Treibersafari

3D-Grafik unter X: Die Konfiguration

01.12.2001
Nachdem der vorhergehende Artikel "Die dritte Dimension" einen Blick hinter die Kulissen geliefert hat, wollen wir nun zeigen, wie Sie selbst die 3D-Unterstützung Ihrer Grafikkarte unter Linux aktivieren können.

Um mit dem Aufbau der grafischen Oberfläche und dem Weg der 3D-Grafik vom Programm zum Bildschirm etwas vertrauter zu werden, raten wir Ihnen vor den praktischen Taten den Artikel "Die dritte Dimension", S. 35, zu lesen. Hier noch einmal kurz zusammengefasst: Möchte ein 3D-Programm z. B. einen Quader auf dem Bildschirm anzeigen, so ruft es dazu die passende Funktion in der OpenGL-Bibliothek auf. Diese sendet die entsprechenden Anweisungen per Direct Rendering Interface ohne Umweg an die Grafikkarte.

Damit die 3D-Bilder innerhalb des Anwendungsfensters und nicht an einer beliebigen Stelle auf dem Computer-Monitor erscheinen, wird das GLX-Zusatzmodul des X-Servers angeworfen. Für eine flotte zweidimensionale Darstellung wird zum Abschluss noch ein passender Treiber für den X-Server benötigt.

Vorbereitungen

Alle genannten Komponenten finden Sie standardmäßig in jeder aktuellen Distribution mit Kernel 2.4.x und der XFree86 Version 4.0.2 oder höher wieder. Die entsprechenden Angaben sollten in Ihrem Handbuch aufgeführt sein. Als Faustregel gilt: Je neuer eine Distribution, desto besser ist sie für eine 3D-Beschleunigung gerüstet.

Wir weisen Sie an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass Sie alle Änderungen auf eigene Gefahr vornehmen. Eine falsche Konfiguration kann dazu führen, dass Ihr System nicht mehr gestartet wird. Aus diesem Grund raten wir ausschließlich erfahrenen Anwendern zu einem solchen Eingriff.

Installation

In der Regel aktiviert Ihre Distribution die 3D-Unterstützung bereits bei der Installation und kopiert dabei auch gleich die korrekten Treiber und Bibliotheken.

Red Hat führt diesen Mechanismus automatisch im Hintergrund durch, während Mandrake bei erkannter 3D-Karte dem Benutzer die Wahl zwischen den beiden XFree86 Versionen 3.3.6 und 4.x nebst 3D-Beschleunigung (mit 3D Hardwarebeschleunigung) überlässt. Wenn möglich, sollten Sie hier stets die neue Version XFree86 4 mit 3D-Unterstützung installieren. Ausnahmen von dieser Regel sind Grafikkarten, die von XFree 4.x nicht mehr oder noch nicht unterstützt werden. Gleiches gilt für Besitzer von NVIDIA-Karten. Sie sollten hier unbedingt XFree 4.x ohne 3D-Unterstützung markieren.

Die Aktivierung der 3D-Beschleunigung unter SuSE-Linux steht auf einem etwas zweischneidigen Schwert. Sofern das Installationsprogramm eine 3D-Karte erkannt hat, müssen Sie die Unterstützung über den Schalter 3D-Beschleunigung aktivieren selbst einschalten. Sie finden ihn im Schritt 7 (Bildschirm-Einstellung) nach einem Klick auf den Schalter Ändern.

Leider ist die Erkennung der 3D-Fähigkeiten bei bekannten Grafikkarten nicht immer korrekt. Sie können Fehler daran ausmachen, dass das Setup-Programm die Werte für Auflösung, Farbtiefe und Bildwiederholfrequenz auf geringe oder vollkommen unsinnige Werte einstellt.

Klicken Sie in einem solchen Fall auf Zurück und verzichten Sie für den Moment auf eine 3D-Unterstützung. Sie können sie später per SaX2 nachkonfigurieren.

