Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.08.2001
GNOME und Gtk als Programmbasis von GNOME haben in den letzten Jahren immer mehr Anhänger gefunden. Inzwischen gibt es Programme für fast jede Aufgabe, und täglich kommen neue hinzu. In der Rubrik Gnomogram wollen wir jeden Monat die Perlen unter den GNOME-Tools vorstellen und über die neuesten Gerüchte und Informationen zu GNOME berichten.

Sun und GNOME

Wie schon länger angekündigt, bietet Sun nun unter [1] GNOME-1.4-Pakete für das eigene Betriebssystem Solaris an. Momentan führt Sun die Pakete noch als Preview, aber langfristig soll GNOME das angestaubte CDE ablösen. Als Mitglied das GNOME Advisory Boards beschränken sich die Aktivitäten von Sun aber nicht auf die Portierung nach Solaris: Sun ist auch maßgeblich daran beteiligt, GNOME Behinderten zugänglich zu machen, und arbeitet an Übersetzung, Dokumentation, dem Session Management und Gconf mit. Nicht zuletzt wird auch das Office-Paket Open Office (ehemals StarOffice) von Sun an GNOME angepasst. Ein weiteres Projekt, das Sun anstrebt, ist die Überprüfung der GNOME-2.0-Architektur nach Sun-eigenen Kriterien. Dazu soll der sogenannte "20-Questions"-Fragenkatalog [2] (der weit mehr als 20 Fragen enthält) auf die einzelnen Komponenten des Systems angewandt werden, um die Stabilität und Qualität zu steigern.

GNOME 2.0 Zeitplan

Unter [3] findet sich der erste Zeitplan für GNOME 2.0, der die Fertigstellung im Dezember ansetzt. Es bestehen allerdings schon jetzt Zweifel, ob der angestrebte Termin einzuhalten ist. Wenn man die Streitigkeiten unter der Entwicklern beobachtet, wird man zumindest nicht optimistischer, was GNOME 2 anbelangt – es wäre nicht das erste Mal, dass sich eine GNOME Release stark verspätet.

Ximian mit Swarmcast

Miguel de Icaza, seines Zeichens Mitbegründer von Ximian, hat unter [4] angekündigt, er wäre daran interessiert, Swarmcast [5] in den Paketmanager Red Carpet einzubauen. Swarmcast ist ein System der Firma Opencola, die vor allen Dingen durch ein freies Cola-Rezept auf sich aufmerksam gemacht haben. Mit Swarmcast sollen aber keine Getränke, sondern große Dateien ausgeliefert werden. Ähnlich wie bei dem Peer-To-Peer-System Mojonation [6] wird diese große Datei in zahlreiche kleine Stücke aufgeteilt, die dann – statt der großen Datei – heruntergeladen werden. Jeder, der so ein Stück besitzt, wird Teil eines sogenannten Meshs und kann sich die fehlenden Stücke bei den anderen Teilnehmern besorgen. Dadurch wird der Hauptverteiler wesentlich entlastet, da er nicht die ganze Datei an jeden Einzelnen verschicken muss. Sobald die Datei komplett zusammengesetzt ist, kann der Teilnehmer das Mesh natürlich verlassen.

Geglätteter Text in Gtk+ 1.2

Dass Antialiasing auch unter Gtk+ 1.2 möglich ist, konnte vor kurzer Zeit mit dem Patch auf [7] gezeigt werden. So schön die zugehörigen Screenshots aber auf sein mögen, der Patch verträgt sich nicht mit der Internationalisierung in Gtk+ 1.2. Aus diesem Grund werden alle GNOME-Benutzer ihre Augen noch bis zur Veröffentlichung von GNOME 2.0 mit harten Übergängen belasten müssen. GNOME 2.0 wird dann auf Gtk+ 2.0 basieren, das Antialiasing und eine stark verbesserte Internationalisierung mittels Pango beinhaltet.

