Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.09.2001
+++ Ximian Mono +++ GNOME auf dem LinuxTag +++ Ein Jahr Gnomogram +++ GLAME +++ Gnomemeeting +++

Ximian Mono

Was nach der Ankündigung von SOUP schon vielerorts vermutet wurde, ist jetzt offiziell: Unter dem Namen Mono [1] wird Ximian einige der standardisierten Teile von Microsofts .NET als freie Software auf Linux portieren. Dazu gehört auch die Programmiersprache C#, die sich vom Design her sowohl bei Java wie bei C++ bedient. Eine der großen Stärken des .NET-Frameworks ist, dass von einem Compiler nicht wie üblich Binärcode, sondern eine Zwischensprache namens MSIL (Microsoft Intermediate Language) erzeugt wird. Diese Zwischensprache wird dann bei Bedarf von einem sogenannten JIT-Compiler (Just In Time) umgesetzt. Da es egal ist, aus welcher Sprache der MSIL-Code erzeugt wurde, lässt sich sprachübergreifend auf Klassenbibliotheken zugreifen, was prinzipiell auch die GNOME-Programmierung in verschiedenen Sprachen vereinfachen könnte. Ximian muss also mindestens zwei Compiler sowie eine zu .NET kompatible KLassenbibliothek erstellen. Diese Klassenbibliothek ist im Original sehr umfangreich und enthält auch Klassen für das Windows-eigene GUI, die Ximian mit GTK+ umsetzen will. Auch die aus dem GNOME-Umfeld stammenden Bibliotheken Libart und Libgda werden voraussichtlich für Drawing2D bzw. Datenbankzugriff eingesetzt werden. Da das .NET-Framework noch wesentlich umfangreicher ist, hat die Free Software Foundation noch ein weiteres Projekt namens DotGNU [2] ins Leben gerufen. Dieses Projekt soll, anders als Microsofts "Passport", dezentrale und sichere Authentifikation erlauben und somit Entwicklern und Benutzern mehr Freiheit geben.

GNOME auf dem LinuxTag

Auch dieses Jahr konnte sich das GNOME-Projekt wieder auf dem LinuxTag präsentieren und Überzeugungsarbeit bei den Besuchern leisten. Neben den Computern, die von SuSE und Sun bereitgestellt wurden, fanden auch einige private Rechner Platz am Stand und durften die nächsten Tage zahllose Programme aus diversen CVS-Archiven kompilieren. Die anderen Maschinen wurden kurzerhand auf Debian Unstable umgerüstet, um den Besuchern die neuesten Errungenschaften in Sachen GNOME-Software zu präsentieren. Das Konzept hat offensichtlich gegriffen, denn der Stand war chronisch überfüllt, und sowohl CD-ROMs als auch T-Shirts fanden reißenden Absatz. Interessant für GNOME-Anhänger war auch der japanische Stand: Hier führte AXE sein Sikigami-GNOME auf dem Ipaq und einem hierzulande nicht erhältlichen Handheld von NEC vor. Auch wenn die Oberfläche klar als GNOME zu erkennen war, entpuppte sich die Bedienung als etwas umständlich, da sie eher für den japanischen Markt ausgelegt war.

Wie schon im Vorjahr hielt Matthias Warkus einen Vortrag über GNOME - diesmal mit dem Schwerpunkt GNOME 1.4. Im Laufe des Vortrages ging er aber auch auf die Ursprünge von GNOME ein und bot einen kleinen Ausblick auf GNOME 2.0. Interessant für alle Python-Programmierer war außerdem der Vortrag von Christian Egli, der Methoden des Rapid Application Developments mit Python und GNOME vorstellte.

Für alle, die den LinuxTag verpasst haben, finden sich unter [3], [4], [5], [6] und [7] zahlreiche Fotos, auf denen auch teilweise das GNOME-Team zu sehen ist.

Ein Jahr Gnomogram

Vor ziemlich genau einem Jahr erschien das erste Gnomogram - damals noch in der Rubrik Software. Für GNOME-Fans war es auf jeden Fall ein aufregendes Jahr, und auch wenn manch einer nach dem Ende von Eazel den nahenden Tod des GNOME-Projekts prophezeite, ist GNOME lebendiger den je, und es wird hart an der nächsten Release gearbeitet. Damit nicht nur GNOME, sondern auch das Gnomogram, in Zukunft noch besser werden kann, freuen wir uns natürlich sowohl über Lob wie konstruktive Kritik (und Geburtstagsgeschenke ;).

