Rein ins Netz

K-tools

01.08.2001
In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Wer reinkommt ist drin. Das gilt auch fürs Internet. Fragt sich nur, wie? Einen besonders komfortablen Weg wollen wir Ihnen mit QtWvDialer in dieser Ausgabe vorstellen. Hierbei handelt es sich um ein einfaches grafisches Frontend für das nützliche Tool WvDial.

Der Charme des Ursprungsprogramms WvDial liegt darin, dass es automatisch Ihr Modem findet und konfiguriert, um danach ohne weitere Umstände eine PPP-Verbindung mit dem Server Ihres Providers aufzunehmen. Sie benötigen nur Ihren User-Namen, das Password und die Telefon-Nummer. Den Rest erledigt Ihr Einwahl-Helferlein.

Mit all diesen WvDial-Mechanismen versorgt Sie auch QtWvDial und packt netterweise so manches Feature mit dazu, beispielsweise eine Übersicht über die zustande gekommenen PPP-Verbindungen oder einen Konfigurationseditor.

Her damit

Um künftig wie Boris sagen zu können: "Ich bin drin", benötigen Sie noch die eine oder andere Datei. Zum Einen natürlich die neueste Version des Programms selbst, die Sie sich auf der Homepage des Autors Matthias Toussaint unter http://private.addcom.de/t/toussaint/qtwvdialer.html herunterladen können. Zusätzlich brauchen Sie das Programm tmake der Qt-Entwicklerfirma Trolltech (zu finden unter ftp://ftp.trolltech.com/freebies/tmake/) sowie natürlich WvDial. Das sollte sich eigentlich schon auf Ihrer Platte befinden, da die meisten aktuellen Distributionen mit diesem praktischen Dialer daherkommen. Wer sich nicht sicher ist, kann es bei rpm-basierten Distributionen mit einem

stefanie@diabolo[~]> rpm -q wvdial
 wvdial-1.41-12

überprüfen. Leider nicht fündig geworden? Macht nichts, unter http://www.worldvisions.ca/wvdial/ stehen die benötigten Dateien jederzeit für Sie bereit.

Wer tmake noch nicht installiert hat, sollte dies jetzt schleunigst nachholen. Dazu müssen Sie lediglich den Tarball entpacken und danach ein paar Umgebungsvariablen setzen. Für Bash-Benutzer sieht das folgendermaßen aus:

TMAKEPATH=/pfad/zu/tmake/lib/linux-g++
 PATH=$PATH:/pfad/zu/tmake/bin
 export TMAKEPATH PATH

Entpacken Sie anschließend QtWvdial, und wechseln Sie ins dabei entstandene Verzeichnis. Nun müssen Sie nur noch ein ./configure eingeben und ein make hinterher schicken – fertig.

Ein kleiner Hinweis für Benutzer eines Nvidia-Chips: Wenn Sie den Nvidia OpenGL-Treiber installiert haben und Qt mit OpenGL-Support kompiliert wurde, kann es zu Problemen kommen. Aber auch hier hat der Autor vorgesorgt. Rufen Sie in diesem Fall ./configure mit der Option --nvidia auf.

Das war es auch schon. Im Unterverzeichnis bin sollten Sie jetzt eine ausführbare Datei qtwvdialer vorfinden, die Sie in ein beliebiges Verzeichnis in Ihrem Suchpfad (etwa /usr/local/bin) kopieren können.

Wir werden verbindlich

Nach der Installation starten Sie das Programm als root durch Eingabe eines qtwvdialer & in einer Terminal-Emulation Ihrer Wahl. Sie sehen sich danach einem Fenster wie in Abbildung 1 gegenüber, in dem Sie Ihr neuer Freund darüber informiert, dass er für Sie ein Verzeichnis angelegt hat, in dem Sie künftig die Einstellungen sowie die monatlichen Log-Files finden.

Abbildung 1: Informativ

Nach einem Klick auf OK machen Sie auf Ihrem Weg ins Netz der Netze bitte nur einen kleinen Zwischenstopp im Hauptfenster von QtWvDial (Abbildung 2). Denn langsam wird es ernst; es gilt, Ihren Zugang zum Internet zu erstellen. Klicken Sie dazu auf das kleine Schraubenzieher-Icon.

Es begrüßt Sie daraufhin ein Fenster wie in Abbildung 3, das Sie auffordert, sich der Modem-Konfiguration zuzuwenden. Keine Angst, ein Klick auf den OK-Button öffnet automatisch das dazu benötigte Fenster (Abbildung 4).

