Von Redundanz und Schwafelei

Volkers alternatives Editorial

01.06.2001

Wer hat nicht schon mal die Hilfe in seinem System gesucht? Ich habe neulich mal wieder meine Windowskiste angeschmissen und Excel gestartet. Das erste Tabellenblatt hatte ich mit so unglaublich wertvoller Information zu füllen, dass ich sie Euch lieber verschweige, bevor ihr mir einschlaft. Im zweiten Tabellenblatt wollte ich dann einen sogenannten Verweis benutzen; genau gesagt wollte ich ich die erste Zeile nach einem Wert durchsuchen, um dann den Wert im Feld unter dem gefundenen zurückgeben zu lassen.

Kein Thema dachte ich, ich kenne den Befehl zum Pendant – nämlich der transponierten Aufgabe in einer Spalte nach einem Wert zu suchen und dann den Wert im Feld rechts davon zurückzugeben: SVERWEIS(). Der naive Volker dachte sich: "Klasse Abkürzung, SVERWEIS wie Spaltenverweis", und direkt habe ich versucht meine Aufgabe mit dem Befehl ZVERWEIS() für Zeilenverweis in Angriff zu nehmen. Excel weigerte sich standhaft diesen Befehl anzunehmen.

Jetzt lohnt es sich, ein wenig abzuschweifen und an den Entdecker des mitteilungstechnischen Begriffs "Information" zu erinnern. Es war der Mathematiker und E-Techniker Claude Elwood Shannon, der dieses Wort 1948 in der nachrichtentechnischen wissenschaftlichen Literatur definierte. Seine Entdeckung war, dass sich Nachrichtentechnik und Kryptographie beim Begriff Redundanz treffen. Zur Sicherung der Informationsübetragung bedient man sich in der Regel der Vermehrung der Redundanz – auch Schwafeln genannt. (Klar, wer hat nicht schon die gleiche E-Mail dreimal bekommen mit kleinen Zusatztexten versehen: "Mein Rechner spinnt, ich schicks Dir besser nochmal…", aber auch sind Metaphern und Vergleiche recht hilfreiche didaktische Mittel.)

Es gibt zwei wichtige Anwendungsgebiete dafür: Werbung (z. B. sorgen hübsche halbnackte Frauen neben Automobilen dafür, dass die Botschaft wirklich beim Empfänger ankommt) und Microsoft-Hilfen. Man kann sich auf bis zu 1234859764239 Ebenen in die Tiefe klicken und vollschwafeln lassen – immer begleitet vom Grinsen dieses Klammeraffen, um viele viele Dinge zu erfahren. Dummerweise liest man dabei alles drei-, vier- oder gar zigmal, nur findet man nicht das, was man eben wissen will. Shannon dagegen verstand die Verminderung von Redundanz – also den Wegfall von Schwafeln – als Mittel zur Verschlüsselung von Nachrichten, der Kryptografie, um sich so gegen das Abhören von Information bei der Übertragung zu sichern.

Wissenschaftler arbeiten so. Sie lassen alle Redundanz weg, damit ihre Werke für Laien absolut unverständlich werden. Auch hier gibt es wieder das Anwendungsgebiet Microsoft-Hilfetexte. Nur haben die hier wirklich mal wieder übertrieben. Bei der Entschlüsselung des Funktionsnamens SVERWEIS() ist mir deshalb ein Fehler unterlaufen, denn es war eben nicht "S" für "Spalte". Aber der Befehl sollte nun mal her, und so macht man sich in der Schwafelei der Hilfetexte dann doch auf die Suche nach etwas wertvollem. Schließlich findet man die Funktion WVERWEIS(), die das gewünschte tut. Nur was zum Teufel bedeutet dann das "W"? Ich habe dazu den gesamten Hilfetext meiner NT-Version durchgekämpft – nichts! Das ist mal wieder typisch.

Microsoft schwafelt und schwafelt sich in den Texten so einen in die Tasche, dass einem schwindelig wird. Will man jedoch wissen, warum es nun "W"-Verweis heisst, reduziert sich unter mathematischer Betrachtung der Informationsgehalt (=Nachricht – Redundanz) auf etwas ungenügendes. Aber das sind wir von denen ja nicht anders gewohnt. Nun ja, manchmal soll schon ein wenig Nachdenken Hilfe leisten – ganz ohne Schwafelei: Deshalb für alle, die es noch nicht wussten: "S" steht für senkrecht und "W" für waagerecht.

Für Star Office auch gut zu gebrauchen!

SVERWEIS() (senkrechter Verweis)

Senkrechte Suche und Verweis auf rechts daneben liegende Zellen. Diese Funktion überprüft, ob in der ersten Spalte einer Matrix ein bestimmter Wert steht. Die Funktion gibt dann den Wert an einer bestimmten durch Index genannten Spalte der Matrix in derselben Zeile zurück.

Syntax:

=SVERWEIS(Suchkriterium;Matrix;Index[;Sortiert])
 WVERWEIS() (waagerechter Verweis)

Waagerechte Suche und Verweis auf direkt darunter liegende Zellen. Diese Funktion überprüft, ob in der ersten Zeile einer Matrix ein bestimmter Wert steht. Die Funktion gibt dann den Wert an einer bestimmten, durch Index genannten Zeile in derselben Spalte zurück.

Syntax:

=WVERWEIS(Suchkriterium;Matrix;Index[;Sortiert])

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