Usability
Die GNOME-Entwickler geben sich alle Mühe, den Desktop so einfach wie möglich zu gestalten. Sie übersehen als Experten jedoch hin und wieder Probleme in der Benutzbarkeit. Aus diesem Grund hat Sun vor einiger Zeit Benutzer ohne GNOME-Erfahrung bestimmte Aufgaben mit dem System verrichten lassen und die Ergebnisse unter [1] veröffentlicht.
Der Wert einer solchen Studie zeigt sich daran, dass sich viele der Verbesserungsvorschläge vergleichsweise einfach implementieren lassen, aber beim Benutzer einen großen Unterschied bewirken. Um grundsätzliche Fragen der Usability zu klären, bevor sie falsch gelöst werden, existiert außerdem das GNOME Usability Project [2], das unter anderem an Interface-Richtlinien arbeitet.
Ein Problem bei der Erstellung solcher Richtlinien ist allerdings die große Bandbreite der GNOME-Benutzer. Auf der einen Seite fühlten sich einige Benutzer in der Sun-Studie von den vielen Optionen im Kontrollzentrum erschlagen, andererseits machen diese Optionen aber gerade die Flexibilität des Desktops aus. Eine nach Erfahrung aufgeschlüsselte Konfigurierung, wie sie Nautilus und Sawfish bieten, erscheint vor diesem Hintergrund vielversprechend.
Mono Nachlese
Ximians Ankündigung, Teile von Microsofts .NET unter dem Namen Mono [3] als Freie Software zu implementieren hat scheinbar einen Nerv in der Linux-Community getroffen, und es folgten zahlreiche Artikel von erbosten und teilweise schlecht informierten Autoren.
Stein des Anstoßes war in erster Linie Passport, ein System, das eine einfachere Authentifizierung von Benutzern erlaubt. Dazu werden persönliche Daten zentral verwaltet und bei Bedarf an Seiten wie Hotmail weitergeleitet, ohne dass der Benutzer sie erneut eintippen muss.
Es ist verständlich, dass nicht jeder seine persönlichen Daten von Microsoft verwaltet sehen will, aber Ximians Ziel war nie, .NET vollständig zu klonen. In erster Linie sollte die im .NET-Framework enthaltene Programmierumgebung C# zu implementiert werden. Die Nachrichten, dass Microsoft Ximian bei dieser Implementierung unterstützen will [4], bedeutet keineswegs, dass Mono Passport unterstützen wird und noch viel weniger, dass Programmierer in Zukunft gezwungen werden, das System einzusetzen.
Was die Unterstützung durch Microsoft angeht, so folgte dieser Nachricht eine weitere, in der Gerüchte laut werden, dass .NET (zumindest in der USA) Softwarepatente zugrundeliegen, die Ximians Anstrengungen nichtig machen [5].
In Hinsicht auf Passport ist eher DotGNU [6], das zweite Projekt, dass sich mit .NET beschäftigt, interessant, da hier an der Möglichkeiten zur dezentralen Authentifizierung gearbeitet wird. Seit der Kooperation mit Pocket .NET beinhaltet das Projekt ebenfalls eine C# Umgebung. Dass beide Projekte von der FSF abgesegnet wurden, liegt unter anderem an schlechten Timing und ist kein Einzelfall. Hätte sich die FSF vor einigen Jahren auf den QT-Ersatz Harmony beschränkt, um eine von Grund auf freie Desktop-Umgebung zu schaffen, gäbe es heute kein GNOME.



