Blick in die Zukunft

Mit Blick auf GNOME 2.0 wird momentan überall hart an GNOME gearbeitet, und teilweise können jetzt schon erste Früchte der Arbeit bewundert werden. So wird das Kontrollzentrum wie man es kennt standardmäßig in Nautilus aufgehen und nur noch auf Computern ohne Nautilus ein eigenes Fenster öffnen. Wer den Mut hat, sich diese sogenannte Shell [7] schon jetzt zu kompilieren, wird mit einer von Grund auf renovierten Oberfläche belohnt, die mit ihren großen Icons eher an Windows, als an das alte Kontrollzentrum erinnert.

Ebenfalls neu ist, dass die Capplets mit den jeweiligen Einstellungen jetzt in eigenen Fenstern gestartet werden. Unter der Haube hat sich einiges geändert - so bedient sich das Kontrollzentrum bei den Ximian Setup Tools, um Einstellungen zu archivieren und so ein mehrschrittiges Undo zu erlauben. Außerdem können auf diese Art bestimmte ortsspezifische Einstellungen, wie man sie auf einem Laptop brauchen könnte, sehr einfach geladen werden. Auch die Capplets selber wurden überarbeitet und teilweise in eine eigenes Paket namens Control-Center-Plus [7] ausgelagert.

Besonders nötig war die Überholung des Bildschirmschoner-Capplets, das längst nicht mehr mit den tatsächlich verfügbaren Bildschirmschonern übereinstimmte. Damit diese Situation sich nicht in einigen Monaten wiederholt, wird darüber nachgedacht, das neue Capplet und das offizielle Xscreensaver-Demo zu vereinen. Auch wenn die schöne gtkhtml-basierte Oberfläche leicht darüber hinwegtäuscht ist das Kontrollzentrum noch recht instabil und benötigt neben einer neuen Version von libcapplet noch etwas exotische Pakete wie bonobo-conf und pkgconfig [8], die sich größtenteils auf dem GNOME FTP-Server finden.

Ebenfalls sehr schön, aber allein noch recht nutzlos ist der neue Gnome-File-Selector [9], der natürlich auch auf Bonobo basiert. Außerdem benutzt er einige Widgets aus Evolution die sich in libgal finden und es zum Beispiel erlauben, die Verzeichnisansicht nach Dateitypen zu gruppieren. Allen Benutzern von Ximian-GNOME oder Windows müssten auch die Shortcuts zu wichtigen Verzeichnissen bekannt vorkommen. Praktisch für neue Benutzer ist die intuitive Dateinamenvervollständigung und, dass der Dialog sich für jedes Programm merkt, wo zuletzt eine Datei geöffnet bzw. gespeichert wurde. Durch den Einsatz von Gnome-vfs ist es außerdem möglich, auf entfernte Dateien zuzugreifen, wie man das bei Nautilus bereits kennt.

Das neue GNOME-Kontrollzentrum
Der neue File-Selector kann auch auf FTP-Seiten zugreifen

Oregano

Oregano [10] ist ein Programm mit dem sich Schaltungen entwerfen und simulieren lassen. Oregano bietet dazu eine Vielzahl von Schaltelementen vom Wiederstand bis zu Transistor-Logik an, die sich bei Bedarf auch ausdrucken lassen. Interessant ist aber in erster Linie die Möglichkeit, den Schaltkreis zu simulieren und Spannung bzw. Frequenz an bestimmten Punkten als Graphen darzustellen.

Die eigentliche Simulationsarbeit verrichten Oregano nicht selber, sondern überlässt sie Spice [11]. Spice ist trotz seinen 30 Jahren immer noch eins der besten Programme für diese Aufgabe und bietet noch weitere Analysen, die Oregano aber noch nicht visualisieren kann. Da 1971 weder GNU noch Open Source existierten, verwundert es auch nicht, dass Spice nach heutigen Maßstäben keine freie Lizenz hat. Es gibt zwar einige an Spice angelehnte Projekte, wie Al's Circuit Simulator [11] und Ng-Spice [12], die sind aber entweder nicht vollständig kompatibel oder ebenfalls nicht frei.

Eine Schaltung in Oregano
und die zugehörige Simulation DIE BEIDEN BILDER LASSEN SICH EVENTUELL ÜBEREINANDER DARSTELLEN

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