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KDEPrint

01.10.2001 Mit dem neuen Print-Framework KDEPrint macht KDE 2.2 in Drucksachen einen Riesensprung nach vorn – Grund genug für eine Erkundungstour.

Michael Goffiouls KDEPrint verschafft dem gesamten KDE-Projekt schlagartig Druck-Fähigkeiten, von denen man bislang nur träumen konnte. Als Vermittlungsschicht, die zwischen die Anwendungsprogramme und das vorgefundene Print-Subsystem geschaltet ist, ersetzt es nicht das vorhandene Druck-Framework des Rechners. Es übernimmt also nicht selbst das Spoolen und Filtern von Jobs. Stattdessen bietet es eine einheitliche Schnittstelle für jedes Programm, das einen Druckjob übergeben will, unabhängig davon, wie unterschiedlich die darunter liegenden Drucksysteme auch sind oder was künftige Entwicklungen bringen.

Modular aufgebaut, unterstützt KDEPrint derzeit folgende Print-Subsysteme:

  • CUPS (Common Unix Printing System)
  • LPR (das Standard-BSD-Print-System)
  • das generische Unix-LPD-Drucksystem (die Voreinstellung)
  • RLPR-Umgebung (Druck auf entferntem LPD-Server von der Kommandozeile) Die Entwicklung eines Moduls für LPRng ist in Arbeit.

Nach Entgegennahme eines Druckjobs übergibt ihn eines der KDEPrint-Module in geeigneter Weise an das Subsystem. KDEPrint ist in dieser Hinsicht sehr flexibel und weitgehend konfigurierbar, wie wir im Folgenden noch sehen werden. Wenn dabei häufig von CUPS die Rede ist, hat dies einen einfachen Grund: Über die anderen Druck-Subsysteme gibt es nicht so viel zu berichten, da sie viele Optionen nicht unterstützen.

Ein Kprinter für alles

Den neuen Druckdialog, wie ihn jede KDE 2.2-Anwendung nutzt, können Sie auch von Hand aufrufen, um ihn als komfortablen Ersatz für das lpr-Kommando zu nutzen. Geben Sie dazu einfach den Befehl

kprinter zu_druckende_Datei

auf einer Kommandozeile ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der kprinter-Dialog mit CUPS-Optionen

In der nächsten KDE-Release (2.2.1) wird es möglich, kprinter auch ohne Angabe einer Druckdatei aufzurufen und im offenen Dialog nach dem File zu browsen, das Sie drucken möchten. Sie können dann sogar mehrere Files nacheinander anwählen, die anschließend alle "in einem Rutsch" gedruckt werden.

Bereits heute kümmert sich kprinter um mehrere Dateien gleichzeitig, wenn Sie ihm dies beim Aufruf mitteilen:

kurt@etransmeta:~$ kprinter ../cups.pdf ./screenshots/kprinter.png linux-user-artikel.txt

Das hier gezeigte Kunststückchen, drei auch vom Format verschiedene Dateien (PDF, PNG-Grafik und Text) aus drei unterschiedlichen Verzeichnissen gleichzeitig zum Drucker zu schicken, schaffen Sie derzeit weder unter Windows noch unter MacOS.

Wenn Sie CUPS als Drucksystem installiert haben, entdecken KDEPrint und kprinter diesen Umstand beim ersten Start selbst. Sie erkennen dies an der Meldung Print System currently used: CUPS.... Zu einem aktiven CUPS-Daemon lässt sich nämlich über den TCP-Port 631 Kontakt aufnehmen. Dies können Sie mit jedem Web-Browser selbst nachprüfen: http://localhost:631/ zeigt eine Seite an, die vom CUPS-Server stammt. Wenn dieser Test unbeantwortet bleibt, untersucht KDEPrint das System im nächsten Schritt auf die Datei /etc/printcap. Findet es diese, schaltet es auf Generisches UNIX LPD Drucksystem um. Damit kann man dann in 98% der Fälle drucken.

Fliegender Wechsel

KDEPrint erlaubt es im Druckdialog, direkt vor der Absendung eines Jobs manuell von einem auf ein anderes Druck-Subsystem umzuschalten. Voraussetzung ist natürlich, dass das andere System auf dem Rechner tatsächlich vorhanden ist, und dass parallel installierte Druckprogramm-Pakete sich nicht gegenseitig "beißen". Beispielsweise darf man bei SuSE die Pakete lprold und cups nicht gemeinsam installieren. RLPR kann mit jedem anderen Subsystem koexistieren.

Wofür ist das gut? Wenn Sie Ihren Laptop "mobil" in verschiedenen Umgebungen einsetzen, die nicht durchgängig CUPS verwenden, ist ein zusätzlich installiertes RLPR-Packet [2] ideal. RLPR ermöglicht es, einen Druckjobs per LPR/LPD-Protokoll direkt von der Kommandozeile aus abzuschicken – und zwar ohne dauerhafte Einrichtung einer printcap. kprinter stellt sogar einen Wizard bereit, der Ihnen bei der Installation neuer RLPR-Drucker hilft.

Auch wenn Sie nicht zwischen echten Druck-Subsystemen wechseln brauchen, können Sie jederzeit (und ohne zusätzlich etwas zu installieren) auf Print through an external program (generic) umschalten.

"External program" akzeptiert alle Druckbefehle, die bereits vor KDEPrint auf Ihrem System funktionierten. Dazu können auch selbstgeschriebene Shell-Skripte gehören. So lassen sich Utilities wie a2ps, mpage und enscript nutzen, um ASCII-Texte aller Art in eine hübsche Form zu bringen und beispielsweise mit Syntax-Highlighting zu versehen.

Tragen Sie das entsprechende Kommando hinter Print command ein (Abbildung 2), und ändern Sie Ihr Druck-Subsystem in "external program". Leider merkt sich kprinter das externe Kommando nicht bis zum nächsten Mal. Sollten Sie es öfter benötigen, installieren Sie es besser dauerhaft über das KDE-Kontrollzentrum als Special (oder Pseudo-)Printer.

Abbildung 2: a2ps als Druckkommando in kprinter

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