Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.11.2001

GNOME Foundation stellt Timothy Ney ein

Dass die GNOME Foundation einen Kandidaten für die Position des Executive Director hatte, war schon lange bekannt - wer das genau war, wurde aber erst kürzlich mit der Einstellung von Timothy Ney klar. Mit Erfahrungen in der Free Software Foundation und einigen anderen Non-Profit-Unternehmen scheint er der Stelle gewachsen und wird sich in Zukunft mit dem operativen Geschäft sowie der Repräsentation des GNOME-Projekts beschäftigen. Da sein eigenes Gehalt vom erfolgreichen Fundraising abhängt, sollte Timothy Ney ausreichend motiviert sein, möglichst viele Spenden zu organisieren. Damit ist er der einzige Direktor, der für seine Arbeit bezahlt wird und nicht gewählt wurde. Trotzdem fand er viel Zuspruch und wird hoffentlich dazu beitragen, die Kontakte zwischen Wirtschaft und GNOME-Foundation zu festigen.

Accessibility in GNOME

Hinter dem schönen Wort Accessibility verbirgt sich das Ziel, GNOME nicht nur normalen Benutzern, sondern auch solchen mit Behinderungen zugänglich zu machen. Wie auch bei Usability existiert ein zugehöriges Projekt [1], das von Sun unterstützt wird. Grundlage des Accessibility Frameworks ist das Accessibility ToolKit ATK, über das Daten an ein "Assistive Technologies Service Provider Interface" (AT SPI) gehen. Dieses Interface wiederum bedient diverse Programme, denkbar wäre zum Beispiel Sprachausgabe. Da aber bei der Definition eines GTK-Interfaces schon jede Menge verwertbare Informationen vorhanden sind, müssen nur wenige Informationen direkt an ATK weitergegeben werden. Viele Informationen liest eine weitere Bibliothek mit einer schönen Abkürzung, nämlich die GNOME Accessibility Implementation Library (GAIL), aus und gibt sie an ATK weiter. Damit können GNOME-Programme ohne großen Aufwand wesentlich behindertengerechter gemacht werden. So eine Bibliothek könnte natürlich auch für jedes andere Toolkit wie zum Beispiel Qt oder Motif geschrieben werden. Auch Brücken zu bestehenden Accessibility Frameworks wie Javas JA sind denkbar und ermöglichen verschiedenen Programmen, über das selbe Ausgabegerät zu kommunizieren. Ob sich ATK tatsächlich durchsetzt, steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber es wurde zumindest ein guter Anfang gemacht.

Neues rund um Ximian

Rechtzeitig zur LinuxWorld Expo hat sich Ximian [2] überlegt, dass sich mit Plüschaffen und T-Shirts allein keine Existenz bestreiten lässt, und eine Reihe neuer Einnahmequellen aufgetan. Nach dem Vorbild gängiger Linux-Distributoren existieren jetzt eine Standard- und eine Professional-Version des Ximian Desktops, die sich hauptsächlich durch Dauer des Supports sowie StarOffice unterscheiden. Die beiden Versionen sollen 29.95 $ bzw. 49.95 $ kosten, und lassen sich - natürlich abzüglich Support - kostenlos downloaden.

Auch Red Carpet soll in Zukunft Geld abwerfen. Schnellere Downloads via Red Carpet Express kosten in Zukunft 9.95 $ pro Monat, und mit Corporate Connect soll das Verwalten und Aktualisieren von Software innerhalb größerer Gruppen ab 2500 $ plus Jahresgebühr einfacher werden.

Damit Red Carpet nicht auf Software von Ximian begrenzt bleibt, gibt es außerdem noch ein Partnerprogramm, mit dem weitere Channels hinzugefügt werden können - von dieser Möglichkeit machte Mission Critcal Linux gleich auf der LinuxWorld Expo Gebrauch.

Overflow

Mit Overflow [3] lassen sich relativ schnell flow-orientierte Programme entwickeln, indem man verschiedene Funktionen vernetzt. Insofern ähnelt es Programmen wie Simulink und LabView, auch wenn der Funktionsumfang im Vergleich etwas kleiner erscheinen mag. Da Overflow Teil des Open Mind Speech Projects [4] ist, umfassen diese Funktionen neben Fuzzy-Logik und neuralen Netzen auch Analysen für menschliche Sprache.

