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Punkt, Gerade, Kurve

Vektorzeichenprogramme

01.09.2001 Das Zeichnen von Schaubildern, Ablaufdiagrammen und verlustfrei skalierbaren Illustrationen war lange eine Domäne von Windows-Software wie Corel Draw oder Micrografx Designer. Mittlerweile buhlt eine Reihe Linux-Programme um die Gunst der Kreativen.

Um Fotos nachzubearbeiten oder Grafiken mit fotorealistischem Aussehen zu erzeugen, greift man zu Gimp. Dieses Programm eignet sich allerdings nicht zur Herstellung exakter Zeichnungen oder Grafiken, die in unterschiedlichen Vergrößerungen verarbeitet werden sollen. Hier helfen Vektorzeichenprogramme weiter. Damit können Grafiken, die aus einfachen geometrischen Formen zusammengesetzt sind, konstruiert werden. Diese Formen oder Objekte lassen sich auch nachträglich kombinieren, vergrößern, verkleinern, drehen, strecken und anderweitig verändern, ohne dass sie einen Qualitätsverlust erleiden.

Pixel- und Vektorgrafiken

Der Unterschied zwischen Vektorgrafikprogrammen, wie sie dieser Artikel vorstellt, und Mal- oder Bildbearbeitungsprogrammen liegt in der Art und Weise begründet, wie sie die erstellten Grafiken speichern: Vektorgrafikprogramme legen die gezeichneten Objekte als mathematische Beschreibung von Formen ab, die wenig Platten- und Arbeitsspeicher braucht. So müssen sie sich für einen Kreis nur Radius und Mittelpunkt merken. Wegen dieser exakten Beschreibung können Vektorgrafiken beliebig skaliert oder geometrisch verformt werden, ohne dass sich die Qualität verschlechtert.

Bildbearbeitungsprogramme benutzen ein Pixel-basiertes Dateiformat, in dem jeder einzelne Bildpunkt mit allen seinen Eigenschaften gespeichert werden muss. Vergrößerungen und Verkleinerungen sind bei pixelorientierten Grafiken meistens nur unter Qualitätsverlust durchführbar.

Damit eignen sich Vektorgrafiken vor allem für klare Strukturen und technische Illustrationen. Bildeffekte, wie sie zum Beispiel mit dem Bildbearbeitungsprogramm Gimp möglich sind, beherrscht keines der hier vorgestellten Programme.

Wir stellen Ihnen in diesem Artikel sechs aktuelle Programme vor, denen gemeinsam ist, dass sie kostenlos zu haben sind, auch wenn ansonsten die Unterschiede überwiegen. Einen Kurztest des kommerziellen und aus der Windows-Welt bekannten Zeichenprogramms Corel Draw für Linux finden Sie im LinuxUser 04/2001 auf Seite 34 f.

Testparcours

Die Testkandidaten mussten folgendes Programm über sich ergehen lassen: Wir prüften zunächst die Installation aus Quellen und Binärpaketen. Im Zeichentest mussten die Programme zeigen, wie grafische Objekte konstruiert werden, wie sich diese Objekte bearbeiten und füllen lassen, ob man Objekte zu Gruppen zusammenfassen und gemeinsam bearbeiten kann und ob es auf einfache Art und Weise möglich ist, die Reihenfolge von Objekten zu verändern. Auch versuchten wir herauszufinden, wie exakt man mit den Programmen zeichnen kann.

Wer Illustrationen oder Plakate herstellen möchte, muss auch mit Texten arbeiten. Deshalb haben wir untersucht, ob und wie die Programme Texte bearbeiten und verändern können. Besonderes Augenmerk richteten wir auf die Möglichkeit, Zeichnungen mit anderen Programmen austauschen zu können. Drei der vorgestellten Programme unterstützen das SVG-Format, das einen einfachen Austausch von Zeichnungen auch über Betriebssystemgrenzen hinweg ermöglichen sollte.

Weiterhin warfen wir einen Blick auf die in den Programmen enthaltene Anwenderunterstützung in Form von Online-Hilfe und Handbüchern. Am Ende dieses Artikels finden Sie eine Tabelle, in der die wichtigsten Programmfunktionen noch einmal zusammengefasst sind.

Xfig

Xfig ist der Methusalem unter den Zeichenprogrammen für X. Das Programm existiert bereits seit 1985 und ist damit wesentlich älter als Linux. Es ist in fast allen Linux-Distributionen enthalten.

Abbildung 1: XFig

Die Xfig-Oberfläche wirkt etwas antiquiert, ist aber sehr funktional. Alle Befehle erreichen Sie über die große Werkzeugleiste am linken Rand des Programmfensters, wobei die Grafiken auf den Schaltflächen nicht immer auf den ersten Blick erkennen lassen, welcher Befehl sich hinter ihnen verbirgt.

Sie können alle wichtigen geometrischen Grundformen zeichnen und auch Texte eingeben und formatieren. Die Objekte lassen sich beliebig vergrößern und verkleinern oder nachträglich in der Form verändern. Xfig kann Zeichnungsobjekte auf verschiedenen Ebenen anordnen. Verschiedene Linientypen oder Füllungen sind möglich. Etwas störend ist, dass sich das Programm Einstellungen für die Maßeinheiten von Lineal und Zeichnung nicht merkt.

Das Xfig-Dateiformat ist in der Linux-Welt weit verbreitet. Zusätzlich können erstellte Zeichnungen in verschiedene Pixel-Formate exportiert werden, so dass einer Weiterverarbeitung in anderen Programmen, auch in Bildbearbeitungsprogrammen, nichts im Wege steht.

Das Programm verfügt über eine hervorragende ausführliche englischsprachige Online-Hilfe im HTML-Format, zu deren Anzeige allerdings Netscape installiert sein muss. Zusätzlich wird noch ein Handbuch im PDF-Format mitgeliefert.

Xfig ist besonders zur Herstellung von Schaubildern, Ablaufdiagrammen, Mindmaps, Übersichten oder Schaltplänen geeignet. Grafiken können bequem in mit LaTeX gesetzten Texten verarbeitet werden.

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LinuxUser 03/2012

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