Besitzer einer NVidia-Karte sollten an dieser Stelle generell auf eine Aktivierung der 3D-Beschleunigung verzichten. Durch den Einsatz separater Treiber, weicht die Einrichtung ebenfalls ab.

Damit sollte die 3D-Unterstützung auf Ihrem System bereits vollständig eingeschaltet sein. Ist dies bei Ihnen wieder erwartend nicht der Fall, so lässt sie sich auch leicht nachträglich aktivieren.

Melden Sie sich für die folgenden Schritte zunächst als Benutzer root an und stellen Sie sicher, dass Sie keine Programme geöffnet haben.

Manuell mit SuSE

Sofern Sie SuSE-Linux einsetzen und keine NVIDIA-Karte eingebaut haben, sollten Sie überprüfen, ob der XFree86 4.0 GLX-Treiber installiert ist. Er befindet sich in einem Paket namens xf64_glx in der Serie x. Besitzer einer 3dfx-Voodoo-Karte benötigen zusätzlich eine für Ihre Karte passende Glide-Bibliothek aus der Serie x3d. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster. Geben Sie dort den Befehl switch2xf86_glx ein und drücken Sie die Eingabetaste.

Hiermit wird die unbeschleunigte OpenGL-Bibliothek gegen die beschleunigte Variante mit DRI-Unterstützung ausgetauscht (vgl. Artikel "Die dritte Dimension" auf Seite 35). Sollte es später zu Problemen kommen, so benutzen Sie den Befehl swicht2mesasoft. Die Konfiguration erfolgt über sax2.

Abbildung 1: Mit dem Markieren dieses Punktes wird die bereits bestehende Konfiguration in SaX2 eingelesen

Übernehmen Sie die aktuellen Einstellungen beim Start von Sax2. In aktuellen Versionen klicken Sie im Menü zum Einrichten der Grafikkarten auf den Schalter Load 3D-Modules (3D-Module laden). Wählen Sie die Module glx und dri aus.

In älteren SaX2-Versionen (vor SuSE-Linux 7.2) markieren Sie im Startbildschirm den Punkt Komplex. Nur so werden später die, für die Einrichtung nötigen Punkte freigeschaltet. Wählen Sie beim Einrichten der Grafikkarte das Register Erweitert an und stellen Sie sicher, dass die Module glx und dri markiert sind.

Abbildung 2: Um die 3D-Beschleunigung unter SuSE-Linux zu aktivieren, müssen Sie die beiden Punkte dri und glx einschalten

Der Rest nur per Hand

Einige Einrichtungs- und Konfigurationsprogramme, wie sie z. B. RedHat oder Mandrake beiliegen, verwehren Ihnen diese Einstellungen. In einem solchen Fall müssen Sie diese selbst per Hand eintragen. Öffnen Sie hierzu mit einem Text-Editor die Datei XF86Config-4 im Verzeichnis /etc/X11. Nur wenn diese Datei nicht vorhanden ist, verwenden Sie statt dessen die Datei XF86Config im gleichen Verzeichnis. Legen Sie eine Sicherheitskopie an, bevor Sie Änderungen durchführen.

Suchen Sie die Zeile Section "Module". Sollte diese Zeile nicht existieren, legen Sie diese am Anfang der Datei neu an und geben als direkt nachfolgende Zeile EndSection ein.

In jedem Fall sollten Sie nun zwischen diesen beiden Zeilen als neue Zeile Load "dri" einfügen, der die Zeile Load "glx" folgt (vgl. Abbildung 3). Speichern Sie die modifizierte Datei ab.

Abbildung 3: Die rot umrandeten Zeilen müssen der Datei XF86Config-4 hinzugefügt werden, sofern das Konfigurationsprogramm der eingesetzten Distribution dies verweigert

Sonderfall NVIDIA

Besitzen Sie eine Karte mit Chips der TNT-, GeForce- und Quanta-Reihen und wollen in den Genuss einer 3D-Unterstützung gelangen, so müssen Sie sich als Erstes auf den Internet-Seiten von NVidia (http://www.nvidia.com) im Bereich Drivers zwei, exakt zu Ihrer Distribution passende Pakete herunter laden. Das Eine enthält das DRI-Modul für den Kernel, das Andere die OpenGL-Bibliothek und einen Treiber für XFree86.