Wie bei anderen Programmiersprachen lassen sich der Übersicht halber auch eigene Funktionen definieren, die dann im MAIN-Subnet verwendet werden können. Auch wenn das die Hauptaufgabe von Overflow ist, beschränken sich die Funktionen nicht auf die Analyse von Daten, sondern ermöglichen auch grafische Eingaben und Plots. Auch die Verarbeitung von Bildern soll in Zukunft möglich werden. Hat man einmal ein Netzwerk erstellt, lässt sich dieses nicht nur ausführen, sondern auch in C++-Code übersetzen und kompilieren. Damit lassen sich auch vergleichsweise schnelle Programme erstellen. Kritisch für die Geschwindigkeit vieler Funktionen ist auch eine optimierte Fast-Fourier-Transformation, weshalb Overflow auf FFTW [6] (Fastest Fourier Transform in the West) zurückgreift. Wer es noch schneller mag, kann gegebenfalls auch noch auf prozessoroptimierte Abkömmlinge von FFTW zurückgreifen. Es ist weiterhin geplant, Overflow in Piper [5] zu integrieren, was es ermöglichen wird, Komponenten, wie man sie in Overflow verwendet, auf verschiedenen Rechnern laufen zu lassen. Nichtsdestotrotz wird Overflow auch in Zukunft als separates Programm erhältlich sein.

Abbildung 1: Ein Audio-Effekt in Overflow

Gdkxft

Diverse Patches, mit denen sich GTK+ 1.2 um weichgezeichnete Schriften erweitern bzw. um Binärkompatibilität erleichtern lässt, existieren schon seit einiger Zeit, aber GTK selbst zu kompilieren, ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Mit Gdkxft [7] gibt es jetzt allerdings auch eine minmalinvasive Methode für alle, die nicht auf GTK+ 2 warten wollen. Damit das funktioniert, benutzt Gdkxft einen Trick: Es setzt die Umgebungsvariable LD_PRELOAD und sorgt somit dafür, dass libgdkxft.so vor allen anderen Bibliotheken geladen wird. So kann die Bibliothek Aufrufe abfangen, die eigentlich für GDK gedacht sind, und über Xft weichgezeichnete Schriften darstellen. Dazu ist natürlich LibXft nötig, die aber in XFree86 enthalten sein sollte. Die Konfiguration von Xft übernimmt dabei das eigene Skript gdkxft_sysinstall, das auch gleich ein eigenes GTK Theme mit weichzeichenbaren Schriften mitinstalliert. Welche Schriften die Bibliothek weichzeichnet, lässt sich in ~/.gdkxft angeben, da sich Xft durchaus nicht mit allen Schriften versteht. Gdkxft kommt auch nicht mit allen Programmen klar, aber mit "gdkxft_sysinstall -u" und "make uninstall" lässt sich das Ganze auch leicht wieder entfernen.

Abbildung 2: Geglättete Kanten, wo man auch hinblickt

Devhelp

Dass jede größere Linux-Bibiliothek inzwischen einiges an Dokumentation mitbringt, ist an sich eine sehr gute Entwicklung, die aber leider auch zu einigem Durcheinander führen kann. Ordnung in das Chaos der verschiedenen Dokumentationen zu bringen, hat sich Devhelp [8] zum Ziel gesetzt. Das Programm verwaltet Dokumentationsdateien in Büchern, zu denen Metadaten in sogenannten Spec-Dateien gespeichert werden. Ob sich der eigentliche Inhalt der Bücher dabei auf der Festplatte oder im Netz befindet, macht dank gnome-vfs keinen Unterschied, obwohl unter [9] viele Bücher download-fertig bereitstehen. Natürlich lässt sich innerhalb der Bücher auch suchen, wobei die Suchmethode allen Emacs-Benutzern bekannt sein sollte. Da die Zielgruppe von Devhelp und IDEs in etwa dieselbe sein sollte, bietet es sich natürlich an, das Programm in gängige IDEs zu integrieren, was bei Anjuta und Gide zumindest im CVS geschehen sein soll.

Abbildung 3: Devhelp kann Dokumentationen auch bei Bedarf aus dem Internet laden

Benötigte Biliotheken

Overflow:LibXML, FFTW

Gdkxft: LibXft (sollte in XFree86 enthalten sein)

Devhelp:GConf >= 0.12, GtkHTML >= 0.10.0, Gnome-print >= 0.29, LibXML >= 1.8.10

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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