GLAME

GLAME [8], was so viel wie GNU/Linux Audio Mechanics bedeutet, schickt sich an, das "GIMP des Sounds" und somit Konkurrenz für Windows-Programme wie Soundforge zu werden. Bis dahin ist es noch ein langer Weg, aber auch wenn das Programm noch ein wenig instabil ist, macht es schon jetzt Spaß, mit GLAME zu arbeiten.

Beim Start sieht der Benutzer zuerst eine Projektansicht, in der Samples verschiedenen Gruppen und Projekten zugeordnet werden können. Solche Samples lassen sich über die Sound-Karte aufnehmen oder importieren, wobei man im Kontextmenü die Wahl zwischen Import... und Apply Operation/ImEx/Import hat. Obwohl beide Optionen denselben Zweck erfüllen, benutzt die letztere libaudiofile und ist somit etwas schneller. Hat man ein paar Samples zusammen, kann man diese mit Timeline in Kontextmenü auch zeitlich grob arrangieren, und für jedes Sample lässt sich eine Editor-Ansicht starten. Neben den üblichen Effekten sowie Cut & Paste erlaubt der Editor unter Apply Custom... auch, ein Filternetzwerk zu erstellen. In diesem Filternetzwerk lassen sich zwischen der vordefinierten Quelle swapfile_in und der Ausgabe swapfile_out eine große Anzahl von Filtern arrangieren. Dabei bietet GLAME nicht nur die eigenen sondern auch alle installierten LADSPA-Filter [9] zur Auswahl an. Natürlich lassen sich auch andere Quellen wie eine MP3-Datei oder ein Oszillator mit der vorgebenen Quelle kombinieren. Bei allen synthetischen Tonquellen muss man allerdings darauf achten, dass sie mit einem Repeater verbunden werden, falls man einen längeren Ton als Eingabe braucht. Natürlich lässt sich unter Filternetwork/New Filternetwork... auch unabhängig vom Wave-Editor ein Filternetzwerk erstellen, das man dann auf Dateien auf der Festplatte oder sogar auf eine Quelle an der Sound-Karte anwenden kann. Wenn man seinen eigenen Effekt fertig vernetzt hat, lässt er sich nicht nur normal abspeichern, man kann auch Ports mit einem Rechtsklick auf Ein- bzw. Ausgang der Bauteile umleiten und das komplette Netzwerk als neuen Filter registrieren, der dann wieder in einem anderen Netzwerk eingesetzt werden kann. Wem das alles zu graphisch ist, dem bietet GLAME auch noch ein Scheme-Frontend namens cglame, das auf der GLAME-Web-Site [8] dokumentiert ist. Auch wenn das Frontend nicht besonders intuitiv ist, bietet es einige interessante Möglichkeiten hinsichtlich der Automatisierung.

Abbildung 1: Ein kleiner Filter in GLAME
Abbildung 2: Ein Beat-Sample im Wave-Editor

Gnomemeeting

Nicht nur der Name erinnert bei Gnomemeeting [10] an Microsofts Netmeeting, beide Programme basieren auf dem offenen Standard H323, der es ermöglicht, Video und Ton zwischen Programmen auszutauschen. Gnomemeeting greift zu diesem Zweck auf die OpenH323-Bibliothek [11] zurück, die neben H323 selbst auch einige andere Standards für die Übertragung von Video bzw. diverse Audio- sowie Video-Codecs mitbringt. Um einen Gesprächspartner "anzurufen", benötigt man dessen IP, die aber nur bei den wenigsten Benutzern statisch ist. Deshalb kann Gnomemeeting auf ILS-Datenbanken zugreifen, in denen sich andere Benutzer registrieren. Bei ILS handelt es sich im wesentlichen um LDAP, weswegen Gnomemeeting auch OpenLDAP zum Kompilieren benötigt. Eine Liste solcher ILS-Server findet sich unter [12], wobei meistens die Ports 389 oder 1002 genutzt werden. Hat man einen potentiellen Gesprächspartner gefunden, kann man ihn aus dem ILS-Fenster über den Knopf mit dem gehobenen Daumen in das Hauptfenster kopieren. Nicht nur hier ist die Oberfläche ein wenig gewöhnungsbedürftig - die wenigsten Benutzer dürften spontan entdecken, dass man mit einem Rechtsklick auf Remote User Info zu Video- und Audioeinstellungen kommt. Ähnlich wie die meisten Instant Messenger bringt das Programm auch ein Applet für das Panel mit, das eventuelle Anrufe signalisiert. Wenn man von den kleinen Schwächen bei der Benutzung absieht, ist Gnomemeeting aber ein recht ausgereiftes Programm für Internet-Telefonie und stellt eine interessante - wenn auch bandbreitenintensive - Alternative zum normalen Chat dar.

Abbildung 3: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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