Abbildung 4: Auf der Internet-Seite von NVidia finden Sie die Treiber für alle Grafikkarten mit NVidia-Chipsatz

SuSE-Besitzer einer neuen Version (ab 7.2) können diesen Vorgang bequem per YOU (Yast Online Update) durchführen. Laden Sie zusätzlich die Dokumentation herunter. Sie finden sie auf derselben Seite wie die Treiberpakete.

Anwender der alten SuSE-Linux Version 7.0 müssen von den SuSE-Internet-Seiten das Update auf die neuere XFree 4.0.2-Version herunter laden. Dies wird notwendig, da der Distribution die veraltete XFree86 Version 4.0.0 beiliegt, die NVIDIA-Treiber aber erst ab der Version 4.0.2 eingesetzt werden können.

Installieren Sie mit einem Paket-Manager immer zuerst das Treiber-Paket, das in seinem Namen das Wort Kernel trägt. Anschließend installieren Sie auf dieselbe Weise das Paket mit der Zeichenfolge GLX im Namen. Achten Sie darauf, dass beide Pakete am Ende des Dateinamens dieselbe Versionsnummer tragen. Als Paketmanager empfiehlt sich der KDE-Paketmanager. Mit ihm gelang uns die Installation unter allen Distributionen auf Anhieb.

NVidia empfiehlt in der Dokumentation, das X-Window-System zu deaktivieren und die Pakete auf der Kommandozeile einzuspielen. Wer dies beherzigen möchte oder wider erwarten Probleme mit dem grafischen Paketmanager hat, deaktiviert die grafische Oberfläche je nach Distribution über das beiliegende Konfigurationsprogramm, einen Parameter am Lilo-Bootprompt oder einem Punkt im Anmeldebildschirm. Geben Sie anschließend den Befehl

 rpm -ivh NVIDIA_kernel-<Versionsnummer>.rpm

gefolgt von

 rpm -ivh NVIDIA_GLX.-<Versionsnummer>.rpm

ein, die Sie jeweils mit der Eingabetaste abschließen. <Versionsnummer> ersetzen Sie in den obigen Befehlen gegen die Versionsnummer des Paketes, wie z. B. 1.0-1541.

Um den Dummy-Treiber in neueren SuSE-Linux-Versionen für NVidia-Karten sog. Dummy-Treiber verwenden Sie anstelle der oben genannten Befehle die Folgenden:

 rpm -Uhv NVIDIA_GLX-<Versionsnummer>.suse<SuSEVersion>.i386.rpm --nodeps --force

gefolgt von

 rpm -Uhv NVIDIA_kernel-<Versionsnummer>.suse<SuSEVersion>.i386.rpm --force

Falls Sie unter SuSE-Linux einen grafischen Paket-Manager verwenden, stellen Sie sicher, dass dort die Optionen Pakete bzw. Dateien ersetzen ein- und die Option Abhängigkeiten überprüfen abgeschaltet sind.

Zum Abschluss müssen Sie unter SuSE noch in einem Terminal-Fenster bzw. auf der Kommandozeile den Befehl switch2nvidia_glx eingeben. Hierdurch werden die Dummy-Bibliotheken gegen die Richtigen ausgetauscht.

NVIDIA Konfiguration

Falls Sie Ihre NVidia-Karte unter SuSE-Linux betreiben, müssen Sie unter dem neueren SaX2 im Bildschirm zur Einrichtung der Grafikkarte als Erstes den Punkt Properties (Eigenschaften) wählen. Wechseln Sie auf den Reiter Expert (Erweitert) und stellen Sie sicher, dass dort im Abschnitt General Settings (Allgemeine Einstellungen) unter Driver (Treiber) nvidia steht. Aktivieren Sie jetzt unter Load 3D-Modules (3D-Module laden) als zu ladendes Modul glx. Das nicht gewählte Modul dri lädt der NVidia-Treiber später selbstständig nach.