Abbildung 2: Noch steht keine Verbindung
Abbildung 3: Wir haben Sie gewarnt
Abbildung 4: Stürzen Sie sich ins Konfigurationsvergnügen!

Entscheiden Sie sich hier für einen Klick auf den Button Run wvdialconf. Das Programm macht sich dann sofort auf die Suche nach einem Modem auf Ihrem System. Das kann ein paar Sekündchen dauern, aber schließlich sollte Ihre Geduld mit einem Ergebnis wie in Abbildung 5 belohnt werden. Nun müssen Sie das Tool mit Ihren Zugangsdaten versorgen. Klicken Sie dazu auf den Tab Account und dort auf den Button Add account. Im daraufhin aufploppenden Fenster (Abbildung 6) bittet Sie QtWvDial, dem Zugang einen Namen zu geben. Tun Sie ihm den Gefallen, und klicken Sie danach auf OK.

Abbildung 5: Treffer versenkt
Abbildung 6: Mein Name ist Hase…

Nun müssen Sie nur noch in den Feldern Phone number, User name und Password die entsprechenden Angaben machen (Abbildung 7). Das war's, zumindest für diesen Account.

Wählen Sie sich über verschiedene Provider ins Netz ein, definieren Sie selbstverständlich weitere Zugänge mit anderen Daten. Wer mag, kann jetzt noch mit Hilfe des Tabs QtWvDial an den Funktionalitäten des Programms herumspielen. Voreingestellt sind Anzeigen für den Durchsatz Ihrer PPP-Verbindung oder das Mitloggen der Verbindungsdauer. Alles recht nützlich, so dass es eigentlich keinen Grund gibt, die Voreinstellungen zu ändern.

Auf eine interessante Option möchte ich Sie doch noch hinweisen. Haben Sie das Feld Start program after connect aktiviert, startet KDEs Wahlhelfer nach der Einwahl automatisch ein Programm Ihrer Wahl. Voreingestellt ist Netscape. Wer lieber mit dem Konqueror oder Opera durchs Web gleitet, kann das selbstverständlich jederzeit ändern.

Abbildung 7: Ihre Zugangsdaten wissen Sie selbst am besten

Auf ins Netz

Nach all der Konfigurierei geht es jetzt endlich los. Um sich ins Internet einzuwählen, fischen Sie sich im Pulldown-Menü im Hauptfenster den passenden Account aus und klicken danach auf den Connect-Button. Sie können dann in einem Fenster wie in Abbildung 8 seelenruhig den Anmeldeprozess bei Ihrem Provider beobachten.

Abbildung 8: Sieht doch ganz gut aus

Nach der erfolgreichen Einwahl zeigen Ihnen die Graphen im unteren Teil des Verbindungsfensters (Abbildung 9) die Durchsatzraten Ihrer laufenden Verbindung. Ganz interessant, einmal zu sehen, was da so durch die Leitungen tröpfelt. Möchten Sie die Verbindung beenden, reicht ein Klick auf den Button Disconnect, und QtWvDial kappt sofort Ihre Verbindung ins Internet.

Abbildung 9: Genügend Saft auf der Leitung?

Wer einen vorsichtigen Blick auf die Zeit riskieren will, die er tatsächlich im Netz verbracht hat, klickt nach Ende der PPP-Session erneut auf das Schraubenzieher-Icon und wählt den Tab Logfile an. Sie erhalten hier – nach Monaten geordnet und fein säuberlich nach Accounts getrennt – die tatsächlichen Verbindungen ins Netz der Netze (Abbildung 10). Und wem dieser Anblick allzu große Kopfschmerzen bereit, löscht ganz einfach im Anschluss daran alle Log-Dateien durch einen Klick auf den Button Clear logfiles.

Abbildung 10: Mitgeloggt

Glossar

Terminal-Emulation

Hauptzweck einer Terminalemulation ist es, unter einer grafischen Benutzeroberfläche als eine Art Ersatz für die virtuellen Terminals zu dienen, zwischen denen Sie unter Linux durch Betätigen der Tasten-Kombination Alt und Fx fröhlich hin- und herhüpfen können. Dieser Konsolenersatz ermöglicht es Ihnen, unter X Programme zu benutzen, die eigentlich für die Kommandozeile gedacht sind.

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