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Kirmesbude oder Mönchszelle?

K-splitter

01.08.2001 Wer sagt, dass Klatsch und Tratsch in einer Linuxzeitschrift keinen Platz haben? K-splitter plaudert Monat für Monat aus dem KDE-Nähkästchen, posaunt Neuigkeiten aus der K-Welt aus und schaut hin und wieder neugierig hinter die Kulissen.

Ganz persönlich

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten? Bei KDE gilt wohl eher: Wo es viele Optionen gibt, herrscht große Verwirrung. Je weiter das Projekt wächst, desto umfangreicher gestalten sich die Konfigurationsmöglichkeiten.

Für neue Benutzer macht es das nicht gerade einfach, und darum wird gerade fieberhaft an einem neuen Tool, dem sogenannten Kpersonalizer, gearbeitet. Dieser soll ab KDE 2.2 beim ersten Login des User starten und ihn bei seinen ersten Schritten durch den Konfigurationsdschungel "Desktop" begleiten (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Erst der Anfang

Abgefragt werden vor allem die bevorzugte Sprache und die persönlichen Wünsche hinsichtlich des Look&Feels: Soll etwa bei Schriften und Icons Anti-Aliasing benutzt werden oder lieber doch nicht? Der User kann per Mausklick entscheiden, ob sich KDE wie Windows verhalten soll, beispielsweise, indem der Desktop auf Doppel- statt Einfachklicks reagiert, oder ob KDE doch lieber auf die gute alte Unix-Art daher kommen soll.

Noch interessanter ist möglicherweise der ebenfalls integrierte Eyecandy-O-Meter (Abbildung 2). Hier kann man sich künftig – je nach Rechnerausstattung – zwischen kunterbunter Kirmesbude oder spartanischer Mönchszelle entscheiden; zumindest was grafische Effekte anbelangt. Einfach den Schieberegler in die jeweilige Richtung geschoben, den Rest erledigt KDE.

Support für die Einrichtung von Druckern und ähnlichen Spirenzchen wird es allerdings nicht geben. Grund: Die Entwickler befürchten, dass der eine oder andere Distributor wegen der Distributionsunterschiede das neue Konfigurationstool schlicht und ergreifend deaktivieren könnte.

Abbildung 2

Abbildung 2: Kirmesbude oder Mönchszelle?

Die Faxen dicke…

… hat Michael Goffioul zwar nicht, aber er macht dennoch ziemlich viel "Druck" im KDE-Projekt. Zuerst kam von ihm die Print-Library für KDE 2. Dann weitete er diese auf verschiedene Druck-Backends aus, um zu guter Letzt die KDE-2-Druckerei um Fax- und PDF-Unterstützung zu bereichern. Aber damit nicht genug, denn nun kommt von ihm das kleine Tool KdeprintFax, mit dem man aus jeder KDE-2-Applikation heraus direkt ein Fax senden kann.

Der eher traurige Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung: Das bisher existierende Programm Ksendfax ist wie so manches andere kleine, aber nützliche Programm nicht nach KDE 2 portiert worden.

Die wichtigsten Features des neuen Faxen-Machers sind EFax- und Hylafax-Unterstützung sowie ein eingebauter Filtermechanismus, der jeden Datei-Typ vor dem Senden ins PostScript-Format konvertiert. Als Filter agieren dabei die üblichen externen Programme, die innerhalb des Fax-Tools frei konfigurierbar sind und für jeden MIME-Typ definiert werden können. Netter Nebeneffekt: Dokumente, die man per Fax versenden möchte, muss man nur noch per Drag&Drop aufs Hauptfenster ziehen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die neue Wunderwaffe im Druckbereich

Goffioul hat den Source-Code des Programms bereits in den bestehenden CVS-Tree integriert. Ob und in welchem Umfang es das Programm ins nächste größere KDE-Release, also 2.2, schaffen wird, stand bei Drucklegung noch nicht fest.

Ein Thesaurus für KWord

Immer schneller dreht sich das Entwicklungskarussell auch bei KWord. Um den Benutzern den Umstieg von ihren gewohnten Schreibprogrammen wie Word oder StarOffice noch schmackhafter zu machen, lassen sich die Entwickler ständig etwas anderes einfallen. Die neueste Idee stammt von Daniel Naber, der auf der Developer-Liste einen Patch vorstellte, der dazu dient, KWord demnächst um einen Thesaurus (ein Synonym-Wörterbuch) auf Basis von Wordnet zu erweitern.

