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N(Euro-Symbol)SE?!

Volkers Editorial

01.10.2001 Der Euro kommt, und die Mark geht, und was dabei exakt 1 Euro=1,95583 DM ist, wird beim Otto-Normalverbraucher schnell auf die Faustformel 1:2 gebracht. Doch was steckt wirklich alles hinter dem Euro, und was kann Linux?

Nun da wäre erstmal die Feststellung, dass sich die Preise ändern. Aber wie? Werden sie steigen oder sinken? Denn eines ist klar: Kein Laden wird nächstes Jahr noch einen 99 Pfennig-Artikel für den Geldwert von 99 Pfennig anbieten. Es lohnt sich, hier einmal die gängigsten Kleinpreise aufzulisten:

Euro zu Mark

Mark Euro gerundet psychologisch nächster Wert
0,99 0,5061 0,51 0,49
1,99 1,0174 1,02 0,99
2,99 1,5287 1,53 1,49
99,90 51,0780 51,08 49,90
199,00 101,7470 101,75 99,90

Schnell sieht man, dass sich die Beträge – gerade die kleinen – durch das kaufmännische Runden schlecht verhalten; allerdings lässt das psychologische Runden – der Übergang zu dem Wert, der dem gerundeten am nächsten kommt und einem klassischen Angebotspreis entspricht – hoffen, denn hier bedeutet der nächste Wert immer eine kleine Preissenkung. Was das für mich bedeutet, mache ich mir immer an dem Beispiel einer Tafel Schokolade klar. Hier ist meine Schmerzgrenze bisher grundsätzlich 1 DM für eine 100 Gram-Tafel gewesen. Schon ganz durch die 1:2-Formel beeinflusst, habe ich diese längst in meinem Unterbewusstsein auf 0,49 Euro gesetzt, was sogar noch weniger ist. Pech also für alle, die versuchen die gerundeten 0,51 Euro auf 0,59 Euro zu heben und ihren Süßkram an den Mann zubringen: Ohne mich. Und der Kunde ist nunmal König, weshalb er dann andere Dinge kauft. Gewinner dieses Rennens wird sicher die Alpia-Schokolade sein, denn diese wird sicher unter dieser 0,49 Euro-Grenze liegen, und so wird zukünftig mit der Euro-Einführung tatsächlich keine Mark mehr in die Werbung gesteckt werden…

Doch richten wir unser Augenmerk einmal auf die ganzen anderen Dinge, die mit dem Euro verbunden sein werden und die nicht den Geldwert betreffen. Denn die brennende Frage ist ja: Was ändert sich sonst noch? Nun, der unsinnige Nachkommabetrag der Einkommensteuer wird sich nicht ändern. Auch wird der Barkeeper unser Wechselgeld – egal ob Euro oder Mark – immer noch in eine Pfütze Bier legen. Ebenso wird der Geruch von altem Kleingeld derselbe bleiben; ich glaube nicht wirklich, dass der Euro hier irgendwelche duftenden Verbesserung bringt. Nutzlos ist nun das verloren geglaubte Kleingeld aus dem Innenfutter unserer alten Jacke. Früher ließ es sich schnell mal in einen unverhofften Schokoriegel investieren, nun wissen wir nicht mal wohin damit, denn zurück ins Jackenfutter werden wir es auch nicht stopfen. Das Betteln erfährt eine wahre Inflation, hier wird man direkt um einen ganzen Euro statt einer Mark zum Telefonieren angeschnorrt; vielleicht kann man diesen Typen aber so noch sein ganzes verbliebenes Rotgeld aus dem Jackenfutter andrehen. Gespannt bin ich auch, welche Redewendungen sich halten werden; ob der Satz "Fällt der Groschen?" bleibt? Was werden unsere Kinder bei Liedtexten wie "Eine Mark für Charlie, denn Charlie kann nicht zahlen" denken?

Ein interessante Auswirkung wird allerdings das ganze alte ausländische Urlaubskleingeld haben, das sich in Nachttischen und alten Senfgläsern in der Küche angesammelt hat. Niemals ist daran zu denken, dass dies irgendwann einmal noch Verwendung finden wird, es sei denn irgendwann kann es jemand wirklich nicht mehr sehen und wirft das Zeug ins Altmetall. So liefern diese Münzen ihren ganz persönlichen Beitrag zur europaweiten Metall- und Geldverknappung. Und meine Mutter wird sich obendrauf auch noch freuen, denn niemals wieder wird ihr jemand eine ausländische Münze als deutsches Wechselgeld unterjubeln.

Gerade meine Mutter ist besonders empfänglich für solche Münzen, und sie schenkt mir dann immer mal wieder eine mit Namen von Währungseinheiten, die selbst dem Fachmann bei der Millionenshow den letzen Nerv rauben würden. Letztens hatte ich wieder 20 Mils aus Pusemuckel in die Hand gedrückt bekommen und musste an Linux denken. Hier brauchte nie ein Euro eingeführt zu werden, denn irgendwie hat man direkt die Kurve mit der gemeinsamen Währung gekratzt und einen mehr oder weniger gleichen Sprachschatz zur Verfügung. Ich z. B. arbeite daheim mit SuSE und auf der Arbeit mit der Unix-Variante AIX. Klar, dass es schonmal einen Unterschied gibt, insbesondere was die Tastaturkurzbefehle angeht, aber fragt mich bitte nicht, wie ich mich anstelle, wenn ich eine DOS-Session aufhabe und erstmal mein ls vom Stapel lassen will. Nein, das ist dann schon eher peinlich.

Natürlich ist auch Linux für den Euro gewappnet und ein [AltGr]+[E]lässt z. B. bei SuSE Linux ab Version 7.2 zu, dass Sie sich Blumen vom Fl(Euro-Symbol)p-Lieferservice schicken lassen.

Für KDE muss der Font im KDE-Kontrollzentrum (erreichbar z. B. über den K-Knopf in der Statusleiste) unter Persönliche Einstellungen und Land & Sprache von iso-8859-1 auf iso-8859-15 geändert werden. Achtung! Dies greift nicht bei allen KDE-Anwendungen. Diejenigen, die eigene Einstellungen vorsehen, bedürfen hier eventuell noch einer separaten Umstellung auf iso-8859-15.

Glossar

[AltGr]+[E]

Mit der Version 7.2 verspricht SuSE Linux mit Eingabe der Tastenkombination [AltGr]+[E] das Erscheinen des Euro-Symbols. Aber Achtung: Erscheint dies nicht, müssen Sie die Konfiguration Ihres Systems noch anpassen. Dazu loggen Sie sich am besten als root ein und starten YaST. Über die Punkte Administration des Systems und Konfigurationsdatei muss der Wert des Eintrags RC_LANG auf de_DE@euro geändert werden. Verlassen Sie den Konfigurationsdatei-Editor mit [F10], es dauert ein paar Sekunden bis der Wert eingetragen ist. Über den Punkt Console-Font einstellen wählen Sie den Eintrag lat9w-16.psfu.gz aus. Dann verlassen Sie YaST wieder.

Der Autor

Volker Schmitt ist Mathematiker, Mathematiker und Mathematiker, der gerne mal über die logische Strenge schlägt. Wenn er sich nicht während seiner Arbeit bei einer Versicherung mit Problemen rumschlägt oder sein Haus saniert, liest er gerne.

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