Im Zeitalter leistungsfähiger Bussysteme und Netzwerke bietet sich der PC zunehmend als Alternative zum Fernseher an. Mit den aktuellen Kernel-Versionen ist der TV-Karten-Support endgültig den Kinderschuhen entwachsen: Die meisten Karten und Chipsätze werden unterstützt, und es gibt eine wachsende Anzahl von Programmen zur Darstellung und Verarbeitung der Fernsehbilder.
Die passende Hardware
Vor dem Fernsehvergnügen steht meist die Kaufentscheidung, die hier ausnahmsweise einmal nicht von der Verfügbarkeit von Kernel-Treibern diktiert wird, sondern nur von der Funktionalität und/oder dem Preis, denn bei der Treiberentwicklung für TV- und verwandte Hardware hat Linux gegenüber Windows eindeutig die Nase vorn. Neben den reinen TV-Karten, die sich untereinander in ihren Preisen und Leistungsmerkmalen unterscheiden, drängen inzwischen auch die ersten DVB-Karten auf den Markt. Sie sind erheblich teurer und derzeit nur für Satellitenempfang geeignet.
Für die ersten Schritte sind die TV-Karten von Hauppauge [1] und Terratec eine gute Wahl. Beide Modelle basieren auf dem Brooktree-Chipsatz, der von Linux sehr gut unterstützt ist. Das beiliegende Installationshandbuch beschränkt seine Ausführungen in der Regel auf den Einsatz unter Windows. Informationen zur Installation unter Linux finden Sie bei den Kernelquellen unter /usr/src/linux/Documentation/video4linux/bttv.
Unterstützt oder nicht?
Der vorliegende Artikel beschreibt unter anderem, welche Operationen am Standard-Kernel vorgenommen werden müssen, um die Treiber für die TV-Karten einzubinden. Einige Distributoren liefern "ihre" Linux-Kernel bereits mit den betreffenden Patches (i2c, bttv) aus. Sie sollten daher mit
hrefna:/usr/src/linux# grep I2C .config
(bei 2.2.19) oder
hrefna:/usr/src/linux# grep BT848 .config
(bei 2.4.x) in der Kernel-Konfigurationsdatei /usr/src/linux/.config prüfen, ob diese Treiber schon vorhanden sind, bevor Sie Änderungen vornehmen.
Wenn dieser grep-Befehl keine Treffer liefert, muss der Kernel-Patch noch eingespielt werden.
Wir setzen in diesem Artikel voraus, dass Ihr Rechnersystem nicht älter als zwei Jahre ist, über ausreichend Speicher (128 MB oder mehr) sowie eine Soundkarte verfügt, und noch einen freien Steckplatz am PCI-Bus zu bieten hat.
Vor dem Einbau der Karte in den Computer lohnt es sich, einen Blick auf die beiliegende Installationsanleitung zu werfen und zu prüfen, ob alle genannten Kabel vorhanden sind. Zusätzliche Kabel sind im Fachhandel erhältlich.
Kernel-Konfiguration bei Linux 2.2
Die Kernel-Version 2.2.19 bringt die notwendigen Treiber fast komplett mit. Die Treiberkollektion selbst setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:
- dem Treiber für Video4Linux,
- dem Treiber für den Chipsatz der Karte,
- dem Treiber für den Sound-Chip der Karte,
- dem Treiber für den Tuner und
- einem Treiber für i2c [3].
Für den Hausgebrauch genügt es in der Regel, auf die im Kernel enthaltenen Treiber zurückzugreifen. Die Module für i2c sind leider nicht in den 2.2.19er-Standarkernel integriert. Daher zeigen wir an dieser Stelle kurz, wie man sie in den Kernel einbaut. Voraussetzung dafür ist, dass Sie die Kernel-Quellen unter /usr/src/linux installiert haben. Die i2c-Treiber bringen ein Skript zum Erzeugen der notwendigen Patchdatei mit, das nach dem Entpacken nur noch aufgerufen werden muss:
hrefna:/tmp# tar -xzvf i2c-2.5.5.tar.gz hrefna:/tmp# cd i2c-2.5.5/ hrefna:/tmp/i2c-2.5.5# mkpatch/mkpatch.pl . /usr/src/linux > /tmp/i2c-patch
Wenn die Patchdatei erstellt ist, wird sie auf die übliche Weise in den Kernel integriert:
hrefna:/tmp/i2c-2.5.5# cd /usr/src/linux hrefna:/usr/src/linux# patch -p1 -E < /tmp/i2c-patch
Danach müssen im Kernel die folgenden Optionen aktiviert und der Kernel neu übersetzt werden:
Loadable module support —> [*] Enable loadable module support
erlaubt es, einen modularen Kernel zu bauen, der Funktionalität bei Bedarf hinzu lädt.
Character devices —>
I2C support —>
<M> I2C support (NEW)
<M> I2C bit-banging interfaces (NEW)
Video For Linux —>
<M> Video For Linux
<M> BT848 Video For Linux (NEW)Mit diesen Einstellungen bestimmen Sie, dass die TV-Karten-Treiber als Kernel-Module erzeugt werden. Da Fernsehen ohne Ton nur die halbe Miete ist, aktivieren Sie zudem die Kernel-Unterstützung für den Soundchip der Karte:
Sound —>
<M> Sound card support
<M> OSS sound modules (NEW)
Additional low level sound drivers —>
[*] Additional low level sound drivers (NEW)
<M> MSP3400 Audio for BT848 (NEW)