Der mit 13 MByte beträchtliche Umfang des Downloads von http://www.cogsci.princeton.edu/~wn/ sowie Bedenken hinsichtlich der freien Verbreitung von Wordnet haben übrigens dazu geführt, dass derzeit nach Alternativen gesucht wird. Im Gespräch ist unter anderem Kdict, das wir Ihnen in den K-Tools in Heft 09/2000 vorgestellt haben.

Abgezockt

Die KDE-Spiele werden erwachsen. Das scheinen auch die Macher der GGZ Gaming Zone, einer freien Alternative zu Microsofts Gaming Zone, gemerkt zu haben, denn Bestandteil ihres neuen 0.0.4er Release ist erstmals ein KDE-Frontend. Genau wie auf anderen Online-Gaming-Seiten können sich die Spieler in der Gaming Zone einloggen und danach gegen andere User oder Computer antreten. GGZ bietet unter anderem unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, Chat Rooms und Statistiken – und das alles ab sofort im gewohnten KDE-Look&Feel dank des neuen KDE-Clients.

Derzeit gibt es zwar erst vier originäre KDE-Spiele, aber schon im nächsten Release soll sich ihre Zahl zumindest verdoppeln. Um Dubletten zu vermeiden, wollen die Macher der Gaming Zone eng mit den Leuten vom KDE-Spiele-Projekt zusammen arbeiten.

Weitere Informationen und den letzten Klatsch aus der GGZ-Spielewelt finden Hobby-Zocker unter http://ggz.sourceforge.net/. Und wer nicht nur spielen, sondern auch kräftig beim weiteren Ausbau des Projekts mithelfen möchte, kann seine Vorschläge und Hilfsangebote jederzeit an ggz-dev@lists.sourceforge.net loswerden.

Abbildung 4

Abbildung 4: Tic Tac Tux

Glossar

Anti-Aliasing

Mit Aliasing bezeichnet man den "Treppeneffekt" an den Rändern von Grafiken, vor allem von Text oder Linien, der dadurch entsteht, dass man mit Pixeln nur bei waagerechten und senkrechten Linien wirklich gerade Striche darstellen kann. Die Gegenmaßnahme – das Einfügen "schattierender" Pixel in die Treppenstufen – heißt dementsprechend Anti-Aliasing.

Library

Eine Datei, die eine Sammlung nützlicher C-Funktionen für bestimmte Zwecke enthält. So gibt es beispielsweise die libm, die mathematische Funktionen bereitstellt, oder die libXt, die Funktionen zur Programmierung des X11-Fenstersystems enthält. Oft werden Libraries von mehreren Programmen gleichzeitig ("shared") benutzt.

MIME

Die Abkürzung steht für "Multipurpose Internet Mail Extensions", eine Methode, um standardisiert Dateitypen anzugeben. Beispiele für MIME-Typen sind text/plain (reine Textdatei ohne Formatierungen) oder video/mpeg (MPEG-komprimierter Video-Stream). Zum Einsatz kommt MIME in erster Linie in Mail-Programmen oder Web-Browsern. Normalerweise werden diese Informationen in einer Datei namens mime.types abgelegt.

CVS-Tree

Gerade wenn mehrere Entwickler an einem Softwareprojekt arbeiten, ist ein Verfahren nötig, das verhindert, dass jemand Änderungen seiner Mitprogrammierer aus Versehen überschreibt oder die einzige funktionsfähige Version zerstört. Viele Projekte verwenden daher ein "Concurrent Versions System". Aus einem CVS-Dateibaum kann auch ein älterer Entwicklungsstand jederzeit rekonstruiert werden, doch am häufigsten wird er natürlich verwendet, um den aktuellen Programmcode zu erhalten. Das Answer Girl in diesem Heft gibt einen Einblick in den Aufbau und die Nutzung eines CVS-Depots.

Wordnet

Die Arbeiten am Projekt "Wordnet" begannen im Jahr 1985 und werden heute noch weitergeführt. An der Entwicklung arbeiten überwiegend Psychologen und Linguisten der Universität Princeton, USA. Wordnet ist eine Art On-Line-Lexikon. Die Struktur des Lexikons orientiert sich an psycholinguistischen Theorien über das menschliche Gedächtnis, im Unterschied zu gebräuchlicheren Lexika, die anhand der alphabetischen Ordnung bzw. in Synonymklassen organisiert sind. Wordnet ist nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt und besteht derzeit aus über 95.600 verschiedenen englischen Wortformen. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Wordnet ist, dass bei einem Wort zwischen der Wortform und der Wortbedeutung unterschieden wird. Die Wortbedeutung wird dabei durch eine Menge synonymer Wortformen repräsentiert. Empfehlenswert ist dieser Thesaurus vor allem als Formulierungshilfe, wenn man einen englischen Text verfassen will.

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