Im modernen Büro ist der Kopierer ist längst Scanner und Drucker gewichen, Modem und Anrufbeantworter sind der ISDN-Karte zum Opfer gefallen. Mit der Sedlbauer Speed-Fax Plus PCI können Sie auch Ihr Telefax in Rente schicken.
Die Sedlbauer Speed-Fax Plus PCI zählt zur Kategorie der semiaktiven ISDN-Karten. Im Unterschied zur rein passiven Fritz-Familie von AVM enthält die Sedlbauer-Karte zusätzliche Prozessoren, die den Rechner bei Aktivitäten wie Fax oder Anrufbeantworter deutlich entlasten – Eigenschaften, die sonst nur aktive ISDN-Karten zu Preisen von weit über tausend Mark bieten.
Probleme mit Treibern gibt es bei Sedlbauer höchstens unter Windows, der Grafenauer Hersteller hat sich gänzlich dem freien Betriebssystem verschrieben und steckt das Geld in den Linux-Support statt in Windows-Treiberentwicklung. Die Speed-Fax Plus ist nicht nur für SuSE Linux zertifiziert, Sedlbauer bietet die ISDN-Karte für einen Aufpreis von 50 Mark sogar im Bundle mit der jeweils aktuellen Professional-Variante an.
Hylafax
Die Installation als ISDN-Karte verläuft unter SuSE 7.2 und Red Hat 7.1 unspektakulär. Die Konfiguration der Fax-Software Hylafax hingegen ist sehr umständlich. Zuerst müssen Sie das Paket hylafax installieren und einen symbolischen Link anlegen:
ln -sF /dev/ttyI0 /dev/modem
Das für die Hylafax-Einrichtung zuständige Programm faxsetup arbeitet nur im Textmodus und in Englisch. Wir haben Ihnen in Tabelle 1 die Liste der Fragen zusammengestellt, teilweise mit Erklärung und Standard-Werten. Damit gerüstet sollten Sie faxsetup auch ohne Englisch-Kenntnisse verwenden können.
Das Werkzeug faxaddmodem dient dazu, den Modem-Teil der Sedlbauer-Karte einrichten. Sie können es später zur Anpassung der Einstellungen benutzen, Tabelle 2 enthält die nötigen Erklärungen und Standard-Werte. Sie können faxaddmodem am Ende von faxsetup ausführen lassen oder von Hand aufrufen.
Zum Abschluss der Installation müssen Sie noch zwei Dateien anpassen. In /etc/inittab von SuSE 7.2 finden Sie die Zeile:
#mo:35:respawn:/usr/lib/fax/faxgetty /dev/modem
Die Raute am Anfang der Zeile muss entfernt werden. Nach Speichern der Datei geben Sie an der Kommandozeile kill -1 1 ein, womit init seine Konfiguration überprüft und das soeben freigeschaltete Programm faxgetty startet. Sollte die Zeile fehlen, tragen Sie sie von Hand nach.
Die zweite Änderung erfolgt in der Datei /var/spool/fax/etc/config.modem. Suchen Sie nach der Zeile, die mit #ModemResetCmds beginnt. Die Raute am Anfang muss entfernt werden, zwischen die beiden Anführungszeichen müssen Sie nun die MSN-Zuweisung des Modem-Teils eintragen. Folgendes Beispiel zeigt die geänderte Zeile für die Telefax-Nummer der Redaktion, 99341199:
ModemResetCmds: "AT&E99341199"
Bedenken Sie bei der Auswahl der Nummer, dass Anrufe automatisch entgegen genommen werden. Sie können für jeden ISDN-Anschluss bis zu zehn MSNs (Rufnummern) kostenlos beantragen, es sollte somit keine Engpässe geben. Nach Aufruf von /etc/init.d/hylafax restart ist Ihr Fax-System nun einsatzbereit.
Gnome-Fax
Mit gfax und susefax stehen zwei komfortable Frontends zur Verfügung, mit denen Sie Telefaxe versenden und empfangene ansehen können. Das zu Gnome gehörende gfax bereitete uns im Test arge Probleme. Immer wieder kam es bei Verwendung des Telefonbuchs oder Abfrage des Status von Hylafax zu Abstürzen.
