PPPoE mit 2.2er Kernel

Alt-Kernel in Fahrt

Auch Linux-Systeme mit 2.2er Kernel gehören noch nicht zum alten Eisen. Um damit einen DSL-Anschluss mit PPPoE zu nutzen, ist etwas mehr Arbeit nötig, doch auch hier steht man nicht vor unüberwindlichen Hürden.

Auch bei Systemen, die mit einer älteren Linux-Version ausgestattet sind, hat man zwei Möglichkeiten, per PPPoE ins Netz der Netze zu gelangen: Neben der bereits ab Seite 18 beschriebenen Pseudo-Terminal-Lösung von Roaring Penguin gibt es die Möglichkeit, den 2.2er Kernel mit PPPoE-Patches flott zu machen und einen PPPoE-Daemon einzuspielen.

Kernel-Flicken

Die Kernel-Patches (gemeinsam mit dem Daemon in einem Archiv namens pppoed-0.48b1.tgz von http://www.davin.ottawa.on.ca/pppoe/ herunter zu laden) werden distributionsunabhängig bis Version 2.2.17 angeboten. Will man sie einspielen, benötigt man den Linux-Source-Code, z. B. linux-2.2.17.tar.gz von http://www.kernel.org/. Die überwiegende Mehrzahl der in den vergangenen 12 Monaten erschienenen Distributionen enthält die entsprechenden Änderungen im 2.2er Kernel bereits, als distributionseigene Modifikationen auch in den neueren Kerneln 2.2.18 und 2.2.19, für die es keinen offiziellen Source-Code-Patch gibt.

Will oder muss man den Kernel selbst anpassen, entpackt man den 2.2.17er Kernel-Quellcode im Verzeichnis /usr/src. Zuvor löscht man den Link /usr/src/linux auf bereits entpackte Quellen mit cd /usr/src; rm linux. Damit wird das Überschreiben alter Kernel-Sourcen vermieden.

tar xvfz linux-2.2.17.tar.gz
 mv linux linux-2.2.17
 ln -s linux-2.2.17 linux

Nach dem Auspacken des Quellcode-Archivs mit tar benennt man das neu erstellte Verzeichnis /usr/src/linux in /usr/src/linux-2.2.17 um und verlinkt es so, dass es auch als Standardverzeichnis /usr/src/linux angesprochen werden kann. Für den Patch muss noch ein weiterer Link 2217 auf linux-2.2.17 erstellt werden:

ln -s linux-2.2.17 2217

Das Paket pppoed-0.48b1.tgz legt man in einem beliebigen /Verzeichnis ab, in das man mit cd /Verzeichnis wechselt. Beim Entpacken des Tar-Balls mit

tar xvfz pppoed-0.48b1.tgz

entsteht ein Verzeichnis namens /Verzeichnis/pppoed-0.48b1.

Zum Einspielen des Source-Code-Flickens benötigen Sie das Programm patch, das z. B. bei SuSE im Paket patch.rpm enthalten ist. Dann schlägt die große Stunde:

cd /usr/src
 cat /Verzeichnis/pppoed-0.48b1/kernel-patches/2217-pppox | patch -0
 cd linux

Die Konfiguration des neugepatchten Kernels geht wie üblich mit make menuconfig bzw. auf der grafischen Oberfläche mit make xconfig vonstatten. Achten Sie dabei darauf, dass die in Abbildung 1 und 2 aktivierten Optionen auch bei Ihnen eingeschaltet sind.

Abbildung 1: Die passenden Networking Options bei der Kernel-Konfiguration
Abbildung 2: Auch beim Network Device Support gilt es, auf die Kernel-Konfiguration zu achten

Anschließend kompilieren und installieren Sie den neuen Kernel wie gewohnt. Wenn dies Ihr erster selbstübersetzter Linux-Kernel werden soll, informieren Sie sich bitte im Kernel-HowTo (http://www.linux.org/docs/ldp/howto/Kernel-HOWTO.html), in der Dokumentation zu Ihrer Distribution o. ä. über das genaue Prozedere.

Ein neuer Daemon

Nachdem der Kernel übersetzt wurde, muss ggf. noch ein Device für den PPPoE-Daemon pppoed angelegt werden. Listet ls /dev/pppox0 keinen passenden Eintrag im Geräte-Verzeichnis auf, erzeugt man die neue Gerätedatei mit

mknod /dev/pppox0 c 144 0

Zudem fügt man in der Datei /etc/conf.modules die Zeile

alias char-major-144    pppox

ein. Anschließend gilt es, den PPPoE-Daemon zu übersetzen und zu installieren. Wechseln Sie zunächst ins Verzeichnis mit den pppoed-Quellen, und starten Sie das Konfigurationsskript:

cd /Verzeichnis/pppoed-0.48b1/pppoed
 ./configure --prefix=/usr
 make
 make install

Der make-Befehl startet die Übersetzung der Quellen ins Binärformat; make install (als root ausgeführt) platziert die übersetzten Dateien im System.

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