In der alten SaX2-Version Wechseln Sie per weiter bis zum Bild, in dem die Grafikkarte eingerichtet wird. Bei einer NVIDIA-Karte stellen Sie hier zunächst sicher, dass im Feld Treiber auf der rechten Seite der Wert nvidia eingestellt ist. Auf dem Register Erweitert finden Sie Felder, mit denen Sie die verfügbaren Module ein- und ausschalten können. Bei NVidia-Karten darf hier wiederum nur glx angekreuzt werden.

Haben Sie alle Schritte durchgeführt, versucht SaX den X-Server mit den neuen Treibern zu starten. Treten keine Fehler auf, ist Ihre grafische Oberfläche bereit.

Falls Sie eine andere Distribution einsetzten und das dort mitgelieferte Einrichtungsprogramm verwenden, sollten Sie sicherstellen, dass der XFree86-Treiber nvidia und nicht nv verwendet wird. Bei den Modulen gilt dasselbe wie unter SuSE: für eine NVidia-Karte wählen Sie lediglich das Modul glx aus.

Müssen Sie die Konfiguration per Hand in die Datei XF86Config-4 (bzw. XF86Config) eintragen, wie z. B. unter Red Hat oder Mandrake, stellen Sie sicher, dass die Zeilen mit dem Text Load "dri" und Load "GLcore" im Abschnitt Section "Module" nicht auftauchen. Wenn nötig, tauschen Sie zusätzlich die Zeile Driver "nv" im Abschnitt Section "Device" gegen die Zeile Driver "nvidia" aus.

Abbildung 5: Bei einer NVidia-Grafikkarte müssen Sie zusätzlich sicherstellen, dass als Treiber nvidia verwendet wird

Sonderfall 3dfx

Falls Sie eine Voodoo-Karte aus dem Hause 3dfx Ihr Eigen nennen und Ihre Distribution die Glide-Bibliothek für Ihr Modell nicht mitbringt, müssen Sie sich aus dem Internet unter http://dri.sourceforge.net im Abschnitt Resources die für Ihre Karte passende Bibliothek herunterladen.

Kopieren Sie sie anschließend in das, auf der gleichen Seite angegebene Verzeichnis. Bei den meisten, aktuellen Distributionen, wie RedHat, Mandrake und SuSE-Linux liegen die Glide-Bibliotheken bereits bei. RedHat und Mandrake unterstützen allerdings nur die Modelle Voodoo Banshee, sowie Voodoo 3, 4 und 5. Eine so umfangreiche Auswahl, wie z. B. SuSE (Serie x3d), beherbergen sie leider nicht.

Benutzer von Voodoo-Karten, die nicht unter der oben genannten DRI-Seite fündig werden, müssen auf Bibliotheken direkt von 3dfx ausweichen. Mittlereile ist es allerdings zu einem etwas schwierigen Unterfangen geworden, diese im Internet aufzuspüren. Zum einen werden nach dem Ende von 3dfx die Treiber nicht mehr weiterentwickelt und zum anderen stehen auf den Resten der Homepage http://www.3dfx.com ausschließlich Windows-Treiber zur Verfügung. Eine der letzten Anlaufstellen war zum Redaktionsschluss http://ftp.linux.dct.ufms.br/software/drivers/video/3dfx/.

Falls Sie eine Voodoo-Karte besitzen, sollten Sie als erstes die Glide-Bibliothek installieren. Bei allen aktuellen Distributionen sollten die benötigten Glide-Bibliotheken bereits bei der Installation des Systems eingespielt werden. Anderenfalls finden Sie diese im Internet bzw. unter SuSE in der Serie x3d (Vodoo3 oder Banshee-Karte im Paket glidedri, Voodoo4 und Voodoo5 im Paket gldri_v5).

