Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.10.2001

Usability

Die GNOME-Entwickler geben sich alle Mühe, den Desktop so einfach wie möglich zu gestalten. Sie übersehen als Experten jedoch hin und wieder Probleme in der Benutzbarkeit. Aus diesem Grund hat Sun vor einiger Zeit Benutzer ohne GNOME-Erfahrung bestimmte Aufgaben mit dem System verrichten lassen und die Ergebnisse unter [1] veröffentlicht.

Der Wert einer solchen Studie zeigt sich daran, dass sich viele der Verbesserungsvorschläge vergleichsweise einfach implementieren lassen, aber beim Benutzer einen großen Unterschied bewirken. Um grundsätzliche Fragen der Usability zu klären, bevor sie falsch gelöst werden, existiert außerdem das GNOME Usability Project [2], das unter anderem an Interface-Richtlinien arbeitet.

Ein Problem bei der Erstellung solcher Richtlinien ist allerdings die große Bandbreite der GNOME-Benutzer. Auf der einen Seite fühlten sich einige Benutzer in der Sun-Studie von den vielen Optionen im Kontrollzentrum erschlagen, andererseits machen diese Optionen aber gerade die Flexibilität des Desktops aus. Eine nach Erfahrung aufgeschlüsselte Konfigurierung, wie sie Nautilus und Sawfish bieten, erscheint vor diesem Hintergrund vielversprechend.

Mono Nachlese

Ximians Ankündigung, Teile von Microsofts .NET unter dem Namen Mono [3] als Freie Software zu implementieren hat scheinbar einen Nerv in der Linux-Community getroffen, und es folgten zahlreiche Artikel von erbosten und teilweise schlecht informierten Autoren.

Stein des Anstoßes war in erster Linie Passport, ein System, das eine einfachere Authentifizierung von Benutzern erlaubt. Dazu werden persönliche Daten zentral verwaltet und bei Bedarf an Seiten wie Hotmail weitergeleitet, ohne dass der Benutzer sie erneut eintippen muss.

Es ist verständlich, dass nicht jeder seine persönlichen Daten von Microsoft verwaltet sehen will, aber Ximians Ziel war nie, .NET vollständig zu klonen. In erster Linie sollte die im .NET-Framework enthaltene Programmierumgebung C# zu implementiert werden. Die Nachrichten, dass Microsoft Ximian bei dieser Implementierung unterstützen will [4], bedeutet keineswegs, dass Mono Passport unterstützen wird und noch viel weniger, dass Programmierer in Zukunft gezwungen werden, das System einzusetzen.

Was die Unterstützung durch Microsoft angeht, so folgte dieser Nachricht eine weitere, in der Gerüchte laut werden, dass .NET (zumindest in der USA) Softwarepatente zugrundeliegen, die Ximians Anstrengungen nichtig machen [5].

In Hinsicht auf Passport ist eher DotGNU [6], das zweite Projekt, dass sich mit .NET beschäftigt, interessant, da hier an der Möglichkeiten zur dezentralen Authentifizierung gearbeitet wird. Seit der Kooperation mit Pocket .NET beinhaltet das Projekt ebenfalls eine C# Umgebung. Dass beide Projekte von der FSF abgesegnet wurden, liegt unter anderem an schlechten Timing und ist kein Einzelfall. Hätte sich die FSF vor einigen Jahren auf den QT-Ersatz Harmony beschränkt, um eine von Grund auf freie Desktop-Umgebung zu schaffen, gäbe es heute kein GNOME.

Blick in die Zukunft

Mit Blick auf GNOME 2.0 wird momentan überall hart an GNOME gearbeitet, und teilweise können jetzt schon erste Früchte der Arbeit bewundert werden. So wird das Kontrollzentrum wie man es kennt standardmäßig in Nautilus aufgehen und nur noch auf Computern ohne Nautilus ein eigenes Fenster öffnen. Wer den Mut hat, sich diese sogenannte Shell [7] schon jetzt zu kompilieren, wird mit einer von Grund auf renovierten Oberfläche belohnt, die mit ihren großen Icons eher an Windows, als an das alte Kontrollzentrum erinnert.

Ebenfalls neu ist, dass die Capplets mit den jeweiligen Einstellungen jetzt in eigenen Fenstern gestartet werden. Unter der Haube hat sich einiges geändert - so bedient sich das Kontrollzentrum bei den Ximian Setup Tools, um Einstellungen zu archivieren und so ein mehrschrittiges Undo zu erlauben. Außerdem können auf diese Art bestimmte ortsspezifische Einstellungen, wie man sie auf einem Laptop brauchen könnte, sehr einfach geladen werden. Auch die Capplets selber wurden überarbeitet und teilweise in eine eigenes Paket namens Control-Center-Plus [7] ausgelagert.

