Als Benutzer einer Debian-Distribution müssen Sie sich nicht durch unzählige Felder einer Eingabemaske klicken, um Ihre ISDN-Geräte für den Internetzugang einzurichten, denn das Konfigurations-Tool isdnconfig zeigt seine Vorzüge im xterm oder der Textkonsole – und ist dabei alles andere als kryptisch.
Ein kurzer Überblick
Das Programm isdnconfig ist ein Teil des Debian-Paketes isdnutils, das nach seiner Installation ein Startskript in das Verzeichnis /etc/init.d legt. Auf diesem Wege initialisiert es den PPP-Daemon ipppd und liest die Datei der Netzwerk-Geräte ein.
Das Startskript wird beim Hochfahren des Rechners aktiviert oder durch das root-Kommando /etc/init.d/isdnutils start in Gang gesetzt. Der Befehl /etc/init.d/isdnutils stop hingegen schickt die isdnutils in den Feierabend, wenn Sie größere Konfigurationen vornehmen. Sollten Sie also nach der Installation der isdnutils Ihren Rechner neu gebootet haben, klärt ein /etc/init.d/isdnutils stop die Situation, bevor Sie mit der ISDN-Konfiguration fortfahren. In Heft 08/2000 finden Sie weitere Informationen zum Thema ISDN, die wir unter dem Schwerpunkt ISDN4Linux für Sie zusammengestellt haben.
Grundlagen
Damit Sie Ihre ISDN-Karte nutzen können, müssen Sie zunächst die entsprechenden Module als Root mit dem Kommando modprobe laden, oder den ISDN-Treiber in den Kernel übersetzen, falls nicht schon beides zusammen in Ihr System installiert wurde. Da der Kernelbau jedoch ein gerütteltes Maß an Erfahrung voraussetzt, sollten Sie als Einsteiger von dieser Möglichkeit vorerst absehen.
Das Modul hisax unterstützt alle gängigen passiven ISDN-Karten, wie beispielsweise die AVM Fritz PCI-Karte, eine Teles-ISDN-Karte oder eine ELSA und sollte in Ihrer Distribution enthalten sein.
Sagen Sie hisax mit einem Root-Befehl, welche Karte Sie verwenden. Wenn Sie eine Fritz PCI-Karte einbinden wollen, dann formulieren Sie das Kommando so:
modprobe hisax type=5 io=0x340 irq=10 protocol=2
Vor der Syntax dieses Kommandos brauchen Sie nicht zu erschrecken, denn der Befehl man hisax gibt Ihnen eine umfangreiche Hilfe zur Hand.
Mit dem Kommando lsmod sagt Ihnen die Shell, ob hisax geladen wurde und auf seinen Einsatz wartet. Wenn Sie mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit zufrieden sind, öffnen Sie, noch immer als Root, in Ihrem Lieblingseditor die Datei /etc/modules. Mit einem Eintrag darin erreichen Sie, dass hisax nach jedem Systemstart für Sie zur Verfügung steht:
hisax type=5 io=0x340 irq=10 protocol=2
Nachdem Sie Ihre ISDN-Karte eingebunden haben, öffnen Sie ein xterm oder die virtuelle Textkonsole und rufen als root das Programm isdnconfig auf, damit Ihnen der Anschluss zum Internet offen steht:
comone:~ # isdnconfig
Die Netzwerk-Geräte
Das Programm isdnconfig erzeugt im Verzeichnis /etc/isdn u. a. die Konfigurationsdatei für Netzwerkgeräte. In unserem Falle also die Datei /etc/isdn/device.ippp0. Natürlich ist ebenfalls eine Datei device.ippp1 möglich, wenn Sie diese benötigen.
Damit isdnconfig nun diese Konfigurationsdatei für Sie erstellt, wählen Sie aus dem Menue Isdnutils configuration, das sich in Ihrer Konsole geöffnet hat, die 1 für network devices (Netzwerkgeräte):
Your choice :1
Jetzt beginnt isdnconfig mit der Suche nach bereits vorhandenen Konfigurationsdateien und beschließt diese mit der knappen Meldung Found : None. Nun ist es an Ihnen, isdnconfig die Bezeichnung Ihres Netzwerk-Interfaces zu verraten:
Name for the new interface : ippp0
Auf Ihre Eingabe antwortet Ihnen isdnconfig mit den Zeilen
Installed new config file /etc/isdn/device.ippp0 This is only an example. You have to edit this file for it to work.
