Ende 1999 kamen die Segnungen der ADSL-Technologie auch über Österreich. Entgegen anderslautenden Meldungen werden sie auch Linux von Anfang an zuteil.
Wer seinen Wohnsitz – und mit ihm den Telefonapparat – schon einmal in ein anderes Land verlegt hat, weiß, dass andere Länder nicht nur andere Sitten, sondern auch andere Spezifikationen bei so universellen Dingen wie dem Telefon haben. So kommt es, dass eine Technologie zur Übertragung digitaler Daten auf herkömmlichen Telefonleitungen, wie ADSL sie ist, trotz international klingender Abkürzung (“Asymmetric Digital Subscriber Line”) überall ein bisschen anders ausfällt.
Global und lokal
Der Vorteil von ADSL: auf der “letzten Meile” von der Vermittlung bis zur Telefondose muss an der Verkabelung nichts geändert werden; lokale Besonderheiten können beibehalten werden. Dadurch bleiben die Kosten für die Telefonieprovider überschaubar; die Endverbraucher benutzen das normale Telefon weiter und sogar parallel zur Datenübertragung, weil für letztere höhere, für Sprachtelefonie unbenutzte Frequenzbereiche verwendet werden.
Bei der Entwicklung von ADSL wurde auf die Charakteristik der üblichen Internetnutzung, also hauptsächlich Download, Rücksicht genommen. Von der Technik her lassen sich downstream maximal 8 MBit/s und upstream 1 MBit/s Transferraten erreichen. Höhere Geschwindigkeit bedingt allerdings kürzere Leitungslängen, man muss also geographisch näher an der Vermittlung sitzen. In Österreich sind daher hauptsächlich die Werte 512 kBit down/64 kBit up üblich.
An Hardware wird auf der Benutzerseite ein sogenannter Splitter installiert, der die Trennung der Frequenzbänder für Telefonie- und Datenübertragung vornimmt. An den Splitter schließt man einen ANT (“ADSL Network Terminator”), eine Art “ADSL-Modem” an. Die Verbindung zwischen ANT und Computer ermöglicht eine 10-MBit-Ethernet-Schnittstelle. Neuerdings gibt es auch ANTs mit USB-Anschluss.
Auf der anderen Seite der Kupferleitung, in der Vermittlungstelle (in Österreich salopp auch “Wählamt” genannt), ist natürlich auch spezielle Hardware nötig, um die Verbindung zu ermöglichen. In den Städten sind die meisten Vermittlungsstellen bereits mit ADSL-Techologie ausgerüstet, im Gegensatz zu den ländlichen Gebieten. Im Zweifelsfall gilt es, bei der Telekom nachfragen, ob ADSL technisch möglich ist.
Ende der Gemeinsamkeiten
Softwareseitig wird die Verbindung zum Internetprovider wie bei einem analogen Modem oder bei ISDN mittels PPP (“Point-to-Point Protocol”) hergestellt, in Deutschland wie auch in Österreich über einen “Tunnel”.
Hier hören allerdings die ADSL-mäßigen Gemeinsamkeiten der Nachbarländer bereits auf. Im Gegensatz zur deutschen benutzt die österreichische Telekom PPTP (“Point-to-Point Tunneling Protocol”) und nicht PPOE (“Point-to-Point Over Ethernet”). Letzteres ist das ältere Protokoll (beschrieben in RFC 2516), weniger aufwändig und daher tendenziell etwas schneller. PPTP wurde von einem Konsortium von Firmen unter der Federführung der allseits bekannten und bei Linuxern so beliebten Softwareschmiede aus Redmond/USA entwickelt (siehe auch RFC 2637).
ADSL-Evolution made in Austria
Mit der Einführung von ADSL Ende 1999 durch die Telekom Austria, die die ADSL-Hardware liefert und installiert, bot als Erster der Provider AON seinen Kunden diese Technologie an. Andere Provider folgten erst ein halbes Jahr später (siehe Kasten “Telekom, AON und der Rest”). Für ca. ATS 500,– (etwa 70 DM) erhält man 512 kBit/64 kBit und ein GByte Übertragungsvolumen pro Monat, Die Installation des Splitters und des ANT schlägt nochmals einmalig mit ATS 1800,– (etwa 250 DM) zu Buche. Der ANT ist übrigens eine Art “Leihgabe”, der nach Ende der Nutzung wieder zurückgegeben werden muss.
