Linux-PDA im Test
Pinguin in der Westentasche
Blick in die Zukunft
Die Entwicklung geht bei Agenda natürlich weiter. Dies betrifft sowohl den Kernel als auch die von Agenda gelieferten Programme. Diese können über die serielle Verbindung auf den aktuellen Stand gebracht werden. Bevor man dies tut, sollte man jedoch seine Daten auf den PC sichern. Der Kernel und die Programme (als Rootdisk bezeichnet) können von der Agenda-Homepage geladen werden. Auf der deutschen Site befindet sich dafür ein Punkt Software, Updates [5].
Für den VR3 gibt es zurzeit zwei verschieden Arten von Binaries, die nicht miteinander gemischt werden dürfen. Im Auslieferungszustand verwendet Agenda normale Binaries mit ELF-Bibliotheken. Beim Programmsart müssen bei dieser Technik erst alle Referenzen zu Bibliotheksfunktionen berechnet werden, was einige Rechenzeit kostet. Auf einem normalen Desktop-Rechner spielt dies keine Rolle, wohl aber auf den schwachbrüstigen PDAs. Die Bibliotheken in alle Programme fest einzubinden verbietet sich aus Platzgründen.
Schnee von morgen
Jay Carlson kam nun auf die Idee, Bibliotheken mit fest vorgegebenen Speicherplätzen zu verwenden, und entwarf das SNOW ABI [17]. Dies erfordert natürlich einen größeren Aufwand beim Kompilieren, der Erfolg gibt ihm aber recht. Ein VR3 mit SNOW-Binaries starten erheblich schneller, erst in dieser Version kann er richtig sinnvoll benutzt werden. Der Pferdefuß dabei ist allerdings, dass alle Programme inklusive Kernel SNOW verwenden müssen.
Neuer Stoff für den VR3
Zum Einspielen (flashen) dient das Programm vrflash [13]. Aktuelle Binaries können im ELF-Format bei Agenda [5] oder im SNOW-Format bei Andrej [6] bezogen werden. Wie schon erwähnt dürfen ELF- und SNOW-Programme aber nicht gemischt werden. Nach dem Start von vrflash muss der Reset-Knopf des Agendas gedrückt werden und die Übertragung startet.
vrflash -l -R -r \
vmlinux-2001-05-17.binary kernel \
root-1.0.1.cramfs romdiskDas Aktualisieren geht dann in zwei Schritten vor sich. Zuerst wird das Image in den Hauptspeicher des VR3 übertragen. Von dort aus wird es dann auf den Flash-Speicher geschrieben. Auf dem VR3 verwaltet PMON den Vorgang, das Programm stellt auch gleich den Bootloader dar. Von diesem gilt es natürlich die Finger zu lassen – wer ganz sicher gehen will, sollte den PMON im Flash schreibschützen [15]. Ansonsten ist das Aktualisieren auf diesem Weg recht sicher, bei Unterbrechungen auf Seiten des PCs oder des PDAs muss der Vorgang eben neu gestartet werden. Gut 25 Minuten später ist der Agenda auf dem neuen Stand.
Gemeinschaft
Dem Reiz des Agendas sind inzwischen viele erlegen, im Netz findet sich eine Unmenge an Informationen. Agenda selbst betreibt eine Mailing-Liste [8] und eine Entwickler-Seite [9]. An der Universität Potsdam läuft ein Portal [11], unter [14] das Agenda-Wiki. Geht es um die Entwicklung mit dem Agenda oder um weitere Programme sei [10] als Einstieg empfohlen.
Durch die offene Architektur besteht auch für den normalen Anwender die Möglichkeit, Software für diese Plattform zu entwickeln. Im Gegensatz zum Palm ist der Unterschied zum normalen Linux-PC weit weniger groß, auch die Entwicklungswerkzeuge sind kostenlos verfügbar. Die Entscheidung zwischen ELF und SNOW ist wohl zugunsten von SNOW gefallen. Auch für den kommerziellen Markt ist der Agenda als Basis für mobile Anwendungen interessant.
Was zur Zeit fehlt, sind Erweiterungen. Modem, Ethernetkarte und Tastatur sind angekündigt, ein Traum wäre ein Jacket für PCMCIA-Karten wie beim iPaq von Compaq. Hiermit könnten schöne mobile Applikationen entwickelt werden. Auf der anderen Seite ist der Agenda VR3 so preiswert, dass er eine echte Alternative zu anderen Embedded-Lösungen darstellt. Ganz oben auf der Hardware-Wunschliste stehen zwei Dinge, die sich leider gegenseitig ausschließen: längere Batterielaufzeit und höhere Geschwindigkeit.



