Dr. Linux:

Immer aktuell

Gerade große Softwareprojekte verlocken dazu, immer die neueste Version zu installieren, doch die Updates sorgen gar zu gerne für Ärger. Dr. Linux: hilft unter anderem, gängige Installationsprobleme bei KDE und Mozilla in den Griff zu bekommen.

Dr. Linux:

Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux: beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Rote Gefahr

Auf meinem Rechner läuft der Web-Server Apache. In seinen Logs finde ich folgende Ausgaben:

[12/Sep/2001:16:36:40 +0200] "GET /default.ida?XXXXXXXXXXXXX…XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX%u9090%u6858%ucbd3%u7801%u9090%u6858%ucbd3%u7801%u9090%u6858%ucbd3%u7801%u9090%u9090%u8190%u00c3%u0003%u8b00%u531b%u53ff%u0078%u0000%u00=a  HTTP/1.0" 404 281.

Muss ich mir jetzt Sorgen machen, dass jemand in meinen Rechner einzudringen versucht?

Dr. Linux:: Diese Log-Einträge werden durch den Wurm CodeRed verursacht und sind für den Apachen ungefährlich. Sie können sie ignorieren.

CodeRed ist ein Schadprogramm, das sich per http-Request über das Internet verbreitet und hierbei eine Sicherheitslücke im Internet Information Server (IIS), einem viel benutzten Web-Server der Firma Microsoft, ausnutzt. Der eigentliche Schaden des CodeRed besteht darin, unnötig Netzwerkverkehr zu erzeugen und Rechner zu infizieren, die dann zu Attacken auf andere Rechner missbraucht werden können. Die so angegriffenen Rechner brechen zusammen und können ihre Dienste nicht mehr anbieten.

Hersteller von Antiviren-Software oder Universitäten bieten weitere Informationen zum Thema, beispielsweise http://cert.uni-stuttgart.de/.

Mozilla im Eigenbau

Ich habe den Mozilla-Quelltext in Form einer Datei namens mozilla-source-0.9.3.tar.gz herunter geladen und möchte ihn gern selbst kompilieren. Leider finde ich keine Anleitung dazu. Was muss ich tun?

Dr. Linux: Eine Warnung vorweg: Der Übersetzungsvorgang verlangt Ihnen sehr viel Platz auf der Festplatte (je nach Option mindestens 800 MB, besser 1 GB oder mehr) und – abhängig von der Prozessorleistung – mehr oder weniger viel Zeit ab. Ein 400-Mhz-Prozessor arbeitet etwa zweieinhalb Stunden bis zum fertigen Mozilla. Vergewissern Sie sich also vorher, ob Ihre Ressourcen ausreichend dimensioniert sind.

Abbildung 1: Ein selbstgebauter Mozilla

Entpacken Sie den Quelltext mit tar -xzvf mozilla-source-0.9.x.tar.gz, und wechseln Sie auf der Konsole ins neu entstandene Verzeichnis mozilla. Wie die meiste Software, die man selbst übersetzen kann, verfügt auch die Mozilla-Distribution über ein configure-Skript, das Ihr System auf installierte Bibliotheken und Hilfsprogramme überprüft und die passenden Makefiles erzeugt.

Um keine Enttäuschung aufkommen zu lassen, sollten Sie configure noch einige Optionen mitgeben. Mit

configure --help

bekommen Sie eine sehr ausführliche Auflistung der Ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Leider liefert sie selten ein Kochrezept und ist eher für Leute gedacht, die oft Software kompilieren. Mit der folgenden Beispielskonfiguration kommen Sie normalerweise sehr gut ans Ziel:

./configure --prefix=/opt/mozilla      \
             --disable-debug            \
             --without-debug-modules    \
             --enable-crypto            \
             --enable-chrome-format=jar \
             --with-x                   \
             --with-gtk                 \
             --disable-ldap             \
             --enable-mathml            \
             --enable-svg

Die erste Option, --prefix, gibt das Installationsverzeichnis vor. Damit sagen Sie configure, wohin Sie die nötigen Dateien nach der Kompilation kopieren wollen. Das Mozilla-Programm und seine Dateien installieren wir im Beispiel nach /opt/mozilla, alternativ käme auch /usr/local/mozilla infrage. Legen Sie das Verzeichnis vorab mit mkdir an, so sind Sie für alle Eventualitäten gerüstet.