Sofern Sie eine Voodoo (SuSE-Paket glide_vg, Voodoo Rush benötigt glide_vr) oder Voodoo2-Karte (SuSE-Paket glide_v2) besitzen, reicht die Installation der Glide-Bibliothek bereits aus. Im entsprechenden Anwendungsprogramm oder Spiel müssen Sie bei der Wahl zwischen OpenGL und Glide, die letztere Alternative auswählen.

Benötigen Sie zusätzlich eine OpenGL-Bibliothek, weil z. B. Ihr Programm Glide nicht unterstützt, so sollten Sie zusätzlich unter SuSE das Paket mesa3dfx installieren. Hierbei handelt es sich um eine OpenGL-Bibliothek für alle 3Dfx-Karten, die jedoch kein DRI unterstützt und auf den glide-Bibliotheken aufsetzt. Sie finden sie auch im Internet unter http://www.mesa3D.org. Dies gilt wohlgemerkt nur für Voodoo-Karten, die nicht vom DRI-Projekt unterstützt werden (vgl. Kasten "Diese Karten bieten unter Linux volle 3D-Beschleunigung").

Bei allen neueren Voodoo-Karten erfolgt die Einrichtung der Karte zunächst mit dem Konfigurationsprogramm Ihrer Distribution, wie z. B. SaX2. Gleiches gilt für die Aktivierung der 3D-Beschleunigung. In den Fällen, wo dies nicht möglich ist, müssen Sie die bereits bekannten Zeilen Load "dri" und Load "glx" in die Konfigurationsdatei XF86Config-4 (bzw. XF86Config) im Verzeichnis /etc/X11 eintragen.

Problemfälle Matrox und ATI

Während unserer Tests mit verschiedenen Grafikkarten, kristallisierten sich schnell zwei Hersteller heraus, deren Produkte sehr instabil und problematisch reagierten. Dies waren die Karten der Firmen Matrox und ATI.

Matrox

Die Matrox Millenium G450 bereitete keine Schwierigkeiten. Die neuere Millenium G550 konnte nur mit Hilfe der neuesten Treiber von der Matrox-Homepage aktivert werden. Insbesondere im Zusammenspiel mit Mandrake traten Probleme auf, die sogar die ansonsten funktionierende G450 betrafen.

Um die G550 doch noch ans Laufen zu bekommen, sollten Sie sich zunächst unter http://www.matrox.com/mga/support/drivers/latest/home.cfm den neuesten Treiber herunter laden.

Abbildung 6: Die Internetseite von Matrox. Hier finden Sie stets die aktuellsten Treiber zu den Matrox-Grafikkarten

Ein Tipp: Laden Sie sich das Programm PowerDesk herunter. Mit Hilfe dieser englischsprachigen Anwendung erhalten Sie Zugang zu weiteren interessanten Funktionen Ihrer Matrox-Grafikkarte.

Kopieren Sie die Treiberdatei auf eine Diskette. Richten Sie die Grafikkarte bei der Installation Ihrer Distribution nach den Vorgaben des Setup-Programms ein. Sollte es hierbei Probleme geben, überspringen Sie die grafische Einrichtung und wählen statt dessen den Textmodus bzw. Text bei der Installation als Installationstyp aus.

Melden Sie sich nach dem ersten Bootvorgang als Benutzer root am System an. Kopieren Sie die Datei von der Diskette in das Heimatverzeichnis (z. B. per mtools mit dem Befehl mcopy a:<Dateiname>). Entpacken Sie dort das Archiv mit einem Packprogramm Ihrer Wahl oder alternativ an der Kommandozeile per

 tar xvcz mga-<version>.tgz

Hierbei steht <version> für die Versionsnummer des Treibers. Sie sollten nun ein Unterverzeichnis namens mgadrivers vorliegen haben. Sofern Sie sich auf der grafischen Oberfläche befinden, öffnen Sie nun ein Terminal-Fenster. Wechseln Sie in jedem Fall per

