Digitaler Linux-Videorekorder im Eigenbau, Teil 1

Achtung, Aufnahme!

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Fernsehen ohne Werbeunterbrechung oder einfach eine Szene noch einmal ansehen sind Wunschträume jedes Zuschauers. Mit dem hier vorgestellten digitalen Videorekorder wird all das Wirklichkeit. Zudem lassen sich die Filme endlich ohne Qualitätsverlust auf CD archivieren.

Digitale Videorekorder sind an sich nichts neues, auf der diesjährigen CeBIT zeigten viele Anbieter die ersten Serien-Modelle. Allen Geräten gemeinsam ist ihr vergleichsweise hoher Preis, ein Rekorder mit 20-GByte-Festplatte kostet ohne CD-Brenner gut 2000 Mark.

Deutlich billiger wird es, wenn Sie einen vorhandenen Rechner um eine digitale Satelliten-Karte (DVB-Karte) erweitern, die zum Beispiel von Fujitsu-Siemens, Technotrend, Hauppauge und Galaxis angeboten werden. Sie basieren auf dem Philips-7146-Chipsatz und kosten etwa vierhundert bis fünfhundert Mark. Für diesen Artikel verwenden wir die DVB-Sat von Fujitsu-Siemens, die mit den Signalen der Astra-Satelliten gespeist wird.

Für den Nachbau unseres Videorekorders benötigen Sie keinen Rechner-Boliden, ein alter Computer mit Intel Pentium-II oder AMD K6-2 und 32 MByte RAM reicht völlig. Das mag zunächst verwunderlich klingen, gelten Video-Anwendungen doch als Killer-Applikationen im Computer-Bereich. Die Lösung ist einfach wie teuer.

MPEG-Strom vom Satellit

Die digitalen Video-Daten kommen bereits im MPEG-Bildformat vom Satelliten, die DVB-Karte muss sie nur noch empfangen. Der Rechner braucht nur gerade schnell genug zu sein, um die etwa 35 MByte pro Minute auf Festplatte zu speichern.

Deutlich aufwändiger ist das Abspielen. Hier müssen die MPEG-Daten dekodiert und zu einem Bild zusammengesetzt werden. Selbst Gigahertz-CPUs kommen bei voller Fernseh-Auflösung von 720x576 Pixel gehörig ins Schwitzen. Deshalb ist auf den DVB-Karten ein MPEG-Decoder untergebracht, der die fertigen Bilddaten am eingebauten TV-Ausgang bereitstellt – der Prozessor muss wiederum nur die MPEG-Daten an die Karte abliefern.

Im Anbetracht der immensen Datenmengen reicht eine 20-GByte-Festplatte für knappe 9 Stunden Film. Für den Nachbau empfehlen wir daher die Anschaffung einer 40-GByte-Festplatte, auf der die Filme bist zum Brennen der CD zwischengespeichert werden. Eine Grafikkarte mit TV-Ausgang ist übrigens nicht nötig, den stellt ja die DVB-Karte bereit.

Installation

Die Einrichtung wird exemplarisch für die Standard-Installation der SuSE 7.2 Professional beschrieben, dazu sind Root-Rechte erforderlich. Der Treiber der DVB-Karte benötigt Kernel 2.4, unglücklicherweise funktioniert er nicht mit dem von SuSE angepassten Kernel. Unter /cdrom/LinuxUser/kernel/linux-2.4.7.tar.gz finden Sie die Original-Kernel-Quellen, die Sie in /usr/src auspacken:

cd /usr/src
 mv linux linux.old
 tar xzf /cdrom/LinuxUser/kernel/linux-2.4.7.tar.gz

Wenn Sie Ihren bisherigen Kernel selbst übersetzt haben, können Sie die Konfigurationsdatei .config weiter benutzen. Verwenden Sie noch den SuSE-Original-Kernel, sollten Sie entweder die Chance zur lokalen Anpassung nutzen, oder die Konfiguration des SuSE-Kernels nehmen. Allerdings ist es notwendig, das Modul des Mylex-RAID-Controllers zu deaktivieren. Folgendes Kommando erledigt das Kopieren und Filtern für den SuSE-Standard-Kernel:

grep -vi CONFIG_BLK_DEV_DAC960 /boot/vmlinuz.config > /usr/src/linux/.config

Wechseln Sie in das Verzeichnis /usr/src/linux. Haben Sie Ihren Kernel nicht von Hand konfiguriert, müssen Sie make menuconfig aufrufen. Unmittelbar nach Erscheinen des Menüs verlassen Sie es mit [Esc] wieder und speichern die Einstellungen. Vor dem Übersetzen ist allerdings noch eine Anpassung des Makefile erforderlich, damit der neue Kernel auch SuSE-typisch in /boot landet. Anschließend werden Kernel und alle Module übersetzt:

mv Makefile Makefile.old
 echo "export INSTALL_PATH=/boot" >> Makefile
 cat Makefile.old >> Makefile
 make dep modules modules_install bzlilo

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