Vor Verwendung von gfax muss das Programm eingerichtet werden. Momentan ist es erforderlich, in den Einstellungen unter Benutzer die Mail-Benachrichtigung zu aktivieren und eine gültige Adresse anzugeben. Zudem muss wie in Abbildung 1 zu sehen unter System Hylafax als Agent eingetragen und die eigene Telefonnummer angegeben werden. Das Feld Amtsholung dürfen Sie nicht ausfüllen – im Test erhielten wir bei so generierten Fax-Aufträgen stets die Angabe, die Gegenstelle sei besetzt. Nach Abschluss der Einrichtung sollten Sie gfax neu starten, um Folgefehler zu vermeiden.

Abbildung 1: Beim ersten Start von gfax muss zunächst der korrekte Fax-Agent angegeben werden. Die Amtsholung für Nebenstellen funktioniert in der getesteten Version 0.4.2 nicht
Abbildung 2 zeigt das Hauptfenster von gfax kurz vor Versand einer Testseite. Da die Amtsholung zur Zeit nicht funktioniert, haben wir die notwendige Null der Telefonnummer voran gestellt. An dieser Stelle dürfen keine Trenner angegeben werden, diese führen zu Problemen beim Fax-Versand. Die Felder für Organisation und Betreff funktionieren ebenfalls noch nicht.

gfax« hat noch einige Fehler, zeichnet sich aber durch die leichte Bedienbarkeit aus. Telefonbuch und Statusmeldungen bringen
SuSE-Fax
Die Version 1.0beta2 des Java-basierten susefax macht einen deutlich besseren Eindruck. Die Überwachung der ausgehenden und ankommenden Faxe ist sehr übersichtlich gestaltet (Abbildung 3).

Abbildung 3: SuSE-Fax präsentiert sich sehr aufgeräumt und gesprächig. Die im Eingang aufgelisteten Faxe lassen sich per Doppelklick ansehen oder als TIFF-Datei speichern
Beim Versenden von Faxen bietet susefax den Ausdruck eines Deckblatts an (Abbildung 4) – dieses wird allerdings nicht als erste, sondern als letzte Seite gedruckt. Wie auch bei gfax lassen sich Faxe zu einem späteren Zeitpunkt versenden (Abbildung 5).

Abbildung 4: SuSE-Fax bietet ein Deckblatt an, das allerdings erst nach der letzten Seite übertragen wird

gfax« zu einem späteren Zeitpunkt versenden” width=”300″ height=”138″ />
Abbildung 5: Auf Wunsch lassen sich Faxe wie auch beiEchter Faxersatz
Die Sedlbauer Speed-Fax Plus PCI macht für knapp 250 Mark Schluss mit aufgerollten Faxen und ständiger Papierknappheit in Folge von Werbung. Die Karte eignet sich nicht nur zum Faxen. Auch als Anrufbeantworter- und nicht zuletzt Modem-Ersatz leistet sie gute Dienste. Durch die Konzentration auf Linux ist die Treiber-Lage erfreulich gut, Probleme sind auch in Zukunft nicht zu erwarten. Wer noch keine aktuelle SuSE-Distribution hat, sollte beim Bundle zugreifen: Für nur 50 Mark mehr wird die Speed-Fax Plus PCI mit der jeweils aktuellen SuSE Linux Professional geliefert.
Das Hylafax-Frontend susefax ist sehr komfortabel und stabil, es eignet sich durchaus für den privaten und beruflichen Einsatz. gfax ist nur eingeschränkt zu empfehlen. Die Einrichtung des Fax-Systems Hylafax ist aber sehr umständlich, vielleicht schafft hier ein Distributor oder gar Sedlbauer Abhilfe.
