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Mailfilter

Erobern Sie Ihre Mailbox zurück

01.09.2001 Fast alle Internet-Benutzer stöhnen angesichts der Flut unerwünschter E-Mail Angebote: sei es nun eine Insel in der Karibik, eine Greencard für die Vereinigten Staaten oder ein vermeintlich harmloser Kettenbrief. Ein Allheilmittel ist gegen SPAM noch nicht erfunden worden, doch zumindest verspricht mailfilter dem geplagten Anwender rasche Abhilfe.

Das Konzept, welches sich hinter Mailfilter verbirgt, ist dabei pragmatisch und intuitiv zugleich. Denn ein wirksamer Schutz gegen SPAMsollte an der Stelle ansetzen, an der es die Anwender am wenigsten stört und sie mit dem Problem noch gar nicht bewusst in Berührung gekommen sind. Deshalb löscht Mailfilter die unerwünschten Nachrichten, noch bevor der eigene Mail-Client diese überhaupt zu sehen bekommt. Dazu wird eine zeitlich kurze Verbindung zum entfernten Server hergestellt und dem Ärgernis direkt vor Ort zu Leibe gerückt. Was davon unberührt bleibt, kann hinterher durch einen beliebigen Mail-Programm abgeholt werden.

In diesem Punkt unterscheidet sich das Programm von vielen traditionellen Filter-Werkzeugen, da diese meist nur auf lokalen Daten arbeiten. Ein typisches Beispiel dafür ist Procmail [3]. Damit lässt sich eingehende E-Mail flexibel sortieren, allerdings müssen die Nachrichten vorher komplett auf den heimischen Rechner übertragen werden. Das kostet die Anwender Zeit und schliesslich Geld, besonders wenn die Anbindung zum Internet an einem langsamen Modem hängt. Und wer will für den Download von Spam noch bezahlen?

Programm-Installation

Mailfilter lässt sich direkt von der CD im Heft installieren. Sie haben dabei die Wahl zwischen einem RPM-Paket für Red Hat- und Mandrake-Systeme, oder den Quelltexten, die Sie sich selbst kompilieren müssen. Kopieren Sie dazu einfach das gezippte TAR-Archiv in ein temporäres Verzeichnis auf der Festplatte und entpacken Sie es mit dem Befehl

tar -xzf mailfilter-0.2.0.tar.gz

Im entstandenen Unterverzeichnis mailfilter-0.2.0 setzen Sie ./configure, danach make und schliesslich als Super-User root noch make install ab. Normalerweise verwendet man su, um sich beim System als Super-User anzumelden. Vergewissern Sie sich anschließend noch, dass auch alles geklappt hat, indem Sie das Kommando mailfilter -V aufrufen. Haben Sie sich dagegen für das vorkompilierte RPM-Paket entschieden, so verwenden Sie einfach ein beliebiges grafisches Frontend (GnoRPM, KPackage, usw.) oder bemühen Sie die Konsole:

rpm -i mailfilter-0.2.0-1.i386.rpm

Für nicht so erfahrene Linux-User ist diese Methode mit Sicherheit die einfachere. Setzen Sie bei sich zuhause allerdings SuSE, Debian oder Slackware ein, so bleibt Ihnen das selber kompilieren nicht erspart.

Reine Einstellungssache

Damit Mailfilter weiss, was gelöscht und was zugestellt werden soll, muss man sich eigene Filter definieren und die Benutzerdaten der zu untersuchenden Mail-Server angeben. All dies geschieht in einer separaten Textdatei, die Sie sich unter dem Namen .mailfilterrc in Ihrem Home-Verzeichnis anlegen sollten. Sie können das mit einem gängigen Text-Editor (vi, emacs, gedit, usw.) erledigen, indem Sie Einträge und Optionen in die anfangs leere Datei einfügen und später entsprechend verändern. Vergessen Sie beim Speichern aber nicht den Punkt unmittelbar vor dem Namen, denn der sorgt dafür, dass .mailfilterrc vom normalen ls-Kommando nicht mit angezeigt wird. Beginnen Sie Ihre Konfiguration mit den drei wichtigsten Einstellungen, die Mailfilter zum Starten benötigt und ersetzen Sie die Beispielwerte der folgenden Anweisungen durch Ihre persönlichen Daten.

