Polier den Desktop!

Neue KDE-Version 2.2

01.09.2001
Versionspflege ist angesagt beim neuen KDE-Release 2.2. Während sich hinter den Kulissen wenig ändert, gibt es für Anwender/innen eine Menge Neues und Verbessertes zu entdecken.

Schon wieder upgraden? Reichlich vier Monate nach der Freigabe von KDE 2.1.1 heißt es für alle Versionsjunkies, die Downloadmaschinerie anzuwerfen und sich mit neuen KDE-Paketen zu versorgen. Ob es sich für alle anderen lohnt, gilt es abzuwägen, vor allem auch deshalb, weil ein Paket-Update von der Vorversion zumindest mit den vorkompilierten Paketen vom KDE-FTP-Server nicht immer möglich ist. Oft ist hier Deinstallieren der alten und Installieren der neuen Version die problemloseste Variante. Zum Redaktionsschluss standen uns die 2.2-Beta-Version und die zu diesem Zeitpunkt aktuelle Version aus dem CVS zur Verfügung, um einen Blick auf die wichtigsten Neuerungen zu werfen.

Neuzu- und Abgänge

Zunächst fällt auf, dass es im neuen Release kein kdesupport-Paket mehr gibt. Der Name war ohnehin irreführend, da es Third-Party-Bibliotheken enthielt, für die das KDE-Team nicht verantwortlich zeichnet. In der Regel sollten diese Libraries in den Distributionen bereits enthalten sein, sodass die ursprüngliche Begründung für kdesupport obsolet ist.

Auch der Grafikbetrachter und -manipulator Pixie ist aufgrund Mosfets Ausscheiden aus dem KDE-Projekt nicht mehr unter dem kdegraphics-Dach zu finden.

Der Wegfall dieser Anwendung wird kompensiert durch neue Applikationen: Der KPersonalizer erscheint beim ersten Einloggen unter dem neuen KDE und sorgt dafür, dass Neubenutzer/innen Sprache und landestypische Einstellungen passend setzen, auswählen, ob sich der Desktop KDE-, CDE-, Windows- oder Mac-ähnlich verhalten soll, ein Theme aussuchen und sich zwischen minimalem Ressourcenverbrauch und maximaler Anzahl von Effekten entscheiden.

Mit Kandy (http://devel-home.kde.org/~kandy/ haben all jene, die es schaffen, ihr Handy mit dem Rechner in Kontakt treten zu lassen, die Möglichkeit, das Telefonbuch mit dem (nun benutzerfreundlicher aufgebauten) KDE-Adressbuch kab zu synchronisieren. Da jedoch weder eine grafische Konfigurationsmöglichkeit besteht, noch entsprechende Dokumentation existiert, dürfte der Benutzbarkeitsgrad für viele User derzeit gering sein.

Vom brandneuen, auf der SANE-Schnittstelle aufbauenden Scanner-Tool Kooka profitieren diejenigen, die ihren Scanner mit SANE zum Laufen bekommen. Warum das Programm im gegenwärtig undokumentierten Zustand bereits den Rang einer Core-Applikation einnimmt, erscheint allerdings nicht ganz einsichtig.

Anders sieht es bei KDict aus. Das Frontend für das Wörterbuchabfrageprotokoll DICT fand seinen Weg in die KDE-Core-Pakete erst, nachdem es seine Benutzbarkeit bereits als Einzelapplikation (vgl. K-tools in Heft 09/2000) bewiesen hatte.

Der letzte Neuzugang namens Kate vergrößert die Menge der Core-Applikationen nicht, denn dieser Editor kommt im Austausch gegen KWrite hinzu. Das auffälligste Feature des Neulings ist ein Browserfenster, das einen schnellen Zugriff auf die Arbeitsverzeichnisse sowie die bearbeiteten Dateien ermöglicht. Diese nützliche Eigenschaft wie in der Ankündigung des KDE-Teams als "grundlegendes Projektmanagement" zu bezeichnen, ist allerdings etwas hoch gegriffen.

Ähnlich dem Konqueror kann das Applikationsfenster zudem in mehrere Editor-Unterfenster aufgespalten werden, was besonders dann hilfreich ist, wenn mehrere Dokumente miteinander verglichen oder ineinander zitiert werden sollen. Störend dabei wirkt eigentlich nur, dass Zeilen, die länger als das Fenster sind, bei der Darstellung nicht umbrochen werden.

Abbildung 1: Die Neuen v. l. n. r.: kate, kdict, kpersonalizer (oben), kandy, kooka (unten)

Doch neue Applikationen sind nicht alles, was KDE 2.2 zu bieten hat. Während sich bei den Features im Vergleich zur nach Redaktionsschluss erschienenen stabilen Version keine Unterschiede ergeben sollten, verzichten wir im Folgenden bewusst darauf, anhand der Vorversionen Geschwindigkeit und Fehler zu dokumentieren, von denen zu erwarten steht, dass sie im offiziellen Release gefixt sind.

