Zu Befehl: ispell

Rechtgeschrieben

Das Programm Ispell ist ein schnelles bildschirmorientiertes Tool zur Rechtschreibprüfung Ihrer Texte. Gefundene Fehler werden angezeigt und mögliche Verbesserungen vorgeschlagen. Die Wörter des zu korrigierenden Textes werden dabei mit einem Wörterbuch Ihrer Wahl verglichen, und Sie können interaktiv entscheiden, ob Sie den entdeckten Fehler korrigieren, das Wort dem Wörterbuch hinzufügen oder die Fehlermeldung ignorieren möchten.

Wie Sie Ispell auf der Kommandozeile benutzen, neue Wörterbücher hinzufügen oder z. B. im Programm Kwrite die deutsche Rechtschreibung einstellen und was Ispell damit zu tun hat, erfahren Sie in dieser Folge von "Zu Befehl".

Der Aufruf ist einfach: ispell datei. Jedes Wort, das nicht im Wörterbuch steht, wird als Fehler interpretiert und in der obersten Zeile angezeigt. Wenn im Wörterbuch ähnlich geschriebene Wörter stehen, werden diese als Verbesserung angeboten. Dabei erkennt Ispell vertauschte Buchstaben genauso wie Wörter vom gleichen Stamm. Man kann das Wort vollständig ersetzen oder eine der vorgeschlagenen Alternativen einsetzen. In einer Statuszeile am unteren Bildschirmrand Ihres Terminals finden Sie eine Reihe von Kommandos:

[SP] <number> R)epl A)ccept I)nsert L)ookup U)ncap Q)uit e(X)it or ? for help

Tabelle 1 gibt Ihnen eine Übersicht über diese Tastaturkommandos und ihre Bedeutungen.

Tabelle 1: interaktive Ispell-Kommandos

[R] (für engl. "replace") Ersetzt das fehlerhafte Wort im ganzen Text. Sie erhalten eine Eingabeaufforderung Replace with:, an der Sie angeben können, durch was das Wort ersetzt werden soll.
[A] (für engl. "accept") Akzeptiert das Wort für den Rest der Ispell-Session. Kein dauerhafter Eintrag in Ihr persönliches Wörterbuch.
[I] (für engl. "insert") Trägt das Wort in Ihr persönliches Wörterbuch ein (in Ihrem /home-Verzeichnis in der Datei .ispell_default).
[U] (für engl. "uncapitalize") Akzeptiert das Wort und fügt es in Kleinbuchstaben in das persönliche Wörterbuch ein.
[0, 1, ... n] Ersetzt das Wort durch Korrekturvorschlag 0, 1, … n.
[L] (für engl. "look up") Schlägt ein Wort im Wörterbuch nach.
[X] Speichert die Datei und beendet Ispell.
[Q] (für engl. "quit") Beendet Ispell, verwirft nach Bestätigung mit y alle bisherigen Änderungen.
[?] Ruft die Hilfe auf.

Sind Sie der Zeile mit den Kommandos am unteren Terminalrand überdrüssig geworden, weil Sie die Kommandos im Schlaf beherrschen, lässt diese Zeile sich direkt beim Programmstart mit der Option -N unterdrücken. Lassen Sie die Rechtschreibprüfung auf HTML- oder LaTeX-Dokumente los, beschwert sich Ispell natürlich über Wörter wie "head", "html" oder "\begin{document}". In dem Fall geben Sie beim Programmstart die Parameter -t (für TeX- oder LaTeX-Dateien) oder -h (für HTML-Dateien) an. Praktisch ist auch, dass auf Wunsch direkt eine Sicherungskopie der überprüften Datei angefertigt wird. Mit ispell -b (für engl. "backup") wird eine Kopie, die auf .bak endet, angelegt.

Das Programm Ispell hat noch jede Menge mehr Parameter, die Sie sich in der Man-Page zum Programm (man ispell) ruhig einmal anschauen sollten. Für Texte mit Umlauten ist sicherlich die Option -w äöüÄÖÜß eine der wichtigsten. Dieses bewirkt, dass keine Fehlermeldungen wie z. B. "Word 'möchten' contains illegal characters" ausgegeben werden. Wenn Sie nicht alle Umlaute extra angeben möchten, hilft ein ispell -Tlatin1 weiter.