# Pfad und Name der Log-Datei:
 LOGFILE=$HOME/logs/mailfilterlog
 # Art und Umfang der Programmausgaben:
 VERBOSE=3
 # Ihr Mail-Server:
 SERVER=my.mailserver.de
 USER=my.username
 PASS=my.password
 PROTOCOL=pop3
 PORT=110

Die Einträge PORT und PROTOCOL sollten dabei so übernommen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt unterstützt Mailfilter nur das gängige POP3Übertragungsprotokoll, allerdings wird in späteren Versionen zusätzlich IMAPimplementiert sein. Wichtig ist, dass die Reihenfolge der SERVER-, USER-, PASS-, PROTOCOL- und PORT-Anweisungen nicht verändert wird. Das Programm benötigt diese Angaben genau so als Block mit Schlüsselwörtern in Großbuchstaben. Es steht Ihnen jedoch frei, mehrere Blöcke zu definieren, um weitere Mail-Server in die Überprüfung mit einzubeziehen. Durch LOGFILE und VERBOSE teilen Sie Mailfilter mit, wohin und wie detailliert die Programmausgaben protokolliert werden sollen.

Die Filter

Das Herz der Mailfilter Konfiguration bilden sicherlich Ihre persönlichen Anti-Spam Regeln. Diese lassen sich flexibel durch beliebige Reguläre Ausdrückedefinieren. Betrachten Sie dazu einfach folgende kurze Beispiele:

REG_TYPE=extended
 REG_CASE=no
 DENY=^From:.*a_nasty@spammer\.org
 DENY=^Subject:.*Viagra
 DENY_CASE=^Subject:.*BUSINESS
DENY=^(From|Subject):.*HotSex

Das Dach oder Caret zu Anfang kodiert den Zeilenbeginn und wird fast immer benötigt, denn Mailfilter arbeitet – wie andere Programme auch – zeilenorientiert. Der geklammerte Ausdruck mit dem senkrechten Strich als Trennzeichen repräsentiert ein logisches Oder, d. h. der Filter spricht sowohl auf den Absender der Nachricht, als auch auf den Betreff an. Das etwas seltsam anmutende .*-Konstrukt ist ein Platzhalter, der eine beliebig lange Zeichenkette ersetzen soll. Genau betrachtet sind das zwei Sonderzeichen: Ein einzelner Punkt steht für irgendein Zeichen und der Stern für eine Aneinanderreihung von diesen undefinierten Lettern. Wollen Sie tatsächlich das Zeichen für den einfachen Punkt verwenden, so müssen Sie diesem den Back-Slash vorne anstellen: DM 10\.50. In unserem Beispiel würde der Filter also alle Nachrichten erfassen, die entweder von einem Account der Art HotSex@irgendeine_domain.com geschickt wurden, oder aber mindestens ein Vorkommen des Wortes HotSex im Betreff aufweisen. Nähere Informationen dazu finden Sie auch unter [2] oder durch man 7 regex.

Die ersten beiden Zeilen legen die Art der Regulären Ausdrücke fest: erweiterte Definitionsmöglichkeiten und Nichtbeachtung der Groß- und Kleinschreibung. Der erste Filter wird alle Nachrichten löschen, die von dem Account a_nasty@spammer.org gesandt wurden. Danach teilen wir Mailfilter mit, alles mit dem Betreff Viagra zu löschen, wobei es hier keine Rolle spielt, ob uns ViagrA, viagra oder VIAGRA erreicht. Im Gegensatz dazu löscht der letzte Filter nur Nachrichten, die explizit in Großbuchstaben das Wort BUSINESS enthalten. business und Business sind davon nicht betroffen.

Eigentlich kann dabei nicht viel schief gehen, denn das Programm bietet einen Test-Modus an, der das Löschen von erfassten Nachrichten nur simuliert. Fügen Sie dazu einfach die Zeile TEST=yes in Ihr .mailfilterrc ein, um sicherzustellen, dass Sie beim Experimentieren nicht versehentlich wichtige Daten verlieren. Am besten Sie deaktivieren diese Option erst dann, wenn Sie merken, dass Ihr Regelwerk genau so arbeitet, wie Sie es sich wünschen.

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LinuxUser 03/2012

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