GNOME Unterstützung

Um neuen Programmierern den Einstieg in GNOME zu erleichtern, wurde die GNOME-Love-Mailing-Liste [8] eingerichtet, in der viele verhältnismäßig einfache Aufgaben sowie Unterstützung angeboten werden. Parallel dazu wurde auch das GNOME-To-Do-System [9] wiederbelebt, das sich gerade im Hinblick auf GNOME 2.0 schnell füllen sollte.

Eine weitere Möglichkeit, sich mit der Architektur von GNOME vertraut zu machen ist die Behebung von ein paar Bugs: Neben Bugzilla [10] wurde zu diesem Zweck eine Bugsquad-Mailingliste [11] eingerichtet.

Gramps

Sobald sie mehr als ein paar Generationen umfasst, wird Genealogie sowohl in der Recherche wie in der Aufbereitung der Daten sehr umständlich. Zumindest die Aufbereitung kann aber von Programmen wie Gramps [12] wesentlich vereinfacht werden. Gramps erstellt eine gzipte XML-Datenbank, in der die einzelnen Personen sowie deren Familienverhältnisse erfasst werden. Zusätzlich lassen sich noch Informationen wie Bilder der Personen und genealogische Quellen verwalten. Innerhalb dieser Datenbank lässt sich nach bestimmten Kriterien, wie zum Beispiel den früher von der US-Regierung verwandten Soundex-Codes, suchen und ordnen. Wirklich interessant machen das Programm aber erst die zahlreichen Reports, die aus der Datenbank generiert werden können: Neben einer einfachen Ahnentafel und einem komplexen Familiengraphen kann Gramps die Genealogie auch als Web-Page aufbereiten. Dabei lässt sich das Aussehen der Web-Seiten zumindest teilweise durch Templates beeinflussen. Unter Tools findet man außerdem zahlreiche Werkzeuge, um zum Beispiel die Art der Verwandtschaft zwischen zwei Personen zu berechnen. Hier lässt sich auch die Integrität der Datenbank überprüfen, wobei Gramps keinerlei Informationen darüber gibt, wo bestimmte Fehler aufgetreten sind. Ein weiteres Manko ist, dass Gramps bei der Auswahl möglicher Kinder auch solche anbietet, die älter als die ausgewählten Eltern wären. Gerade bei großen Datenbanken verlangsamt das erheblich die Arbeit.

Da Gramps auch das verbreitete GEDCOM-Format versteht, ist es für mittelgroße Datenbanken durchaus ein gutes Programm (Abbildung 1).

Abbildung 1: Eine kleine Genealogie der Ganslandts

Lightspeed

Auch wenn es noch nicht gelungen ist, Objekte von mehr als Elementarteilchengröße auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, kann man doch die optischen Effekte simulieren die dabei auftreten würden. Lightspeed [13] ist in der Lage, 3D-Objekte aus Lightwave oder 3D-Studio zu importieren und diese virtuell auf verschiedene Geschwindigkeiten zu bringen. Dabei treten zum Teil ähnliche Effekte wie beim Schall auf, es kann zum Beispiel der Dopplereffekt beobachtet werden. Außerdem verkürzt sich das Objekt entlang seiner Bewegungsachse und wird stark verzerrt. Diese Verzerrung rührt daher, dass entferntere Punkte so wahrgenommen werden, als wären sie schon etwas näher. Diese und andere Effekte lassen sich einzeln aktivieren, und die virtuelle Kamera kann beliebig im Raum gedreht und verschoben werden. Da die Echtzeitdarstellung gerade, was den Dopplereffekt angeht, nicht ganz korrekt ist, erlaubt Lightspeed auch den Export von Szenen für den Raytracer Backlight [14], der wesentlich exakter arbeitet. Für die Darstellung der Objekte benötigt Lightwave OpenGL bzw. Mesa [15] und GTKGlarea [16], das es erlaubt, OpenGL als GTK-Widget einzubetten.

Abbildung 2: Die Enterprise noch unterhalb Warp 1

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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