Ein Providerwechsel ist für eine Bearbeitungsgebühr von ca. ATS 500,– (etwa 70 DM) möglich, der ANT und der Splitter bleiben dabei erhalten, eine erneute Zahlung der Installationsgebühr ist nicht nötig. Die Ummeldung erledigt der neue Provider automatisch und meist recht problemlos.
Beim Vergleichen mit anderen Zugangstechnologien wie zum Beispiel Telekabel sollte man beachten, dass für ADSL ein Telefonanschluss nötig ist und dadurch noch eine Telefongrundgebühr anfällt, die in obigen Preisangaben nicht enthalten ist. Auch darf das eine GByte Transferlimit pro Monat nicht außer Acht gelassen werden; bei darüber hinaus gehenden Übertragungsvolumina ist mit deutlich höheren Kosten zu rechnen (bis zu ATS 2,– pro MB, je nach Provider).
Anfänglich waren Preis, Leistung und Qualität der verschiedenen Provider durchaus unterschiedlich, mittlerweile haben sich die meisten Standardangebote bezüglich Preis und Leistung auf fast identische Werte eingestellt. Für den Endbenutzer ist diese neue Einheitlichkeit leider sehr nachteilig. Eventuell bringt die Einführung von SDSL (“Symmetric Digital Subscriber Line”) ein bisschen frischen Wind in die erstarrte Lage, siehe dazu auch [7]. Eine sehr praktische ADSL-Providerübersicht finden Sie unter [4].
ADSL und der Pinguin
Auch wenn es etwa ein Jahr lang von AON bzw. der Telekom andere Auskünfte gegeben hat, war und ist ADSL unter Linux von Anfang an möglich und auch nicht wirklich schwierig einzurichten. Sollten Sie zu den Glücklichen zählen, die bei der Hotline tatsächlich Gehör finden, lassen Sie sich keinesfalls entmutigen! ADSL und Linux funktioniert, und das stabiler als mit den bekannten Betriebssystemen mit einem W am Anfang.
An Hardware benötigen Sie zumindest eine 10-MBit-Ethernetkarte. Jede 08/15-Karte funktioniert problemlos, solange man sie von Linux aus ansprechen kann. Neuerdings existiert aber auch eine Version des ANT mit USB-Schnittstelle, hier kann man sich die Netzwerkkarte grundsätzlich sparen, bezahlt diesen Vorteil allerdings damit, den Linux-Kernel patchen zu müssen. Leider wird es auch in absehbarer Zeit keinen 100-MBit-ANT geben.
Falls Sie mit mehreren Rechner über ADSL ins Internet gelangen wollen, lässt sich das bewerkstelligen, obwohl es bei den Standardangeboten der österreichischen Provider meist nicht erlaubt ist. Die sauberste Lösung dazu ist eine zweite Netzwerkkarte. An die erste Karte schließt man den ANT an, an die zweite das interne Hausnetzwerk. Besteht das interne Netz nur aus einem einzigen weiteren Rechner, kann man diese Verbindung mit einem gekreuzten Netzwerkkabel herstellen, ansonsten ist ein Hub oder noch besser ein Switch nötig.
Die softwareseitige Verbindung zwischen beiden Karten erfolgt über Masquerading. Über die möglichen Arten der Aufbaus Ihres Netzwerkes im Zusammenhang mit dem ADSL-ANT gibt das Handbuch zum ANT Auskunft. Falls Sie es nicht mitgeliefert bekommen, sollten Sie es unbedingt nachverlangen!
Die restliche Hardware (ANT, Splitter, ein Netzwerkkabel) bringt der freundliche Mann von der Telekom mit und installiert sie auch flugs. Sie benötigen nur eine Steckdose für die Stromversorgung und etwas Geduld. Falls der Techniker anschließend Zugang zu Ihrem Windows-Rechner verlangt, um die Software zu installieren, erklären Sie ihm, dass Sie die Installation selbst durchführen wollen. Dass Sie dies tun wollen, weil Sie Linux auf Ihrem Rechner haben, erwähnen Sie jedoch besser nur, wenn Sie sich der Gefahr einer Diskussion der Art “Was ist Linux?” oder, für Fortgeschrittene, “Mit Linux funktioniert ADSL ja gar nicht” aussetzen wollen.
An zusätzlicher Software benötigen Sie nun lediglich noch einen PPTP-Client, der auf diversen FTP-Servern oder auch unter [2] kostenlos zur Verfügung steht. Ins Stolpern kommt man nur, wenn man einen sehr alten ANT bekommen hat (hier ist ein spezieller PPTP-Client nötig, ebenfalls unter [2] zu finden) oder wenn PPP-Daemon und PPTP-Client von der Version her nicht zusammenarbeiten wollen.