 cd mgadrivers

in das Unterverzeichnis. Dort rufen Sie durch die Eingabe des Befehls

 sh install.sh

die Installationsroutine auf. Beantworten Sie beide Fragen mit y. Starten Sie anschließend das Konfigurationsprogramm Ihrer Distribution (unter Red Hat Xconfigurator, unter SuSE sax2) und dort als Grafikkarte die G450 oder, sofern dies direkt möglich ist, als Treiber mga aus. Nun sollte die G550 nach einem Neustart korrekt arbeiten. Auf eine 3D-Beschleunigung sollten Sie allerdings verzichten: Jeglicher Versuch, diese zu aktivieren endete bei uns in einem Komplettabsturz des Systems.

Mandrake-Besitzer müssen wesentlich mehr Basteleifer entwickeln: Schon bei der Installation des Systems richtet die aktuelle Mandrake-Version ohne Nachfrage das alte XFree86 3.3.6 ein. Da dieses für einen Betrieb der G550 gegen XFree86 4.0 ausgetauscht werden muss, sollten sich nur erfahrene Linuxianer an diese Arbeit wagen. Sofern Sie unter Mandrake mit der G450 arbeiten, achten Sie bei der Installation des Systems darauf, dass vom Setup-Programm die korrekte Grafikkarte ausgewählt wurde.

ATI

Auf verschiedenen Internet-Seiten wird bereits das propagiert, was uns prompt wiederfahren ist: Der Einsatz einer ATI-Grafikkarte kommt unter Linux einem Glücksspiel gleich. Obwohl unsere Test-Karten in der Liste als funktionsfähig eingestuft wurden, konnten wir keine zu einer stabilen Arbeit bewegen. Der Grund hierfür liegt in den verschiedenen Kartenversionen verborgen. So verbaute ATI eine Vielzahl unterschiedlicher Chips auf ein und demselben Grafikkartenmodell. Hinzu kommen Inkompatibilitäten mit einigen früheren VIA-Hauptplatinen-Chipsätzen.

Wenn Sie eine ATI-Grafikkarte Ihr eigen nennen, bleibt Ihnen leider nichts anderes übrig, als auszuprobieren, ob diese Karte unter Ihrer Distribution läuft. Leider ist eine korrekt verlaufene Einrichtung noch kein Garant für ein stabiles System. In unseren Tests rissen die ATI Karten oft erst beim Start eines 3D-Programms das System mit in den Tod.

Eine Besserung der Situation zeichnet sich nur langsam ab: Mit jeder neuen Unterversion von XFree86 4.x werden mehr ATI-Karten unterstützt, bis diese aber ihren Weg in die Distributionen finden, dürfte einige Zeit vergehen.

Abschlussarbeiten

Damit die Änderungen an der Konfiguration wirksam werden, müssen Sie zum Abschluss ihrer Einrichtungsarbeiten den X-Server neustarten. Dies geht entweder über eine Option im Anmeldebildschirm oder per Neustart des Systems. Damit wäre die Aktivierung der 3D-Beschleunigung Ihrer Grafikkarte endgültig abgeschlossen.

Fehlerverfolgung

Bei korrekt eingerichteten NVidia-Karten erscheint während des Starts des X-Servers kurz das NVidia-Logo. Sollte dies bei Ihnen nicht der Fall sein, weil z. B. die grafische Oberfläche nicht startet oder die 3D-Darstellung gar nicht oder nur zu langsam erfolgt, so sollten Sie nach der Konfiguration (unter SuSE z. B. mit SaX2) noch einmal die beiden RPM-Pakete installieren. Dies betrifft insbesondere SuSE. Dort dürfen Sie nicht vergessen, in einem Terminal-Fenster switch2nvidia_glx aufzurufen.

Bei anderen Grafikkarten, wie der Matrox Millenium G450, flackert beim Start der Bildschirm zweimal kurz auf. Bei einigen Karten bleibt der Bildschirm für ein paar Sekunden komplett schwarz. Diese Verhaltensweisen sind normal, wobei insbesondere die Startgeschwindigkeit des X-Servers (die Zeit ohne Bildschirmanzeige) stark von der Gesamtleistung des Computers abhängig ist.

