Terminal-Sitzung reproduzieren
Bei längeren Sitzungen an einer (Text-) Konsole würde ich gern frühere Eingaben nachlesen; insbesondere wenn umfangreiche Arbeiten stattgefunden haben. Wie lässt sich das machen?
Dr. Linux: Wenn Sie mit der Tastenkombination [Shift]+[Bild hoch] bzw. [Shift]+[Bild runter] zum "Blättern" nicht auskommen, können Sie ein Sitzungsprotokoll mit dem Kommando
user$ script Name_der_Protokolldatei
anfertigen lassen. Verwenden Sie den script-Befehl ohne Angabe einer Datei, wird automatisch ein Protokoll mit dem Namen typescript im aktuellen Arbeitsverzeichnis erstellt.
script läuft im Hintergrund und lässt sich mit der Tastenkombination [Strg+D] wieder beenden.
Viele Textkonsolen liefern eine Farbdarstellung, die durch sogenannte Escape-Sequenzen (siehe den gleichnamigen Kasten) gesteuert wird. Diese hält script in der Protokoll-Datei ebenfalls fest, so dass in der Reproduktion z. B. auch farbige Listings korrekt dargestellt werden.
Escape-Sequenzen
Das American National Standards Institute (ANSI) machte sich u. a. auch die Normierung der Terminalsteuerzeichen zur Aufgabe. Praktisch umgesetzt wird dies mit Escape-Sequenzen, von denen in diesem Artikel mehrfach die Rede ist, und die Sie ausführlich im Bash-Prompt-HOWTO (z. B. http://www.linux.com/howto/Bash-Prompt-HOWTO-6.html) beschrieben finden.
Einige dieser Steuerzeichen kennen Sie schon; so ist das bekannte "Beep", das Ihr System gelegentlich von sich gibt, ebenfalls eine Escape-Sequenz: Auf einer Kommandozeile abgesetzt lässt die Tastenkombination [Strg+G] Ihren Rechner piepsen (sofern Ihr Distributor oder Sie Ihr System nicht auf "sprachlos" konfiguriert haben).
Noch "multimedialer" können Sie derartige Zeichen zur Farbsteuerung einsetzen, z. B. für farbige Ausgaben im Textmodus oder zur farbigen Gestaltung des Prompts. Das HOWTO bietet einige Beispiele, die zum Probieren einladen, als vorgefertigte Skripte an. In eine Datei kopiert und ausführbar gemacht können Sie z. B. das Farbschema auf Ihrer Kommandozeile betrachten. Das folgende Skript aus dem HOWTO demonstriert die möglichen Farben (Abbildung 1):
#!/bin/bash
#
# Diese Datei gibt eine Reihe von Farbcodes
# auf dem Terminal aus.
# Jeder echo-Aufruf druckt eine Vordergrundfarbe auf
# grauem und schwarzem Hintergrund aus und schreibt
# den Code für die Vordergrundfarbe in die Zeilenmitte.
# Dieses Skript wurde mit weißen, schwarzen und grünen
# Terminalhintergründen getestet (2. Dezember 98).
#
echo "Auf Hellgrau: Auf Schwarz:"
echo -e "\033[47m\033[1;37m Weiss \033[0m\
1;37m \
\033[40m\033[1;37m Weiss \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[37m Hellgrau \033[0m\
37m \
\033[40m\033[37m Hellgrau \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;30m Grau \033[0m\
1;30m \
\033[40m\033[1;30m Grau \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[30m Schwarz \033[0m\
30m \
\033[40m\033[30m Schwarz \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[31m Rot \033[0m\
31m \
\033[40m\033[31m Rot \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;31m Hellrot \033[0m\
1;31m \
\033[40m\033[1;31m Hellrot \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[32m Grün \033[0m\
32m \
\033[40m\033[32m Grün \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;32m Hellgrün \033[0m\
1;32m \
\033[40m\033[1;32m Hellgrün \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[33m Braun \033[0m\
33m \
\033[40m\033[33m Braun \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;33m Gelb \033[0m\
1;33m \
\033[40m\033[1;33m Gelb \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[34m Blau \033[0m\
34m \
\033[40m\033[34m Blau \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;34m Hellbau \033[0m\
1;34m \
\033[40m\033[1;34m Hellblau \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[35m Purpur \033[0m\
35m \
\033[40m\033[35m Purpur \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;35m Rosa \033[0m\
1;35m \
\033[40m\033[1;35m Rosa \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[36m Cyan \033[0m\
36m \
\033[40m\033[36m Cyan \033[0m"
echo -e "\033[47m\033[1;36m Hellcyan \033[0m\
1;36m \
\033[40m\033[1;36m Hellcyan \033[0m"
\033 steht dabei für das Zeichen, das ein Druck auf die ESCape-Taste erzeugt, daher der Name Escape-Sequenzen. Die 33 im oktalen Zahlensystem entspricht dem ASCII-Code für das Escape-Zeichen (27 dezimal).
