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Demudi

Debian Multimedia Distribution

Das Demudi-Konzept

Demudi versucht, zwei Zielgruppen anzusprechen: Multimedia-Anwender und Entwickler von Multimedia-Software. Das primäre Ziel ist es, dem Anwender unter Linux eine Distribution zu liefern, die es ermöglicht, verschiedene vorinstallierte Software-Pakete zu verwenden. Dabei wird durchaus auch Software, die sich noch im Beta-Stadium befindet, den Weg in die Distribution finden. Die Demudi-Gruppe erhofft sich dadurch einen positiven Impuls für die Entwickler jeweiliger Software-Pakete.

Den Entwicklern von Multimedia-Software soll das Demudi-System eine Referenz bieten. Applikationen sollen mit anderer Software kombiniert werden können. Kompatibilität zwischen verschiedenen Multimedia-Formaten und gemeinsamer Zugriff auf Multimedia-Hardware sind zwei Punkte, für die es Lösungen zu finden gilt.

Die Software

Demudi wird mit einer Fülle von Software ausgestattet sein. Die Bandbreite reicht dabei von traditioneller Computermusik-Software bis hin zu den neuesten Entwicklungen im digitalen Videobereich. Der mitgelieferte Kernel soll soviel Multimedia-Hardware wie möglich unterstützen, deshalb wird auch hier auf den 2.4.x-Kernel gesetzt, ganz im Gegensatz zur traditionellen Debian-Distribution, welche aufgrund der höheren Stabilität und Sicherheit auf die bewährte 2.2.x-Serie setzt. Zusätzlich wird der mitgelieferte Kernel "Low Latency Scheduling" unterstützen - ein Feature, das im Audio-Bereich Verzögerungen bei Echtzeitverarbeitung minimiert.

Es werden sowohl ALSA-Sound-Treiber wie auch OSSFree-Treiber mitgeliefert; die Installation der Treiber-Software soll über automatische Hardware-Erkennung problemlos durchführbar sein. Andere im Kernel enthaltene Features sind USB, Firewire, Frame Grabber (TV Karten) und OpenGL (Direct Render Interface).

Die Software selbst ist in mehrere Untergruppen aufgeteilt:

  • Sound-Editoren
  • Multitrack
  • Software-Synthese
  • MIDI- und MOD-Tracker
  • Kompression und Internet
  • Notation
  • Visualisation
  • Sprach-Software
  • Video und Grafik
  • Development Tools
  • Andere

Snd, der Emacs der Sound-Editoren, entwickelt von Bill Schottstaedt am CRRMA in Stanford, ist einer der Sound-Editoren, die Teil von Demudi sein werden. Er besitzt ein Guile Interface, Unterstützung für LADSPA-Plugins und kann beliebig viele Audiospuren bearbeiten. Multitrack

In letzter Zeit gibt es viele Multitrackrecording-Projekte, z. B. Adour, dessen Entwickler Paul Davies auch bei Demudi mitarbeitet. Daneben gibt es Glame und Protux. Die Projekte sind in verschiedenen Entwicklungsstadien. Sie werden alle Teil von Demudi sein. Software-Synthese

In diese Sparte fallen viele Programme mit langer Tradition. Zu erwähnen sind PD und jMax, zwei Echtzeit-Software-Synthese-Systeme, RTCmix, sfront, zwei Sound-Design- und Scripting-Sprachen. CSound, das wohl bekannteste "freie" Software-Synthese-System kann aufgrund seiner restriktiven Lizenz nicht verwendet werden. Kompression und Internet

Neben dem bekannten MP3-Format wird Demudi auch das neue Ogg/Vorbis-Format unterstützen. Das geschieht bei beiden Formaten über den Icecast-Streaming-Server. Video und Grafik

In diesem Bereich sollte die Video- und Audio-Software Broadcast2000 erwähnt werden: Dieses Software-Paket verwandelt den Linux-Rechner in ein Multimedia Production Center.

Das sind nur einige der Software-Pakete, die Demudi zur Verfügung stellen wird. Die erste Beta-Version von Demudi wird am 16.09.2001 während des Demudi-Workshops auf der ICMC2001 in Habana, Cuba, vorgestellt werden. Nach diesem "Proof of Concept" Release wird die Distribution regelmäßig erweitert und verbessert werden. Die Arbeit an Demudi soll so gut wie möglich in das Debian-Projekt zurückfließen. Wir hoffen, dass Demudi ein Meilenstein sein wird, um der freien Software im Multimedia-Bereich genau so viel Stellenwert zu verschaffen, wie sie schon im Server- und Internet-Bereich besitzt.

Glossar

ICMC

Die International Computer Music Conference findet jährlich in einem anderen Land statt. Dort treffen sich Komponisten, Forscher und Fans von Computermusik. Nachdem die ICMC letztes Jahr in Berlin zu Gast war, wird sie dieses Jahr in Havanna, Cuba, stattfinden.

MOD-Tracker

… sind Editoren für das vom Amiga stammende "mod"-Audio-Format, das Audio-Samples und Anweisungen, wie sie abgespielt werden sollen, enthält.

Software-Synthese

… wird jener Prozess genannt, bei dem neue Klänge mittels Software generiert werden. Sound-Editoren

Infos

[1] http://www.linuxsound.at/ – Sound- und MIDI-Software für Linux

[2] http://ardour.sourceforge.net/ – Ardour

[3] http://www.pure-data.org/ – PD

[4] http://www.xiph.org/ – Ogg/Vorbis

Der Autor

Günter Geiger beschäftigt sich schon seit Jahren mit Linux-Sound-Software, hat mehrere Treiber für Sound-Karten geschrieben und ist seit 1997 Debian Developer. Er hat verschiedene freie Software-Pakete auf Linux portiert und ist zur Zeit als selbständiger Software-Entwickler für Sound-Installationen tätig.

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