Bei Problemen, die auf eine falsche Hardware-Erkennung zurückzuführen sind, hilft es, die Grafikkarte ohne 3D-Unterstützung einzurichten. Die Aktivierung der 3D-Beschleunigung sollten Sie anschließend per Hand durch die Modifikation der angesprochenen Konfigurationsdatei XF86Config-4 (bzw. XF86Config) vornehmen.

Dies betrifft insbesondere die Einrichtung mit SaX2: Dort hilft es in vielen Fällen die Eingangsfrage auf der Textkonsole mit no zu beantworten. Vergessen Sie nicht, später die Module glx und dri zu aktivieren. Paradoxerweise gibt es nach dem Einspielen der NVidia-Treiber Situationen, in denen Sie hier stets yes angeben müssen - ansonsten verweigert SaX2 den Start. SuSE 7.2 Benutzer sollten sich in diesem Zusammenhang das mit 5,5 MB nicht gerade kleine Update-Paket zu SaX von den SuSE-Seiten herunter laden.

Erkennungsprobleme bei der Hardware haben ebenfalls die Installationsprogramme der Distributionen. In den meisten Fällen überlassen sie dem Benutzer die Wahl, ob die grafische Oberfläche von Linux automatisch gestartet werden sollen (grafischer Login) oder nicht (oft als Textmodus bezeichnet). Bei Problemen kann es helfen, hier nein oder Textmodus zu wählen und das X Window System nach dem ersten Start mit dem Konfigurationsprogramm einzurichten.

Hierbei handelt es sich um drakxconf unter Mandrake, Xconfigurator bei Red Hat und sax2 unter SuSE. Melden Sie sich zuvor als Benutzer root an.

Andere Probleme, die sich insbesondere in einer zu langsamen Grafikausgabe bemerkbar machen, sind meistens auf falsch installierte OpenGL-Bibliotheken zurückzuführen. Einige Distributionen installieren Mesa-Bibliotheken, die nicht für DRI bzw. XFree86 4.x ausgelegt sind.

Das Ergebnis spiegelt sich in einer schleichenden 3D-Ausgabe oder Abstürzen wieder. Prüfen Sie in einem solchen Fall mit einem Paket-Manager, welche Bibliotheken verwendet werden und tauschen Sie sie aus.

Drei interessante Diagnose-Programme sind 3ddiag, 3dinfo und glean. Die ersten beiden geben nach ihrem Aufruf in einem Terminal-Fenster per 3Ddiag (Groß- und Kleinschreibung beachten) bzw. 3dinfo Informationen über die Grafikkarte und die installierte OpenGL-Bibliothek aus. Glean ist ein Programm, das prüft, ob die OpenGL-Bibliothek dem Standard von Silicon Graphics entspricht. Es wird ebenfalls in einem Terminal-Fenster aufgerufen.

Fazit

Insbesondere Besitzer exotischer oder brandneuer Kartenentwicklungen (z. B. der Radeon oder der Kryo II) schauen in die Beschleuniger-Röhre. Wer unter Linux schnelle 3D-Grafik benötigt, kommt zur Zeit nicht um die Karten von NVidia herum. Obwohl dieser Kartenhersteller für seine verschlossene Entwicklungspolitik von der Linux-Gemeinde bereits einige Kritik erntete, verhelfen die proprietären Treiber 3D-Programmen und Spielen zu wahren Höhenflügen.

Die Treiber sind mittlerweile so gut geworden, dass sie in einigen Fällen sogar ihre Microsoft Windows-Pendants in den Schatten stellen - viele Lokigames-Spiele danken dies dem Anwender.

Zum Vergleich: Auf unserem Testsystem erreichte eine TNT2-Karte mit gears rund 1113.699 FPS (Frames per Second; Bilder pro Sekunde), gefolgt von einer, kurz nach den Messungen abstürzenden ATI Xpert 2000Pro 32MB mit Rage 128Pro-Chips bei zirka 930.600 FPS.

