Ximian Mono
Was nach der Ankündigung von SOUP schon vielerorts vermutet wurde, ist jetzt offiziell: Unter dem Namen Mono [1] wird Ximian einige der standardisierten Teile von Microsofts .NET als freie Software auf Linux portieren. Dazu gehört auch die Programmiersprache C#, die sich vom Design her sowohl bei Java wie bei C++ bedient. Eine der großen Stärken des .NET-Frameworks ist, dass von einem Compiler nicht wie üblich Binärcode, sondern eine Zwischensprache namens MSIL (Microsoft Intermediate Language) erzeugt wird. Diese Zwischensprache wird dann bei Bedarf von einem sogenannten JIT-Compiler (Just In Time) umgesetzt. Da es egal ist, aus welcher Sprache der MSIL-Code erzeugt wurde, lässt sich sprachübergreifend auf Klassenbibliotheken zugreifen, was prinzipiell auch die GNOME-Programmierung in verschiedenen Sprachen vereinfachen könnte. Ximian muss also mindestens zwei Compiler sowie eine zu .NET kompatible KLassenbibliothek erstellen. Diese Klassenbibliothek ist im Original sehr umfangreich und enthält auch Klassen für das Windows-eigene GUI, die Ximian mit GTK+ umsetzen will. Auch die aus dem GNOME-Umfeld stammenden Bibliotheken Libart und Libgda werden voraussichtlich für Drawing2D bzw. Datenbankzugriff eingesetzt werden. Da das .NET-Framework noch wesentlich umfangreicher ist, hat die Free Software Foundation noch ein weiteres Projekt namens DotGNU [2] ins Leben gerufen. Dieses Projekt soll, anders als Microsofts "Passport", dezentrale und sichere Authentifikation erlauben und somit Entwicklern und Benutzern mehr Freiheit geben.
GNOME auf dem LinuxTag
Auch dieses Jahr konnte sich das GNOME-Projekt wieder auf dem LinuxTag präsentieren und Überzeugungsarbeit bei den Besuchern leisten. Neben den Computern, die von SuSE und Sun bereitgestellt wurden, fanden auch einige private Rechner Platz am Stand und durften die nächsten Tage zahllose Programme aus diversen CVS-Archiven kompilieren. Die anderen Maschinen wurden kurzerhand auf Debian Unstable umgerüstet, um den Besuchern die neuesten Errungenschaften in Sachen GNOME-Software zu präsentieren. Das Konzept hat offensichtlich gegriffen, denn der Stand war chronisch überfüllt, und sowohl CD-ROMs als auch T-Shirts fanden reißenden Absatz. Interessant für GNOME-Anhänger war auch der japanische Stand: Hier führte AXE sein Sikigami-GNOME auf dem Ipaq und einem hierzulande nicht erhältlichen Handheld von NEC vor. Auch wenn die Oberfläche klar als GNOME zu erkennen war, entpuppte sich die Bedienung als etwas umständlich, da sie eher für den japanischen Markt ausgelegt war.
Wie schon im Vorjahr hielt Matthias Warkus einen Vortrag über GNOME - diesmal mit dem Schwerpunkt GNOME 1.4. Im Laufe des Vortrages ging er aber auch auf die Ursprünge von GNOME ein und bot einen kleinen Ausblick auf GNOME 2.0. Interessant für alle Python-Programmierer war außerdem der Vortrag von Christian Egli, der Methoden des Rapid Application Developments mit Python und GNOME vorstellte.
Für alle, die den LinuxTag verpasst haben, finden sich unter [3], [4], [5], [6] und [7] zahlreiche Fotos, auf denen auch teilweise das GNOME-Team zu sehen ist.