Details zur Installation entnehmen Sie bitte [1]. Mit root-Rechten, Ihren Providerdaten, dem HOWTO und einer positiven Einstellung ausgestattet, sollte die Grundinstallation in zehn Minuten erledigt sein.
Verschiedene österreichische Provider haben in der stiefmütterlichen Behandlung von Linux bei AON und Telekom Austria eine Marktlücke erkannt und bieten teilweise sehr gute Linux-Unterstützung über Installationsanleitungen oder telefonischen Support an. Beispielhaft sei hier der Provider Inode[6] genannt. Weitere Information zum Thema ADSL bzw. ADSL in Österreich finden Sie bei [3].
Telekom, AON und der Rest
Als die Telekom Austria Ende 1999 die technische Verfügbarkeit von ADSL erklärte, konnte ein halbes Jahr lang interessanterweise nur der Provider AON einen Internetzugang mit dieser Technologie anbieten. Laut Aussagen der Telekom waren es angeblich rein technische Umstände, die den anderen Providern in Österreich, vertreten durch die ISPA (“Internet Service Providers Austria”), den Zugang zur ADSL-Technologie unmöglich machte. Unter [5] kann man sich selbst ein Bild von den Geschehnissen machen. In Österreich funktionieren die Dinge eben manchmal anders als anderswo.
Glossar
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Transferraten
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Downstream/upstream sind englische Bezeichnung für “aus dem Netz zum Enduser” bzw. den umgekehrten Weg.
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RFC
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(“Request for Comment”) Von der Internet Engineering Task Force (IETF) herausgegebene, das Internet betreffende Technologie-Vorschläge und -Standards. RFC-Vorschläge können von beliebigen Personen entworfen und eingereicht werden. Webseiten wie http://www.rfc.net/ bieten Einsicht in alle RFCs.
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patchen
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Den Source-Code einer Software “flicken”, um ihre Funktionalität zu erweitern oder Fehler zu verbessern. Patches enthalten die Unterschiede zwischen dem alten und dem verbesserten Quellcode und werden in der Regel mit dem Programm patch eingepflegt.
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Hub
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Ein Hub ermöglicht die sternförmige Verbindung mehrerer Netzteilnehmer untereinander. Alle Netzteilnehmer werden mit einer eigenen Leitung mit dem Hub verbunden; die Kommunikation untereinander verläuft immer über den Hub, wobei sich alle Teilnehmer die Gesamtbandbreite (z. B. 10 MBit/s) teilen müssen. Alle Teilnehmer müssen mit der gleichen Geschwindigkeit arbeiten.
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Switch
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Die Verkabelung ist dieselbe wie beim Hub, aber der Switch stellt nicht nur eine elektrische Verbindung zwischen den Netzteilnehmern her, sondern enthält auch einen Datenspeicher. Dadurch können Teilnehmer mit verschiedenen Bandbreiten (z. B. 10 MBit/s und 100 MBit/s) gleichzeitig angeschlossen werden, der Speicher (Puffer) gleicht die verschiedenen Geschwindigkeiten aus. Zusätzlich kann der Datentransfer zwischen zwei Netzteilnehmern jeweils mit der vollen Geschwindigkeit erfolgen.
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Masquerading
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Eine Form der Network Address Translation (NAT), bei der sich hinter einer öffentlichen IP-Adresse mehrere Rechner mit mehreren privaten IP-Adressen verbergen und eine Adressübersetzung von einer auf mehrere Adressen nötig wird.
Infos
[1] AT-Highspeed-HOWTO: http://members.aon.at/heimo.schoen/AT-HIGHSPEED-HOWTO.html
[2] PPTP-Client: http://members.aon.at/heimo.schoen/pptp.tar.gz
[3] Österreichisches ADSL-Forum: http://home.pages.at/heaven/adsl/
[4] ADSL-Providerübersicht für Österreich: http://members.blackbox.net/Martin.Kutschker/adsl.html
[5] Zum Zwist zwischen Telekom und Providern: http://www.ispa.at/aktuelles/adsl_chronik.htm
[6] Linux-Page des Providers Inode: http://www5.inode.at/support/adsl.config.linux.html
[7] SDSL – The Next Generation: http://www5.inode.at/produkte/business.xdsl.php4