Besonders nötig war die Überholung des Bildschirmschoner-Capplets, das längst nicht mehr mit den tatsächlich verfügbaren Bildschirmschonern übereinstimmte. Damit diese Situation sich nicht in einigen Monaten wiederholt, wird darüber nachgedacht, das neue Capplet und das offizielle Xscreensaver-Demo zu vereinen. Auch wenn die schöne gtkhtml-basierte Oberfläche leicht darüber hinwegtäuscht ist das Kontrollzentrum noch recht instabil und benötigt neben einer neuen Version von libcapplet noch etwas exotische Pakete wie bonobo-conf und pkgconfig [8], die sich größtenteils auf dem GNOME FTP-Server finden.

Ebenfalls sehr schön, aber allein noch recht nutzlos ist der neue Gnome-File-Selector [9], der natürlich auch auf Bonobo basiert. Außerdem benutzt er einige Widgets aus Evolution die sich in libgal finden und es zum Beispiel erlauben, die Verzeichnisansicht nach Dateitypen zu gruppieren. Allen Benutzern von Ximian-GNOME oder Windows müssten auch die Shortcuts zu wichtigen Verzeichnissen bekannt vorkommen. Praktisch für neue Benutzer ist die intuitive Dateinamenvervollständigung und, dass der Dialog sich für jedes Programm merkt, wo zuletzt eine Datei geöffnet bzw. gespeichert wurde. Durch den Einsatz von Gnome-vfs ist es außerdem möglich, auf entfernte Dateien zuzugreifen, wie man das bei Nautilus bereits kennt.

Das neue GNOME-Kontrollzentrum
Der neue File-Selector kann auch auf FTP-Seiten zugreifen

Oregano

Oregano [10] ist ein Programm mit dem sich Schaltungen entwerfen und simulieren lassen. Oregano bietet dazu eine Vielzahl von Schaltelementen vom Wiederstand bis zu Transistor-Logik an, die sich bei Bedarf auch ausdrucken lassen. Interessant ist aber in erster Linie die Möglichkeit, den Schaltkreis zu simulieren und Spannung bzw. Frequenz an bestimmten Punkten als Graphen darzustellen.

Die eigentliche Simulationsarbeit verrichten Oregano nicht selber, sondern überlässt sie Spice [11]. Spice ist trotz seinen 30 Jahren immer noch eins der besten Programme für diese Aufgabe und bietet noch weitere Analysen, die Oregano aber noch nicht visualisieren kann. Da 1971 weder GNU noch Open Source existierten, verwundert es auch nicht, dass Spice nach heutigen Maßstäben keine freie Lizenz hat. Es gibt zwar einige an Spice angelehnte Projekte, wie Al's Circuit Simulator [11] und Ng-Spice [12], die sind aber entweder nicht vollständig kompatibel oder ebenfalls nicht frei.

Eine Schaltung in Oregano
und die zugehörige Simulation DIE BEIDEN BILDER LASSEN SICH EVENTUELL ÜBEREINANDER DARSTELLEN

Terraform

Wie bei so vielen Programmen ist Terraform [13] erklärtes Ziel, das GIMP seines Gebietes, in diesem Fall dem Editieren von fraktalen Landschaften, zu werden. Fraktale Landschaften, bekannt als Heightfields, verdanken ihren Namen dem Umstand, dass sich bestimmte Eigenschaften in einer Landschaft finden, wenn man sie stark vergrößert. Insofern sind sie den Fraktalen ähnlich, was es ermöglicht Algorithmen zu schreiben, die solch eine Landschaft generieren.

Terraform bietet gleich mehrere Algorithmen an, die jeweils etwas andere Ergebnisse liefern. Auf die generierte Landschaft lassen sich dann noch einige Filter anwenden, welche die Landschaft nach Belieben glätten, mit Kratern versehen, oder das Wasserniveau anheben. Diese Filtern lassen sich auch nur auf bestimmte Teile der Landschaft anwenden - dabei ist aber leider nur eine Auswahl nach Höhe möglich.

Terraform stellt neben der normalen Vorschau, wie man sie aus Karten kennt, mehrere dreidimensionale Ansichten zur Verfügung, die sich teilweise im Raum bewegen lassen. Um ein fertiges Bild zu zu berechnen, greift das Programm dann allerdings auf den Raytracer Povray [14] zurück. Außerdem lässt sich das Heightfield in diversen Formaten exportieren und so in anderen Programmen einsetzen. Wer sein Heightfield in Kartenform ausdrucken will, kann das dank gnome-print gleich aus Terraform tun.

Eine fraktale Landschaft in der Wireframe-Ansicht

Bibliotheken - Gnome-Kontrollzentrum 1.5.4

bonobo-conf 0.10

pkgconfig 0.8

gtkhtml >= 0.9

gal >= 0.9

libcapplet 1.5.4

Bibliotheken - Gnome-File-Selector

gal 0.10

Bibliotheken - Oregano

gnome-print >= 0.25

libxml >= 1.8.10

Spice = 3f5sfix

Bibliotheken - Terraform

libgtkmm >= 1.1.10

(gnome-print)

Povray

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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