Des PostScripts neue Kleider

Zu Befehl

01.10.2001
,
Einfachen Text in PostScript wandeln, Quellcode übersichtlich formatiert ausdrucken, Bilddateien schnell zum Drucker schicken – all das und noch viel mehr gelingt mit a2ps auf der Kommandozeile.

Zu Befehl

Auch wenn sich viele Dinge bequem über grafische Oberflächen wie KDE oder GNOME regeln lassen – wer sein Linux-System richtig ausreizen möchte, kommt um die Kommandozeile nicht herum. Abgesehen davon gibt es auch sonst viele Situationen, wo es gut ist, sich im Befehlszeilendschungel ein wenig auszukennen.

Ursprünglich als Konvertierungsprogramm (Text nach PostScript) konzipiert, kann der PostScript-Filter a2ps in den neuen Versionen (aktuell 4.13) auch mit komprimierten Dateien, LaTeX-Dokumenten und sogar mit Bildformaten umgehen. Stand der Name a2ps anfangs noch für "ASCII to PostScript", darf sich das Werkzeug mittlerweile "Any to PostScript" nennen.

Bei den meisten Distributionen ist das Programm dabei. Sollte es bei Ihnen fehlen oder ein Update auf die neueste Version gewünscht sein, finden Sie auf unserer Heft-CD ein RPM-Paket oder die Sourcen als .tar.gz. Selbst downloaden können Sie die Software unter ftp://ftp.enst.fr/pub/unix/a2ps/.

Eine einfache Textdatei lässt sich mit a2ps völlig unproblematisch in eine PostScript-Datei umwandeln und in einem Atemzug ausdrucken:

huhn@asteroid:~$ a2ps test.txt
 [test.txt (plain): 1 page on 1 sheet]
 [Total: 1 page on 1 sheet] sent to the default printer

Dieser Befehl schickt die Datei test.txt zum Default Printerund schreibt dabei, die Standardoption -2 stillschweigend voraussetzend, zwei nebeneinander angeordnete Textseiten auf eine Druckseite.

Statt eine Datei direkt auf den Drucker zu schicken, können Sie sie in eine PostScript-Datei speichern. Verwenden Sie dazu den Parameter -o (für --output=):

huhn@asteroid:~$ a2ps datei.cc -o datei.ps
 [datei.cc (C++): 2 pages on 1 sheet]
 [Total: 2 pages on 1 sheet] saved into the file `datei.ps'

PostScript-Files sehen Sie sich mit Programmen wie ghostview, kghostview oder gv an. Diese GUI-Tools bieten u. a. die Möglichkeit, die Datei per Mausklick auszudrucken, wenn Ihnen lpr auf der Kommandozeile nicht geheuer ist. Praktisch sind sie auch deshalb, da Sie mit ihnen einzelne Seiten zum Ausdruck markieren oder die Seitenausrichtung verändern können.

Programmierhilfe

a2ps erkennt viele Dateiformate beim Umwandeln von sich aus. Wenn es sich bei einem ASCII-Text um Source-Code einer gängigen Programmier- oder Auszeichnungssprache handelt, hebt das Tool deren Syntaxelemente automatisch hervor. In Abbildung 1 sehen Sie den mit a2ps behandelten C++-Quelltext einer Datei namens datei.cc. Nicht nur die Schlüsselwörter werden hervorgehoben, auch Zeichenketten und Kommentare im Code sehen anders aus.

Abbildung 1: C++-Quelltexte gut formatiert

Sie können a2ps gleich mehrere Dateien zum Drucken oder Umwandeln mitgeben. Hängen Sie dazu die Dateinamen einfach hintereinander:

a2ps datei.txt datei.cc -o file.ps

Wenn Sie die dabei entstandene PostScript-Datei betrachten, sehen Sie, dass wiederum zwei logische Seiten auf einer Papierseite Platz gefunden haben. Außerdem fängt jede Datei auf einem neuen Blatt an.

Diese Papier- und/oder Tintenverschwendung umgehen Sie mit ein paar Tricks: Schauen Sie sich zunächst die Option -Av (kurz für --file-align=virtual) an. Damit definieren Sie, wie der Inhalt Ihrer Dateien im Ausdruck aufgeteilt werden sollen. Mit virtual rücken die Daten aller als Argumente aufgeführten Dateien zusammen, sodass leere Seiten vermieden werden.

Noch mehr Platz sparen Sie ein, wenn Sie -4 an den Aufruf dranhängen. Vier Seiten werden damit auf einer abgebildet – natürlich auf Kosten der Lesbarkeit. Ein bisschen Platz sparen Sie auch, indem Sie mit a2ps -B (kurz für a2ps --no-header) die sonst automatisch erzeugten Kopf- und Fußzeilen weglassen, die u. a. Auskunft zur Seitenzahl, zum Datum des Ausdrucks und zum Namen der ausgedruckten Datei erteilen.

Bunt und differenziert

Mit der Option --prologue= bringen Sie Abwechslung ins Layout. Zur Wahl stehen verschiedene Stile – je nachdem, welche Konfigurationsdateien Sie installiert haben (Tabelle 1). Diese .pro-Dateien liegen bei den meisten Distributionen unter /usr/share/a2ps/ps. Mit

huhn@asteroid:~$ a2ps --prologue=color datei.html -o datei.ps
 [datei.html (HTML): 1 page on 1 sheet]
 [Total: 1 page on 1 sheet] saved into the file `datei.ps'

bringen Sie beispielsweise Farbe ins PostScript. Nicht nur die Schlüsselwörter werden jetzt bunt hervorgehoben, auch der Seitenkopf erscheint blau unterlegt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Farbe für's PostScript

Tabelle 1: Gängige Argumente für <C>--prologue<C>

bold Fettdruck
bw Einfache Schwarz-Weiß-Ausgabe (der Default)
color Farbige Ausgabe
diff Spezielle Formatierung zur Verwendung mit pdiff
gray Schwarz-Weiß-Darstellung, wobei z. B. Kommentare grau unterlegt werden
matrix Schwarz-Weiß-Darstellung, bei der Zeilenblöcke abwechselnd weiß und grau unterlegt werden, sodass das Auge bessere Anhaltspunkte bekommt

Mit a2ps wird das Shell-Skript pdiff mitgeliefert. Unter Zuhilfenahme externer Programme vergleicht es zwei Dateien und bereitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede als PostScript-Datei auf. Vergessen Sie auch hier die Option -o dateiname.ps nicht, wenn Sie statt eines Ausdrucks eine Datei mit den Differenzen in den Händen halten wollen.

trish@chekov:~$ pdiff -l datei1.txt datei2.txt -o diff.ps – -4 
 [stdin (Unified Diff): 17 Seiten auf 5 Blättern]
 [Insgesamt: 17 Seiten auf 5 Blättern] in die Datei `diff.ps' geschrieben

Die Option -l sorgt dafür, dass pdiff mit Hilfe von diff zeilenbasiert vergleicht. Sofern wdiff installiert ist, sind mit -w auch Vergleiche auf Wortebene möglich. Fügt man ans Ende der pdiff-Optionen und -Argumente ein -- an, können dahinter a2ps-Optionen angegeben werden. So lassen sich zum Beispiel vier logische Seiten auf einem Blatt ausgeben.

Abbildung 3: Schöner Vergleichen mit pdiff

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