Bevor Sie jedoch dieser Aufforderung nachkommen und die Datei /etc/isdn/device.ippp0 in Ihrem Lieblingseditor bearbeiten, drücken Sie die Return-Taste, um wieder in das Hauptmenü zu gelangen. Falls Sie kein zweites Netzwerk-Interface anlegen möchten, wählen Sie nun die 2, um für den PPP-Daemon ipppd eine Konfigurationsdatei zu erstellen. Diese Datei wird, so wie zuvor bei den Netzwerk-Geräten, ebenfalls im Verzeichnis /etc/isdn angelegt, und sie trägt nach abgeschlossener Konfiguration den Namen ipppd.ippp0.
Der Daemon
Der PPP-Daemon ipppd ist eine für den ISDN-Gebrauch modifizierte Version des pppd, den Sie vielleicht von Einwahlen mit wvdial über das Modem kennen. Wie der pppd überwacht der ipppd die Netzwerkprotokolle und übernimmt für Sie die Authentifizierung an verschiedenen PPP-Geräten.
Nachdem Sie mit dem Eintrag Your choice : 2 den Anschnitt synchronous ppp daemon gewählt haben, beginnt isdnconfig wieder mit der Suche nach existierenden Konfigurationsdateien. Und auch diesmal bittet Sie das Programm um eine Eingabe, damit es dem PPP-Daemon ein Netzwerk-Interface zuweisen kann. Lassen Sie sich durch die Abschnitte Normal setup und Special setup nicht verwirren, sondern geben Sie wie zuvor ippp0 ein, und quittieren Sie Ihre Eingabe mit der Return-Taste:
Name for new configuration (ippp0 ippp1 …) : ippp0
Daraufhin beschließt isdnconfig den Dialog mit den Zeilen:
Installed new config file /etc/isdn/ipppd.ippp0 . Installed new config file /etc/ppp/auth-up . Installed new config file /etc/ppp/auth-down . These files are only an example. You have to edit these files for them to work.
Die Dateien /etc/ppp/auth-up und /etc/ppp/auth-down können von Ihnen bei Bedarf angepasst werden und bedürfen an dieser Stelle keiner weiteren Aufmerksamkeit.
Mit [Return] wieder im Hauptmenü angelangt, drücken Sie die Taste [q], um isdnconfig zu beenden, und öffnen als root in Ihrem Editor die Datei /etc/isdn/ipppd.ippp0.
Die Konfifuration der Datei ipppd.ippp0
Wichtig ist in der Datei /etc/isdn/ipppd.ippp0 vor allem die Sektion:
# AUTHENTICATION # name
# set local name for auth # user
# set name for auth with peer
In die Zeile name tragen Sie Ihre Benutzerkennung beim Provider, wie z. B. Ihre T-Online-Nummer ein, wobei Sie als T-Online-Kunde das # in der Nummer in Anführungszeichen setzen, oder mit einem Backslash versehen müssen, da Ihr System die Folgezeile sonst für einen Kommentar hält. Das Kommentarzeichen zu Beginn der geänderten Zeile müssen Sie natürlich unbedingt entfernen, wenn Ihre Konfiguration auch greifen soll.
name 123456789112"#"0001 oder name 123456789112\#0001
In manchen Fällen ist es notwendig, dass Sie statt der name-Zeile den Eintrag user freischalten und Ihren Bedürfnissen anpassen:
user ihr.benutzername
Und zum Schluss, bevor Sie sich der Datei /etc/isdn/device.ippp0 zuwenden, löschen Sie noch den Eintrag Warning! not configured yet, den Sie am Anfang der Datei finden:
# REMOVE the next line once configuration ist complete # Warning! not configured yet # REMOVE the above line once configuration ist complete
Die Konfiguration der Datei device.ippp
Den Warnhinweis zwischen den REMOVE-Zeilen, den Sie in der Datei /etc/isdn/ipppd.ippp0 gelöscht haben, müssen Sie auch in der Datei /etc/isdn/device.ippp0 tilgen, die Sie nun mit Ihrem Texteditor geöffnet haben. Auch hier sind für den Anfang nur wenige Änderungen notwendig.