Da Sie vermutlich keinen Mozilla-Code debuggen wollen, schalten Sie die dementsprechenden Optionen aus (--disable-debug und --without-debug-modules). Dadurch wird Mozilla schlanker und schneller. Die weiteren Optionen aktivieren den Personal Security Manager (--enable-crypto) sowie den Mozilla-Mechanismus, der dem Programm verschiedene Oberflächendesigns erlaubt (--enable-chrome-format=jar). Sie sorgen dafür, dass Mozilla unter dem X Window System läuft (--with-x) und binden die GTK-Klassenbibliothek ein (--with-gtk), die Mozillas Aussehen und Verhalten bestimmt. LDAP ist ein noch experimentelles Feature und wird daher ausgeschaltet (--disable-ldap). Das Flag --enable-mathml bringt Mozilla eine Beschreibungssprache bei, mit der auf Web-Seiten Mathematik dargestellt werden kann. SVG ("Scalar Vector Graphics") wiederum ist ein Vektorgrafikformat, das Mozilla dank --enable-svg anzeigen kann.

Der Backslash am Ende der Zeilen sagt der Shell, dass die Befehlskette noch nicht zu Ende ist.

configure erstellt nun die notwendigen Makefiles, was ein paar Minuten lang dauert. Danach rufen Sie make auf und lassen Ihren Rechner arbeiten.

Das Ergebnis Ihrer Bemühungen finden Sie unter /Arbeitsverzeichnis/mozilla/dist/bin. Es handelt sich hierbei um ein Verzeichnis mit symbolischen Links, die auf die benötigten Dateien innerhalb des Mozilla-Dateibaums verweisen. Wechseln Sie in dieses Verzeichnis, und kopieren Sie die Dateien mit

cp -r * /opt/mozilla

an ihren endgültigen Bestimmungsort. Profis mögen den letzten Schritt des Übersetzungsvorgangs vermissen: make install ist hier nicht vorgesehen.

Wechseln Sie als unprivilegierter User ins Installationsverzeichnis /opt/mozilla, und starten Sie Mozilla erstmalig mit ./run-mozilla.sh. Dieses kleine Shell-Skript richtet die Arbeitsumgebung des Browsers ein und ruft ihn schließlich auf. Wenn hier alles funktioniert, dürfen Sie das Arbeitsverzeichnis getrost löschen und das Programm von nun an mit /opt/mozilla/mozilla starten.

Abbildung 2: Mozilla ins K-Menü!

Um den Programmaufruf im KDE-2-Startmenü zu verankern, wählen Sie K / Kontrolleiste einrichten / Menu Editor... (Abbildung 2). Gehen Sie im Menübaum auf den Punkt Internet, und klicken Sie in der Werkzeugleiste auf Neues Element. Im rechten Dialog tragen Sie nun einen Namen für den Menüeintrag, einen Kommentar, der als Tooltipp zu Ehren kommt, und den Befehl ein, mit dem Mozilla aufgerufen wird (in unserem Beispiel also /opt/mozilla/mozilla). Den Typ des Menüpunkts belassen Sie bei Application. Zu guter Letzt weisen Sie Ihrer neuen Anwendung noch ein aussagekräftiges Icon zu. Ein Klick auf Anwenden komplettiert das K-Menü, sodass sich Mozilla von nun an auf Mausklick zum Dienst meldet.

Alternativ – und mit weniger Arbeit verbunden – können Sie Mozilla auch aus fertig übersetzten tar-Archiven installieren. Hier reicht ein Entpacken und Kopieren an den endgültigen Bestimmungsort aus. Nähere Informationen sind auf der Entwicklerseite unter http://www.mozilla.org/ zu bekommen. Zum Redaktionsschluss aktuell war übrigens die Version 0.9.4.

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