Abbildung 1: Ispell im HTML-Modus mit Umlauten

Sprich meine Sprache

Bisher konnte Ispell Ihre englischen Texte überprüfen, doch es kann mit ein paar Anpassungen auch andere Sprachen "erlernen". Werfen Sie einen Blick ins Verzeichnis /usr/lib/ispell – hier finden Sie Dateien wie american.aff und american.hash oder british.aff und british.hash. In den .aff-Dateien werden Silbenregeln und die Umlautkodierungen festgelegt. Um deutsche Texte korrekturlesen zu lassen und auf die Option -w zu verzichten, sollten Sie deutsche Lexika installieren, falls diese noch nicht vorhanden sind. Überprüfen Sie das auf rpm-basierten Distributionen mit dem Aufruf rpm -q ispell ispell-german (für SuSE gilt hier der Aufruf rpm -q ispell igerman, da die Pakete anders heißen). Sie sollten dann eine Liste installierter Packages erhalten, z. B. ispell-3.1.20-xx oder ispell-german-3.1.20-xx. Sind die deutschen Wörterbücher nicht installiert, holen Sie das als root mit dem Befehl rpm -i ispell-german*.rpm bzw. rpm -i igerman*.rpm im Falle von SuSE Linux nach; jeweils im RPM-Verzeichnis der Distributions-CD ausgeführt.

Für Debian-Nutzer gilt:

huhn@asteroid:~$ dpkg -s ispell
 Package: ispell
 Status: install ok installed
 Priority: standard
 Section: text
 …

Hier erhalten Sie auch die Information: "No dictionaries are included in this package." Schauen Sie nach, ob die deutschen Wörterbücher installiert sind: dpkg -s igerman ingerman. Das Paket igerman steht für die alte Rechtschreibung, ingerman für die neue. Benutzen Sie entweder das Installations-Tool dselect oder verwenden Sie apt-get install paketname (s. auch unser Artikel zu apt-get auf S. XY), um die deutschen Dictionaries auf Ihr System zu bringen. Ein nettes Feature, das beim Aufruf apt-get install igerman auftaucht: Sie können ein neues Default-Wörterbuch festlegen. Unter http://ficus-www.cs.ucla.edu/geoff/ispell-dictionaries.html finden Sie übrigens Wörterbücher zu allen möglichen Sprachen, falls Sie ein bisschen herumexperimentieren möchten. Allerdings auch hier noch einmal der Hinweis: Die Konfiguration dieser Zusatzdateien ist nicht ganz unproblematisch und kann im schlimmsten Fall den Einsatz von ispell komplett vereiteln.

Nachdem Sie nun sicher sind, dass Sie das deutsche Wörterbuch besitzen, gibt es zwei Möglichkeiten, Ispell zu zwingen, es auch einzusetzen. Sie können, sofern Sie per Default weiter das englische Dictionary verwenden wollen, Ispell mit der Option -d deutsch (alternativ -d german, abhängig von den Dateinamen der deutschen Wörterbücher in /usr/lib/ispell liegen) starten. Den Parameter -d können Sie weglassen, wenn Sie die Umgebungsvariable DICTIONARY auf german bzw. deutsch setzen. Für einen einmaligen Gebrauch geschieht das bei der Bash mit export DICTIONARY=german. Möchten Sie dieses für immer in der Bash verankern, fügen Sie die Zeile in die Datei .bashrc ein – lesen Sie danach diese Konfigurationsdatei mit dem Kommando source .bashrc neu ein.

Auf gute Zusammenarbeit – Ispell und andere Programme

Wussten Sie, dass auf Ispell viele andere Programme, die eine Rechtschreibprüfung anwenden, aufsetzen? Im XEmacs z. B. können Sie unter Edit/Spell zunächst ein Wörterbuch auswählen. Wenn Sie dann auf den Button Spell klicken oder unter Apps/Spell-Check Buffer aufrufen, wird Ispell aufgerufen. Tipp: Mit [Strg-h] gibt es auch hier eine Hilfe – die möglichen Kommandos erscheinen unten im Fenster.

Abbildung 2: Ispell im XEmacs

Auch im KDE-eigenen Editor KWrite können Sie ein Wörterbuch Ihrer Wahl einstellen. Gehen Sie dazu über Settings/Preferences... (s. auch Abbildung 3). Praktisch: Hier kann gleich unter Encoding: eingestellt werden, welcher Zeichensatz benutzt werden soll.

Abbildung 3: KWrite konfigurieren

Jetzt können Sie unter Tools/Spelling die Rechtschreibprüfung anwerfen. Auch hier bekommen Sie, sofern ähnliche Wörter gefunden werden, Vorschläge zur Korrektur. In einem Statusbalken sehen Sie außerdem, wieviel Prozent des Dokuments bereits nach Fehlern durchforstet wurden.

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