Tag für Tag

HTML-Editoren

01.11.2001
Was leisten HTML-Editoren unter Linux? Eine Bestandsaufnahme für alle, die ihre Web-Seiten nicht in einem Texteditor verfassen möchten.

Ein einfacher Texteditor genügt, um HTML-Dateien zu schreiben. Doch ist ein spezialisierter HTML-Editor wesentlich angenehmer: Tags werden per Knopfdruck eingefügt; bei komplizierten Konstruktionen können die Parameter in eine Bildschirmmaske eingegeben werden, so dass niemals falsch geschriebene Parameter die Seite verunstalten. HTML-Editoren helfen beim Einfügen von Grafiken, indem sie die Breite und Höhe des einzusetzenden Bilds ermitteln und dafür sorgen, dass die Alternativbeschriftung nicht vergessen wird. Einige der im Folgenden vorgestellten Programme integrieren sogar eine Projektverwaltung, damit der Überblick über den Web-Auftritt nicht verloren geht. FTP-Funktionalität, mit deren Hilfe die Dateien gleich auf den Web-Server kopiert werden können, ist ebenfalls in einigen Programmen enthalten.

Kasten 1: HTML-Versionen

HTML, die "HyperText Markup Language", entstand um 1990 am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf als eine der Schlüsseltechnologien des WWW. Mit dieser Sprache ausgezeichnete Dokumente sollten es den Benutzern verschiedener Rechnerplattformen ermöglichen, sich mit Hilfe von Verknüpfungen, Links, durch die Informationen zu hangeln.

Den ersten grafischen Web-Browser stellte 1993 das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der University of Illinois vor: Mosaic. Im selben Jahr wurde die HTML-Version 1.0 spezifiziert. 1994 entstand die W3-Organisation, die die Weiterentwicklung und Normierung von HTML seitdem koordiniert. Im Juni desselben Jahres kam HTML 2.0 heraus. Bis zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich der Standard auf einfache Formatierungsauszeichnungen für Text, Abbildungen und Hyperlinks.

Im März 1995 wurde HTML 3.0 angekündigt, das als Neuheiten Formulare und einfache Tabellen beschrieb. Netscape 2 erblickte im Herbst desselben Jahres das Licht der Welt und stellte als erster Browser auch die mit HTML 3.0 eingeführten Frames dar. HTML 3.2 vom Mai 1996 enthielt nur wenige Neuerungen. HTML 4.0 wurde 1998 offiziell verabschiedet, neu hinzugekommen sind u. a. Cascading Style Sheets (CSS) und Eventhandler, die aus JavaScript übernommen wurden. Neuester Stand in Sachen HTML ist XHTML, das HTML 4.0 in XML neu definiert.

Alle aktuellen Browser können HTML in der Version 4.0 darstellen, leider gibt es einige Unterschiede insbesondere bei der Interpretation von Style Sheets und bei der Umsetzung von Layern, Ebenen. So bleibt es weiterhin schwierig, Seiten zu schreiben, die in allen Browsern gleich aussehen.

Die Kandidaten

Sieben Programme sollten sich im Praxistest beweisen. Drei davon (August, Bluefish und Quanta) unterliegen der GPL, zwei (CoffeeCup und HTML-Format) sind Freeware, eines, AsWedit, Shareware, und der IBM WebSphere Homepage Builder vertritt die Sparte der kommerziell erhältlichen Kauf-Programme.

Wirft man einen Blick auf das Alter der Editoren, stellt man fest, dass die kommerziell entwickelten allesamt schon ein paar Jährchen alt sind, während die freien Programme stetig weiter entwickelt werden. WebSphere, AsWedit und CoffeeCup haben mindestens ein bis zwei Jahre auf dem Buckel; HTML-Format, August, Bluefish und Quanta dagegen sind in ständiger Weiterentwicklung begriffen.

Kasten 2: Das WWW und WYSIWYG

Wenn im Zusammenhang mit HTML-Editoren von WYSIWYG (What You See Is What You Get), "Du siehst, was Du bekommst", die Bildschirmansicht stimmt mit der endgültigen Ausgabe überein) die Rede ist, muss einschränkend gesagt werden, das "echtes" WYSIWG mit HTML nicht möglich ist. HTML ist eine Seitenbeschreibungssprache, die ursprünglich dafür entwickelt wurde, formatierten Text plattformübergreifend darstellbar zu machen. Es war nicht vorgesehen, HTML für Layoutaufgaben zu verwenden.