Sedlbauer Speed-Fax Plus PCI
| Beschreibung: | Semiaktiver ISDN-Controller mit Telefax- und Modem-Unterstützung |
| Bezugsquelle: | Linux Land (http://www.linuxland.de) |
| Preis: | 249 DM (299 DM incl. SuSE Professional) |
Tabelle 1: Hylafax-Einrichtung mit <I>faxsetup<I>
| Country code [1]?(Internationale Landes-Vorwahl) | 49 |
| Area code []?(Eigene Vorwahl, ohne führende Null) | z.B. 89 |
| Long distance dialing prefix [1]?(Vorwahl für Ferngespräche. Meist Null, oder Call-by-Call-Vorwahl und dann Null) | 0 oder z.B. 010330 |
| International dialing prefix [011]?(Vorwahl für internationale Ferngespräche. Meist zwei Nullen, oder Call-by-Call-Vorwahl und dann zwei Nullen) | 00 oder z.B. 0103300 |
| Dial string rules file (relative to /var/spool/fax) [“etc/dialrules”]? | Return |
| Tracing during normal server operation [1]? | 527 |
| Default tracing during send and receive sessions [0xffffffff]? | 527 |
| Continuation cover page (relative to /var/spool/fax) []? | etc/cover.templ |
| Timeout when converting PostScript documents (secs) [180]? | Return |
| Maximum number of concurrent jobs to a destination [1] | Return |
| Define a group of modems []? | any:.* |
| Time of day restrictions for outbound jobs [“Any”]? | Return |
| Pathname of destination controls file (relative to /var/spool/fax) []? | Return |
| Timeout before purging a stale UUCP lock file (secs) [30]? | Return |
| Max number of pages to permit in an outbound job [0xffffffff]?(Maximale Seitenzahl pro Fax-Vorgang) | 30 |
| Syslog facility name for Server Tracing messages [daemon]? | Return |
| Should I restart the HylaFAX server processes [yes]? | Return |
| Do you want to run faxaddmodem to configure a modem [yes]? | Return |
Tabelle 2: Modem-Einrichtung mit <I>faxaddmodem<I>
| Serial port that modem is connected to []? | modem |
| Country code [1]? | 49 |
| Area code [415] | z.B. 89 |
| Phone number of fax modem [+1.999.555.1212]?(komplette telefonnumer des Fax-Anschlusses, wird beim Empfänger angezeigt) | z.B. +49 89 99341 199 |
| Local identification string (for TSI/CIG) [“NothingSetup”]?(Absender-Name, wird am Seitenanfang vermerkt) | z.B. “Redaktion LinuxUser” |
| Long distance dialing prefix [1]? | 0 oder z.B. 010330 |
| International dialing prefix [011]? | 00 oder z.B. 0103300 |
| Dial string rules file (relative to /var/spool/fax) [“etc/dialrules”]? | Return |
| Tracing during normal server operation [1]? | 527 |
| Tracing during send and receive sessions [11]? | 527 |
| Protection mode for received facsimile [0600]? | 0644 |
| Protection mode for session logs [0600]? | Return |
| Protection mode for modem [0600]? | 0660 |
| Rings to wait before answering [1]?(Anzahl Klingeltöne, bis abgenommen wird) | z.B. 2 |
| Modem speaker volume [off]? | Return |
| Command line arguments to getty program [“-h %l dx_%s”]? | “-r -b -s %s %l” |
| Pathname of TSI access control list file (relative to /var/spool/fax) [“”]? | Return |
| Pathname of Caller-ID access control list file (relative to /var/spool/fax) [“”]? | Return |
| Tag line font file (relative to /var/spool/fax) [etc/lutRS18.pcf]? | Return |
| Tag line format string [“From %%l|%c|Page %%p of %%t”]?(Festlegung der Kopfzeile. Siehe auch Tabelle 3) | Return oder z.B. “Absender: %%l|%c|Seite %%p von %%t” |
| Time before purging stale UUCP lock file (secs) [30]? | Return |
| Hold UUCP lockfile during inbound data calls [Yes]? | Return |
| Hold UUCP lockfile during inbound voice calls [Yes]? | Return |
| Percent good lines to accept during copy quality checking [95]? | Return |
| Max consecutive bad lines to accept during copy quality checking [5]? | Return |
| Max number of pages to accept in a received facsimile [25]?(Maximale Seitenzahl pro Fax-Empfang) | 30 |
| Syslog facility name for ServerTracing messages [daemon]? | Return |
| Set UID to 0 to manipulate CLOCAL [“”]? | Return |
| DTE-DCE flow control scheme [default]? | Return |
| Command to enter Class 1 [AT+FCLASS=1]? | Return |
| Extra bytes in a received HDLC frame [4]? | Return |
| Maximum time to wait for OK after aborting a receive (ms) [200]? | Return |
| Maximum wait for initial identification frame (ms) [40000]? | Return |
| Delay before sending post-page message (ms) [75]? | Return |
| Delay between sending TCF and ack/nak (ms) [75]? | Return |
| Delay before sending DCS and TCF (ms) [75]? | Return |
| Delay after failed training (ms) [1500] | Return |
| Do you want to run faxaddmodem to configure another modem [yes]? | no |
| Should I run faxmodem for each configured modem [yes]? | no |
Tabelle 3: Variablen im Fax-Kopf
| | (Pipe) | Blocktrenner, Tabulator |
| %c | Datum und Uhrzeit |
| %%d | Nummer des Empfängers |
| %%l | Absender-Bezeichnung (Local Identifier) |
| %%m | Email-Adresse des Absenders |
| %%n | Nummer des Absenders |
| %%p | Aktuelle Seitennummer des Gesamt-Fax-Auftrags (bei mehreren) |
| %%P | Aktuelle Seitennummer dieses Fax-Auftrags |
| %%s | Name des Versenders |
| %%t | Gesamt-Seitenzahl des gesamten Fax-Auftrags (bei mehreren) |
| %%T | Gesamt-Seitenzahl dieses Fax-Auftrags |
| %%% | Prozent-Zeichen |
Von draußen rein: Internet-Einwahl per Anruf
Nach dem großen Flatrate-Sterben haben sich die Nutzungs-Gewohnheiten vieler Anwender grundlegend geändert: Ohne Pauschaltarif bleibt der Rechner nur so lange eingewählt, wie man ihn tatsächlich nutzt. Der Nachteil ist, dass man von unterwegs keine Daten mehr abrufen kann, der Computer ist ja offline. Mit einem kleinen Trick können Sie jeden Rechner mit ISDN-Karte per Anruf online gehen lassen.