Die Shell
Ein Kommandointerpreter. Dieses Programm wird z. B. bei der Anmeldung am System gestartet (Login-Shell) und nimmt die vom Benutzer eingegebenen Kommandos entgegen (interaktive Shell). Shells haben in der Regel Programmiersprachenelemente (Variablen, Schleifen, konditionale Abfragen etc.) eingebaut, sodass man Anweisungen zu sogenannten Shell-Programmen alias Shell-Skripten zusammenstellen und ausführen lassen kann. Neben der bash, die von der überwiegenden Anzahl der Linuxuser genutzt wird, stehen unter Linux und anderen Unixbetriebssystemen z. B. folgende Shells zur Auswahl:
- Die Syntax der csh oder C-Shell ähnelt der Programmiersprache C.
- Die tcsh ist eine erweiterte C-Shell mit der Möglichkeit, die Befehlszeile zu editieren.
- Die sh oder Bourne-Shell hat keine editierbare Befehlszeile.
- Die zur Bourne-Shell weitgehend abwärtskompatible ksh oder Korn-Shell stellt eine editierbare Kommandozeile bereit.
- Die zsh (Z-Shell) ist die jüngste unter den aufgeführten Shells und ebenfalls editierbar. Obwohl sie weitgehend der ksh ähnelt, besitzt sie einige Besonderheiten und weitergehende Features.
Beginnen Sie mit dem Aufzeichnen des Protokolls in Ihrem Home-Verzeichnis, denn zum Erstellen der Protokolldatei benötigt script Ihre Schreibberechtigung für das aktuelle Verzeichnis.
Mit
user$ cat Dateiname_des_Protokolls
lässt sich das Protokoll von einer Kommandozeile aus reproduzieren; bei längeren Protokollen bietet sich eine seitenweise Anzeige mit more statt cat an, oder Sie rufen das Protokoll in einem X-Terminalprogramm auf, das einen Scrollbalken zur Verfügung stellt.
Persönliche Begrüßung
Lässt sich die Login-Meldung, beispielsweise
Red Hat Linux release 7.0 (Guinness) Kernel 2.2.16-22 on an i586
individuell gestalten?
Dr. Linux: Die Distributionen geben vor dem Login Meldungen aus, deren Inhalt in der Datei /etc/issue gespeichert ist. Der Superuser kann diese Datei editieren und damit die Ausgabe vor dem Login verändern.
Wenn Sie die Datei mit einem Editor öffen, werden Sie eventuell feststellen, dass dieser Begrüßungstext nicht nur aus Text, sondern auch aus Steuerzeichen besteht. So finden Sie bei SuSE z. B. folgenden Eintrag:
Welcome to SuSE Linux 7.1 (i386) - Kernel \r (\l).
Debian gibt sich mit
Debian GNU/\s 2.1 \n \l
etwas spartanischer, und Mandrake zeichnet mit einem Haufen Escape-Sequenzen gar einen kompletten Pinguin:
^[[40m^[[40m ^[[2J^[[0;0H ^[[0;1;30;44m ^[[40m ^[[44m ^[[40m[…] ^[[0m^[[255D Linux Mandrake release 7.0 (Air) Kernel 2.2.18 on an i686 / \l
Mit den Steuerzeichen hat es dabei folgende Bewandtnis:
\lerzeugt in der Ausgabe die Nummer der Textkonsole (tty1,tty2, …).\tgibt die Uhrzeit im Format HH:MM:SS aus.\mgibt den Prozessortyp (z. B. i586) an.\rgibt die Kernelnummer aus.\dsetzt das Datum im Format 2001-06-13 ein.\nist das Steuerzeichen, das durch den Rechnernamen ersetzt wird. Wenn Sie den Eintrag
Willkommen - dies ist Kernel \r. Es ist \t. \l ist bereit zum Login.
in Ihrer /etc/issue ablegen, sieht die Login-Meldung dann so aus:
Willkommen - dies ist Kernel 2.2.18. Es ist 20:40:22. tty2 ist bereit zum Login.
Will man wie bei der Mandrake-Willkommensmeldung zusätzlich mit Farben arbeiten, kann man auf die im Kasten Escape-Sequenzen beschriebenen Steuerzeichen zurück greifen. Allerdings schreibt man das Escape-Zeichen jetzt nicht mehr als \033, sondern als [Strg+V], gefolgt von einem Druck auf die [Esc]-Taste. Zu sehen bekommt man dann ein ^[ in der Datei.
^[[47m^[[31m Willkommen - dies ist ^[[40m Kernel \r.^[[0 Es ist \t. \l ist bereit zum Login.
sorgt dafür, dass Willkommen - dies ist als rote Schrift auf grauem Untergrund erscheint. Die Kernelangabe wird Rot auf Schwarz ausgegeben, und mit Strg+V, [0 wird wieder die originale Farbgebung eingeschaltet.
Möchten Sie auch die Login-Meldung verändern, die Benutzer angezeigt bekommen, die sich per Telnet auf Ihrem Rechner einloggen, dann editieren Sie die Datei /etc/issue.net auf gleiche Weise.