Mit Hilfe von Style Sheets kann man mittlerweile zwar dem Text ein einheitliches Aussehen geben. Da aber jeder Benutzer in seinem Browser eine andere Standardschrift einstellen oder die Verwendung von Vorlagen abstellen kann und nicht immer alle in einer Seite verwendeten Schriften auch beim Betrachter installiert sind, kommt es vor, dass die sorgsam ausgetüftelte Seite auf einem anderen Rechner weniger schön aussieht.

Zudem sollte man sich darüber Gedanken machen, dass ein grafischer Web-Browser nicht die einzige Ausgabemöglichkeit für Web-Seiten ist: Text-Browser, Sprachausgabe, die Ausgabe auf Braille-Zeilen u. a. Ausgabealternativen erschließen das Web sowohl blinden und sehschwachen Menschen als auch Personengruppen, deren Rechner nicht dem Stand der Technik entsprechen.

Die Kandidaten mussten folgendes Testprogramm absolvieren: Wir überprüften zunächst die Installation aus Quellen und Binärpaketen. Anschließend mussten die Programme zeigen, wie sie den Benutzer bei der Gestaltung von HTML-Seiten unterstützen. Wichtig war uns zudem, inwieweit sie in der Lage sind, eine ganze Web-Site zu verwalten.

Da Skript-gesteuerte Web-Seiten immer wichtiger werden, schauten wir uns an, ob die Editoren die Entwicklung Skript-basierter Seiten ermöglichen. Am Ende warfen wir noch einen Blick auf die beiliegende Hilfe in Form von Handbüchern und Online-Hilfe. Tabelle 1 fasst die wichtigsten Programmfunktionen zusammen.

AsWedit

AsWedit ist ein HTML-Quelltexteditor, der für Studenten und Schüler sowie für nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos zu haben ist. Die Vollversion kostet 225 DM.

Leider ließ sich das Programm auf einem System mit Red Hat 7.1 nicht ausführen, so dass der Test auf einem anderen Rechner mit Red Hat 6.2 durchgeführt wurde. Dort war das Programm leicht zu installieren. Dazu entpackt man die Datei asWedit-4.0.1-i386.linux.tar.gz mit dem Befehl

tar -xzvf asWedit-4.0.1-i386.linux.tar.gz

…, wechselt ins Verzeichnis asWedit-4.0.1 und kopiert das Binary asWedit in ein für den User erreichbares bin-Verzeichnis, z. B. /usr/local/bin. Die Hilfedatei asWedit.hlp sollte in einem lib-Verzeichnis, z. B. /usr/local/lib, ihren Platz finden. Der Editor wird durch Eingabe von asWedit in einem Terminal gestartet und zeigt sich sehr aufgeräumt (Abbildung 1).

Die wichtigsten HTML-Tags finden Sie in der Werkzeugleiste unterhalb des Menüs. Mit einem Klick auf das Icon Standard HTML-Layout erhalten Sie ein Grundgerüst für eine neue Web-Seite.

Abbildung 1: asWedit

Das Syntax-Highlighting erleichtert die Übersicht im Quelltext; zudem zeigt AsWedit in Menüs und Werkzeugleisten nur die Tags an, die im Zusammenhang sinnvoll sind. Eine Syntaxüberprüfung ist eingebaut, so dass Fehler im Text schnell gefunden werden.

Das Ergebnis Ihrer Arbeit überprüfen Sie in Netscape, Arena, Mosaic oder Lynx, eine eingebaute Vorschau gibt es nicht. Auf Wunsch öffnet AsWedit durch Klicken mit der rechten Maustaste auf ein eingegebenes Tag ein Fenster, in dem Sie alle HTML-4-konformen Parameter des Tags bequem eingeben können (Abbildung 2).

Abbildung 2: Attribute eines Tags bearbeiten

Die Programmhilfe (einschließlich HTML-Referenz) ist sehr übersichtlich und umfangreich. Aufgrund der integrierten Syntaxüberprüfung und der zahlreichen Hilfen zur Eingabe von Tags eignet sich dieser Editor sehr gut für Einsteiger. Leider fehlt Unterstützung für Skript-Sprachen und moderne Web-Technologien wie Style Sheets, auch wirkt die Oberfläche des Programms ein wenig antiquiert – Kritikpunkte, bei denen zu überlegen ist, ob die recht teure Vollversion ihr Geld wert ist.

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