LOCALIP=10.0.0.1 REMOTEIP=10.0.0.2
Die Einträge LOCALIP und REMOTEIP betreffen die IP-Adresse Ihres lokalen Rechners und die des Einwahl-Servers Ihres Providers. Hier brauchen Sie noch keine Einstellung zu konfigurieren. Der Wert 10.0.0.1 steht stellvertretend für eine dynamische IP, und die IP-Adresse der Variablen REMOTEIP wird automatisch von dem Rechner gesetzt, bei dem Sie sich einwählen.
Im Abschnitt # Phone numbers (without the leading zero) tragen Sie hinter LOCALMSN die Telefonnnumer ein, die Sie Ihrem ISDN-Gerät zuordnen möchten. Der Eintrag REMOTEMSN steht für die Rufnummer Ihres Providers parat. Die führende Null der Telefonnummern lassen Sie weg. In der Welt der ISDN-Begriffe hat das Kürzel MSN übrigens nichts mit Microsoft zu tun, sondern es bedeutet Multiple Subscriber Number (auf Deutsch etwa Mehrzweck- oder Mehrfachnummer).
LOCALMSN=ihre.telefonnummer REMOTEMSN=die.provider-einwahl
Wenn Sie den Eintrag DIALMODE von auto auf manual ändern, dann unterbleibt eine automatische Einwahl bei Ihrem Provider, wenn beispielsweise Ihr Browser dem Link einer HTML-Datei auf Ihrer Festplatte ins Internet folgen möchte.
DIALMODE=manual
Damit ist die Konfiguration der Dateien /etc/isdn/ipppd.ippp0 und /etc/isdn/device.ippp0 abgeschlossen. Bevor Sie jedoch das System startbereit machen, müssen Sie in der Datei /etc/resolv.conf noch den NameserverIhres Providers eintragen. Die entsprechenden Daten bekommen Sie von Ihrem Dienstleister:
# Die IP-Adresse Ihres Providers nameserver 123.456.789.10 # Die Domain Ihres Providers search ihr.provider.de
Auch die Dateien /etc/ppp/chap-secrets und /etc/ppp/pap-secrets brauchen zu guter Letzt noch etwas Beachtung. Hier speichert das System Ihre Benutzerkennung und Ihr Passwort. Wenn beide Dateien nicht vorhanden sind, können Sie sie mit dem Kommando touch (dateiname) in Ihr System einfügen und editieren sie wie folgt:
Ihr.Benutzername * Ihr.Passwort
Wie bereits im Abschnitt AUTHENTICATION der Datei /etc/isdn/ipppd.ippp0 ist es auch hier für die Kunden des Anbieters T-Online notwendig, das # Ihrer T-online-Nummer mit Anführungszeichen oder Backslash zu maskieren.
Nach diesem Schritt ist die Konfiguration Ihres ISDN-Anschlusses beinhahe komplett. Der Befehl /etc/init.d/isdnutils stop, mit dem Sie zu Beginn unseres Artikels schon Bekanntschaft gemacht haben, kommt jetzt zum Einsatz. Und kurz darauf starten Sie die isdnutils erneut, damit die geänderten Konfigurationen wirksam werden:
comone:~ # /etc/init.d/isdnutils start
Und nun müssen Sie nur noch eines tun: Den Browser starten und alle Vorteile der Kanalbündelung genießen.
Glossar
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PPP
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Point to Point Protocol. Verfahren zur Übertragung von Datenpaketen.
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ISDN
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Integrated Services Digital Network. Digitales Netz zur Übertragung von Daten.
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IP-Adresse
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32-Bit Zeichen zur Identifizierung von Rechnern und Netzen.
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Nameserver
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Rechner, der einen Domain-Namen in eine IP-Adresse übersetzt.