Geschlagen geben muss sich die Matrox Millenium G450 mit 836.800 FPS. Tests mit den Programmen OpenUniverse und Unreal Tournament bestätigen diese Rangfolge: Nur unter der TNT2-Karte lief Unreal Tournament absolut ruckelfrei. Interessant ist hierbei anzumerken, dass Red Hat 7.1 die beiden zuletzt genannten Karten aus noch unbekannten Gründen auf 450 FPS herunter drosselte. Von allen neueren Modellen (Matrox Millenium G550, ATI Radeon) konnten wir keine Vergleichsdaten ermitteln.

Sieht man einmal von der etwas nervigen, nachträglichen Treiberinstallation ab, ließen sich in unseren Versuchen neben NVidia- und den eingestellten 3dfx-Karten keine anderen Grafikmodelle so problemlos in Betrieb nehmen.

Trotzdem bleibt zu hoffen, dass andere Kartenhersteller dem Beispiel von NVidia folgen und so etwas mehr frischer Wind in die 3D-Beschleunigung unter Linux kommt.

Diese Karten bieten unter Linux volle 3D-Beschleunigung

3dfx

Voodoo Banshee, Voodoo 3, Voodoo 4 und Voodoo 5

Matrox:

Karten mit den Chipsätzen G200, G400, G450, z. B.: Millennium G450, Millennium G400, Millennium G200,

Mystique G200

NVidia

(nur mit Treiber von der NVidia-Homepage)

Karten mit Quadro, Quadro2 Pro, TNT, TNT2, GeForce, GeForce2 und GeForce3 Chips

Intel

i810, i810, i810-dc100, i810e

ATI

Karten mit Rage 128 Chips, z. B.: Rage 128, Rage Fury AGP, Rage Magnum AGP, XPERT 2000 AGP, XPERT 128 AGP, XPERT 99 AGP, All-in-Wonder 128 AGP

Die kommenden Distributionen mit XFree86 4.1.0 sollten auch Kartenn mit Radeon Chip unterstützen.

Infos

[1] http://www.x.org Informationen rund um das X Window System

[2] http://www.xfree86.org Homepage des "The XFree86 Projekt", eine freie Implementierung des X Window Systems, das auf fast allen Linux-Systemen zum Einsatz kommt.

[3] http://www.valinux.com Homepage der Firma VA-Linux, initiale Kraft des DRI-Projektes

[4] http://dri.sourceforge.net Homepage des Direct Rendering Interface-Projektes

[5] http://www.opengl.org Informationen rund um OpenGL

[6] http://www.mesa3D.org Eine Bibliothek, die fast dem OpenGL-Standard entspricht

[7] http://www.openuniverse.org Programm, das unser Sonnensystem simuliert, auch als Benchmark einsetzbar

[8] http://www.lokigames.com Hersteller kommerzieller Spiele für Linux; weitere Informationen zum Actionspiel Unreal Tournament

[9] http://www.3dfx.com Überreste der Homepage des Grafikkartenherstellers 3dfx

[10] http://www.nvidia.com Homepage des Grafikchipherstellers NVidia

[11] http://www.povervr.com Homepage des Kryo-Chip Herstellers

[12] http://www.ati.de Homepage des Grafikkartenherstellers ATI

[13] http://www.matrox.com Homapage des Grafikkartenherstellers Matrox

[14] http://www.nvidia.com/view.asp?PAGE=linux Linux-Treiber für NVidia-Karten

[15] http://ftp.linux.dct.ufms.br/software/drivers/video/3dfx/ Eine der letzten Quellen für die glide-Bibliothek

[16] http://www.matrox.com/mga/support/drivers/latest/home.cfm Die aktuellsten Linux-Treiber für Matrox-Karten

[17] http://www.suse.de SuSE-Linux

[18] http://www.linux-mandrake.com Linux Mandrake

[19] http://www.redhat.com RedHat Linux

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