problem bleibt aber noch: Zwar beschränkt der Konstruktor die Größe des Tuerchens auf eine feste Größe von 64x64 Pixeln, doch wie darin Label und Pushbutton angeordnet sind, haben wir noch nicht festgelegt. Das führt zu so netten Ergebnissen wie Abbildung 5, wo das Qt-Layout-Management – Bug oder Feature? – gnadenlos dafür sorgt, dass die Pushbuttons zwar 64 Pixel breit sind, aber eine geringere Höhe bekommen. Bei Knöpfen normaler Anwendungen verbessert dieser Automatismus die Ästhetik, doch in unserem Fall zwingt er uns zu einem Kunstgriff.

Abbildung 5: Unerwartetes Ergebnis

Wir müssen immer dann, wenn sich die Größe eines Tuerchen-Objekts ändert, festlegen, wo und in welchen Abmessungen Label und Pushbutton erscheinen sollen. Da wir keine Möglichkeit vorsehen werden, die Größe der Applikation (und damit der Türchen) User-seitig anzupassen, gibt es dieses Ereignis zwar nur einmal beim Aufruf des Adventskalenders, wenn sich die Größe des Fensters von 0 auf die Endabmessungen ändert, aber auch dafür lohnt es sich, den Event Handler resizeEvent() zu reimplementieren, den Objekte der Klasse Tuerchen von QWidget erben. Diese Funktion wird automatisch immer dann aufgerufen, wenn der Window Manager ein Resize-Ereignis schickt.

In tuerchen.h deklarieren wir daher im public-Bereich

void resizeEvent( QResizeEvent * );

und füllen die Funktion in tuerchen.cpp mit Leben, indem wir sagen, dass sowohl das QLabel, auf das der Zeiger bild zeigt, als auch der QPushButton, der sich hinter tuer verbirgt, ausgehend von der Koordinaten (0,0) links oben im Eltern-Tuerchen 64 Pixel breit und ebenso hoch angeordnet werden:

void Tuerchen::resizeEvent( QResizeEvent* )
 {
   bild->setGeometry( 0, 0, 64, 64 );
   tuer->setGeometry( 0, 0, 64, 64 );
 }

Da wir das als Argument mitgeschickte QResizeEvent nicht selbst bearbeiten wollen, brauchen wir dem Zeiger darauf auch keinen Namen geben.

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