Mag KDE 2.2 auch kein Rennpferd sein, wird Ungeduldigen die Wartezeit auf per Mausklick gestartete Anwendungen mit einem animierten Icon als Teil des Cursors versüßt. Wem das zuviel des Guten ist, ruft seine Applikationen über die Kommandozeile auf, denn dann unterbleibt die Animation. Selbstverständlich lässt sie sich auch im Kontrollzentrum durch Deaktivieren des Eintrags Aktivitätsanzeige einschalten unter Index / Erscheinungsbild / Launch Feedback abschalten (die genaue deutsche Übersetzung war zum Redaktionsschluss noch nicht bekannt).

Abbildung 2: Bis der neue Editor Kate startet, blinkt ein Icon

Wer jeden Tag vor einem neuen Desktop sitzen will, wird es begrüßen, dass sich unter Erscheinungsbild / Window Decoration neuerdings die Fensterdekorationen ändern lassen. Damit kann man jetzt an vier Stellen am Aussehen der Fenster "drehen": Stil, Farben und Design-Verwaltung (alias Theme-Manager) wirken wie gehabt ebenfalls aufs Erscheinungsbild ein. Unter Erscheinungsbild / Key Bindings kehrt die schon in KDE 1.x vorhandene Möglichkeit, Tastenbelegungen für Standardaktionen individuell zu wählen, ins Kontrollzentrum zurück.

Abbildung 3: Wieder zurück: konfigurierbare Shortcuts für Standardaktionen

Wenn ein Programm mehr als einmal läuft, nimmt es jetzt nicht mehr mehrere Einträge in der Kicker-Task-Leiste ein. Stattdessen erscheint ein Auswahlmenü wie in Abbildung 4.

Abbildung 4: Platzsparende Einträge in der Task-Leiste

Auch beim Konqueror reicht die Liste der Veränderungen von liebevollen Detailverbesserungen (wie dem "Enter-Tasten-Button" neben dem URL-Feld) bis hin zu Stabilitäts- und Konformitätsverbesserungen. Mit selbst-definierbaren Stylesheets richtet sich der Web-Browser bei der Anzeige nach den Wünschen seiner User, nicht nach dem der Seitenmacher. Damit wird man nicht nur unpassende Hintergrundbilder los, sondern verbessert die Benutzbarkeit des Webs vor Allem auch für Sehschwache.

Wer JavaScript einschaltet, kann jetzt wählen, ob JavaScript-Routinen grundsätzlich, nur auf Nachfrage beim User oder gar keine neuen Fenster öffnen dürfen. Konqueror-Abstürze aufgrund von JavaScript kommen immer noch vor, allerdings seltener als bisher.

Abbildung 5: Ohne Hintergrundbilder in 32-Punkt-Schrift

Auswahl beim Druck

Ein wenig umgewöhnen müssen sich KDE-Anwendungen wie Anwender/innen beim Drucken. Das neue Printing Framework von Michael Goffioul sorgt für neue Einträge im Kontrollzentrum (Abbildung 6) und einen neuen Print-Dialog. Nach der Definition, ob CUPS oder das BSD-Drucksystem (lpr) für die Kommunikation mit den Druckern sorgen, lassen sich die installierten und/oder in einem Netzwerk automatisch gefundenen Drucker bequem per Mausklick managen und überwachen. Als zusätzliches Bonbon darf auch externe Software (z. B. Faxprogramme oder KMail) als Pseudodrucker dienen. Eine ausführliche Besprechung dieser Neuerungen ist für die nächste Ausgabe des LinuxUsers geplant.

Abbildung 6: Drucker verwalten im Kontrollzentrum

Ob bei aRts, der Analogsynthesizer-Emulation, dem Media-Player Noatun, dem Newsreader Knode, dem Mailprogramm KMail oder der C/C++-Entwicklungsumgebung KDevelop – überall ist mehr geschehen, als in diesem Artikel beschrieben werden kann. Ein wenig vollmundig sind manche Versprechungen im unter http://www.kde.org/announcements/changelog2_1to2_2.html einsehbaren Änderungsbericht allerdings schon: So unterstützt KMail in der neuen Ausgabe zwar IMAP, doch selbst auf einem 400 MHz Celeron mit 192 MB RAM war die Reaktions- und Ladezeit beim Ansprechen einer nur 255 Mails großen Mailbox im lokalen Netz unzumutbar. Stoff genug für kommende LinuxUser-Ausgaben.

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