Umzug

Volkers alternatives Editorial

01.09.2001

Es gibt Momente im Leben eines Menschen, in denen man einfach umziehen muss. Sei es aus der schützenden Hand der Eltern in die erste eigene Bude - der Fachmann spricht von Abnabeln - oder in die erste anständige Behausung, weil man mit der ersten Wohnung nicht so direkt die richtige Wahl getroffen hat und in einem verschimmelten Bretterverhau gelandet ist - der Fachmann spricht von Lochfraß. Für uns im Augenlick ist jedoch eher wichtig, welche Erfahrungswerte sich bei den Umzügen sammeln ließen:

Zuerst einmal - klar - sollte man genügend Kartons haben. Es zieht sich schlecht um, wenn man die Dinge einzeln in einen Lastwagen schleppen muss. Nein, ganz ehrlich. Ich habe mal bei so einem Umzug geholfen, bei dem nur fünf Kartons für eine ganze Wohnung vorhanden waren. Selbst der beste Mathematiker hätte dieses Packungsproblem nicht lösen können, ohne die Dichte der zu verpackenden Gegenstände erheblich zu erhöhen (quetsch). Wir haben den ganzen Kram am Ende einfach so in den Laster geworfen. Selbstredend, dass uns das eine oder andere Kleinteil auf der Fahrt durch die Plane in die Außenwelt verlorengegangen ist.

Dann sollte man nie Kartons nur mit Büchern packen, es sei denn, jemand hilft mit, auf dessen Kreuz man keinen großen Wert legt. Wer sich in einer solchen Lage befindet, dem empfehle ich dafür einen Monitorkarton; da passen jede Menge Schinken rein. Man sollte noch "Bettzeug" drauf schreiben, damit der Helfer auch wirklich zupackt.

Auch in die Kategorie "Dumm gelaufen" fällt folgende Variante: Man hat viele Helfer, die auch etwas essen wollen. Natürlich hat man Brötchen und Würstchen besorgt, die schon im Korb bereitliegen. Herd anschließen - kein Problem, wir haben ja einen Elektrifizierten dabei - aber in welcher Kiste war nochmal der Dosenöffner? …

Ich bin diesbezüglich ein gebranntes Kind, und daher hoffte ich, vor Patzern sicher zu sein. Doch es gibt Probleme, die man einfach nicht voraussehen kann. So habe ich meinen letzten Umzug vor 14 Tagen gemacht, und man hatte mir mein Büro einfach ohne jeden Plan mit den "-> Büro"-Kisten vollgestopft. Zuunterst das gute Ivar-Regal von IKEA, in das alles rein sollte. Ich kam mir vor wie eine Lebendvariante von Sokoban: Große Kartons in die eine Ecke, aus der anderen dann die Bücher raus, große Kartons zurück, dann die Ordner etc etc, und immer wieder die großen Kartons…

Ob auch etwas passiert ist? Klar, es passiert immer etwas bei einem Umzug, denn es gibt einfach keinen Umzug, bei dem nichts zu Bruch geht. Oder doch? Hört meine Geschichte, eine wie sie wirklich nur das Leben schreibt: Nun, meine Frau hatte eine Kiste gepackt mit ihren Papieren, Büchern, unserem guten Besteck, Pässen, unseren Trauringen und zuoberst - jetzt die dramatische Pause - einer Flasche Klebstoff. Ich habe die Kiste ein paar Tage später morgens geöffnet und kopfschüttelnd sofort wieder zu gemacht. Ich hatte mich schon gewundert, alle anderen Kisten haben irgendwie gerappelt, diese nicht.

Erst am Abend, als ich im Keller war, hörte ich plötzlich die lauten Flüche von oben: Sie hatte es entdeckt. Wie schön wäre es doch, hätte man für seinen Umzug etwas, wie Linux es bietet. Da gibt es nämlich das Kommando mmv. Damit ist ein Umzug garantiert stressfrei und gut zu erledigen. Mit einem einfachen

> mmv "/home/altesHaus/*" "/home/neuesHaus/#1"

wäre alles sofort an seinem Platze.

mmv (multiple move - mehrfaches Verschieben)

gebrächlich in der Form:

mmv "<quelldateien>" "<zieldateien>"

z. B. mmv "*.c" "#1.bak".

Wozu überhaupt mmv, wo es doch mv gibt? Einer der meistgewünschten Einzeiler in der Unix-Shell ist ein Kommado der Art mv *.c *.bak, welches alle C-Quellcode-Dateien in Backup-Dateien umbenennen soll.

Aber warum funktioniert das nicht? Die Bash löst die Wildcards auf und nicht das Programm selbst. Dazu zwei Beispiele: Im Verzeichnis cSource/ sind drei Dateien eins.c, zwei.c und drei.c, welche ich mit

> mv cSource/*.c cSicherung/

sichern möchte.

Die Bash löst das Wildcard auf in die drei Dateien und ruft mv dann so auf:

> mv cSource/eins.c cSource/zwei.c cSource/drei.c cSicherung/

Funktioniert auch sehr gut. Was passiert aber, wenn man nur

> mv neuesHaus/büro/*

eingibt und im Verzeichnis neuesHaus/büro/ die Dateien FlascheMitKleber und Kiste sind? Die Bash löst das auf zu

> mv neuesHaus/büro/FlascheMitKleber neuesHaus/büro/Kiste

und die Datei FlascheMitKleber überschreibt die Datei Kiste, welche damit unwiederbringlich verloren ist.

Warum mv *.c *.bak nicht funktioniert, sollte nun klar sein, denn das mv-Kommando erwartet bei mehr als zwei Argumenten als letzten Parameter ein Verzeichnis, aber *.bak erfüllt diese Bedingung im Allgemeinen nicht (es sei denn, man hätte das Verzeichnis so genannt). Daher sollte mv einen Fehler zurückmelden, weil es das Verzeichnis nicht gefunden hat.

Abhilfe schafft das mmv-Kommando, welches genau das kann, was mit mv nicht funktioniert: Dazu verwendet man in der Quelldateidefinition die Sternchen als Wildcards und schreibt in der Zieldateidefinition "#n" für das n-te Sternchen aus der Quelle.

So benennt z. B.

> mmv "*_*" "#2_#1"

die Datei Leer_Flasche in Flasche_Leer um.

mmv gehört in der Regel nicht zur Standard-Installation und muss dann als Paket nachinstalliert werden. Die Sourcen finden sich z. B. unter ftp://ftp.debian.org/debian/dists/potato/main/source/utils/mmv_1.01b.orig.tar.gz oder auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/mmv/.

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