Wir gehen davon aus, dass der Internet-Zugang über die ISDN-Karte bereits konfiguriert ist. Zum Einrichten der Remote-Einwahl müssen Sie die Datei /etc/isdn/callerid.conf anpassen. Wie auch für den Fax-Anschluss geht es nicht ohne MSN (Telefonnummer), für Einwahl und Auflegen brauchen wir je eine. Das folgende Beispiel zeigt einen Computer, der bei einem Anruf der Nummer 99341138 einwählt und bei Anruf über 99341139 wieder auflegt. Autorisiert sind die Telefonnummern 0177/1234567 und 01727654321.
[MSN]
NUMBER = 99341138
ALIAS = DialIn
ZONE = 1
START = {
[FLAG]
FLAGS = IRL
PROGRAM = /bin/bash -c "test \"\${19}\" = \"Handy\" && /usr/sbin/isdnctrl dial ippp0"
}
[MSN]
NUMBER = 99341139
ALIAS = HangUp
ZONE = 1
START = {
[FLAG]
FLAGS = IRL
PROGRAM = /bin/bash -c "test \"\${19}\" = \"Handy\" && /usr/sbin/isdnctrl hangup ippp0"
}
[NUMBER]
NUMBER = +491771234567
SI = 1
ALIAS = Handy
ZONE = 1
[NUMBER]
NUMBER = +491727654321
SI = 1
ALIAS = Handy
ZONE = 1
Weitere autorisierte Telefonnummern können in der gleichen Art hinzugefügt werden. Der Anruf wird übrigens nicht beantwortet, sondern geht ins Leere, dennoch reagiert der Rechner: isdnlog überwacht die ankommenden und ausgehenden Anrufe und zeigt, so freigeschaltet, alle Rufnummern an. Dieses Verfahren funktioniert also nicht mit Telefonen, deren Rufnummer unterdrückt wird. Sollte trotz augenscheinlich korrekt eingestellter Nummer der Computer nicht reagieren, sollten Sie darauf achten, dass isdnlog gestartet ist. Sehen Sie sich dann mit tail -f /var/log/messages an, was protokolliert wird, und rufen Sie die vorgesehene Nummer vom entsprechenden Telefon aus an. isdnlog zeigt Ihnen nun, welche Rufnummer er erkannt hat, hier ein Beispiel:
Jul 4 17:05:02 linux isdnlog: Jul 04 17:05:02 * Call to tei 127 from +49771234567 on DialIn RING (Speech)
Die hinter “from” genannte Nummer tragen Sie in dieser Schreibweise unter “Number” ein, isdnlog sollte dann das Alias “Handy” an Stelle der Telefonnummer melden.
Die Nutzungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig, Sie können zum Beispiel Zeiten angeben, zu denen eine Einwahl möglich ist, oder das Datenvolumen begrenzen. Weitere Informationen finden Sie in der Dokumentation zu isdnlog.
Zusammen mit einem dynamischen Hostnamen, den Sie zum Beispiel bei http://www.dyndns.org oder http://www.isdns.net bekommen, lässt sich der heimische Rechner kostensparend jederzeit online bringen beziehungsweise stets präsent halten.





